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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-12-30 · 53 (30.12.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
53 (30.12.1937)
Date
1937-12-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ÜND NACHRICHTEN BLATT PER GEM EIN PEVERWAL^ TUN6 PER ISRAELITISCH EN REL1GI0NSGEMEINDEZU LEIPZIG ANGEMELDET BEIM SONDERBEAUFTRAGTEN DES REICHSMINISTERS FURVOIKWUFKIÄRÜNG UND PROPAGANDA BERÜBERWACtiU NG DER GEISTIG UND KULTUREUTÄTIGFN JUDFN IM DRITOHFN RFO^GFRIR 30. DEZEMBER 1937 / 26. TEWETH 5698 13. JAHRGANG / NUMMER 53 Amtsjubüäum des Rabbiner Dr. Leo Baeck In den letzten Dezembertagen des Jahres lu12 ist der damalige I )iisseldorfer Rabbiner Dr. I CO Baeck dem Rufe des Berliner Gcineindevorstandes gefolgt und hat sein Amt als Rabbiner dir grollten jüdischen üemeinde angetreten. Fünfundzwanzig lange und ereignisschwere Jahre sind seither vergangen. Sie haben erwiesen, wie glücklich die damalige Wahl gewesen ist. Sie hat einen Mann von seltener Prägung an die maßgebende geistliche Stelle des Judentums in Deutschland gebracht. Eine umfassende, in der Weite ihres Bereichs wie in der Tiefe der Durchdringung immer wieder staunenerregende Piklung vereinigt sich in ihm mit Schärfe des Verstands und Güte des Herzens und mit einem praktischen Blick, den geschulte Verwaltungsbeamte an ihm bewundern. So vertraut er mit allen theologischen Problemen ist, so hat er doch nie Theologie um ihrer selbst willen getrieben. Die philosophische und die historische Betrachtungsweise sind bei ihm eins geworden. Sie hat ihn aber nie dem tätigen Leben entfremdet. Der Mann, der das klassische Buch über „Das Wesen des Judentums" geschrieben hat, verkörpert in sich selbst das Beste dieses Wesens: die Verbindung von Lehre und Leben. Der Inhaber eines zentralen Lehramts an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ist fast während des ganzen Krieges Leidrabbiner an vorderster Stelle gewesen. Der Vorsitzende des Allgemeinen Rabbinerverbandes wurde alsbald nach der Gründung der Jewish Agcncy Mitglied der leitenden Gremien dieser Körperschaft und Präsident des Palästina-Aufbauwerkes in Deutschland. Unter seiner Leitung erstarkte die Zentralwohlfahrtsstelle, und als es nach den Umbruch im Jahre 1Q3J galt, alle Kräfte für Hilfe und Aufbau im jüdischen Leben in Deutschland zusammenzufassen, war die Gründung des Zentralausschusses, der diesen Namen trägt, mit sein Werk. So war kein anderer zur Führung der großen zentralen Organisation der Judenheit in Deutschland, der Reichsvcrtretuiig, berufen als Leo Baeck. Ob die Öffentlichkeit zu ermessen vermag, was er an ihrer Spitze geieistet hat und in täglicher unermüdlicher Arbeit leistet, die keine Schonung der eigenen Person kennt? Aber wer mit ihm zusammenwirken durfte, der weiß von seiner Demut gegenüber dem göttlichen Walten, von seinem Willen, ein schweres Schicksal zu meistern, und hat gewiß etwas von dem Zauber seiner Persönlichkeit verspürt. Der Rabbiner von Oppeln, von Düsseldorf, von Berlin ist zum Seelsorger, zum Lehrer, zum Führer der ganzen deutschen Judenheit geworden. Möge er es noch lange, lange bleiben! Simon Dubnow als Persönlichkeit Zur Veröffentlichung seiner Selbstbiographie durch die Jüdische Buchvereinigung. Es gab eine Zeit -- sie liegt noch nicht weit hinter uns —, in der als wesentliche Forderung an eine wissenschaftliche Arbeit die der letzten Objektivität gestellt wurde. Wir wissen heute, daß es eine solche nie gab und gibt. Am allerwenigsten beim Geschichtsforscher. Ist es auch seine Aufgabe, sich um die Feststellung des Rein-Tatsächlichen zu bemühen, so ist es heute zur Gewißheit geworden, daß der verantwortungsvollste Ernst und das heiligste Bestreben nach vorurteilsloser Betrachtung der Dinge begrenzt ist, aus dem Wesen des menschlichen (ieistes heraus begrenzt ist in seiner Persönlichkeit, die ihn die Dinge nur in einer ganz bestimmten Art sehen läßt. Das gilt besonders für den Geschichtsschreiber, dem es darum geht, das Geschehen in seinem Zusammenhange zu sehen und darzustellen. Und je stärker ausgeprägt die Persönlichkeit ist, desto eigener die Note, die sein Werk aufweist. Als wir Dubnows Weltgeschichte des jüdischen Volkes lasen, drängte sich uns die Gewißheit auf, daß hinter dieser grandiosen Leistung ein bedeutender Mann steht. Seine Selbstbiographie bestätigt dies und gibt uns in vielem erst den Schlüssel zu seinem Werke. Diese Selbstdarstellung des temperamentvollen Stilisten läßt wie ein fesselnder Roman den persönlichen Werdegang vor uns abrollen; seine Kindheit in einem Elternhause, in dem der in Berufsgeschäften viel umherreisende Vater kaum bestimmende Geltung besaß; seine Jugend, die sich gegen den erziehenden Einfluß durch einen alternden Großvater auflehnt, und immer bewußter das traditionelle Leben der Juden aufgibt, um zu einem Kosniupolitisnius zu gelangen; und seinen ungemein wechselvollen Lebensgang, in dem er mehr und mehr als Schrtftstellei Au« erkennUIMI und Geltung gewinnt. Wohl allen bedeutenden jüdischen Männern, die geistig oder politisch in diesen letzten Jahrzehnten führend geworden sind, — um nur einige zu nennen: Achad Haam, Schenurjahu Levin, Leo Bramson, Julius Brutzkus, Bialik, Meudale u. v. a. — ist er nahegetreten, mit vielen verband ihn enge Freundschaft. Weit größer aber ist die Bedeutung dieses Lebensbuches in den Aufschlüssen, die es iiber seine jüdische Entwicklung gibt. Der Publizist, dem das Judentum zu entgleiten drohte, fand zu seinem Volke zurück, wurde ein mutiger Vorkämpfer für seine Nation und stellte sich die Lebensaufgabe, ihre Geschichte unter dem nationalen Aspekt zu betrachten und zu schreiben. Erschütternd sind die Abschnitte, in denen er die maßlosen seelischen Erschwerungen schildert, unter denen diese Arbeit durchgeführt wurde. Wir werden seine „Weltgeschichte" besser verstehen, nachdem er sein „Buch des Lebens" vor uns aufgeschlagen hat. Unsere Gemeinde Die hebräische Sprachschule, die, wie bekannt, sich in der Regie des Sozialamtes befindet und von einem aus allen Kreisen der Gemeinde zusammengesetzten Kuratorium geleitet wird, trat am 18. Dezember zum ersten Male mit einer besonderen Veranstaltung an die jüdische Öffentlichkeit Leipzigs. Der Abend war außerordentlich gut besucht. Der aus Palästina Stammende Lehrer, Herr Schleider- Kalai, legte in hebräischer Sprache die Notwendigkeit dar, daß jedes jüdische Kind das lebendige Hebräisch unserer Tage erlernt, und wies in sehr eindrucksvollen Beispielen auf die schwerwiegenden Folgen hin, die sich aus der Vernachlässigung dieser wichtigen Aufgabe nicht nur für den einzelnen Juden, sondern auch für die jüdische Gesamtheit ergeben. Nach ihm sprach der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Dr. Ktiritzkes, der sich hauptsächlich an die Eltern wandte und sie auf die große Verantwortung hinwies, die sie ihren Kindern gegenüber haben. Im übrigen brachte der Abend eine große Anzahl ausgezeichneter Darbietungen der Schüler der Sprachschule, wie Vorträge, Chöre und Rezitationen, die durchweg in hebräischer Sprache vorgetragen wurden und ein gutes Zeugnis ablegten von den Leistungen und Erfolgen der /u Beginn dieses Jahres gegründeten hebräischen Sprachschule und von dem Können der Schüler. Zuschneidekursus des Jüd. Frauenbundes. Es wird beabsichtigt, im Januar einen etwa 20 stündigen Zuschneidekursus unter Leitung eines Fachmannes einzurichten, der nach übereinstimmendem Urteil vieler Zweigstellen des Frauenbundes beste Lehrerfolge erzielt. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Preis pro Person 15 Mk. Da der Kurs nur bei genügender Beteiligung abgehalten werden kann, werden Meldungen schnellstens an Frau Recha Carlebach, Lortzing straße 15, erbeten. Besonders Auswandernde seien auf diese Gelegenheit, praktische Kenntnisse zu erwerben, hingewiesen. Bevorstehende Veranstaltungen Jan.: Bar Kochba: Fuß- und Handhallspiele. 11. Jan.: Jüd. Lchrhaus: Vortrag Dr. Robert Weltsch-Berlin. 12. Jan.: K. A. L.: Sonderabentl mit Kabarettspielen. 17. Jan.: WIZO: Chamischa assar b'schwath-l eiei. 18. Jan.: Jüd. Kulturbund: Lieder- und Arienabend: Hans Assenheim. 22. Jan.: SondeiVeranstaltung des Jüd. Kulturbundes zugunsten der Jüdischen Winterhilfe. 26. Jan.: K. A. E.: Sonderabend mit Kabarettspielen. 30. Jan.: Bar Kochba: Fuß- und Handballspiele. Iii. Jan.: Jüdischer Kulturbund: Gastspiel der Kleinkunstbühne des Berliner Kulturbundes (Max Ehrlich mit seinem Ensembie). Voranzeige: 9. Januar: EintopfNammlung!

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