Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 51 (17.12.1937)
- Date
- 1937-12-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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•IIIMM» UNDNACHR1CHTENELATT DERGEMEINDEVERVVAL^ I Tl IY7I/* abgemeldet beim Sonderbeauftragten des reichsministers UHU IWV/I1NV1M L.lDLMi 1 \flh VLlYIi-l UL/LJf LM UXL_ I II |J#||«| RIPvWJIM 'fDHWßlllM DDHO^AUM OCTO IIDrnu/.A.HjMtio nrn Tim« Kri» ri iTir/MiPil r\riiAinurAPi «riür.r fti - — =. =r5 ..........uuuvjitw \t\w\Mw^^TwrMiWiüüiVuwLNiinwiUl'IU I/LIS TUNG DER ISRAEUTSSun tr* REü6iOHS6EMdN&EZQ LLH&.IV geistig und kuuu rell tätigen jijdfh m deukües rekssgebiei 1 7. DEZEMBER 193? /13. 7EBETH 5698 Rabbiner Gustav Cohn: Unser jüdisches Lehrhaus. In seiner Selbstbiographie spricht Simon Dubnow wiederholt von der ungeheuren Bedeutung, die für ihn während der unter der Sowjetherrschaft verlebten schweren Jahre die geistige Arbeit halte. Er nennt sie eine „seelische Kur", die ihn „vor dem geistigen Tode bewahrt" hat. Mit dieser Schätzung des Geistigen ist auf eine Kraft jüdischer Leberssgcstaltung hingewiesen, die geradezu ein Merkzeichen jüdischen Schicksals geworden ist. Mau hat bisweilen diese Selbstheilung als eine Hucht aus der Wirklichkeit in eine gedankliche Welt verspotten wollen. Zu Unrecht. Denn aus solcher Bewahrung der geistigen Spannkraft gewann der Jude das Verständnis für die Wirklichkeit seiner Gegenwart, das ihn zum notwendigen Tun antrieb. Wenn der Gedanke des Lehrhauses, der im bewußt gclebten Judentum ja niemals geschwunden war, in den letzten Jahren verkarsteten Boden wieder aufgelockert hat, so aus der vielleicht mehr .erfühlten als bewußt gewordenen Erkenntnis heraus, daß der Jude nie mehr als jetzt seine geistige Frische bewahren muß. Er ist in Gefahr, durch die Sorgen des täglichen Kampfes stumpf zu werden und die Entschlußkraft einzubüßen. Es ist nur zu begreiflich, daß geistige Aufgeschlossenheit noch am ehesten für Ltrngebiete vorhanden ist, die als Grundlagen für ein Dasein in Palästina oder anderen Ländern wesentlich sind. Es ist ja immer wieder jedem Auswanderer zum Bewußtsein gebracht worden, daß man in Palästina nicht ohne gründliche Kenntnis des Hebräischen, womöglich auch des Arabischen, in Überseeländern nicht ohne englische oder spanische bzw. portugiesische Sprachkenntnisse vorwärtskommen kann. Dem hat das Lehrhaus Rechnung getragen, und es darf mit Befriedigung feststellen, daß die Sprachkurse dankbar aufgenommen wurden und rege Teilnahme gefunden haben In diesen Sprachkursen aber darf sich nicht die ganze geistige Regsamkeit der jüdischen Erwachsenen erschöpfen. Es ist Irrtum, zu glauben, daß sie allein als Notwendigkeiten für das reale Leben anzusehen seien. Die Beschäftigung mit geistigen Dingen ist nicht minder Gebot der Stunde, auch wenn ihre Auswirkungen sich nicht FÜR DIE JÜDISCHE WINTERHILFE! Spendet reichlicher Wir brauchen mehr! 13. JAHRGANG / NUMMER 51 materiell wägen oder messen lassen. Darum hat die Leitung des Jüdischen Lehrhauses mit ganzem Ernst und Verantwortungsbewußtsein die Möglichkeiten zu geistiger Belebung und Anregung geprüft; sie. hat sich dabei von dem Bestreben leiten lassen, möglichst sowohl bei der Themenstellung weitestgehend gegenwärtige Interessen in den Mittelpunkt zu rücken, als auch durch Abwechslung unter den Dozenten eine größere Beweglichkeit in der Behandlung der Fragenkreise herbeizuführen. Im Vordergrunde aller jüdischen Erörterungen dieser Monate steht der Peel-Bericht. Er ist mehr als eine bloße Behandlung der Frag« der künftigen Gestaltung der jüdischen Heimstätte in Palästina Fr befaßt sich mit den Verhältnissen in Palästina auf grund geschichtlicher Entwicklung, Beschaffenheit des Landes und seiner Bevölkerung, um dann die Aufgaben eines jüdischen Palästina nicht nur in bürgerlicher, sondern auch in kultureller Beziehung zu beleuchten. Die erste Vortragsreihe geht diesen Fragen vertiefend von unserem jüdischen Standpunkte aus nach. Soll mit dieser ersten Vortragsgruppe vorwiegend das Verständnis für die jüdische Situation unterbaut werden, so führt die zweite Vortragsreihe in das allgemeinere Gebiet von Naturwissenschaft und Technik. Immer hat eine enge Beziehung zwischen dem Judentum und der Naturbetrachtung bestanden, und es erklärt sich daraus die Neigung des Juden, sich jederzeit mit den neueren Errungenschaften exakter naturwissenschaftlicher Forschung vertrautzumaenen. Ganz besonders im letzten halben Jahrhundert sind auf den Gebieten von Physik und Technik, von Chemie und physikalischer Chemie, von Biologie und Medizin grundlegende, zum Teil umstürzende Ergebnisse erzielt worden. Besondeie Sachkenner wollen darüber berichten, um auch den heutigen Juden mit den Begriffen und den Einrichtungen, die eine so weitgreifende Geltung gewonnen haben, bekanntzumachen. Mehr in die Sphäre des Jüdischen weist wiederum die dritte Vortragsreihe. Über den Alltag erhebt die Kunst. Für sie ist im Jüdischen Kulturbund ein Rahmen geschaffen, der vornehmlich in das Reich der Töne und Dichtung entführt und Geist und Gemüt den drückendet) Sorgen des Tages entrückt. Er hat sich zum Ziele gesetzt, dabei die jüdische Saite schwingen zu lassen. Die Bibel hat die größten Dichter befruchtet; auf der Bühne haben jüdische Darsteller sich als begeisternde Mittler der Bühnenwerke erwiesen; in der Musik haben Juden als Schaffende und Nachschaftende weitreichenden Ruhin erlangt. In neuerer Zeit wollen auch sie wieder gehen, was der jüdischen Seele entquillt. Zu den Mitteln, mit denen die Kunst zum Mensehen spricht, gehört aber neben Wort und Ton auch Farbe und Form. Malerei und Plastik gehen in die Seele durch das Auge, wie Dichtung und Musik durch das Ohr. Was jüdische Kunst dem heutigen Menschen geben will und zu geben vermag, soll in der dritten Reihe dargestellt werden. In der Gestaltung der Themen und Rednerfolge ist die Leitung des Lehrhauses von dem bisherigen Schema abgewichen; neue Wege erwarten eine neue Gefolgschaft. Opferbereit haben sich Redner in den Dienst jüdischer Geistesarbeit gestellt, opferbereit will die Gemeinde der Gefahr eines geistigen Absinkcns begegnen. Jüngere und Altere sollten nicht verkennen, daß das Lehrhaus um ihretwillen geschaffen ist und erhalten wird. Der jüdische Mensch würde seinem jüdischen Sein untreu werden, wenn er nicht den rechten Gebrauch von den ihm gebotenen Möglichkeiten macht. Darum: Der Dienstag gehört dem Lehrhaus! VortVagsplan des Jüdischen Lehrhauses für die Zeit vom Januar bis April 1938. Vortragsreihe A: Der Peel-Bericht und Erez Israel. Erölfnungsvortrag von Dr. Robert We I ts c h - Berlin: Der Peel-Bericht (Dienstag, den 11. Januar 1938, 20,15 Uhr im Kulturbundsaal). a) üemeinderabbiner Gustav Cohn: Erez Israel in entscheidenden Moni enten der Geschichte. (Dienstag, den 18. Januar 1938, 20.15 Uhr); Morgen, Sonntag, den 19. Dezember 1937: Pfundsammlung!