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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-12-10 · 50 (10.12.1937) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
50 (10.12.1937)
Date
1937-12-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JODISCHES OEMEINDEBLATT LEIPZIG 10. Dczemper 1937 / Nr. 50 Aufnahmeanträge unverzüglich an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg 2, Kautstr. 158, zu richten. Den Anträgen sind ein kurzer selbstgeschriebener Lebenslauf, eine Abschrift des letzten Schulzeugnisses sowie nähere Angaben über die musikalischen und turnerisch-sportlichen Fähigkeiten und den allgemeinen Gesundheitszustand beizufügen. Das Studium an der Anstalt wird in Anlehnung au den Lehrplan der Hochschulen für die Lehrerbildung durchgeführt und schließt mit einer staatlichen Abschlußprüfung (i. VoiksscnuilchrerprüftK}^ Die Dauer des Studiums betrügt drei Jaiir c. übwuuua, ujc ucü Nachweis ausreichen der anderweitiger pädagogischer Vorbildung (Universitätsstudium) und größerer Kenntnisse im Hebräischen und in den jüdischen Fächern erbringen, kann evtl. eine Verkürzung des Studiums eingeräumt werden. Der Hiüsverein der Juden in Deutschland teilt mit: In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Auswanderer nach verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel Neuseeland, ausreisen, ohne ein regelrechtes Einwinderungsvisum bzw. eine Landungscriaubnis zu besitzen. Die Betreffenden verschaffen sich vielmehr ein bloßes Touristenvisum und hoffen, dann im Einwanderungslaudc die Erlaubnis zur dauernden Niederlassung erwirken zu können. Eine sokhe Umwandlung von Touristcnviscn in Einwanderungsvisen ist aber nur in den seltensten Tüllen möglich; im allgemeinen bringt jede derartige Einwanderung ohne reguläres Einwanderungsvisum die Gefahr späterer Ausweisung mit sich und gefährdet außerdem das Ansehen der jüdischen Einwanderang bei den Behörden des Landes. Im Hinblick auf die schweren Schäden, die der jüdischen Gesamtheit durch die sogenannte Touristcneinwanderung in verschiedenen überseeischen Ländern bereits erwachsen sind, warnt der Hilfsverein nachdrücklich vor jedem derartigen Unterfangen und lehnt seinerseits selbstverständlich jede Unterstützung derartiger Reisen ab. Förderung der jüdischen Auswanderung durch Kapitaltransfer. An dem Transferverfahren, das auf Anordnung der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung über die Allgemeine Treuhand-Stelle für die Jüdischer Kulturbund (Mitgl. d. Reichsverb. d. Jüd. Kulturbünde in Deutschland) Nur für Mitglieder jüdische Auswanderung (Altrcu) Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin W35, Potsdamer Str. 72, abgewickelt wird, können in Zukunft gemäß einer dieser Treuhandstelle von der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung erteilten Genehmigung jüdische Personen teilnehmen, deren Vermögen bei Einzelauswanderung RM. 30000.—, bei gemeinschaftlicher Auswanderung von zwei Personen RM. 10000, bei gemeinschaftlicher Auswanderung von drei und mehr Personen RM. 50000.— nicht übersteigt. Die bei Einleitung des Verfahrens zu berücksichtigenden Einzelheiten sind aus einem Merkblatt der Altrcu zu ersehen, welches auf Anforderung vom Hilfsverein der Juden in Deutschland, Berlin W35, Ludendorffstr. 20 und dessen Zweigstellen, vom Palästina-Amt, Berlin W 15, Meinekestr. 10, und dessen Zweigstellen, sowie von der Altrcu au Interessenten kostenlos abgegeben wird. Diese Stellen sowie die Altreu erteilen auf Wunsch Mich Auskunft über die Höhe der erzielbaren Transfersätze. Bevorstehende Veranstaltungen 13. Dez.: Jüd. Kulturbund: Heineabeud, anläßlich des 110. Geburtslages Heinrich Heines. Mitwirkende: Otto Bernstein, Ruth Kisch-Arndt, Kurt Heinemann u. Gerhard Walter Rosenbaum. 14. Dez.: Wi/.o-Zionistische Vereinigung: Vortrag Dr. Jettka Levy- Stein „Juden und Judentum in Amerika''. 16. Dez.: Jüd. Kulturbund: Collegium miisicum. Solist: Erich Landerer. 18. Dez.: Makkabäer-Feier des Bar Koehba. 21. Dez.: Schulfeier der jüdischen Schulen. 22. Dez.: Schulfeier der jüdischen Schulen. 20. Dez.: „Schild": Fußu. Handballspiele gegen Fürth u. Berlin. 29. Dez.: Alexander Kipnis. Neue Bücher Abraham Berliner: Aus dem Leben der Juden Deutschlands im Mittelalter. Berlin 1937. [Bücherei des Schorken-Verlags / 79]. Verhältnismäßig spät setzten Bemühungen der Erforscher der jüdischen Geschichte um die inneren Lebensverhältnisse der Juden in den weit zurückliegenden Jahrhunderten ein. Einer ihrer erfolgreichsten war Abraham Berliner, der neben anderen Verdiensten um die jüdische Gcschichtsk-hieibung die Verwendung der an Aufschlüssen reichen Respojtsenliteratur als Quelle für solche Untersuchungen anbahnte. Ismar Elbogen hat aus Berliners 1871 erschienenem Buch „Aus dem inn/ fen Leben der deutschen Juden im Mittelalter" eine Auswahl gefröffen und in neue, unserer Zeit angepaßte Form gegossen. Er bietet damit äußerst fesselnde Einblicke in die häuslichen und gemeindlichen Lebensverhältnisse der Juden des Mittelalters, so u. a. Erziehung und Unterricht, die jüdische Speisekarte, Familienfeiern und ihre Formen (auch einige Liedertexte werden wiedergegeben), Spiele,' Aberglauben: ein ungemein lebendiger Anschauungsunterricht über die Juden jener Zeit im Tün und Lassen, in Freude und Ernst, in Hoffnungen und Sorgen. — Elbogens Nachwort würdigt den Torscher Berliner und seine Bedeutung für die Darstellung jüdischer Kulturgeschichte. G. C. Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser. Heft Nr. 206. Gerade rechtzeitig vor der Winterreisezeit erscheint die neue Ausgabe des Verzeichnisses der rituellen Speisehäuser und Hotel-Restaurants, hur alle Keisenden, die auf triuhung der rituellen Spcisrvuiacliiiucu bedacht sind, ist es wichtig zu wissen, daß das bisherige Verzeichnis niii tiicsr: NciiaUsgäbc seine 0;;!t:.~!:?:t verliert. Eine Reihe Änderungen macht es notwendig, im Besitze der Neuausgabe zu sein. Ein Mitteilungsblatt des Jüdischen Buchhandels: Mit Genehmigung des Herrn Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig- und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet erscheint im Joachim Goldstein Verlag, Berlin, ab 1. Dezember 1937 das „Mitteilungsblatt des jüdischen Buchhandels". Das Blatt ist geschaffen, um den Kontakt zwischen Buchhändler und Verlag einerseits und dem Publikum andererseits zu stärken. Neben Verlegeranzeigen wird es eine vollständige Bibliographie der jüdischen Neuerscheinungen, eine Rubrik angebotene und gesucht«» Bücher sowie ein Bücherreferat aus der Feder des Herrn Dr. Lutz Weltmann bringen. Jeder Bücherinteressent kann das Blatt kostenlos bei seinem Buchhändler verlangen. Konzert und Theater Konzert des Collegium musicum. Im diesjährigen Kulturbundkonzert des heimischen Orchesters spielt als Solist Erich Landerer mit. Landerer gehört zu den bemerkenswertesten Begabungen der jüngeren Generation. Er hat sich im Bereich der Jüdischen Kulturbünde und im Ausland schnell einen glänzenden Namen als Pianist erworben. In den Orchesterkonzerten des Berliner Jüdischen Kulturbundes spielte er alternierend mit Rita Storch. Sein Auftreten verspricht einen besonders hohen künstlerischen Genuß. Ein sehr begrüßenswertes neues Werk wird im bevorstehenden Konzert seine Uraufführung erleben: eine Komposition von Barnet Licht, , Variationen im alten Stil über das Channuk kalied Moaus- Zur'für Streichorchester, Flöten, Cembalo und Harmonium. Zu seiner Komposition führt Herr Barnet Licht folgendes aus: »In der Jetztzeit wird oft der Wunsch laut, jüdische Musik — ein Begriff, dessen Für und Wider hier anzuschneiden zu weit führen würcle — zu hören, oder wenigstens bekannte Volksweisen und Festlieder einem großen Zuhörerkreis zugänglich zu machen. Um dem Programm des Collegium musicum auch eine jüdische Note zu geben, Tag es mir besonders am Herzen, ein Werk für Streichorchester zu schreiben —• Das Motiv des schönen Chanukkahliedes hat mich stests gefesselt, und der Wunsch, es orchestral zu bearbeiten, war mir immer naheliegend. Ich wählte darum dieses Lied und habe es als Werk absichtlich im alten Stil gehalten und es eingeteilt in Thema, acht Variationen und Schlußfuge. Die einzelnen Variationen unterscheiden sich durch verschiedenartige Behandlung, manchmal dringt das I hema des Liedes kiar hervor, dann wird es verdrangt durch eine ganz freie Erfindung; es erscheint als Marsch, als Menuett oder in der Umkehrung im scherzenden Allegro. In der großen Fuge vereinen sich dann alle Variationen und bringen das Anfangs- und Schlußthema des Liedes zu breitem Ausklang." Jüdischer Kulturbund: Scholem Alejchem, Amcha. Das Experiment, ein Stück jiddischen Milieus und jiddischer Sprache in schriftdeutscher Fassung aufzuführen, ist bei Scholem Alejchems „Amcha" im ganzen so ziemlich gelungen. Zwar ist viel von den Reizen des Originals verlorengegangen: die Übersetzung ist, wie vorauszusehen war, korrekt, aber nüchtern und blutleer, und die Gefahren, die sich ergeben, wenn eine zur Milieuechtheit hinstrebende Regie mit deutschem Rollentext arbeiten muß, sind nicht überall vermieden. Doch muß zugegeben werden, daß die Regie Di. BuxbatUttf das Menschenmögliche herausgeholt hat, und die Tatsache, daß das Stück trotz d;eses bedeutenden Blutverlustes noch so unmittelbar wirkte, beweist, was für ein gesundes kräftiges Volksstück es ist. Sehr geschickt hat die Regie eine Kompromißlinie gefunden, auf der sich der deutsche Dialog mit der äußeren Erscheinung der ostjüdischeu Typen gerade noch begegnen konnte, indem er die letzteren westlich stilisierte und jenem in Wortmelodie und Gestik eine ostiüdische Färbung gab — das war sehr behutsam gemacht, wenn auch nicht von allen Darstellern gekonnt. Das Spiel Max Koninskis als SehimeU Ssoroker war ausgezeichnet. Er stellte diese überaus schwierige RolK des seelensguten, glaubenstreuen, unverwüstlich optimistischen armen Schneiders, dem in seinem vermeintlichen Glück taumelig zumute wird, — man sieht, wie hart die Zeichnung dieses Charakters am Sentimentalen und Lächerlichen vorbeigeht — überzeugend dar und erfüllte sie mit warmem jüdischen Gehalt. Ihm gleichwertig war Montau;, den 'lPgxivtn HttAftA anläßlicn des l4°- Geburtstages Heinrich Heines. 13. Dezember dltl UV mfl DVllU, Mitwirkende: Otto Bernstein, Ruth KUchpktl. SSO" I hr Arndt, Kurt Ilelnemann und Walter Rosenbaum. 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