Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 45 (5.11.1937)
- Date
- 1937-11-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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AinNcruprauqiihnHATr UND NACH RICHTEN BIATT DER GEM EIN DEVERWAL^ TUN6i>ERISRAELIT!SCHEN RELIGI0NS6EMEINDEZU LEI PZI6 ABGEMELDET BEIM SONDERBEAUFTRAGTEN DES REICHSMINISTERS PÖRVOIKSAUFKIRRUNG UND PROPAGANDA BETR.QBERWACHUNG DER GEISTIG UND KUIIURELLWTIGEN JUDEN IM DEUTSCHEN REICHSGEBIET 5. NOVEMBER 1937 / 1. KISLEW 5698 13. JAHRGANG / NUMMER 45 Salman Schocken :um 60. Geburtstag (30. Oktober 1937). Eine reizvolle Aufgabe ist es an sich, den Lebensgang eines Mannes zu zeichnen, dessen Gestalt — anders als sein werk! — der Öffentlichkeit unbekannt blieb; verlockend ist es also zunächst, darzustellen, wie viele und wesentliche Schöpfungen mit Salman Schokken, des nunmehr 60jährigen, verknüpft sind. Aber andererseits beschleicht den Chronisten das Gefühl, der Leser könnte — erstaunt ob der Fülle dessen, was von dieser Persönlichkeit zu berichten ist — meinen, daß anläßlich des Jubiläums Dinge zusammcnfetragen worden seien, mit denen Schocken wenig oder nicht verunden sei —, einzig und allein, um den Jubilar mit vielen Prädikaten des Lobs und Ruhmes versehen zu können. Der Verdacht ist in der Tat höchst unbegründet: im Gegenteil, wenn man nur eine Seite von Salman Schockens Tätigkeit herausgreifen wollte, wenn man etwa nur den Kaufherrn oder den Verleger, den Zionisten oder den Wissenschaftler betrachten wollte, — dann täte man ihm un recht, dann würde man dieser recht einmaligen Erscheinung nicht gerecht, die sich all ihren, oft recht verschiedenen Aufgaben mit gleicher Hingabe und demselben Ernst widmet und so unwillkürlich an den Chassid erinnert, den seine Schüler fragten, was ihm das Wichtigste sei und er antwortete, das, was er eben tue. Salman Schocken, der in Margonin, in der früheren Provinz Posen geboren wurde, ist zuerst als Mitbegründer und -besitzei des Warenhauskonzerns Schocken-Söhne-AG. nekannt geworden. Annähernd 20 Häuser umfaßte allmählich das Unternehmen, das sich in manchen Eigenheiten wesentlich und vorteilhaft von anderen Warenhausbetrieben unterscheidet. Dafür entscheidend war wohl die Tatsache, daß S. Schocken seinen Beruf nicht nur als Erwerbsunternehmen betrieb, sondern mit eigenen und ausgebildeten wissenschaftlichen Methoden. Seine Warenhaustheorien hat er in zahlreichen Ta- Sjungen und Broschüren dargestellt. Statistische Büros, Untersuchungsaboratorien u. ä., die er seinen Betrieben angliederte, das Bestreben, preiswerte und einfache Gebrauchsware auf den Markt zu bringen und — last, not least — das, auch den billigsten Artikel in künstlerisch und handwerklich gediegener Ausführung zu erzeugen (womit Schocken wesentlich zur Geschmacksbildung beitrug) — dies alles wirkte mit zusammen, um den Konzern der Schockenschen Warenhäuser groß werden zu lassen. Einzelne, meist von Erich Mendelsohn gebaute, Gebäude von Schockenschen Häusern sind auch aus städtearchitektonischen Gründen in guter Erinnerung. Daß das erste Bäudchen, das den Namen S. Schockens als Verleger (und hier auch als Herausgeber, der die inhaltliche Auswahl besorgte) trug, ein dem Andenken Goethes gewidmetes war („Leben und Welt" 1931) ist kein Zufall: denn Schocken, der vielbeschäftigte Kaufhausbesitzer und nimmermüde Förderer jüdischen Geisteslebens, hat sich auch in der Weltkultur (vor allem in Philosophie und Literatur) gediegene Kenntnisse erarbeitet. Wir gedenken neute aber nur mehr seiner jüdischen Arbeit: Hier ist der breiten Öffentlichkeit vor allem der Berliner Schocken-Verlag bekannt, die wunderbare Bücherei, die er herausbrachte, die dort lückenlos herausgegebenen Werke Bubers, Rosenzweigs u. a. und die Tatsache, daß er zu einem der wesentlichsten hebräischen Verlage in der Galut wurde, der außer Agnon und manch anderem Wesentlichen unserer Zeit auch die Schätze der Vergangenheit hebt. Kleiner schon ist der Kreis derer, die von dem „Forschungsinstitut für hebräische Dichtung" wissen, das Schocken in Jerusalem schuf und das Prof. Ch. Brody, der frühere Oberrabbincr von Prag, leitet. Kostbare, meist völlig verschollene Proben liturgischer und weltlicher Poesie des jüdischen Altertums und Mittelalters werden hier wissenschaftlich neu herausgegeben. In unmittelbarer Nähe dieser Stätte gelehrter Arbeit ragt nun der Neubau von S. Schockens eigener Bibliothek empor. 20000 Bände hat der Bibliophile Schocken hier zusammengetragen, meist aus den Gebieten „Jüdische Moral", „Liturgie", „Chassidismus" und „Literatur des IQ. Jahrhunderts". Sie ist nicht nur die reichhaltigste Sammlung der seltenen jüdischen Wiegendrucke, sondern enthält auch darüber hinaus so zahlreiche und erlesene Köstlichkeiten, daß sie wohl zu den wertvollsten jüdischen Privatbibliotheken, die es überhaupt gibt, zu zählen ist. S. Schocken ist nicht nur einer der ersten Freunde und Förderer des jüdischen Geistes: die tatkräftige Hilfe, die er praktischer Aufbauarbeit in stetig steigendem Maß gewährt, sei über dem Büchersammler und -Verleger nicht vergessen. Der Musterschulungsbetrieb des Gutes Winkel in Spreenhagen ist Besitz der Familie Schocken und erfreut sich der großzügigen Förderung durch den Jubilar: 100 Chaluzim finden zur Stunde dort ihre Ausbildung für Erez Israel. S. Schocken selbst hat schon vor Jahren seinen Wohnsitz nach Palästina verlegt und damit, arbeitet er doch" bald ein Lebensalter aktiv in der zionistischen Bewegung, seinen alten Traum verwirklicht. 1913, auf dem XI. Zionistenkongreß in Wien, vertrat Salman Schocken Sachsen, 1923 wurde er in die Leitung des KKL. berufen, in die er wiederholt neu gewählt wurde. Auch seine zionistische Arbeit war planvoll und eindringlich; seine besondere Aufmerksamkeit fand das Projekt der Haifa-Bai und das der Hule- Konzession, welche beide durch Schockens Hingabe entscheidend gefördert wurden. Wenn die National- und Universitätsbibliothek Schocken zu ihrem Schatzmeister berief, dann nicht aus Gründen der Wir müssen leider feststellen, daß ein Teil unserer Gemeindemitglieder die Winterhilfsbeiträge für Oktober noch nicht überwiesen hat. Wir bitten unsere Gemeindemitglieder, Rücksicht darauf zu nehmen, daß uns durch diese Nachlässigkeit große Arbeiten und Kosten für Mahnschreiben entstehen, die sich vermeiden lassen, wenn sie sich rechtzeitig der Mühe unterziehen, 5 Minuten Zeit für das Ausschreiben der Anweisung zu opfern. Keiner darf fehlen, niemand dürfte sich den Vorwurf machen lassen, durch Nachlässigkeit unsere Arbeit erschwert zu haben. Jüdische Winterhilfe. Morgen: Pfundsammlung! Nächsten Sonntag: EintopfSammlung!