Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 44 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ifü BäW«! II hlfrU Cf ßCU E! M hED! ATT UND NM U ENBIÄTT DERGEMEINDEVERWAL^ TÜNG DE RISRAE iura EN RE US SEME INI/U LEIPZIG ANGEMELDET BEIM SONDERBEAUPTRAGTEN DES REICHSMINISTERS RJRVOLKSAUFKiÄRUNG UND PROPAGANDA BETR.ÜBERWACHU NG DER GEISTIG UND KUUUREILIÄTI6EN JUDEN IM DEUTSCHEN REICHSGEBIET. 29. OKT. 1937 / 24. CHESCHWAN 5698 13. JAHRGANG / NUMMER 44 f Felix Warburg gestorben Felix M. Warburg ist am Mittwoch, den 20. Oktober, Nachmittag plötzlich gestorben. Die erschütternde Nachricht vom Ahleben des großen Philanthropen hat sich in Amerika mit größter Schnelligkeit verbreitet und insbesondere die jüdische Bevölkerung, die in dem Dahingeschiedenen den Organisator des bedeutendsten jüdischen Hilfswerks der neueren Zeit, des Joint Distribution Committee, und den großzügigen Förderer aller gesamtjüdischen Aufgaben verehrte, in Trauer versetzt. Felix M. Warburg hat ein Alter von nicht ganz 67 Jahren erreicht. 1871 in Hamburg geboren, wanderte er 1894 nach Amerika aus und erwarb 1900 die amerikanische Staatsangehörigkeit. Durch seine Heirat mit Frieda Schiff, der Tochter des berühmten jüdischen Philanthropen Jakob H. Schiff, wurde er Mitinhaber des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. Im amerikanischen Finanzlcben hat Warburg eine führende Rolle gespielt. Die zentrale Stellung, die Felix M. Warburg im öffentlichen Leben nicht nur der amerikanischen Juden, sondern der Gesamtjudenheit einnahm, war in erster Linie darauf zurückzuführen, daß er, nachdem das jüdische Wohlfahrtswesen in Amerika durch ihn in großzügigster Weise ausgebaut und zusammengefaßt worden war er hat hier als Präsident" der „Federation of Jewish Charities" Vorbildliches geleistet —, die Sozialarbeit der Juden Amerikas als Präsident des zunächst zur Rettung der jüdischen Kriegsopfer Europas gegründeten Joint Distribution Committee über den Ozean hinübergreifen ließ. Die Aufgaben des Joint auf dem Oebiet der konstruktiven Fürsorge unter weitgehender Anwendung des Selbsthilfeprinzips wurden später immer mehr erweitert, so daß der Joint, dessen Ehrenpräsident Warburg zuletzt war, heute das Rückgrat der jüdischen Sozialfürsorge und kooperativen Hilfe für die Juden in Ost- und Mitteleuropa geworden ist. Kaum weniger bedeutend war Warburgs Rolle in der Palästinaarbeit. Abgesehen von den außerordentlich hohen Summen, die er dieser Arbeit zur Verfügung gestellt hat (darunter eine halbe Million Dollar für die Hebräische Universität), hat er auch als richtunggebender Politiker Entscheidendes geleistet. Er war Mitglied der Joint Palestiue Survey Commission, der erste Präsident des Administrative Committee der Jewish Agency, hat durch seinen großen Einfluß viel dazu beigetragen, daß die Gefahren des Passfieldschen Weißbuchs überwunden wurden, und ist noch bei der letzten Agencytaguug in Zürich füluend mit eigenen fruchtbaren politischen Oedanken hervorgetreten. Den Angehörigen des großen Toten — der Präsident des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Max M. Warburg ist sein Bruder — wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland veröffentlicht anläßlich des Todes von Felix M. Warburg die nachstehende Kundgebung: „In Felix M. Warburg verliert die amerikanische Judeuheit ihre repräsentativste Persönlichkeit, den Nachfolger von Louis Marshai. Es ist ein Tragisches, daß beide Männer in einer entscheidenden Zeit den Juden ihrer Heimat und damit uns allen genommen worden sind. Die Stellung, die den Juden Amerikas in der jüdischen Gesamtheit zugewiesen ist, stellt ihre leitenden Persönlichkeiten voran in unserm großen Ganzen. Wie Louis Marshai gehörte Felix M. Warburg in seiner Stellung zumal an der Spitze des American Joint Distribution Committee wie in der Jewish Agency uns allen, den Juden überall in der Welt. Wir Juden in Deutschland erleiden den besonderen schweren Verlust. In Tagen unserer Not wußten wir, daß wir auf ihn rechnen durften, und er hat uns nie enttäuscht. Sein Rat, seine Hilfe und seine Bereitschaft standen immer bei uns. Er hat für uns in Stunden, in denen wir seiner bedurften, eine Gewißheit bedeutet, und er wird uns in so mancher Stunde fehlen. Unsere tiefe Dankbarkeit wird das Andenken an ihn alle Zeit treu bewahren." Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Baeck Hirsch. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat an Frau Felix M. Warburg nachstehendes Telegramm gesandt: „Aufs tiefste betrauern wir den allzu frühen Heimgang von Felix Warburg. Wir alle verlieren in dem Entschlafenen einen Mann, der immer auf seinem Platze stand, der immer, in seiner Heimat wie in der Welt, die Stimmen unserer jüdischen Gesamtheit hörte, zu dem wir immer hinblicken durften, da er in entscheidenden Stunden sich niemals versagte. Uns Juden in Deutschland ist er in schweren Tagen unser Helfer geworden, wir werden in so mancher Stunde seinen Rat und seinen Beistand vermissen. In unserer unauslöschlichen Dankbarkeit wird er fortleben." Reichsvertretung der. Juden in Deutschland. Baeck Hirsch. Unsere Gemeinde Erholungsheim Lehnitz des jüdischen Frauenbundes bei Berlin. Wir werden darauf hingewiesen, daß das Erholungsheim in Lehnitz gerade jetzt im Spätherbst für Erholungsbedürftige ganz besonders geeignet ist. Reizende Spaziergänge führen von dort in ruhige Kiefernwälder und an den nahen See. Aber auch im Heim selber ist auf das beste für das Wohl der Gäste gesorgt. Eine große geschützte Veranda mit Waldblick bietet Gelegenheit zu Liegekuren — selbst bei ungünstigem Wetter , da die Gäste durch Wärmeflaschen und Decken vorsorglich gegen die Kälte geschützt werden. Lehnitz ist ein Platz, wo Ermüdete, Nervöse und Rekonvaleszenten (z. B. nach einer Operation) eine günstige und dabei nicht kostspielige Erholung finden, unter Berücksichtigung leichter Diäten. Besonders der Winter und die Übergangszeit sind für solche Kuren, die unter ärztlicher Aufsicht stattfinden, geeignet. Das behaglich eingerichtete Haus ist dann nicht überfüllt und so ist es leichter als in der Hochsaison nicht nur dem Rullebedürfnis, sondern auch den persönlichen Wünschen Rechnung zu tragen. Anmeldung: Verband Berlin des Jüd. Frauenbundes, Berlin-Grunewald, Königsallec IIa, Tel. 97 3746; oder: Erholungsheim Lehnitz, Lehnitz bei Berlin, Tel. | Oranienburg 2043. Bitte des Israel. Kinderhorts. In vielen Häusern befinden sich gebauchte, unbenutzte Musikinstrumente, uberlaßt sie dem Isr. Kinderhort, Nordstraße 15; ihr verhelft ihm damit zu einer schönen Chanukkahfeier. Amtliche Bekanntmachungen Wegfall der Mietzinssteuermäßigungen! Nach der Verordnung Uber die Aufwertungssteuer vom 26. August 1937 wird den Mietern ab 1. April 1938 weder eine Befreiung von der Mietzinssfeuer noch eine Ermäßigung der Mietzinssteuer gewährt. Sie sind demzufolge verpflichtet, ab 1. April 1938 den vollen Mietzins an den Hauswirt zu bezahlen. Soweit die Wohnungsmieter hilfsbedürftig sind, können sie Gelegenheit nehmen, sich an den zuständigen Fürsorgeverband (das ist in Leipzig: das Städtische FUrsorgeamt) zu wenden, mit dem Antrag auf Gewährung einer entsprechenden Unterstützung. Leipzig, den 25. Oktober 1937. Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. Schließungszeiten für den neuen Friedhof. Unser Friedhof an der Delitzscher Landstraße wird im Monat November für den öffentlichen Verkehr von Sonntag bis einschließlich Donnerstag um 16 Uhr und am 5. November um 15.35 Uhr, am 12. November um 15.25 Uhr, am 19. November um 15.20 Uhr und am 26. November um 15.15 Uhr geschlossen. Wir bitten um genaue Einhaltung dieser Zeiten. Leipzig, den 26. Oktober 1937. Der Verstand der israelitischen Religionsgemcinde zu Leipzig. I Nächste Pfundsammlung: 7. Novbr.