Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 40 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JODISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 1. Oktober 1937 / Nr. 40 Jüdisches Lehrhaus Leipzig Sprach- und Kurzschrift-Lehrgänge des I.ehrhauses im Wintersemster 1Q37 1938, Auf vielfachen Wunsch weisen wir nochmals auf die in der 2. OWoh*r*.»«?h? (vcrr. IC —IG. Okiuber iyj/) beginnenden Lehrgänge hin Hi»> i« Vf. 33 jcs QwUi^Ucüianes ausluuruuu angezeigt waren. Sämtliche Kurse finden in der Höheren Israel. Schule, üustav-Adolf-Str. 7, statt. Anmeldungen bis 11. Oktober 1937 im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Str. 101, werktaglich von V» 10—13 Uhr, wo auch alles Nähere über Hörergeld und Ermäßigungen zu erfahren ist. I. Dr. Neumann — Englisch. a) für Anfänger ohne jede Vorkenntnisse, Di. '/..8- 9 Uhr, ab 12.10. b) für Anfänger mit einigen Vorkenntn., Mi. lJ&—9 Uhr, ab 13. 10. c) für etwas Fortgeschrittene, Di. 9 —V.II Uhr, ab 12. 10. d) für Fortgeschrittene, Mo. »/29—10, ab 11. 10. e) für einfachere Lektüre und Konversation treibende Fortgeschrittene, Mi. 9—»/»Ii, ab 13. 10. f) für Lektüre und Konversation treibende Fortgeschrittene, Do. 7,9—10, ab 14. 10. II. Bieberkraut-Picard — Französisch. a) für Anfänger ohne Vorkenntnisse, Di. 8—10 Uhr, ab 12. 10. b) für Anfängei mit einigen Kenntnissen (regelmäßige Verben und leichte Konversation), Do. 8—10 Uhr, ab 14. 10. c) für Mittelfortgcschrittene, Mo. 8—10 Uhr, ab 11. 10. d) für Fortgeschrittene, Mi. 8—10 Uhr, ab 13. 10. III. cand. phil. Sturm — Systematische Einführung und methodische Fortbildung in der spanischen Sprache mit besonderer Berücksichtigung der Konversation. a) für Anfänger einmal wöchentlich l1/« Stunde. b) für Fortgeschrittene einmal wöchentlich l1/. Stunde. IV. cand. phil. Sturm Systematische Einfühlung und methodische Fortbildung in der brasilianischen Sprache mit besonderer Berücksichtigung der Konversation. a) für Anfänger einmal wöchentlich!'/• Stunde. b) für Fortgeschrittene einmal wöchentlich l'/8 Stunde. Spanischer und brasilianischer Sprachlehrgang. Die Hörer sämtlicher spanischer und brasilianischer Sprachkurse treffen sich zu einer Vorbesprechung am Dienstag, den 5. Oktober 1937, um 20,30 Uhr in der Schule, Gusta v- Adolf-Str. 7. Der Beginn und die Zeiten der einzelnen spanischen und brasilianischen Sprachkurse werden in dieser Vorbesprechung festgelegt. V. Platzer — Kurzschrift. a) für Anfänger, Mo. 8—10 Uhr, ab 11.10. b) für Fortgeschrittene, Do. 8—10 Uhr, ab 14. 10. c) Eilschrift, Di. 8-10 Uhr, ab 12. 10. Schöpfungshymnus „Bereschith" Hoschana rabba 5f>98 (der 26. Oktbr. 1937) dürfte ein Gedenktag werdpn nicht nur für die Berliner Jüdische Gemeinde durch die Weihe der neuen Thora, sondern für die gesamte jüdische Welt. Denn diese Thoraweihe erhielt ein besonderes, eindringliches und, wie leicht vorauszusagen ist, für alle Zeiten denkwürdiges Gepräge durch die Uraufführung eines jüdischen Musikwerkes, welches — selbst eine gewaltige Schöpfung — die Schöpfungsgeschichte zum Gegenstand hat, so wie sie einst durch das jüdische Volk der Weh geschenkt wurde. „B'rcschith", ein Schöpfungshymnus von Oskar Guttmann ei klang zum ersten Male. Als textliche Unterlage dient die erste Sidra, und wie diese bilden seine sieben Teile e i n erhabenes Ganzes. Jeder der sieben Seliüpfnngstage erklingt in ütm ihm eigenen Gepräge so, daß auch die leisesten Untertöne dieser ewigen Worte zum Ausdruck kommen. Und sie werden noch betont, diese Untertöne, durch Erklärungen und Ergänzungen (jede eine Art Midrasch), welche nach jedem Schöpfungstage eingeschoben sind. Nach dem ersten die Vision des Jesaia (6, 1—3): die Engel an Gottes Thron rufen sich dreimal Kadosch zu. Nach dem zweiten das Adon olam als eine einstimmige Hymne gesungen von einer idealen Kehilla (übrigens der einzige Text, welcher nicht aus der Bibel stammt). In dem dritten Teil reißt Oskar Guttmann weit die Fenster auf und führt unserer jüdischen Musik frische Luft zu: eine Passacaglia, jene hohe und strenge Kunstform bringt einen recht aktuellen Text (Jes. 35, 1—6, 10) durch drei Themen in freiester, kühnster Kontrapunktik zum Erklingen und läßt seinen Inhalt unschwer mit dem heutigen Palästina verbinden. Auf die Worte des 4. Schöpfungstages folgt der 19. Psalm, jener Hymnus von David: „die Himmel rühmen . . .", der sich die Welt eroberte; ein feierlicher Tan/ untermalt diesen jubelnden Inhalt. Den 5. Tag beschließt der 150. l-'salm, der mit jenen lapidaren Worten endet: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!" Hier erklingt eine streng durchgeführte Fuge, es dürfte wohl die erste in hebräischer Sprache sein. Die Erklärung nach dem 6. Tag dürfte auch dem widerstrehpnHster: Hörer dv.u Wert div.sci Erklärungen und die Motive, aus denen sie dem Autor erwuchsen, zeigen. Der Erschaffung des Menschen folgt eine Totenfeier, gleichsam das Todesurteil, welches der Mensch in dieses Leben mitbringt. Die Worte entstammen den Psalmen 8 und 39, sowie Jes. 40. Der Psalm 09, das Sabbatlied, beschließt das ganze Werk. Diese Erklärungen und Ergänzungen entsprechen wohl uu- Gemeindebeitrag. Die Gemeindcmitglieder, die nicht zur n«»m»i«*i-;- l^gi, I53G z.u veranlagen sind wfffjfn rjr Zah'Uiig eines ('Mindestbeitrags zu den Qemeindelasten in Höhe von RM. 3 — aufgefordert. Von denjenigen Oemeindemitgliedern, die mehr leisten können, wird erwartet, daß sie ihren Verhältnissen entsprechend mehr bezahlen. Der Gemeindebeitrag ist am 4. Oktober 1937 fällig Von der Zahlung dieses Gemeindebeitrags ist nach dem Gemeindestatut die Ausübung des Wahlrechts der Gemeindemitglieder abhängig, die für 1936 keine Gemeindesteuern zahlen. Einzahlungen sind entweder an die Gemeindekasse werktäglich von 9.30—13 Uhr oder auf Postscheckkonto Leipzig Nr. 50533 zu leisten. Leipzig, den 23. September 1937. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. gefähr jenem uralten Brauch, dei im Grunde genommen den Talmud schuf; denn auch dieses erhabene Werk stellt kaum etwas anderes dar als Erklärungen der Heiligen Schrift Die Musik, welche Oskar Guttmann zu diesen einmaligen, unersetzlichen Worten schuf, zeigt vom ersten bis zum letzten Ton die Hand eines Mannes, der sich seit langen Jahren mit dem Problem der jüdischen Musik befaßt, der als ständiger Chordirigent in der Berliner Neuen Synagoge (Oranienburger Straße) an der Stelle steht, die einst Lewandowski innehatte, und wie dieser führt er der jüdischen Musik neues Leben zu, gibt dem alten Stil ein neues Gewand. Die alten sefardischen Melodien erklingen, ein Vorbeter singt oder besser leint in der altbekannten, ehrwürdigen Art und der Chor hat, außer der Aufgabe einer idealen Gemeinde, neue bisher nicht gekannte Wege zu beschreiten. Dabei ist es Oskar Guttmann gelungen, dem Anreiz aus dem Wege zu gehen, dem so viele Komponisten erliegen: den zur Verfügung stehenden Apparat dauernd auszunutzen. Er hat ihn ganz im Gegenteil sparsam verwendet, und so wirkt Ausnutzung, wenn angewendet, um so gewaltiger und eindringlicher. So kommt das dreimalige KadoscTs, twl dem die Erzählung vom ersten Tage schließt, zur rechten Geltung, so klingt das Hallelujah am Ausgang des 5. Tages wahrhaft zur Ehre Gottes, so wirkt die das ganze Werk abschließende, einem uralten jüdischen Brauch folgende Wiederholung der Anfangsworte in erhabenei Eindringlichkeit. Die Aufführung stand auf achtunggebietender Höhe. Chemjo Winawer leitete seinen Chor und das Orchester so, als ob das Werk jahrelanger Bestand wäre. Sein meisterliches Piano ist zu bekannt, als daß es mehr als erwähnt zu werden braucht. Aber auch alle anderen Nuancen waren klanglich ausgeglichen bis ins letzte. Paula Saiomon (Lindberg) sang, nun, sie sang, wie Paula Salomon (Lindberg) singt, eine höhere Anerkennung ist nicht gut möglich. Herr Oberkantor John sang bzw. leinte seinen jeweiligen Niggen derart, als ob er improvisierte, so selbstverständlich. Und seine Tongebung bewies ein Stilgefühl, welches zeigte, wie er sich die Beelische Luftschicht des Werkes zu eigen grmacht hatte. Werner Bacr gab die von der Orgel kommende Abrundung. So erhielt die Thoraweihe ein einzigartiges Gepräge. Und die Erhabenheit, welche über der Totenfeier lag, wurde zur milden Ergriffenheit, mit der jeder der Hörer, welche den Riesenraum bis auf den letzten Platz besetzt hatten, diese hoheitsvolle Weihe verließ. Wo immer auch dieses Werk zur Aufführung gelangen wird — und es ist wohl selbstverständlich, daß jede jüdische Kulturgemeinschaft darum bemüht sein wird — wird diese Ergriffenheit und diese Erbauung an einer solchen Bereicherung des jüdischen Kulturgutes auch ohne die Einweihung einer neuen Thora der unwidersprochene Erfolg sein. 17 Millionen Juden leben auf dieser Erde, kaum 30 oder 40 schaffende Musiker darunter, die ihre Kunst als Gottesdienst erfühlen (es hält schon schwer, nur i5 bekanntere Namen aufzuzählen). Jüdische Schulen. Das Schulgeld für den Monat Oktober 1937 ist bis zum 7. Oktober 1937 an die Schulkasse zu zahlen. Für die Winterrnonatc Oktober bis März ist für jedes Kind ein monatlicher Beitrag zu den Heizungskosten von RM. 1— zu entrichten. Dieser Beitrag ist auch von Freischülern zu leisten. Leipzig, den 1. Oktober 1937. Der Vorstand des Israelitischen Schulvereins zu l^t/jl