Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 39 (24.9.1937)
- Date
- 1937-09-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sehe 2 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 24. September 1937 / Nr. 39 bedarf ja nur eines Vergleiches zweier gar nicht so weit auseinanderliegender Übersetzungen, etwa der von Mendelssohn mit der von Buber oder Torczyner, um die Wandlung der Bibel zu gewahren. Überdies gibt es wenigstens von kaschis Erläuterungswerk, °^""™ 'Azt herrlichste«») c«m€ mCUmCmw wuw«w*üüm und - o ist &wciici* io», üdü ci lüaiiciic Lücke ergänzt, manchen Widerspruch aufklärt und vor allen Dingen, daß er wie die Bibel selbst, ein glänzender Erzähler ist. Geht erst einmal euere Freude an der Bibel so weit, daß ihr wirklich ernstes Verlangen nach dem Erläuterungswerk habt, so greift zu Raschi. Wahrscheinlich werden wir ja doch einmal, namentlich wenn sich der Kreis der Bibelleser mehrt, was ja das Ziel dieser Zeilen ist, auch deutsche Übersetzungen Her anderen großen Deuter und Ei läuterer, des Ihn Esra, des Nachmanidcs und des Kimchi erhalten. Inzwischen aber bringt die Jüdische Rundschau allwöchentlich in vorzüglicher Auswahl unter dem Titel „Wie gestalte ich den Schabbath?", im kurzen und verständlichen Auszüge jeweils die Erläuterung eines dieser Großen zum Wochenabschnitt. Lest, lest eure Bibel! Lernt Sprachen I Die Beratungsstelle des Hilfsvereins in Leipzig schreibt uns: Die Erkenntnis, welche Bedeutung Fremdsprachen für jede Auswanderung haben, ist leider trotz der vielfachen Hinweise noch nicht ausreichend verbreitet oder es wird diese Frage nicht ernst genug genommen. Bezeichnend dafür ist der teilweise geradezu klägliche esuch der Sprachkurse. Vor allem muß der Jugend der Vorwurf gemacht werden, daß sie sich nicht in dem Ausmaße der Sprachenerlernung widmet, wie es unbedingt notwendig wäre. Der gedankenlosen Redensart: „Man weiß ja noch nicht, nach welchem Lande man gehen wolle und welche Sprache man brauche", begegnet man nur allzu oft. Als wenn es ein Schaden wäre, eine Sprache, ohne sie gleich praktisch zu gebrauchen, zu erlernen. Das Erlernen jeder Sprache, einerlei, ob man sie gebrauchen wird oder nicht, ist ungemein wertvoll und erleichtert wesentlich das Erlernen einer anderen Sprache. Es ist aber leider nicht nur Unkenntnis, sondern Trägheit, die von der Erlernung der Sprache abhält. Den Schaden haben allerdings die Betreffenden selbst zu tragen. Gemeinden und Hilfsverein sind sich darüber einig, daß nur solche Auswanderer unterstützt werden können, die für das Land, in welches sie woilen, die erforderlichen Sprachkenntnisse haben. Das hat jetzt schon in einigen Fällen dazu geführt, daß Leute, für die Unterbringungsmöglichkeiten im Auslande waren, entweder mit ihrer Auswanderung noch warten mußten oder aber sich die Auswanderungsmöglichkeit verscherzt haben, weil sie nicht mit dem nötigen Ernst die fremde Sprache erlernt haben. Auswanderer, die ohne ausreichende Sprachkenntnisse in fremde Länder kommen, tun sich damit nicht nur selbst den größten schaden, sondern schädigen auch die übrige jüdische Auswanderung. Immer wieder kommen Klagen von den Komitees, daß man ihnen nicht Leute ohne Sprachkenntnisse zuschicken soll. Falsches Mitleid wäre hier sehr wenig am Platze. Es muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß künftig noch strengerer Maßstab angelegt wird und daß, wer eben sich die nötigen Sprachkenntnisse nicht angeeignet hat, von Gemeinde und Hilfsverein nicht unterstützt werden wird. Ich gebe im folgenden Auszüge von Briefen aus USA., Kolumbien, Brasilien und Argentinien. Diese Briefe stammen fast sämtlich von Auswanderern aus Sachsen und zeigen, welche Bedeutung der Sprachkenntnis zukommt und wieviel leichter die es haben, die damit versehen hinausgehen. Brief aus USA. Philadelphia, den 12.7.3/. ... Meiner Schwester und meinem Schwager habe ich empfohlen, fleißig Englisch zu erlernen, da ich weiß, daß sie auch herüberkommen möchten. Das Wichtigste, was man mitbringen kann, sind Sprachkenntnisse . . . Aus Kolumbien, Juli 1937. ... Ich möchte an dieser Stelle wiederholen, was man ja immer schon gehört hat. Es kann nicht genug davor gewarnt werden, ohne Sprachkenntnisse, die mindestens volle und sichere Kenntnis der Grammatik und einen bestimmten Wortschatz umfassen, in fremde Länder zu gehen. Die Leute sind wie kleine Kinder, so hilflos, und können sich nicht verständigen. Dazu kommen die großen Widerwärtigkeiten im Beruf und der Hemmklotz im Vorwärtskommen. Es ist ja auch nahezu unmöglich, zu arbeiten und den Anweisungen der Vorgesetzten nachzukommen, wenn man nicht versteht. Es muß aber immer dazu gesagt werden, daß einigermaßen bezahlte Stellungen nur zu finden sind, wenn es mit der Sprache nicht hapert. Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, daß in so und so vielen Fällen ein günstiges Engagement einfach daran scheitert, daß keine oder nur mangelhafte Sprachkenntnisse vorhanden sind. Ich kann das am besten daran sehen, wie groß die Differenz in der Arbeitsbeurteilung zwischen mir und den anderen ist, die nicht oder nur wenig spanisch sprechen. Ich kann es kaum sagen, wie groß die Vorteile in jeder Beziehung sind, sich einigermaßen korrekt ausdrücken zu können und vor allen Dingen das gesprochene Wort auch zu verstehen. Aus einem anderen Brief aus Kolumbien: Viele Beschäftigungen sind nur Rarhmonisbeschäftiguneren, denn die Leute kommen b bezug auf die Sprache unglaublich unvorbereitet her. „Das lernen wir nebenbei", ist die ständige Redensart. Wer aber nicht spanisch spricht, kann nicht produktiv arbeiten. . . . Gemeindeanlage 1937 Durch Verhandlung mit den Finanzbehörden ist es uns in HtPCPm I^Hr rrf»1unor#»r? H!f* I TfltorUrroti fftl" K iicrr*l^«-n5Km"»inr „ „ m---1 ---- --- - ™- —•------->----».«.. Oemeiiuteauiuge so irunzeiug zu ernaiten, daß die Steuerbescheide der Gemeindeanlage 1937 (Abschlußzahlung) voraussichtlich bereits im November 1937 zugestellt werden können. Der genaue Fälligkeitstag wird an dieser Stelle noch bekanntgegeben. Dadurch fällt die zweite Vorauszahlung auf die Geineiiideanlage in diesem Jahr weg. Wir weisen also jetzt schon unsere Gemeindemitglieder daraufhin, daß im Gegensatz zu den früheren Jahren die Abschluß Zahlung auf die Gemeindeanlage nicht erst im Frühjahr, sondern bereits in einigen Wochen fällig wird. Leipzig, den 16. September 1937. Der Vorstand der israelitischen ReHgionsgemeinde zu Leipzig. Aus Ekuador, Januar 1937 ...Vorbedingung für ein Fortkommen ist, mindestens etwas Spanisch und wenn möglich auch Englisch. Aus Sao Paulo, August 1937 . . . dann ist Bedingung die Sprache. Wenn Sie nur mit Emigranten Geschäfte machen wollen, dann werden Sie es bald bedauern, nach hier gekommen zu sein, denn da werden Sie nur ausgenutzt, weil man ja die Gründe kennt, aus denen Sie nach hier gekommen sind und um mit Brasilianern Geschäfte zu machen, muß man die Sprache können. Wenn der Brasilianer, mit dein Sie es zu tun haben, auch Deutsch versteht, er spricht es nicht, sondern verlangt, und dies ganz mit Recht, daß Sie mit ihm in seiner Sprache sprechen. Hier liegt, so glaube ich, soweit ich Sie kenne, am meisten der Hase im Pfeffer, denn ich will offen mit Ihnen sprechen, ich traue Ihnen sprachtechnisch nicht sehr viel zu, und fürchte, daß Sie dann hier in deutschen Kreisen verkehren, wie man das macht, wenn man keine Verbindung hat, und dann ist es überhaupt mit dem Erlernen der Sprache sehr schwer und dann bleibt man besser drüben oder geht wo anders hin. . . . Aus Rio de Janeiro, Juli 1937 ... Nachdem ich eingesehen hatte, daß es mit meinen bescheidenen Sprachkenntnissen unmöglich sei, eine Position als Kaufmann zu finden, besann ich mich auf meine Eignung als Elektrotechniker und fand auch mit Glück eine Position als Hilfsarbeiter in einer Fabrik elektrischer Geräte mit einem Verdienst von * 1.— per Stunde, was $ 200.— monatlich gleichkommt. Sprachkenntnisse sind das Wichtigste, was man haben muß. Ich nehme hier natürlich weiter Unterricht und bin soweit, mich mit Ach und Weh verständlich machen zu können. Ohne Sprache, wenigstens etwas zu können, sollte niemand rausgehen. Aus Buenos Aires, Ende 1936 ... Da ich fast nur mit Argentiniern oder mit spanischsprechenden Personen zu tun habe, ist es für mich zu gltichcr Zeit eine gute Übung, und ich kann sagen, dali meine Sprachkenntnisse recht erfreuliche Fortschritte machen. Es hat sich aber auch weiterhin gezeigt, wie notwendig es ist, schon in Deutschland Spanisch zu lernen, denn man fühlt sich hier schon viel schneller heimisch, wenn man sich jedem verständlich machen kann. Jüdische Zeitschau Kalenderreform riirflrkjrpsteHt Die beratende technische Kommission des Völkerbundes für Verkehr und Transit hat ihre XX. Tagung geschlossen. Die Frage der Kalenderreform ist von der Kommission im Hinblick auf die von religiöser Seite, insbesondere auch vom Heiligen Stuhl, erhobenen Bedenken zurückgestellt worden. In einem Communique wird hierüber mitgeteilt: Die Kommission hat die von 32 Staaten dem Sekretariat eingesandten Antworten zur Frage der Vereinfachung des gregorianischen Kalenders und der Festlegung der beweglichen Feiertage zur Kenntnis genommen. Aus diesen Antworten geht hervor, daß bei den befragten Regierungen annähernde Übereinstimmung nicht besteht und auch nicht herbeigeführt werden wird. Es wurde auf die Tatsachen hingewiesen, dali die Organe des Völkerbundes stets der Ansicht waren, daß die Meinung der religiösen Autoritäten in Betracht gezogen weiden soll. Die meisten orthodoxen und protestantischen Kirchen haben bereits erklärt, daß sie nicht gegen die Festlegung der beweglichen Feiertage sind, aber daß dies nur unter Zustimmung aller christlichen Kirchen geschehen solle. Nach Mitteilungen, die der Kommission von einigen ihrer Mitglieder gemacht wurden, hat der Heilig;* Stuhl, nachdem er bekanntgegeben hat, daß er keinerlei Änderung des Datums der beweglichen Feste zustimmen könne, in diesem Jahr eine festere Haltung angenommen und bei gewissen Regierungen Vorstellungen erhoben, wobei betont wurde: I., daß die Festlegung der beweglichen Feiertage einen wesentlichen Bestandteil der Kalenderrefoi mi bilden soll, daß aber diese Festlegung einem ökumenischen Kon/il unterbreitet werden soll; 2., daß, was die -Reform des gregorianischen Kalenders betrifft, die Einführung von Blanlf'-.s .»—»finer Unterbrechung der Kontinuität der Wochen jj . " '* jahrhundertealter Überlieferung unvereinbiid;^erkitr-aße gj Q $