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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-09-03 · 36 (3.9.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
36 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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s LEI PZI6 ANGEMELDET BEIM SONDERBEAUFTRAGTEN DES REICHSM1NISTERS FURVOLKSAUFKlÄRUNG UND PROPAGANDA BETR.QBERWACH U N6 DER GEISTIG UND KUUU RELLIÄ1 IGEN JUDEN IM DEUTSCHEN REICHSGEBIET. 3. SEPTEMBER 1937 / 27. ELLUL 5697 13. JAHRGANG / NUMMER 36 nooooooooooo(x>ooooooooooooo<xx>oooooooocxxx>oooooooooooooooo<x>oooooooooc ftausdi Xasdiono 5698 Aus einer Kette mehr oder weniger schmerzlicher Alltäglichkeiten hat sich wieder ein Jahr unserer uralten jüdischen Geschichte gerundet. Ein Jahr der Arbeit für eine jüdische Zukunft ist zu Ende gegangen, obgleich wir selbst nicht wissen, wie sich unser Erleben in dieser Zukunft gestalten wird. Wir sind mehr denn je Werkleute an einem Bau, dessen Plan wir höchstens ahnen können; wir wissen nur, daß unserer Hände Arbeit der Hilfe und dem Aufbau für jüdische Menschen und jüdisches Sein dienen muß. Wiederum sind viele Hunderte und Tausende von uns zur Alijah ins Land der Väter und der Söhne gezogen oder ausgewandert nach fremden Kontinenten, und wir wissen, daß es auch im neuen Jahre Elternschicksal sein wird, daß „aus Kindern Briefe werden". Wir haben die Verpflichtung, das jüdische Werk in unserer Gemeinde und in dem Lande, in dem wir wohnen, und in der Welt so zu fördern und so durch schlichte Pflichterfüllung auszubauen, daß alle Juden, daß vor allem unsere Jugend eine Heimat im Judentum findet, auch wenn es nicht allen möglich ist, daß ihre Heimat das jüdische Land wird. Das jetzt vergangene Jahr 5697 hat zum ersten Male seit fast zwei Jahrtausenden den Begriff vom Jüdischen Staat wieder in der nüchternen Sprache von Völkerrecht und Diplomatie erlebt. Möge dieses Ereignis des Jahres 5697 der Anfang einer glücklicheren Aera der jüdischen Geschichte sein! Wir selbst sind zu stark verstrickt in alltäglichen Sorgen und Gedanken, als daß wir den Wert der Zeiten, die wir durchleben, geschichtlich ermessen können. Wir können nur den Wunsch aussprechen, der allen gilt, die unserer Gemeinde in dieser Stadt, in diesem Land und in der Welt angehören: Möge das vergangene Jahr zum Guten gewesen sein! Möge das kommende Jahr zum Guten werden! Leipzig, im Ellul 5697 der Vorstand der israelltisdien Jteltglonsgemeinde tu Cetpilg 5QOOOOOO winniwvvyinnmvvvvwwwY»^^^ Oemeinderabbiner Dr. Ochs: Rückblick Und Ausblick. Rosch Haschanah 5698. Alljährlich einmal gibt uns der Wechsel unserer Jahre Anlaß zur inneren Abrechnung, zum „Cheschbon hanephesch", wie unsere Großen sagen. Wir sollen unser Tun uberdenken, richtiges Handeln bestätigen, falsches Handein bereuen und ausmerzen. Was für den ein/einen gilt, hat seine Bedeutung auch für die überpersönlichen Einheiten, für Familie, Gemeinde, Volk. Nur wird der Rückblick auf Vergangenes und der Ausblick in die Zukunft, Je größer der zu umfassende Kreis ist, um so mehr sich auf Betrachtung der Tatsachen, Darstellung des Geschehenen und Andeutung des für die Zukunft zu Erwartenden beschränken, weniger aber Kritik sein. Wenn wir auf das hinter uns liegende Jahr zurückschallen, dann wird uns eins besonders bewußt werden, nämlich wie stark wir alle zur großen jüdischen Gesamtheit gehören, wie wir unlöslich miteinander verknüpft sind. Wir werden uns dieser Tatsache bewußt werden an der dieses ganze Jahr durchdauernden, nie abgerissenen Verflechtung unserer Gedanken mit Erez Israel. Stand das vorige Rosch Haschanah-Fest noch ganz unter dem Eindruck der Unruhen, die das Land durchtobten, so brachte das Jahr selbst für das Land Israels und seine Entwicklung —man möchte sagen — einen Höhepunkt nach dem anderen: die Beendigung der Unruhen, die Erklärungen der jüdischen Führer vor der Peel-Kommission, die Veröffentlichung des .Peel-Berichtes und in diesen letzten Wochen des Jahres noch die Stellung nähme der großen Versammlungen des jüdischen Volkes in Zürich und Marienbad. Das Interesse, mit dem überall diese Reihe der Ereignisse verfolgt wurde, die Verbundenheit mit Volk und Land, die sich da im Denken und Fühlen der jüdischen Menschen in aller Welt offenbarte, sie Ludwig Meidner: Schofarblaser. Aus: Kalender der Jüdischen Kilnstlerhilfe 1937/1938 - 5698/5699 mit freundlicher Genehmigung des Verlages. ist ein bei allem Ernst der Situation tief bewegendes, ja sogar tief befriedigendes positives Ergebnis der schweren Prüfung, die dieses Jahr bedeutete. Hinter den buchstäblich alles überschattenden Ereignissen in Erez Israel traten die Geschehnisse in anderen Ländern zurück, mochten sie auch die Juden stark berühren, mochten sie aurh in manchem Bezirk Wichtiges und auch Schweres mit sich gebracht haben. Naturgemäß richtet sich bei solchen Gedanken, die einen Zeitraum überschauen unser Blick zunächst und hauptsächlich auf das Land, in dem wir wohnen. Als ein wesentliches Ergebnis wird man da feststellen können, daß Bei den Juden in Deutschland die Erkenntnis ihrer Situation immer stärker sich durchgesetzt hat, und daß andrerseits diese Situation sich immer eindeutiger und klarer abhebt. Dieses Verständnis ihrer eigenen Lage war und ist notwendig und nützlich, um die Juden das richtige Verhalten finden zu lassen. Wir sahen auch in diesem Jahre bei den Juden in Deutschland den nicht unterbrochenen Strom der Auswanderung, sahen diesen Strom den verschiedensten Zielen, besonders überseeischen, zufließen. Wir sahen weiter das Bemühen, das jüdische Kulturleben im jüdischen Bezirk sich entwickeln zu lassen, ihm in den Schulen, den Lehrhäusern und den Einrichtungen der jüdischen Kulturbünde Stützpunkte zu schaffen. Daß hier vieles immer noch in den Anfängen steckt und der Verbesserung bedarf, daß insbesondere vom religiösen Standpunkt aus an vielem erhebliche Ausstellungen zu machen sind, wird jeder Betrachter zugeben müssen. Hier zeichnen sich Linien zukünftiger Aufgaben deutlich und unverwischbar ab. Wenn es wahr ist, was eingangs gesagt wurde, daß wir alle am

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