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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-08-27 · 35 (27.8.1937) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
35 (27.8.1937)
Date
1937-08-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 J Ü D 1SCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 27. August 1937/Nr.35 Probleme diese Entwicklung beschleunigen werden. Präsident Rosenheini griff in seinen weiteren Ausführungen die Zionistische Organisation und die Jewish Agency an. Er sagte, daß die Executive der Jewish Agency nur unter dein Druck der englischen Regierung und des High Commissioner bereit gewesen sei, 00/o der Zertifikate den Agudisten zuzuteilen. Wir haben es nur, so sagte Roscnhcim, nichtjüdischen Faktoren zu danken, daß es eine Ali ja thoratnuer Juden nach Palästina gibt. riüsiueni kosenheim behandelte dann ausführlich den Bericht der Kgl. Kommission und den Vorschlag, einen eigenen jüdischen Staat in Palästina zu schaffen. Dieses Projekt, so sagte er, ist in keinem englischen Hirn entstanden; es geht auf die Zionisten zurück und bewegt sich in der Linie der zionistischen Oedankengänge. Bis jetzt hat zu diesem Plan nur eine Partei, die zionistische, Stellung genommen. Da;, ist noch nicht die Antwort des jüdischen Volkes. Die Agudas Jisroel ist bestrebt, die jüdische Volkseinheit wiederherzustellen, um das Parteimonopol der Zionisten auf Palästina zu brechen. Das Schicksal von Erez Jisroel wird nicht in Gesprächen zwischen zionistischen Führern und dem englischen Kolonienminister entschieden werden, sondern nur durch eine Vereinbarung /wischen England, dem jüdischen Volk und den Arabern. Präsident Rosenheim berichtete weiter über Gespräche, die er mit Mitgliedern der Mandatskommission in Genf gehabt habe. Er habe bei ihnen Verständnis für den Standpunkt der Agudas Jisroel in der Palästinafrage gefunden. Er verteidigte weiter die Bestrebungen, eine Einheitsfront mit der Neuzionistischen Organisation herzustellen, und berichtete über die Stellung, die die 1 horagrößen zum Teilungsplan eingenommen haben. Nach ihrer Ansicht müßten zwei Momente maßgebend sein: einmal die Tatsache, daß die Grenzen Palästinas u^urch die Thora für ewige Zeiten festgelegt sind, und daß Politiker sie wohl ändern, aber nicht beseitigen können; weiterhin sei bemerkenswert, daß ein jüdischer Staat, sofern er entstehen sollte, unter die Kontrolle von Menschen kommen würde, die sich gegen die Thora stellen; er würde damit von vornherein /um Untergang verurteilt sein. Abschließend behandelte Präsident Rosenheim Alija-Fragcn von Aguda-Mitgliedern und die Auswanderung in Länder außerhalb Palästinas. Er bemerkte, daß die Arbeit bei der Palästinaeinwanderung darunter gelitten habe, daß. die Aguda kein zentrales Einwänderungsamt habe. An den Tätigkeitsbericht von Präsident Rosenheim schloß sich die Generaldebatte an. Es sprach zuerst der Rabbi von Sadagora. Mit stürmischem Beifall wurden Ausführungen von Rabbiner Menachem Sembt-Warschau aufgenommen, der sich scharf gegen den Teilungsplan wandte und ausführte, daß eine Zerstückelung Palästinas ebenso undenkbar sei, wie eine Zerstückelung der Thora. Friedensolm-Lodz unterstrich die Wichtigkeit der Schaffung eines gut funktionierenden Progaudaapparates der Agudas Jisroel. Eine Diskussion innerhalb des Rabbinischen Rates der Agudas Jisroel hat gezeigt, daß in den Reihen dieser Körperschaft keine Einigkeit über die Haltung zur I eilungsfrage besteht. Man gelangte nicht dazu, einen einheitlichen Standpunkt zu fixieren, während polnische Delegierte und Delegierte aus Deutschland sich zugunsten des l eilungsplanes aussprachen, waren die tschechischen, ungarischen und amerikanischen Mitglieder des Rates gegen jede Annahme des Teilungsvorschlages, wobei sie insbesondere anführten, daß die Gründung eines jüdischen Staates, der Jerusalem nicht einschließt, dazu führen würde, eine neue Diaspora in einem Teile Palästinas zu schaffen. Eine Anzahl der Mitglieder des Rates vertrat die Meinung, daß die Kenessio Gedaulo keine endgültige Stellung zum Teilungsvorschlag nehmen, sondern die Einberufung einer Round Table-Konferenz fordern sollte. Diese Round Tabie-Konferenz aus Mitgliedern der Jewish Agency, der Agudas Jisroel und der NZO. sollte als Repräsentantin der gesamten Judenheit eine endgültige Antwort zum Teilungsvorschlag geben. Auf der Sitzung des Rabbinischen Rates wurde auch die Kaschrutfrage zur Sprache gebracht. Es wurde die Möglichkeit einer Betäubung vor der rituellen Schächtung erörtert. Die Mehrheit der Ratsmitglieder wandte sich dagegen, eine solche Betäubung vor dem Schlachten zuzulassen. Eine eingehende Erörterung der aktuellen politischen Fragen Palästinas wurde auf der Kenessio Gedaulo durch zwei Referate eingeleitet, die der Direktor der Palästinazentrale der Agudas Jisroel, Dr. Salomon Ehrmann-Frankfurt a. Main, und Dr. Isaac Breuer hielten. Dr. Salomon Ehrmann führte in seinem Referat u.a. aus: Wir müssen es als Glück bezeichnen, daß die erste Kenessio Gedaulo im Keren Hajischuw (Kolonisationsfonds) dal Instrument für den religiösen Aufbau des Heiligen Landes geschaffen hat; denn wer weiß, wie viele unserer Menschen die Not ins andere Lager getrieben hätte, wenn sie nicht auch bei der Agudas Jisroel eine Auswanderungsmöglichkeit nach Erez Jisroel sehen würden. Zu der aktuellen politischen Situation im Heiligen Laude übergehend, erklärte der Redner, die Kenessio Gedaulo müsse vorerst die Entscheidung des Rabbinischen Rates abwarten. Fest steht, rief Dr. Ehrmann unter starkem Beifall aus, daß wir als heiliges Land den ganzen großen Fleck Erde betrachten, dessen Grenzen Gott selbst gezogen hat. Wir wissen nicht, ob wir die Teilung Palästinas werden verhindern können, aber wir müssen dafür sorgen, daß das jüdische Land, mag es auch klein sein, ein heiliges und daß Erez Jisroel ein jüdisches Land werde. Die Orthodoxie muß vcilangen, daß ihr Wort bei allen zuständigen Instanzen Gehör finde. Dr. Ehrmann berichtete sodann über die Arbeit der Palästinazentrale, die bis vor wenigen Jahren das Werk einzelner innerhalb der Aguda war. Sie konnte die Zahl der religiösen Schulen im Heiligen Lande von 5 (mit 47i Schftfcra) i, J. '."22 »iil 20 v"1'1 21oö Schülern) i. J. 1937 erhöhen. Darüber hinaus mußte wirtschaftliche und kolonisatorische Arbeit geleistet werden, immer beherrscht von der Erkenntnis, daß ein jüdisches Land ohne Thora nicht möglich, die Arbeit für das jüdische Land aber selbst ein Gebot der Thora sei. Unsere Arbeit, sagte Dr. Ehrmann, war gehemmt durch die Weigerung der Zionistischen Organisation, uns für unsere Mitglieder Zertifikate zur Verfügung zu stellen. Es sind erst wenige Jahre her, seitdem es uns mit Unterstützung der Mandatsregierung gelungen ist, unser Recht auf Zertifikate durchzusetzen; doch muß weiterhin festgestellt werden, daß ihre geringfügige Zahl noch immer eine schwere und ungerechtfertigte Benachteiligung der glaubenstreuen Judenheit bedeutet. Die Aguda hat bis heute 2341 Zertifikate an ihre Mitglieder verteilt. Auf Qrund dieser Zertifikate sind rund 5000 Menschen nach Erez Jisroel gezogen. Mit Erlangung der Zertifikate erwuchs ein neues Problem: die Errichtung von Hachscharastätten — es gibt deren zurzeit rund 90 — für die religiöse und manuelle Vorbereitung unserer Olim. Leider hat die Erhaltung der Hachscharastätten einen großen Teil der Mittel verschlungen, die für den Aufbau von Erez Jisroel bestimmt waren. Als nächster Redner sprach Dr. Isaac Breuer, der drei Aufgaben der Kenessio Gedaulo umriß: die Bildung einer aktiven obersten Leitung mit der Hauptbestimmung des Auf- und Ausbaus der Bewegung; eine klare ideologische Einstellung zu den Ereignissen unserer Zeit, insbesondere zu dem Problem des Heiligen Landes; schließlich die Lösung des Problems von Machane Jisroel. Der Boden von Machane Jisroel ist in der Annahme erworben worden, daß eine Teilung in Parzellen einen wirtschaftlichen Erfolg der einzelnen Besitzer ermöglichen würde. Diese Annahme hat sich als falsch erwiesen, denn der Mangel an Wasser läßt nur eine extensive Bewirtschaftung zu, bei welcher selbst 100 Dunam für die Erhaltung einer Familie nicht ausreichen. Es muß gefordert werden, daß den Bodenkäufern von Machane Jisroel die Beträge zurückgezahlt und daß die nötigen Kapitalien, etwa noch 4000 Pfund, investiert werden, um eine Ansiedlung größeren Ausmaßes zu ermöglichen. Den Poalim des Heiligen Landes sei gedankt für den Mut und die Aufopferung, mit denen sie auch während der Unruhen an exponierter Stelle durchgehalten haben. Ein Bericht über den Abschluß der Kenessio Gedaulo folgt. Unsere Gemeinde Landgerichtsdirektor i. R. Martin Alterthum 50 Jahre alt. Obwohl es gewiß nicht im Sinne Martin Allerthums ist, daß in einer breiteren Öffentlichkeit auf den 31. August als seinen 50. Geburtstag hingewiesen wird, erscheint mir die«er Tag doch Gelegenheit und Anlaß, des Wirkens und der Wirkung unseres Freundes an dieser Stelle zu gedenken. Es sind erst drei Jahre her, seit Martin Alterthum seine ihm liebgewordene jüdische Tätigkeit als Gemeindevorsitzender in Dessau und Leiter des Anhaltischen Gemeinde Verbandes aufgab und dem Ruf nach Leipzig folgte. Nur drei Jahrelind doch ist seine Persönlichkeit aus dem Leben unserer Leipziger Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Gewiß hatte der „Neue" erst Widerstände aller.Art zu überwinden, aber in einer sehr kurzen Zeil geiang es ihm, sich seine Stellung in Leipzig und im ganzen mittel deutschen Bezirk zu schaffen ihm, einem Manne, dem jeglicher Geltungstrieb, jedwede politische Geschäftigkeit fernliegt Daß Martin Alterthum in seiner gan/en persönlichen Bescheidenheit — die doch höchste Ansprüche an seine eigene Leistung stellt — sich so schnell bei allen Richtungen trotz seiner klaren zionistischen Zielsetzung durchsetzen konnte, ist ein beglückender Beweis ilafür, daß menschliche Intengrität und jüdische Leistung über die Grenzen der Parteiungen hinweg Anerkennung und freundschaftliche Gesinnung finden. — Was sind unsere Wunsche für den nun Fünfzigjährigen? Neben der Selbstverständlichkeit seiner völligen Wicdergesuiiduiiij wünschen wir ihm — und uns, seinen alten Freunden, seinen engeren Gesinnungsgenossen, der ganzen jüdischen Gemeinde Leipzig — daß er seine schwere, von wenig Dank begleitete jüdische Arbeit noch manches Jahr hier weiter leisten möchte, bis er das von ihm so heiB ersehnte Glück hat, mit seiner lieben Frau in Erez Jisrael zu leben und zu wirken. Männer dieses Schlages braucht man überall, drüben beim Aufbau, hier in der Golah. 1 laus Abelsohn. Konzerterfolg des Herrn Paul Niederland. Aus Siöfok am Plattensee (Ungarn) wird uns berichtet, daß Herr Paul Niederland, Musiklehrer an unseren jüdischen Schulen, in einem Konzert am 8. August in Siöfok, wo er zurzeit als Gast weilte, einen großen Frfolg erzielte. Sein lyrisch-heldischer Tenor von strahlender Höhe wird in warmen Worten gerühmt. Auch Im« Freitagabend-Gottesdienst des Rosch-Chodesch Ellul trug er die Gebete in der dortigen Gemeindesynagoge vor und gestaltete, wie uns gesehrieben wird, den Gottesdienst zu einem wahren Erlebnis. — Wir beglückwünschen den in unserer Gemeinde schon anerkannten Sänger zu den Erfolgen, die er auch außerhalb errungen hat.

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