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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-08-20 · 34 (20.8.1937) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
34 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT LEIPZIG 20. August 1937 Nr. 34 Jüdische Zeitschau Vier Jahre jüdischer Kulturbund Berlin. Zu Beginn des fünften Jahres des Bestehens des Jüdischen Kulturbundes in Berlin erscheinen die von ihm herausgegebenen Monatsblätter als Sonderausgabe. In ihnen wird Rechenschaft gegeben über das, was der Kulturbund in den vier Jahren seit seiner Gründung geleistet hat. Es wird ein Auf ruf an die Mitglieder gerichtet, das bisherige Werk zu stützen und auszubauen. Indendant Dr. Kurt Singer schreibt über das Motto „Erleben und Bekennen", das der KuHorhund an den Begiüü seines, neuen i heaterjahres setze. Kunst sei auch heute lebensnotwendig. Ein Bekenntnis zum jüdischen Kulturbundtheater sei Bekenntnis zur Idee und zui Leistung. Wir lehnen es ab, so schreibt Dr. Singer, irgendwo und irgendwann ein Unterhaltungsinstitut, ein Aniüsiertheater gar zu sein. Dennoch werde vom Kulturbund die Kraft des Lachens nicht unterschätzt. Es sei uns in der Gegenwart i.i ryi PIi i r. .. rv ,J..L. sv r.imci isewurtictt, •„•a-: tu turnen. : ......&Cti> Verklärung jüdischer Geschichte, jüdischen Schicksals und jüdischer Welt suchten wir, so heißt es weiter, in der Dramatisierung zeitnaher Probleme, ohne uns den Blick vom Nebel des I ciidcnzstückcs trüben zu lassen. Als beispielhafte jüdische Dichter und Denker hierfür werden Scholen Alechem, l.civik, Zaugwill, l'ercz und Bialik genannt, von Musikern Mendelssohn, Offenbach, Meyerbeer, Mahler usw. Generalsekretär Dr. Werner Levis betont in einem Aufsatz, wie wichtig es sei, daß die Kulturbundmitglieder den Kulturbund als ihren Besitz empfänden. Eine Vergrößerung der Mitglieder/ahl sei möglich und notwendig. Der Kulturbund sei für die Juden Berlins unersetzlich, er sei aber auch als wirtschaftliche und organisatorische Institution ein Faktor. Die Mitglieder des Jüdischen Kulturbundes Berlin haben im Laufe der vier Jahre aus den relativ niedrigen Mitgliedsbeiträgen nahe/u drei Millionen Reichsmark angebracht; hiervon sind fast zwei Millionen an Gehältern, Honoraren und Löhnen an die 200 im Kulturbund beschäftigten Menschen ausgezahlt worden. Linen Überblick über die Arbeit im Schauspiel gibt Julius Bah. In den vier Jahren sind 34 Werke, davon dreimal zwei Stücke au einem Abend, aufgeführt worden. Mit Shakespeares Lustspielen verzichten, oder in jedem Jahre an einein anderen kalendarischen Wochentag, der mit dem betreffenden astronomischen Sabbat identisch wäre, den Sabbat zu feiern. Dies könnte zu einer Verwirrung in religiöser und wirtschaftlicher Richtung führen. Der Völkerbund hat den Vorschlag Chiles den Regierungen den Mitgliedsstaaten zur Meinungsäußerung übersandt. Kommt die Zustimmung einer Drei vicrtclmchrhcit zustande, dann soll die Kalenderreform am I. Januar 1939 eingeführt werden. Dabei ist noch unklar, ob die Angelegenlut vorher vor einem Plenum Her VöIkerbtSJdsvcrsaOinilunß zur Debdtti gestellt werden soll. Die wirtschaftlichen Verbände Österreichs, an die sich die Regierung um ein Gutachten gewandt hat, haben sich für die Reform ausgesprochen. Als die Gefahr der Kalenderreforni im Jahre 1930/31 zum erstenmal das religiöse Judentum bedrohte, hat der Wiener Schriftsteller Markus Silberschatz in einigen Publikationen und Eingaben an den Völkerbund verlangt, daß dieser die religiösen Fragen aus seiner Kompetenz ausschalte. Protesterklär! gen verschiedener religiöser iiemeinschaften in der ganzen Welt hatten dann zur Folge, daß in dem Mitte Juni 1931 an die zuständige Sektion des Völkerbundes erstatteten Bericht des Genfer Kalenderreform-Komitees angeregt wurde, Fragen von lediglich religiösem Charakter vollständig der Entscheidung durch die interessiertrn religiösen Instanzen zu überlassen. Der neue Vorschlag der chilenischen Regierung sieht ebenso wie das vom Völkerbund seinerzeit zurückgestellte Projekt, das aus anglikanischen Kreisen stammte, die Einführung eines Blankoiages vor, würde aber im übrigen noch viel einschneidender wirken. (JTA.) „Dr. phil. litt, jud." Der jüdische Lehrstuhl in Dorpat. Die einzige Universität in Europa, an der man einen Doktorgrad in der jüdischen Wissenschaft erwerben kann, ist die estländische Universität Dorpat (mit dein estnischen Namen: Tartu). Auf die Existenz des jüdischen Lehrstuhls in Dorpat ist verschiedentlich kurz hingewiesen worden. Es gibt an der Universität Dorpat eine Reihe ausländischer Lehrstühle; der jüdische unterscheidet sich von ihnen dadurch, daß er mit allen akademischen Rechten ausgestattet ist: es dürfen Prüfungen abgehalten werden, und die Studenten sind gleichberechtigt. Dieser Erfolg ist der „Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Wissenschaft an der Universität Tartu" mit ihrem rührigen Jüdischer Kulturbund (Mitgl. d. Reichsverb. d. Jüd. Kulturbünde in Deutschland - Nur f. Mitgl.) Hontag, den M. August 1987, pktl. «0.15 Im Kulturbundtheater, Tauchaer Str. 3Ä (Garderobeschluß 20 Uhr) Arien- und Lieder-Abend Paula Salomon-Iitndberg (Alt) Julius Peissachowltsch (Bariton) Erna Klein (am Flügel) habe der Kulturbund die allerstärksten Erfolge gehabt. Nach einer Aufzählung der sonstigen Dichter, insbesondere der jüdischen, deren Werke aufgeführt wurden, heißt es in dem Aufsatz, es habe sieh immer stärker als die eigentlichste Aufgabe des Kulturbundtheaters int... Wunsch" und-■die Pflicht herausgestellt, Werke zu suchen, die nicht nur von Juden verfaßt sind, sondern in ihrem inneren Wesen jüdisch die jüdischen Probleme darstellen. Solche Werke können in sehr verschiedenen Sprachen geschrieben sein. Ein weiterer Aufsatz berichtet über die Oper. Fünfzehn große Werke sind aufgeführt worden. Weitere Berichte beschäftigen sich mit den Konzerten und Vortragen. Eine Übersicht über den künftigen Spielplan zeigt eine große Vielseitigkeit dessen, was geboten werden soll. Es soll „Der Golem" von Leivik in der Übertragung von Leo Hirsch aufgeführt werden, weiter Shakespeares klassisches Lustspiel „Viel Lärmen um Nichts" mit der Musik von E. W. Korngold. Das Lustspiel von Scholen) Alechem „Der Schatz", „Kapitän Braßbounds Bekehrung" von Shaw und Arthur Sclmitzlers „Fräulein Fkc" sowie „Herodes und Marianine" von Friedrich Hebbel sind in Aussicht genommen. In der Oper sind „La Boheme" von Puccini, „Rigoletto" von Verdi, Jacques Offenbachs „Schöne Helena" und die Lustspieloper von Adams „Wenn ich König wär" geplant. Vorgesehen sind schließlich fünf Konzertserien, darunter Kammermusik, Orchester- und Chorkonzerte und die Aufführung des Oratoriums „Saul" von Händel. Die Vorträge in der neuen Saison werden wieder von bekannten Persönlichkeiten gehalten werden. In jedem Monat wird es eine Sonder« Veranstaltung bekannter Künstler geben; die Kleinkunstbühne unter Leitung von Max Ehrlich wird jeden Sonnabend und Sonntag spielen. Kalenderreform mit Einführung des Blunkotagcs wieder geplant. Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß die seit dem Jahre 1931 nach scharfen Protesterklärungen der Juden und anderer religiöser Gemeinschaften zurückgestellte Kalenderreform mit Einführung eines Blankotages wieder aktuell geworden ist. Die chilenische Regierung hat beim Völkerbund einen neuen Vorstoß in dieser Richtung unter* Rommen. Es besteht die Möglichkeit, daß die seit langem geplante Kalenderreforni schon zum k, Januar 1939 eingeführt wird. Eine derartige Kalenderreforni bringt die Gefahr einer Erschwerung der Einhaltung der Sabbatvorschriften mit sich. Dadurch, daß der 3ö5. Tag des Jahres zur Abruudung auf genau 52 Wochen als Blankotag zu keiner Woche gezählt werden soll, muß sich der kalendarische Sabbat jährlich um ein oder zwei Tage vom astronomischen entfernen. Dadurch würden die sabbathaltendcn Juden vor die Wahl gestellt werden, entweder auf den traditionellen Sabbat zu Vorsitzenden Jakob Blumenfeld an der Spitze zu verdanken — nicht weniger aber auch dem Wohlwollen der staatliehen Behörden sowie des Landesbischofs Prof. Rahamägi, die für die jüdischen Bestre Innigen volles Verständnis hatten und ihnen alle Förderung zuteil werden ließen. Die Schaffung einer finanziellen Grundlage ist den tatkräftigen Bemühungen des bekannten englischen Zionisten Paul Qoodoiau zu vei danken, der seibsi aus Dorpat stammt. — Der jü disehe Lehrstuhl in Dorpat befindet sich im Aufbau. Prof. Lasar Guikowisch (früher Leipzig) vertritt die hebräische Sprach Wissenschaft, und es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Arbeit in Dorpat auch auf die übrigen Gebiete jüdischer Wissenschaft aus gedehnt werden könnte. Für die jüdischen Studenten in Deutschland insbesondere die Theologen, bietet sich hier eine Möglichkeit, ihre Studien abzuschließen. Für die jüdische Welt ist hier Gelegenheit, eine jüdische Kulturaufgabe zu stützen und zu fördern. (Jüd. Rundschau ) Unsere Gemeinde An alle Gemcindemiigueder. Der Kulturbund Leipzig veranstalte am Donnerstag, den 26. August 1937, eine Werbeveranstaltung — nur f ü r N i c h t mitgiieder. Das Programm ist au» der Anzeige in du heutigen Nummer ersichtlich.— Die Behörden haben den Zutritt ZI dieser Veranstaltung ohne „R.-Karte" genehmigt. Sie ist allen Ge< meindemitgliedern zugängig. Wir machen darauf aufmerksam, daß diese Genehmigung nur einmalig für diese Werbeveranstaltung er teilt wurde. Eintrittskarten (Einheitspreis RM. 0,50 einschließlich Programm, Garderobe und aller Abgaben) erhältlich nur im Kulturbundbüro (täglich 10—12 Uhr außer Sonnabends und Feiertags) Goethestraße 1 III und nur gegen Vorlage eines jüdischen Ausweises (Steuerzettel, Mitgliedskarte eines Vereins usw.), sowie Unterschrift, daß der Besucher Jude oder Jüdin im Sinne der Reichs gesetze ist. — Soweit Karten noch vorhanden, auch Abgabe untet der gleichen Voraussetzungen au der Abendkasse ab 19 Uhr. Der Besuch der Werbeveranstaltung verpflichtet nicht zum Eintritt in den Kulturhund. Amtliche Bekanntmachungen Letzte Frist zur Abholung reservierter Synagogenkarten. Die Synagogenkarten, die auf ausdrücklichen Wunsch zurückgelegt worden sind, müssen bis spätestens Dienstag, den 24. AugUB 1937, im Gemeindeamt abgeholt werden. Über Karten, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingelöst werden', «vird anderweit verfügt Leipzig, den 18. August 1937. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

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