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Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-08-20 · 34 (20.8.1937) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt und Nachrichtenblatt der Gemeindeverwaltung der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
34 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHES OFM EIN DE BLATT LEIPZIG 20. August 1937 / Nr. 34 die unvergleichlich schöne Aufgabe, setner Gemeinschaft die Größe ihrer Ideen, die Starke ihres Daseins, die Schönheit ihres Wollens durch seine Formgebung /um Bewußtsein zu bringen und damit für die den Juden innewohnenden Werte Zeugnis auch vor der Welt abzulegen Darin liegt wohl der tiefste Sinn des Jüdischen Kulturbundes, und jeder, der führend in ihm tätig ist, hat darauf sein Augenmerk gerichtet. Aber jeder weiß auch, daß Verwirklichung dieses Zieles nicht möglich ist, wenn nicht der Jüdische Kulturbund ei" "!rb?r w£!Ü£vuuiM ücwcis iür oas newuDtsem jüdischer Kultiiigcineinschatt und die Verantwortung jedes einzelnen in ihr darstellt. Der jüdische Jünger der Kunst kann zu jüdischem Schaffen nur dann beflügelt werden, wenn er die anfeuernde Resonanz fühlt, wenn er weiß, daß die Gemeinschaft auf ihn achtet, ihn versteht, mit ihm geht. Auch — und vielleicht besonders aus diesem Grunde sollte der Jüdische Kulturbund nicht vergeblich werben. jeuer Jude der nur irgend dazu in der Lage ist gehört in den Kulturbund: zur eigenen Erhebung, zur Stützung der jüdischen Kunstausübenden und nicht zuletzt zur Förderung des jüdischen Kunstschaffeiis. Qemeinderabbiner G. Cohn. Vorschau auf die Winterarbeit des Jüdischen Kulturbundes. Von Dr. Abelsohn, Vorsitzender des Jüdischen Kulturbundes Leipzig. Wenn in diesen Tagen im ganzen Reich die jüdischen Kulturbünde sich in einer besonders eindringlichen Weise an die jüdischen Menschen wenden, wenn an fast allen Orten Werbeaktionen veranstaltet werden, so geschieht dies, weil die Bedeutung der Kulturbünde für die Judenhcit und das Judentum dieses Landes immer sichtbarer wird, und die Tätigkeit der Kulturbünde aus dem jüdischen Leben nicht mehr weggedacht werden kann. Bei dieser Erkenntnis geht es einfach nicht an, daß immer noch weite Kreise, die durchaus in der Lage sind, den Kulturbünden anzugehören, aus welchen Gründen auch immer, abseitsstehen. Der Aufbau und das Wirken der jüdischen Kulturbünde gehören zu den unterstützenswerten Versuchen, aus einer Not heraus etwas zu schaffen, was nicht nur ein Palliativum für den Tag ist, sondern schöpferisch sich auswirkt und dem so schwer ringenden Judentum Kraft und Ehre gibt. Daß es überhaupt angesichts des Kampfes um die nackte Existenz weiter Kreise zu diesem Versuch, zu dieser Anstrengung im geistigen Gebiet gekommen ist, legt Zeugnis ab von der ewig wirkenden Kraft der jüdischen Idee. Es ist ein gewiß — noch und wahrscheinlich auf lange Zeit hinaus — unvollkommenes, aber doch großartiges Unternehmen, über die primitiven Sorgen des Tages das geistige Leben nicht verkümmern zu lassen, das kulturelle Gut zu pflegen — ja, darüber hinaus Anschluß zu suchen an das jüdische I eben der Welt. Der Verfasser dieser Zeilen hatte vor einigen Monaten Gelegenheit, in dieser Zeitung seine Gedanken über die Aufgaben der jüdischen Kulturbünde anzudeuten. Diese Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzen, ist sehr schwer, wie ja überhaupt Idee und Wirklichkeit nur in den seltensten Fällen vereint werden können. Zum Teil waren es auch so persönliche Meinungen einer ganz bestimmten jüdischen Weltanschauung, daß ihre völlige Verwirklichung mit der i ieuliäiiuerschaft für alle Juden — wie wir die Leitung eines jüdischen Kulturbundes auffassen — nicht vereinbar wäre. In einer für uns Juden so unsicheren Zeit ist es aber, überhaupt und ganz allgemein gesprochen, schier unmöglich, auf lange Sicht zu planen, Programme auszuführen, Ideen zu blutvollem Leben zu verhelfen. Man kann nur eines: mit heißer, fanatischer Liebe zum Judentum alle Kraft daransetzen, den Posten, auf den man gestellt ist, ausniit viel Aibeii und Liebe zur Sache zu III i lllIV 7ufn|!en und in diese versuchen, den berechtigten Ansprüchen unserer (Jememdemitglieder an ein jüdisch-kulturelles Leben gerecht zu werden, unter der selbstverständlichen Voraussetzung eines möglichst tiefen Zusammenhanges mit dem pulsierenden jüdischen Leben. In Notzeiten ist es schwer, ein Haus zu errichten, und es kann nur gelingen, wenn nicht wenige nur ihre Pflicht bis ins äußerste erfüllen, sondern alle mit Hand anlegen. Darum wendet sich der Jüdische Kulturbund Leipzig in dieser Woche an alle noch Abseitsstehenden, auch ihrerseits mitzuhelfen, nicht nur andere tun zu lassen, sondern selbst mitzutun, damit wir mit der Hilfe aller unser Haus so wohnlich wie möglich einrichten, und die jüdischen Menschen unserer Tage und unseres Schicksals sich darin wohlfühlen können. Die Vorbereitungen für die erste Hälfte der Winterabeit sind ab- Seschlossen: Schauspiel, Oper, Vokal- und Instrumentalmusik, este Kleinkunst wechseln miteinander ab. Wir bringen als Gastspiel des Berliner Kulturbundes das entzückende Gesellschaftsstück „Jean", dessen Aufführung in Berlin mit einem besonders verwöhnten Publikum mit einer einhelligen Begeisterung aufgenommen wurde. Das ebenfalls im September stattfindende Konzert der Berliner Kulturbundorchesters unter Stabführung von Dr. Kurt Singer mit Rita Storch als Pianistin — war in Berlin ein wirkliches künstlerisches Ereignis Es ist uns ferner gelungen, mit Frau Sabine Kalter ein Konzert abzuschließen. Frau Kalter war bis 1933 die führende Altistin am Hamburger Opernhaus, singt jetzt vor allem an der Covent Garden Opera in London, hat auch solistisch an verschiedenen Konzeiten des Hubermannsehen Palästina-Orchesters mitgewirkt. Sie gehört zu den ganz großen Altistinnen unserer Zeit und hat einen internationalen Ruf. Die Aufführung von „Arne ha" — ebenfalls im Oktoher — verspricht sehr genußreich zu werden. Wir haben gern zu diesem Stück gegriffen, da es eins der besten und wirkungsvollsten Theaterwerke des jüdischen Genres ist, mit dem wir unser Publikum bekanntmachen können. Es erübrigt sich, über die Erfolge einer Dela I pinskaja, über die künstlerische Höhe des heimischen Mendel sohn-Trios etwas Einführendes zu schreiben. Sie sind uns wohl bekannt ul'^it» iiueiigesciiatzt, ebenso das Streben tles Co Magium musicum. Für den Dezember haben wir wieder ein Birliner Operngastspiel abgeschlossen, und zwar „Boheme". Die Aufführung der „Lustigen Weiber" ist uns allen noch in lebendigstet und schönster Erinnerung. Wir sind fest überzeugt, daß die Aufführung der „Boheme" einen gleich glanzvollen Abend uns bescherea wird, an den jeder Besucher mit viel Freude zurückdenke:: wird. Zu diesem Programm kommen noch Vorträge über verschiedenste jüdische Themen, die von berufenen Rednern behaniblt werden sollen. Wir glauben, daß wir auf diesen Teil der Arbeit nicht verzichten dürfen, um unser Vorhaben, in unserem Tun das jüdisch«: kulturelle Schaffen der Vergangenheit und der Gegenwart stärkstens zu berücksichtigen, so umfassend wie möglich zu machen. Vielleicht wird für die Vorträge eine andere Organisationsform geschaffen werden müssen, um vorher zu wissen, auf wie viele Hörer wir rechnet können, um eventuell die Vorträge in einem anderen Rahmen stattfinden zu lassen (Räume der Gesellschaft der Freunde). Alle unser« werden ein gutes Niveau haben und wirklieh das im Rahmen der Jüdischen Kulturbünde Überhaupt kann. Aber es muß immer und immer wieder allen, die es angeht eingehämmert werden: Wir brauchen für ein Programm dieses Niveaus und dieses Umfangs die Unterstützung aller. Es ist keine Phrase: Keiner darf mehr fehlen, keiner aus irgendeiner kleinlichen Verärgerung heraus dem Kulturbund dm Rücken kehren. Jeden geht es au, jeder hat die Verpflichtung, durch seine Zugehörigkeit zum Kulturbund an diesem Werk mitzuarbeiten, das — aus der Not zwar geboren — es unternimmt, aus dem Shok zu einem stets und tief wirkenden Erlebnis zu gelangen. Das Volk lies Buches muß in einer seiner Vergangenheit und seiner Zukunft ideale würdigen Art und Weise auf das schwere Erleben dieser Tai reagieren. Wir würden uns selbst erniedrigen, wenn wir nur im Kampf um das Brot aufgingen. Noch immer erfolgte in Zeiten jüdi sehen Unglücks und jüdischer Not eine besondere Rückkehr zum Geistigen. In solcher Zeit ruft auch der Jüdische Kulturbund Leipzig jeden Juden auf, sich ihm anzuschließen, mit Rat und Tat luitzutua Jeder soll es wissen, jeder soll danach handeln: Tita res agitur — es geht um deine eigene Sache! Veranstaltungen Beste sein, was geboteil werden SiilÜLin voi vier jähren der jüdische Kulturbundgedanke m Berlin und im Reich die große geistige Erfassung der jüdischen Meli sehen in Deutschland begonnen hat, ist es heute an der Zeit, die bis jetzt erreichte Stellung der Kulturbundidee im jüdischen Leben zu erweitern und neue Horizonte für sie zu eröffnen. War es in den vergangenen vier Jahren die Hauptaufgabe für alle Verantwortlichen der jüdischen Kulturbundarbcit, die zueist abgesteckte Plattform /u sichern und auf diesem Boden ein Gebäude zu errichten, das zwar klein, aber festgefügt sein sollte, so gilt es heute das begonnene Werk zu einem Endgültigen zu inachen. Eine neue Welle des Interesses und der Aufgeschlossenheit für die Arbeit des jüdischen Kulturbundes wird in diesen Tagen die jiuli sehen Mensehen in Deutschland erfassen. Es gilt nicht mehr die Frage nach Existenzberechtigung der Kulturbünde, es gilt nicht mehr die trage nach der Qualität der Leistungen, all das ist erprobt unj erhärtet, ist Geschichte geworden. Es gilt, den letzten jüdischen Mei sehen, der aus persönlicher Lauheit die Idee der Kulturhundarluii noch nicht zu der seinen gemacht hat, zu erfassen und ihm klarzumachen, daß er ohne seinen Kulturbund und der Kulturbund ohne ihn ein Stückwerk bleiben muß. Das langsame Heranwachsen des jüdischen Kulturkreises i Deutschland zu einem üefüge autonomer Prägung ist nur zu voj enden, wenn alle jüdischen Kreise ihr Interesse und damit ihre Mit] arbeit für dieses Ziel einsetzen, dessen praktische Erfüllung heiittj keine Hypothese mehr ist. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß gerade in den Kuhn bünden außerhalb Berlins wertvolle Pionierarbeit auf dem Wege Ell selbständigen jüdischen Kulturkreis geleistet worden ist. So ist meine feste Überzeugung, daß gerade Leipzig mit seinen besonder jüdisch interessierten Gemeindemitgliedern in erster Linie dazu bf rufen ist, in seinem jüdischen Kulturbund wertvolle und bleibend Arbeit auf kulturellem Gebiet zu leisten. Mit Freude denken dl* Künstler des Berliner Jüdischen Kulturbundes an das herzliche FdH das ihre Gastspiele beim Leipziger jüdischen Publikum gefundel haben. Es ist ein Beweis der Rührigkeit und des kulturellen Niveau*; daß <ü>gar Operngastspiele großen Umfangs organisatorisch und künstlerisch durch das l eipziger jüdische' Publikum zu vollem ErfoH geführt werden konnten. Ich glaube bestimmt, daß es der zielbewußten Arbeit des Leipziger Kulturbundes gelingen wird, auch den letzten unentschlossene! jüdischen Menschen von der zentralen Wichtigkeit der Idee des Kur turbundes zu überzeugen, und so beispielgebend für die grui)f

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