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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-07-16 · 29 (16.7.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
29 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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sene 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIOIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 16. Juli 193V vierte Kolonie von 30 Kindern wird anschließend durch das Wohlfahrtsamt der Gemeinde entsandt. In ganz besonderen schwierigen l allen haben wir in diesem Jahre sieben Kinder in das Heim des Jüdischen Frauenbundes nach Wyk auf Führ geschickt. Die Kuren umfassen jeweils 6 Wochen. Weitere drei Kinder gelangen im September d. J. zur Verschickung. Für Bad Kolberg sind 25 Kinder vorg&clicn. Die Km wird vier Wochen dauern und während der großen Schulferien dtirchfjeffihrf Hnscrc Absicht. Iu divacoi jui.n. »ieüei eine größere Anzahl von erholungsbedürftigen Kindern in das Jüdische Erholungsheim nach Gilsdorf (Tschechoslowakei) ZU verschicken, konnte nicht durchgeführt werden. Wir bemühen uns jedoch, die für Gersdorf vorgesehenen Kinder anderweitig unterzubringen. Die Israelitische Kinderheilstätte in Bad Kissingen hat auf unseren Antrag sechs Kinder aufgenommen, die sich bereits in Kissingen befinden. Die durchschnittlichen Unkosten für jedes Kind betragen ca. RM. 100,—. Für die gesamte Verschickung aus schließlich der Kinder, die dm eh das Dürrenberg-Komitee versorgt werden — waren ca. RM. H)O(K), - erforderlich. Dieser Betrag konnte nicht in voller Höhe aus etatmäßigen Mitteln des Wohlfahrtsamtes bestritten werden. Wir haben deshalb von den anderen in Leipzig bestehenden jüdischen sozialarbeitenden Organisationen Zuschüsse erhalten. So haben sich an diesen Kosten beteiligt: Der Israelitische Frauenverein, der Hilfsverein israelitischer Gewerbetreibender, der Jüdische Frauenbund und der Verein Polnischer Kauf - lettte und Gewerbetreibender e. V. in Gemeinschaft mit dem Herrn Direktor der jüdischen Schulen. Die Beteiligung der jüdischen Vereinigungen an den Kosten für die Kinderverschickung, wodurch letztere erst ermöglicht wurde, beweist, daß Maßnahmen zur Behebung von größeren Notständen wegen der die Kräfte der einzelnen Organisationen übersteigenden Aufwendungen nur in gemeinsamer Arbeit von Gemeinde und sozial arbeitenden Vereinigungen gelöst werden können. Zwei andere größere Gebiete der Wohlfahrtspflege sollen in ähnlicher Weise demnächst entsprechend bearbeitet werden. Leipzig, den 7. Juli 1937. Wohlfahrtsamt der israelitischen Keligionsgemeinde zu Leipzig. Bevorstehende Veranstaltungen 25. Juli: Leichtathletik- und Ferien-Sportfest für Sportverein „Schild1' offen auch für Vereinslose. 25. Juli: Leichtathletische Meisterschaften des Bezirks Mitteldeutschland auf dem Bar Kochba-Platz. 3. Aug.: Der Ungarische Handballmeister Vivos Atletkai Club Budapest spielt gegen Bar Kochba-Leipzig. 11./15. Aug.: Tennis-Junioren-Meisterschaften des Sportbundes im Reichsbund jüd. Frontsoldaten bei „Rot-Weiß ". 15. Aug.: Sportverein „Schild": Jugendsportfest. 23. Aug.: Jüd. Kulturbund: Arien- und Liederabend, Mitwirkende: Paula Salonion-Lindberg. Julius Peiss.w howitsch. Am F!ü gel: Erna Klein. 2Q. Aug.: Leichtathletikmeisterschaften des Deutschen Makkabikreises für Junioren und Jugendliche. Neue Bücher Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. 1937, Heft 3. Dein Andenken Isaak Abrabanels widmet die MGWJ. das soeben erschienene Juniheft zu erheblichem Teil. Bekanntlich war Ä. StaAt&mann und Bibelerklärer; E. Urbach weiß sehr einleuchtend zu zeigen, daß diese beiden sehr verschiedenen Betätigungen zusammengewirkt haben. In seiner Stellung zu den Fragen der Staatsverfassung, insbesondere zum Königtum, steht A. offenkundig unter dem Einfluß der Erfahrungen, die er mit der Monarchie gemacht hatte, und versteht von hier aus die durch die Renaissance wiederbelebte Kritik des klassischen Altertums :::: der Monarchie. J.Bergmann zeigt Abrabanel im apologetischen Kampf: er versucht, aggadiStische Aussprüche, die man christlicherseits den Juden vorhielt, ganz im Sinne der Zeit und zumal der christlichen Exegese umzudeuten, während er es ablehnt, kabbalistische Ideen in sie hineinzuinterpretieren. — Auch sonst enthält das reichhaltige Heft vieles Anregende, insbesondere Bernhard Hellers Bericht über jüdische Märchen- und Sagenforschung. Aus dem beigefügten Protokoll und dem Geschäftsbericht der Gesellschaft ergibt sich, daß die Gesellschaft außer ihrer Zeitschrift auch andere wichtige wissenschaftliche Aufgaben -- wir erwähnen nur die Germania Judaica — weiterführte. Es wäre daher zu wünschen, daß sich genügend Freunde der Wissenschaft vom Judentum finden, die durch ihren beitritt zur Gesellschaft entstandene Lücken ausgleichen, und so der Gesellschaft die weitere Fortsetzung ihres Werkes ermöglichen. Man abonniert die „Monatsschrift", indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10.— Mk. an die Gesellschaft (Postscheckkonto: Berlin Nr. 7030) sendet. Joachim Prinz: Das Leben im Ghetto. Jüdisches Schicksal in fünf Städten. Berlin HX37. (Erwin Löwe.) Die wichtige Autgabe, „lebendigen heutigen Menschen" jüdisches Schicksal vergangener Zeiten, d. h. jüdische Geschichte nahezubringen, greift Joachim Prinz in einer neuartigen Form an. Er weiß, wie' wenig wissenschaftlich-methodische Darstellung geeignet ist, die breitere Menge zu fesseln. So wählt er eine Gruppierung der Dinge um den Mittelpunkt von Städten, mit Recht davon ausgehend, Der vorzügliche Karlsbader Zwieback L. Schmeidler die guten Berches Nordstr. 25, Frankfurter das pikante Kümmelbrot_Str. 11, Telefon 2556s daß die Judenschaft der verschiedenen Orte jeweils ihr eigenes Oeoiciil hat, gepiMgi durch die örtlichen bedingungen, die ihrem l eben zwangsläufig ohHeg«i <« entstanden fi'::T^ fesselnde SUkluuch- Hungen, die das wechselnde Schicksal der Juden in Alexandrien, Cordova, Amsterdam, Frankfurt a. M. und Prag veranschaulichen Mit der bei Prinz so gern beobachteten Fähigkeit, plastische Bild haftigkeit zu geben, zeigt sich uns der wechsclvolle Ablauf vom Werden und Wachsen und von den Erschütterungen und Katastrophen der Judcngemeindeii. Wir sehen, wie sie im Guten wie im Übeln nie ausschließlich durch Kräfte, die in ihnen streben, geformt werden, sondern vielfache*Verunstaltung, äußere wie innere, durch Umstände erfahren, denen sie wehrios preisgegeben sind. Das Alexandrien des Altertums wie das Frankfurt und das Prag des Mittelalters zeigen darin Übereinstimmung, wenn auch in jeder einzelnen Stadt andere Triebkräfte Ausbrüche des Hasses auslösen Die mancherlei Zusammenhänge weiß Prinz dann geschickt mit knappen Strichen markant hineinzuwerfen und zu zeigen, wie doch das Leben in Frankfurt nichi unbeeinflußt ist von Vorgängen in Polen; welche unauslöschlichen Spuren das spanische Marannentiini bei Juden und Judentum in Amsterdam hinterlassen haben. Besonders geschlossen ist die Darstellung des jüdischen Prag: bei der Schilderung der Vertreibung des Jahres 1715 (übrigens von üerson Stern in seinem „Weg ohne Ende'' mitreißend gedichtet) teilt sieh dem Leser die ganze Schwere der Katastrophe mit, die über die Prager Judenheit hereinbrach. — Nach Prinz' ausdrücklicher Kennzeichnung soll das Buch keine wissenschaftliche Abhandlung sein. Als w irkungsvolle Anregung, die jüdische Geschichte auch in ihren systematischen Daistellungen zu studieren, kann es dem breiten Kreisi der aus ihrer Unkenntnis jüdischer Vergangenheit Herausstrebenden aufs angelegentlichste empfohlen werden. ü. C. Dr. Oskar Wolfsberg: Misrachi. Eine ideologische Skizze. („Kleine zionistische Bücherei", Heft Vll] Prag 56u7 (Beilage zum zionistischen Bulletin „Taamula". Das äußerlich schmale Bändchen ist eine anregende Formulierung aller Gedanken und Absichten, die der Misrachi zur Grundlage seiner Bewegung gemacht hat. Wolfsberg, ein besonnener, stets tiefschürfender Denker, weiß auch hier die Ideen so vorzutragen, daß kein ernst Nachdenkender sie unbeachtet lassen sollte. Aus gangspunkt der rnisrachistischen Anschauung ist die Erkenntnis und der Wille, daß „das Erwachen zur Aktivität, zu allen Werten der produktiven Arbeit" eingereiht werden müsse „in die Linie unseres Schöpfertums von ehedem", um „die Verbindung herzustellen mil dem legitimen Judentum, die Einheit zu sichern in unserer Zeit, aber auch zwischen den Zeiten". Der religiöse und der nationale Gedankt sollen in der inisrachistischen Ideologie und durch sie „zu einer starken Annäherung und wertvollen Wechselwirkung" gebrach; werden. Damit wird der Weg zu einem Judentum angestrebt, in dem die Gegenwart aus der Vergangenheit die Aufgaben der Zu kunft lernt, einem Judentum, in dem nichts von seiner einstigen gewaltigen Schöpferleistung preisgegeben wird. Die Verwirklichung seines Zieles will der Misrachi nicht mit den Methoden des Zwanges und Druckes sondern der „friedlichen Werbung und Eroberung" herbeiführen. Hierbei wird die vorliegende Skizze sicherlich ein wertvolles Instrument sein. Sport vom Sonntag 1 (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) Man muß sich im Leben oft mit Wenigem bescheiden, wieviel sollte doch der letzte Sonntag bringen, und wr.s blieb davon übrigl . . . on das nicht ein kleiner Wink von „oben" war, daß man für die Zukunft . . . Für die Spiele auf dem „B. K."-Platz bedeutete dieser total verregnete Sonntag mit seinem äußerst glatten Spielgrund eine kolossale körperliche Anstrengung der Spieler, aber auch der wenigen unentwegten Zuschauer, denn beide Kämpfe mußten als Meisterschaftsspiele über die volle Distanz gehen. Mit je einem Tor Differenz wurden sie beide wenigstens gewonnen, für die Fußballer allerdings gab's bis zur letzten Minute gegen ,,Blau-Weiß"-Hamburg bange Augenblicke um den evtl. Ausgleich nach dem hart erkämpften 2:1. denn die Gäste zeigten ein sehr schönes und vor allem aufopferndes Spiel, bei dem nur zu oft mehr der Mund als der Ball lief. In diesem Kampfe und bei diesen Bodenverhältnissen entschied nicht so sehr das Können als das Glück, und das hatte „B. K."s Elf auf ihrer Seite. I ine Freude, was vor allem den Sportgeist betrifft, war dafür das Handballspiel Mittelgegen Nordwestdeutschland, das die Hi* sioen verdient 6:5 gewannen, die Trefferspanne wäre noch ergiebiger ausgefallen, hätte kein Blank I, Hannover, der neue Makkahi- Rekordmann im Hochsprung, im Tor gestanden, das war eine Leistung bei diesem Bodeul Sein Bruder war der andere überragende Spieler seiner Mannschaft, dessen Ballführung stets Gefahr für Abraham bedeutete, der schon zwei Dinger* im Kasten hatte, ein er sich recht besann, ein „netter" Anfang also, aber bis zur Pause hieß es schon 2:2, nachher folgten sogar zwei Führungstreffer, die aber der Gast nochmals ausgleichen konnte, nach den nun wiederum erzielten zwei Toren für Mitteldeutschland, langte es aber nur

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