Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 27 (2.7.1937)
- Date
- 1937-07-02
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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13. Jahrgang - Nr. 27 Auflage 3200 Stack 2. Juli 1937 S^BB^Si MHÜ ^^g^^^^g^l^^gi^^^i^^^l^fe DER ISRAELITISCH EN I C D 7 I P. AMTLICHES NACHRICHTENBLATT RELIGIONSGEMEINDE ZU LC I YL VI DER GEMEINDEVERWALTUNG Hans Lamm: FQhiung wahren . . I Eine Forderung unserer Zeit. Die Juden Deutschlands haben schnell und still und in einem Umfang, den man früher kaum für denkbar gehalten hätte, gelernt, den Wanderstab wieder in die Hand zu nehmen. Kleingemeinden, oft ehrwürdigen Alters, schrumpfen teilweise bis zum plötzlichen Zerfall, viele unserer Menschen ziehen in die Großstädte, noch weit mehr aber hinaus über die Grenzen des Reichs, in der Mehrzahl nach fernen überseeischen Staaten, deren Namen zum Teil bisher nur den gewiegten Geographen unter uns ein Begriff war. Wir haben aber schnell überseeische Erdkunde zu erlernen gewußt und mancher Zurückgebliebene kennt durch die Briefe seiner Kinder (sagt doch ein bitteres Wort, daß in dieser Zeit aus Kindern Briefe geworden sind), deren neue Umgebung fast besser als seine eigene neue Umwelt ... Jn dieser Zeit, da Tausende hinausgezogen sind und weitere Zchntatiseude ihnen noch folgen werden, erscheint es von vordringlicher Bedeutung, dafür zu sorgen, daß der Kontakt zwischen der Heimat und den neuen Wohniänderu erhalten, gefestigt und gestärkt wird. Wir denken au den Kontakt;■« beide» Richtungen: Sowohl!!■:*, die wii vorerst noch hier zu leben haben, erwächst die Auf- Habe, die Fühlung zu unseren hinausgezogenen Freunden und Verwandten zu bewahren, als auch ihnen, die sich dort neu eine Lebensgruudlage zu erkämpfen haben, die Verbindung zu uns nicht aufzugeben. Ein'Wort zunächst zur Lage der Ausgewanderten: Es hat sich als — von allen innerjüdischen Richtungen akzeptierte — Grundhaltung herausgebildet, für alle Wanderung zu empfehlen: 1. nicht in (huppen zu wandern (das gilt so nicht für Palästina) und 2. nicht in den Wohnzentren und Großgemeinden, wo sich bisher i bereits Juden in größeren Massen ansiedelten, zu konzentrieren. I Es heißt, nur ein offenes Geheimnis zu wiederholen, wenn man die I Vermutung ausspricht, daß r., B. die südafrikanische Einwanderung! I gcsetzerscnwtrung vielleicht uichl gekommen wäre, wenn unsere j Südafrikawanderer in stärkerem Maß dort die Kleinstädte und das I flache Land aufgesucht hätten. — Die zukünftige Lage wird also so I sein, daß mehr als bisher Siedlungspunktc aufgesucht und errichtet I weiden müssen, die fernab von jüdischein Lehen liegen. Dies ist I notwendig, um das materielle Leben unserer Freunde zu sichern; I natürlich werden sie dadurch schwerer als in schon bestehenden I Oemeinden in der Lage sein, ein wirklich erfülltes und gestaltetes | jüdisches Leben zu bauen. Und gerade da in der „Ausgesetztheit" 1 (in jedem Sinne des Wortes), die diese erschwerte Lage darstellt, [ Wird sich zu erweisen haben, ob und wie tief jene Bewegung ge- I wirkt hat, die wir als jüdische Erneuerung bezeichnen und die I vom Geschehen des Jahres 1933 ihren Ausgang nahm. Wenn diese I Erneuerung jüdischen Lebens — wie wir hoffen und annehmen — I mehr war als eine bloße Mode- und Konjunktursache, dann wird sie I ihre Kraft jetzt erweisen müssen! Wir, die hier Verbliebenen und I die Hinausgegangenen, müssen beide ihren Teil zu diesem Beweis I beitragen: Sie werden /.eigen, daß, auch unter härtesten äußeren Bt- I «längnissen der Wille und die Kraft zu jüdischein Lernen und jüdi- I Schern Tun lebendig bleiben und sie weiden auch auf diesem Lebens- 1 gebiet Pioniergesinnung erweisen! Wir dagegen werden von uns aus 1 dazu tun müssen, um ihnen jüdisches Leben in neuer Um- ■ gtbung unter erschwerten Bedingungen zu erleichtern. Der seel- I Jorgerischen Aufgaben, die hieraus erwachsen, beginnen sich Rab- 1 oincr und Gemeinden bereits anzunehmen. Durch regelmäßige Wefter- ■ Sendung jüdischer Literatur, jüdischer Bucher und Zeitschriften, kann I letier von uns diese Arbeit erweitern und vertiefen. Der „Hilfs- 1 veiein der Juden in Deutschland" wirkt auf mannigfachen Gebieten ■ «Cr Betreuung unserer Auswanderer bereits ungemein segensreich I Und dankenswert. Er würde sich ein neues kuhmesblatt erwerben, | Wenn er auch diesen Fragen verstärkte Aufmerksamkeit zuwenden I «tonte. Vielleicht könnte mit der Zeit ein Korresponden/blatt ge- Gemeindeanlage 1937. Vorauszahlung. Die Gemeindekörperschaften haben — wie bereits veröffentlicht ist — für die Gemeindeanlage 1937 den Steuersatz von 337s7o der Einkommensteuer bezw. Maßstabsteuer 1936 festgesetzt. Da die gesamte Veranlagung zur Gemeindeanlage 1937 noch nicht erfoigen kann, weil die erforderlichen Unterlagen noch nicht vorliegen, wird zunächst eine Vorauszahlung erhoben. Die Vorauszahlung beträgt ein Drittel des Gesamtbetrages der Gemeindeanlage 1936 und ist am 5. Juli 1937 fallig. Die Fälligkeit weiterer Zahlungen wird noch bekanntge^eber;. Die Vorauszahlungen werden auf die später zu veranlagende gesamte Gemeindeanlage 1937 angerechnet. Die Gemeindemitglieder werden gebeten, die Vorauszahlung pünktlich entweder in bar an die Gemeindekasse, Walter-Blümel-Straße 10 I, geöffnet werktäglich von 9.30 bis 13 Uhr, oder auf das Postscheckkonto der Gemeinde, Leipzig Nr. 50533 einzuzahlen. Leipzig, den 28. Juni 1937. Der Vorstand der israelit. Religionsgemeinde zu Leipzig. schaffen werden, das allen Auswanderern zugeht und ihnen Kunde von jüdischem Leben bringt, das ihnen Anweisungen und möglicherweise sogar auch Predigttexte zu den Festtagen übermittelt und das andererseits auch von ihren Erfolgen und Erfahrungen der Heimat Bericht gibt. . . . Damit kommen wir zur „Rückseite der Medaille", die wesentlich materielleren Charakter trägt. Es ist der Wunsch, mit unseren ausgewanderten Freunden in Fühlung zu bleiben. An sich und ursprünglich ist diesei Wunsch natürlich ein elementarer, rein von menschlichen, ganz unmateriellen Kegungen getragener. Der Verfasser dieser Zeilen etwa hat Verwandte und Freunde in allen fünf Erdteilen, in Indien so gut wie in Chile, in Südafrika und Australien, von Palästina und Nordamerika ganz zu schweigen. Bei allem Optimismus glaubt er nicht, annehmen zu dürfen, nur einen Bruchteil von ihnen je wiederzusehen. So ist es mehr als begreiflich, daß man ängstlich besorgt ist, wenigstens brieflich mit ihnen in Verbindung zu bleiben und — wenn auch in gemessenen Abständen Nachrichten und Eindrücke, Gedanken und Empfindungen auszutauschen. Ein solcher Briefwechsel trägt seine Rechtfertigung durchaus In sich selbst und ist an sich von jeden Nebenabsichten ungetrübt. Und doch . . . wie anders liegt bei vielen der Fall, wie sehr drängt es sie, Ausgabe der Synagogenkarten. Die Erneuerung der Synagogen - Karten findet vom 5. Juli bis 26. Juli 1937 in der Zeit von Q30_ 1230 Uhr im Gemeindeamt, Walter-Blümel-Straße 10, t, statt. Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind, werden anderweitig vergeben. Eine schriftliche Erinnerung erfoigt nicht. Leipzig, d. 28. Juni 1937. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.