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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-06-25 · 26 (25.6.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
26 (25.6.1937)
Date
1937-06-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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13. Jahrgang - Nr. 26 Auflage 3200 Stack - w 25. Juni 1937 i if^mm^, Ik^s^g^ DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Durch das Hinscheiden des Herrn Max Rosenfelder ist unsere Gemeinde in tiefe Trauer versetzt. Der Verstorbene hat in mehr als 30 jähriger Tätigkeit als Gemeindeverordneter und als Mitglied von verschiedenen Ausschüssen der Gemeindeverwaltung für das Wohl der Gemeinde gearbeitet und in selbstloser, steter Hilfsbereitschaft seine Kraft in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Als Mitbegründer des Schulvereins gebührt ihm das Verdienst, an dem Entstehen und der Erhaltung der Jüdischen Schule in Leipzig einen wesentlichen Anteil gehabt zu haben. Für alles dieses ist ihm unser unauslöschlicher Dank für alle Zeiten gesichert. . Leipzig, den 21. Juni 1937. Der Vorstand und die Verordneten der israelitischen Rcligionsgemeinde zu Leipzig. Die Mauern brachen. Zum 17. Tammus. Am 17. Tag im Monat Tammus brachen die Mauern der Stadt jeruschalajim. Am 17. Tag im vierten Monat des jüdischen Jahres brachen sie vor dem König von Babylon und brachen vor dem römischen Zwingherrn, brachen und zerschellten, wie die Tafeln des Bundes von Mosches Hand zerbrochen worden waren, an eben diesem Tage und um der gleichen Sünde des Volkes willen: Abfall! Die Mauern brachen, und das letzte Bollwerk war wehrlos preisgegeben, der Boden schwankte, das Volk schwankte, und das Leben Judas schoß in breitem Strom durch die Lücken der Trümmer hinaus ins andere, hinaus aus dem alten bergenden Bett des Volkscins in i«s weite haltlose Fremdsein unter den Völkern. Hie Mauern lagen in Trümmern Da geschah zum ersten und 'tun anderen Male, und immer wieder in Israels Geschichte, was das Volk rettete und nicht untergehen ließ: Die Mauern wurden wieder erbaut. Aus Steinen, mit Mörtel, von Männern, die in der einen Hand die Kelle und in der anderen das Schwert führten, dam;ils, als Esra und Nechemja das Volk heimführten in das Land der vÄter und der Verheißung. Und als auch diese Sclmtzwehr um die Statten der H'üigung und das Dasein als Volk von neuem nieder gerissen winde, da kamen andere, die statt der Kelle und des Schwerte! nur das Schreibrohr führten und den Deutegriffel des Lesenden und Lernenden. Die Mauern um Israel wurden wieder aufgebaut, als Schutzwal! um das Gesetz, als Zaun um die Lehre. Mauern konnten brechen, l eider können verbrennen, Saat kann vernichtet, Menschen getötet werden. Immer wieder kam für Israel ein l ag, an dem es wehrlos und schutzlos, ohne Wälle und Mauern, ohne Waffen und Kraft dem Lroberer gegenüberstand, immer wieder antwortete die Wirklichkeit des Lebens auf den Abfall, der es von seinem eigenen Wesen weg verlockte, mit dem Beweis: „Du bist immer schwach und schuldlos, immer haltlos und verrinnst ins Leere, wenn du dich nicht selbst wieder in deine (irenzeu zurückzwingst." Die Mauern brachen immer erst in unserer Geschichte, wenn wir selbst die Grenzen unseres eigenen Gesetzes sprengten, das gottgegeben, uns gesetzt, längst uns zum unausweichlichen Schicksal geworden ist. Am 17. Tammus dröhnt in unseren Ohren wieder das fürchterliche Krachen der Zerstörung. Mauern um Jeruschalajim, Bundestafelu aus Mosches Händen stürzen und brerhpn entzwei. Auer aus ihrem Splittern und Stürzen dröhnt ein anderes mit herauf: das heilige, tröstende „Wenn ihr ' umkehrt —", mit dem nach jeder neuen Zerstörung der neue Aufbau wieder in unsere Hände gelegt wird. M. W. Rechtsanwalt Dr. Löwenheim, Leipzig Auslandsreise und Devisenwirtschaft. In der Reisezeit taucht besonders häufig die Frage auf, wann und in welchem Umfang Devisen für Auslandsreisen zur Verfügung stehen. Die hierfür geltenden Bestimmungen sind auch neuerdings wieder mehrfach geändert worden. Die Freigrenze. Am einfachsten sind die Auslandsreisen, die man mit ganz geringen Mitteln finanzieren kann, nämlich im Rahmen der Freigrenze. In diesem Rahmen kann jede paßfähige Person — auch Kinder, die im Paß der Eltern eingetragen sind —, bei der Ausreise 10 RM. in deutschen Scheidemünzen — niemals in Reichsbanknoten — über die (irenze mitnehmen. Zulässig ist auch die Mitnahme des gleichen Wertes in Devisen, die ma.n in dieser Höhe ohne weiteres bei jeder Bank erwerben kann. Die Mitnahme von Devisen muß im Reisepaß eingetragen sein, die Mitnahme von deutschein Hartgeld dagegen nicht im sogenannten Großreiseverkehr, d. h. nicht im D-Zug-, See-, Luft- und Kraftwagen f e r n verkehr, wo,hl aber seit dem 1 3. 6. 37 im Grenzausflugsvcrkehr und im Kraftwagen n a h verkehr, der sich nicht über das ausländische Grenzgebiet hinaus erstreckt. Von der Ausnutzung der hrcigrenze darf jede Person nur einmal innerhalb eines Kalendermonats Gebrauch machen. Eine Nach- Sendung weiterer 10.— RM: im nächsten Reisemonat ist nicht mehr zulässig, auch nicht unter dem Titel einer „Unterstützung". Ur.terstützimgszahlungcn im Rahmen der Freigrenze sind nur au Ausgabe der Synagogenkarten. Die Erneuerung der Synagogen-Karten findet vom b. Juli bis 26. Juli 1937 in der Zeit von q3ü_]230 unr im Gemeindeamt, Walter Biümcl-Stralie 10, I., statt. Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind: werden anderweitig vergeben. — Eine schriftliche Erinnerung erfolgt nicht. Leipzig, d. 2!.J»ni 1937. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.

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