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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-06-18 · 25 (18.6.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
25 (18.6.1937)
Date
1937-06-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 18. Juni 1937 Der Weg führt über die Wahrheiten, die sich der Mensch etwas kosten läßt, hin zu denen, die er nicht anders bewähren kann als mii dem Opfer seines Lebens. % Rosenzweigs Deutung des Reiches von Priestern und heiligen Volkes, dem alles, was andern irdisch ist: Land, Sprache, Sitte „heilig" geworden ist, wird vielleicht noch heute Befremden erregen. Aber wie reich wird immer wieder der Leser entschädigt durch unverpänflirh «rhnn? rwi«. kuii£ui ü'uci iiuuisie mensciuiciie und jüdische Anliegen: Vorsehung, linttsciiphc \¥/ iinHor Hehst C«i u u - * T7 ••' ". ...... it UOlTrsIlrnf' w TT TT \ Cr, UcDcX, 0<tu02l| CiiOäUU^i |iuu uuu Ewigkeit. _ Abrabanel-Ausstellung in Berlin. ■5JDas Jüdische .\\useum in Berlin veranstaltet zur Zeit in Verbindung mit der Bibliothek der jüdischen Gemeinde in seinen Räumen eine Gedenkausstellung unter dcni Titel „Don Jizchak Abrabanel, seine Welt und sein Werk". Die Ausstellung führt in drei Gruppen die portugiesische, snanUrhp und italicnisrhe Fnnrhe Ahrahanclc vor Eine ctoBp "p'hn von Photos, Stichen, Drucken und Gemälden veranschaulicht in den Gestalten führender Zeitgenossen des Abrabanel die damalige jüdische Kulturentwicklung. Kennzeichnend für die italienische Epoche sind vor allem die zahlreichen Porträts jüdischer Aerzte. in den Vitrinen sind wertvolle Erstausgaben, von Werken des Abiauanei und seinei Zeitgenossen zu sehen, darunter auch eine Inkunabel, prächtig illuminierte Handschriften der Bibel und des Machsor, die Amsterdamer Hagada mit dem Kommentar Abrabanels und einzelne Blätter aus illuminierten Handschriften. Bemerkenswert ist auch eine in Warschau in jiddischer Sprache gedruckte und mit Holzschnitten ausgestattete Lebensbeschreibung Abrabanels. Das Bild der Epoche wird ergänzt durch kunstgewerbliche Arbeiten der Zeit, Amulette und Kultgegenstände. — Ein in der Ausstellung gezeigtes, einer englischen Encyclopädie entnommenes Porträt Don Jizchak Abrabanels konnte nicht einwandfrei als authentisch festgestellt werden; doch liegt die Annahme, daß es sich um sein Bild handelt, im Hinblick auf die in der Ausstellung gleichfalls gezeigten, aus der Zeit Abrabanels stammenden Porträt -Plaketten jüdischer Persönlichkeiten nahe Das einzige Original- Oelporträt, das die Ausstellung bringt, stellt einen Angehörigen der Jüdische Zeitschau Zur Aussprache des Hebräischen. Die auch im Zusammenhang mit der Gestaltung des Hebräisch-Unterrichts an den neuen jüdischen Schulen in Deutschland vielfach erörterten Probleme der Aussprache des Hebräischen hat Dr. Moses Sister in einem Vortrag behandelt, der im vergangenen Jahr an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin gehalten wurde und jetzt im Verlag Siegfried Scholem im Druck erschienen ist. Dr. Sister betont daß es eine allgemein feststehende Aussprache des Hebräischen nicht gibt, das tatsächliche Leben der Sprache sich vielmehr in Dialekten vollzieht. Für eine stärkere Ausbreitung der hebräischen Kultur auch außerhalb Palästinas hält der Verfasser eine Reform der hebräischen Orthographie für notwendig Die aschkenasischen Dialekte sind die verbreitetsten und werden von etwa 13800000 Juden gesprochen. Die zweitstärkste Gruppe bilden die von einer 1000000 Juden gesprochenen sephardischen Dialekte. Auf die übrigen orientalischen und nordafrikanischen Dialekte entfallen 600000 Träger. Neunzig Prozent der Juden gehören in der Art, wie sie das Hebräische aussprechen dem europäischen Sprachkreis an. Über die Aussprache des Hebräischen in Palästina wird gesagt, daß sie noch weit von Einheitlichkeit entfernt sei. In der Betonung mischen sich sephardische mit aschkenasischen Einflüssen, von manchen wird versucht, die Aussprache der Kehllaute den Arabern nachzuahmen. Die Entwicklung der hebräischen Worte im Jiddischen ist gleichfalls nicht ohne Einfluß auf das gesprochene Hebräisch geblieben. Zusammenfassend wird gesagt, daß der jeder jüdischen Gemeinschaft überlieferte Dialekt die einzige sichere Basis für die Aussprache ist. Ober die künftige Gestaltung einer literarischen Aussprache in Palästina lasse sich nichts sagen Man müsse geduldig auf der natürlichen Grundlage des gegebenen Dialekts bauerr; wie es auch in Palästina geschieht. Die Zahl der luden in Frankreich. Die „JlWO -Blätter", die Monatsschrift des Jiddischen Wissenschaftlichen Instituts, veröffentlichten eine Monographie des bekannten jüdischen Historikers und Soziologen A. Menes über die Juden in Frankreich. In einer Schätzung der Anzahl der heute in Frankreich lebenden Juden nimmt Menes für Paris und Umgebung dieZahi von ungetähr 170.000 bis 190.000 an (davon 50-60.000 eingesessene französische, 90—100.00t) aus Osteuropa eingewanderte, 15— 20.000 sephardische und 15 000 aus Mittel- und Westeuropa, und zwar Deutschland, Tschechoslowakei, Ungarn, Oesterreich, Holland usw. zugewanderte Juden). Die Zahl der Juden in der französischen Provinz schätzt Menes auf rund 30 90.000, so daß heute in Frankreich insgesamt etwa 260—280.000 Juden leben. Während der letzten zwölf Jahre wurden in Frankreich 35.000 Juden naturalisiert. Sächsische Gemeinden. Tagung des sächsischen Israelitischen Gemeinde-Verbandes. In Dresden fand die diesjährige Tagung des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes statt. Bei den Wahlen zum Verbandsvorstand für die Geschäftsjahre 1937 und 1938 ging der Vorsitz auf Herrn Max Lesser (Dresden) über, während Herr Carl Goldschmidt (Leipzig) zum zweiten Vorsitzenden und Herr Hermann Schocketr (Dresden) als weiteres Vorstandsmitglied gewählt wurden. Familie Abrabanel, den Mitbegründer und ersten Vorsitzenden des nicht mehr bestehenden Berliner Handwerkervereins, Dr. Eduard Abrabanel dar. Die Auffindung dieses Bildes haben die Herren Professor Ismar Elbo^en und Professor Schneider erleichtert. Die Ausstellung wurde am 13. Juni durch den Gemeindevorsitzendcn Direktor Heinrich Stahl feierlich eröffnet. Unter den Festgästen waron führcr.^c. Pc^uliväikciicii ucr uemeinoe und jüdischer Orga::i Sationen auch in Beriin 'lebende Nachfahren Ahrf.K-r-r.iersdilCiJcn, uie MireKtor statu in seiner Begrüßungsansprache besonders willkommen hieß. Der Gemeindevorsitzende wies darauf hin, daß das Andenken an Don Jizchak Abrabanel unter der Judenschaft von Berlin, in deren Mitte ebenso wie in Hamburg Familien ieben, die ihren Ursprung auf Abrabard zurückführen können, auch schon vor diesem Jubiläumsjahr lebendig gewesen ist. Heute bestehe besonderer Anlaß, der jüdischen Männer zu gedenken, die, wie Abrabanel, ihrer Zeit ein Vorbild waren. Der Redner sprach sodann den Persönlichkeiten den Dank aus, die sich um das Zustandekommen der Ausstellung verdient gemacht haben. Nach einer Ansprache der Frau Rahel Wischnitzer-Bernstein, der die Zusammenstellung des Materials zu danken ist, entwarf Rabbiner Dr. Max Wiener ein eindrucksvolles Bild von der Persönlichkeit und der Zeit Abrabanels. Er kennzeichnete das tragische Schicksal des Staatsmannes und Philosophen, der in beiden Eigenschaften den Schlußpunkl einet Entwicklung darstellt. Der Gestalt Abrabanels könne man nur näherkommen, wenn man sich in den Geist mittelalterlicher Gebundenheit versetzt, von dem Wesen und Wirken Abrabanels beherrscht sind. Denn dieser sei, obwohl an der Schwelle von Renaissance und Humanismus stehend und mit dem weltlichen Wissen seiner Zeit ausgestattet, vor allem doch bedeutsam als der letzte große Repräsentant des Mittelalters im Judentum, als der letzte der großen durchaus in der Tradition wurzelnden mittelalterlichen jüdischen Bibelkommentatoren. Das für ihn kennzeichnende geistige „in Reih und Glied marschieren*', die völlige Einordnung in den Geist der Gemeinschaft mache ihn zu einer großen moralischen Gestait, die ihn für alle Zeiten bewegter jüdischer Geschichte vorbildlich erscheinen läßt und besonders für eine Zeit, die aus übersteigertem Subjektivismus wieder zur Gemeinschaft strebt. Ein reich illustrierter Ausstellungskatalog ist von Frau Rahel Wischnitzer-Bernstein zusammengestellt worden. Die Jahresrechnung 1936 wurde einstimmig genehmigt. Ebenso wurde der gründlich vorbereitete Etat einstimmig angenommen. Als Delegierter zum Rat der Reichsvertretung wurde Herr Wilhelm Breslauei (Leipzig) gewählt, zu dessen Stellvertretern Herr Landgerichtsdirektor i. R. Alterthum (Leipzig) (für Unterrichts- und Sozialfragen) und Herr Stadtdircktor i. R. Dr. Grün (Dresden) (für Finanzfragen). Die bisherige Sonderverwaltung der Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsorge wurde aufgehoben und mit der Geschäftsführung des Verbandes vereinigt. Ein Verwaltungsbericht wurde erstattet, zur Förderung eines Jugendübernachtungsheims dem Vorstand Vollmacht erteilt und über die Angliederung eines Internats für auswärtige Mädchen an die in Leipzig bestehende Haushaltungsschule eingehend gesprochen. In einem Referat „Die Gemeinden als Steuerträger« brachte der Verhandssyndikus Dr. Saalhcimer (Dresden) einen ausgearbeiteten Vorschlag über Steuerausgieich bei Fortzugen aus Notstandsgemeinden. Der Vorschlag wird über die Reichsvertretung den Landesverbänden zur Annahme vorliegen. Beim Referat über die Tätigkeit der Reichsvertretirng dankte Her Landgeiichisrat Dr. Lilienthal (Berlin) dem Verband für seine Initiative zur Schaffung eines Jugendübernachtungsheims in der Sächsischen Schweiz Er berichtete über die verschiedenen Arbeitsgebiete der Reiclisveriietung und ging insbesondere auf das Thema „Gemeinden und neues Reichssteuerrecht" ein, wobei er den Stand der Gesetzgebung und Rechtssprechung wiedergab. Seine mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen führten zu der bereits gemeldeten Vertrauenskundgebung des Verbandes für die Reichsvertretnng. Unsere Gemeinde Der Ortsausschuß Leipzig der Jüdischen Jugendverbände teilt mit, daß das für den 20. Juni 1937 angekündigte Fest der'Jugend weder vom Ortsausschuß noch von einem der jüdischen Jugend verbände veranstaltet wird. Hauspflege des Jüdischen Frauenbundes Ortsgruppe Leipzig Der Jüdische Frauenbund ist in der Lage, in Fällen, in denen bei F.rkrankung oder Abwesenheit der Hausfrau eine Vertretung benötigt wird, Adressen von Hauspflegerinnen nachzuweisen. Anfragen sind zu richten an Frau Dr. Abelsonn, Gohliser Straße 15, wo auch alles Nähere zu erfahren ist. Gottesdienste vom is. bis 24. junt. Gemeindesynagoge. Freitag, 25 Juni, Abendgebet 19 Uhr, Sonnabend, 26. Juni, Morgengebet, 9 Uhr, Nachmittagsgebet 21 Uhr. Abendgebet 2i,30 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagu^' Synagoge Ez Chaim, Otto-Schill-Straße. Freitag, 25. Juni, Abendgebet 19,15 Uhr. Sonnabend, -Ih. Juni, Morgengebet 8,30 Uhr, Ml" choh 17 Uhr, anschließend Schulchan-Aruch-Erklärimg von Herrn Rabb. Dr. Ochs, Ausgang 21,30 Uhr. — Wochentag: Morgens 7 UWi abends 19,00 Uhr. ' . „, Talmud-Thora-Synagoge, Keilstr. 7. Freitag 25. 6., abends lu-Ju ■ t, ____i___, f ... r. '. fa » « t . — i Ii » -. - -1 in III... — Uhr. Sonnabend nun o,m, Mincha n mir, Aufgang Wochentags früh 7 Uhr, abends 19.30 Uhr.

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