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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-05-14 · 20 (14.5.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
20 (14.5.1937)
Date
1937-05-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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zu* 13. Jahrgang - Nr. 20 Auflage 3200 Stack 14. Mal 1037 'H^^^SE^lÜlSis •MMH i^^^miiiü^^p^iii DER ISRAELITISCH EN CID7lß AMTLICHES NACHRICHTENBLATT RELIGIONSGEMEINDE ZU LEI T4 I U DER GEMEINDEVERWALTUNG Dr. s. Samuel Das Büchlein Rut Zum Schabuot-Feste 5697. Der sinnige Braueli, mit den drei Walltahrtsfesten die Lektüre Je eines kleiner. Buches von entsprechendem Stimmungsgehalt aus den „Kctubim" zu verbinden, fuhrt uns in den Bezirk edler Menschen, umrahmt von frühsommerlicher Landschaft. Das Büchlein Rut ist ein wahres Kabinettstück nach Gehalt und Form. Nach Gehalt: was das Zehnwort als heilige Satzüng und Forderung kündet, wird dort Leben und Handlung in Menschen von Fleisch und Blut. Was aber die Darstellung betrifft, so hat sie schon Goethe als „das lieblichste kleine Ganze betrachtet, das uns episch und idyllisch überliefert worden ist". Verweilen wir einige Momente bei dem Inhalt, so werden wir nicht überscheu, daß er seinen beiden weiblichen Hauptgestalten Noomi und Rut den dunklen Hintergrund des Leides gibt und sie dadurch verklärt. Eine Hungersnot hatte in Juda geherrscht, und den Llinielech, den Mann der Noomi veranlaßt, sein Erbgut zu Betlehc;.. /.u verkaufen, und mit den Seinen nach Moab zu wandern. Sehl Kleinmut und mangelndes Mitgefühl mit den Zurückbleibenden (sie hatten auf ihn, den Reichen und Begünstigten, gerade in der heraufziehenden Not gebaut) wurden hart bestraft; er selbst starb bald; aber auch die beiden Söhne Mahion und Kiljon, die die Moabiterinnen ürpa und Rut geheiratet hatten, starben in dei Blüte ihrer Jahre; und lange trugen drei Frauen seines Hauses Witwenklcider. Erat auf die Kunde, daß Gott seinem Volke wieder Brot gegeben, macht Noomi sich auf, um in die Heimat zurückzukehren. Was nun lulgte, kann nirgends besser als im Büchlein Rut selber nachgelesen werden. Aber zwischen den Zeilen sollen wir die Mahnung ver nehmen: Verlaß die Armen nicht! Schon die Heimkehr der Noomi war vom Gefühl unlöslicher Verbundenheit-mit ihrem Lande eingegeben; auf dem Wege wurden ihr dafür die unvergänglich schönen Worte der Treue aus dem Munde der Rut zuteil, die den Text manch köstlicher Vertonung bilden. Verlaß die Armen nicht! das war die immer wiederholte Lehre der Tora, die den Leviten, den Armen, den Fremdling, die Witwe und die Waise zu Schützlingen erkor, und sie zur Zeit allgemeiner Freude, wie in der Getreideernte und bei der Weinlind Obstlese, zu Nutznießern der Feldeckc, der Nachlese und des Vergessenen machte. Verlaß die Armen nicht! - so dachte Boas, ein Bürger zu Betlehem, mitten in der Segensfülle, deren er unter seinen Schnittern, Knechten und Mägden innewurde. Darum glaubte er sich bevorzugt, daß Rut, die junge Moabiteiin mit dein merkwürdigen Schicksal und gütigem Heizen von innerer Stimme gerade zu seinen Feldern geführt ward und schüchtern und zaghalt hinter seinen Schnittern Ähren auflas. Von Boas' freundlichem Zuspruch und manch besonderer Draufgabe als stummer Huldigung für Noomi bis zu dem Entschluß, der Erblöser des Faniiliengittes tlimelcchs und damit nach altisraclitischer Sitte der Gatte der kinderlos voru/itweten Rut zu *enbm, roölieht Steil alles mit schnellen Schritten. Trettend bemerkt der Midrasch Rut im Namen des gelehrten Sci'ra: Was hat den Verfasser dieses Büchleins bewogen, so all- Atts den Hallcl-Psalmen 118, 8—24 Gut, sich zu bergen bei dem Ewigen, Statt zu vertraun auf Menschen! / Gut, sich zu bergen bei dem Ewigen, Statt zu vertraun auf Edle! j Umringen alle Völker mich, im Anruf 'Ewige/', da schlag ich sie! / Umringen, Ja umringein mich, Im Anruf 'Ewiger', da schlag ich sie I, Umringen mich wie Bienen, f Verlöschen wie der Dornen Feuer; / Im Anruf 'Ewiger', da schlag ich sie! / Du stießest, stießest mich zum Sturz, / Der Ewge aber half mir. / Mir Macht und Kraft ist Jah / Und ward mir Rettung, j Des Jubels Hall und Heil In der Gerechten Zelten: / Des Ewgen Rechte schaffet Macht. Des Ewgen Rechte ist erhoben, i Des Ewgen Rechte schaffet Macht. / Nicht sterb ich, nein, ich lebe / Und will die Werke Jahs verkünden. / Gezüchtigt hat mich Jah, / Jedoch dem Tod mich nicht gegeben t / Tut auf für mich die Tore der Gerechtigkeit, / Daß ich drein eingeh, hulde Jah! In dies, das Tor des Ewigen, \ Wo die Gerechten eingehn! / Daß ich dir hulde, weil du mich erhörtest / Und mir zur Rettung wurdest. Siein, den die Bauleute verworfen, / Er ist zum Eckstein worden. I Vom Ewigen ist das geschehn. Ein Wundsr ist es »nsern .Augen, j Was diesen Tag der Ewige gewirkt, Laßt uns drob jubeln und uns freuen! Aus „Die heilige Schrift in der Uebertragung von Harry Torczyner gemein menschliche Ereignisse einer Familiengeschichte darzustellen, in der weder von Unreinheit und Reinheit, noch von Verbotenem oder Erlaubtem die Rede ist? Die Antwort lautet: die hohe Geltung rechter Liebeserweisung, die ihren Lohn in sich trägt. Aber die Alten erkannten auch den andern, wichtigeren Grund, die tiefere Absicht des Verfassers. Nicht Goethe erst (in seinen lichtvollen Noten und Abhandlungen zum Wcstösuichen Diwan jspncht von „dem hohen Zweck, einem Könige von Israel .inständige, interessante Voreltern zu verschaffen". Schon den Rabbiticu war klar, daß unser Büchlein seine mächtige Lehre (ähnlich wie das Buch Jona) erst im letzten Verse, ja genau genommen in den drei Schlußworten „und Isaf erzeugte den David" enthüllt. Es geht um das (jcschlechtsregister Davids, des Königs nach dem Herzen Gottes, Vaters oder Vorfahrs, ein<*s Salomo, Hiskia und Josia, Ahnherrn des Gesalbten der Zukunft. In seinem Stammbaum glänzt die edle Rut aus dem rremdvolkc der Moabitcr, die gemeinsam mit den Animonitcrn nach dem strengen Gesetze (5. Buch Mose, Kap. 23, Vers 4) bis ins zehnte Geschlecht von der Ehcgcmeinschaft mit Israel ausgeschlossen waren. Längst war die Erleichterung getroffen worden, daß damit nur den Männern die Aufnahme versagt werden sollte, nicht aber den Frauen. Und Rut war es, die zuerst den Beweis lieferte, daß nicht die Herkunft maßgebend sei, sondern daß Herzensadel und Güte, Treue gegen Lebende und Tote, in jedem Volke zu finden seien, und wahre Ebenbürtigkeit bezeugten. Ihr Bund mit Boas fand nicht ohne Grund die Zustimmung der ganzen Gemeinde: auch Boas Verhalten gegen die Fremde und Verlassene war von feinster Keuschheit und Zartsi!mig!ccit gewesen. Die Bibe! unser Such „Als Israel am Sinai stand und der überwSltigcthk Akt der Offenbarung geschehen sollte, entschwand, so erzählt ein Midraschwort, den in Ergriffenheit Staunenden die Seele. Sic wurden plötzlich wie leblose Körper. Sowie aber Gott anhub, sein ,ich bin' zu

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