Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-04-30 · 18 (30.4.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
18 (30.4.1937)
Date
1937-04-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4876568-5968814-5990755--6360-4882490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

13. Jahrgang - Nr. 18 Auflage 3200 Stock 30. AprS! 1937 W<ä\M?<M ir^^lnl iil^^// JHI'MIU! DER ISRAELITISCH EN RELtGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT m GEMEINDEVERWALTUNG Rabbiner Gustav Cohn Die jüdische Presse Am 2. Mai 1837 erschien die erste Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". Der jugendliche Ludwig Philippson, damals wenig mehr als 25 jähre alt, hat mit dieser seiner Zeitungsgründung bahnbrechend gewirkt; sie kann geradezu als die Grundsteinlegung für die jüdische Presse bezeichnet werden. Es hat schon zuvor jüdische Zeitschriften gegeben. Als älteste ist die seit 1667 in Amsterdam erschienene „Zeitung aus lud in" zu nennen, in jiddischer Sprache mit hebräischen Lettern. Auch Moses Mendelssohn begründete 1750 in Berlin eine Zeitung: „Koheleth Mussar" (Sittenprediger); sie erlebte jedoch nur zwei Nummern. Erstes jüdisches Nachrichtenblatt war dann die „D y h e r n f u r t h e r Privilegierte Zeiiung" (1771/72), in deutscher Sprache mit jüdisch-deutschen Lettern. Vornehmlich den Bildungsbestrebungcn ih s ausgehenden 18. Jahrhts. diente das von Mendelssohn-Schülern geschaffene Organ „Hameassef" (1784—1811), vorwiegend in hebräischer Sprache, aber doch schon mit einem in deutschen Lettern gedruckten deutschen Teil. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" war die erste in deutsch er Sprache erscheinende Zeitung, die diesen Namen mit Recht trug und ihre Zweckbestimmung erfüllte, wie sie im Zeitungskopf gekennzeichnet war: „Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse in Betreff von Politik. Religion Literatur, Geschichte, Spmchkunde und Belletristik". Sie wurde in der Tat eine Plattform zur Aussprache in allen jüdischen Angelegenheiten, unter Zusammenfassung von Mitarbeitern aus allen Ländern. Durch sie wurde ein Ki mtakt zwischen den verschiedenen jüdischen Gruppen und Rieh« hingen hergestellt; Orthodoxe und Liberale, Rabbiner, Lehrer, Gemeindevorsteher kamen in Referaten, Meinungen, Entschließungen tu Wort. Selbst an dem Worte „unparteiisch" braucht mau - für die Zeit, jn der Phüippson die Zeitung leitete nicht ohne weiteres Anstoß zu nehmen: Persönlich liberal, brachte er in der Tat auch [gegnerische Äußerungen, wenn er auch nicht unterließ, in Anmerkungen seine abweichenden Ansichten auszusprechen. Was ihn selbst bei seiner journalistischen Arbeit leitete, hat er in dein Aufsatz, im Schlüsse des 25. Jahrgangs skizziert: „. . . war es uns niemals darum zu tun, bloß zu redigieren und dem Publikum ein gedrucktes Blatt mehr vorzulegen vielmehr stellten wir es uns stets zur Aufgabe, nach außen und innen praktisch wirksam zu sein, wesent* liehe- Verbesserungen in den äußeren und inneren Zuständen und Verhältnissen hervorzurufen oder doch zu fördern, . . . durch Wecken der Energie und des Gemeingeistes aus jener stillen Dulderschaft... und jener Zersplitterung herauszuschaffen, in welcher jede Gemeinsamkeit des Handelns fehlte und nur örtlich die Gemeinde» für sich wirksam waren". Die wesentliche Aufgabe der Presse, Sprachrohr zu sein, ein Spiegelbild des Lebens in die Öffentlichkeit zu stellen, und in Auswirkung dessen Denken und Tun anzuregen, ihm bestimmte und Stimmende Gedanken nahezubringen, die Gesamtheit zu formen, ihr Aufgaben zu stellen und sie über deren Fortgang ZU unterrichten, hat Phüippson mit seiner Aller. Ztg. d. Judenl. SM erster auf das jüdische Leben übertragen und damit den Anstoß zu der Entfaltung sre; eben, die zu einer heute weit ausgedehnten jüdischen Presse ge- 'ührl hat. Bis in die jüngste Zeit hinein, In der die „Jüdische Rundschau**, die „C.-V.-Zeitung", auch das „Israelitische Famüienhlatt" Inn! einige andere Zeitungen diesen Rahmen gesprengt haben, sind jüdische Zeitschriften —■ abgesehen von den der Wissenschaft, dei Kunst oder anderen besonderen Gebieten bestimmten dem Vor- NM (!nr Atfg. Ztg. d. Judent.!s ihren: üülierc» und inneren A..;'!>«m, Format wie in der Anordnung ihrer Sparten gefolgt. Aber es ist pnen nicht gelungen, die eingeschlagene I inie mit gleicher I estig.- Keil und dem gleichen „.Wut" einer Überzeugung", dessen Ludwig iminer nur eine Lebensdauer von einem oder anderthalb Jahrzehnten erreicht. Auch heute noch ist der Name der Allg. Ztg. d. Judent. nicht verschwunden, wenn er auch nur noch als Untertitel der C.-V.-Zeitung sichtbar ist. Es ist bemerkenswert, daß von den heute in Deutschland erscheinenden rund 100 Organen der jüdischen Presse außer der A.Z.d.J. nur vier ein Gründungsjahr aus dem 19. Jahrh. nennen können: Die „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" (seit 1851); der „Israelit" (seit 1860); die „Deutsch-Israelitische Zeitung" (seit 1884), die „Judische Rundschau" (seit 1806). Eine Geschichte der jüdischen Presse in Deutschland wie auch in ihrem ganzen Zusammenhang ist noch nicht geschrieben. (Sie ist im „jüdischen Lexikon" skizziert, konnte aber im Rahmen eines solchen Handbuchs nur eben eine Übersicht geben.) Sie muß einmal gearbeitet werden, um zu zeigen, welche Wandlungen des jüdischen Lebens ihr Gesicht umgeformt haben, und wiederum, inwieweit solche Wandlungen ihrem Einfluß zuzuschreiben sind. Wie die Zeitverhältnisse ihren Ausdruck in der Entwicklung der jüdischen Presse finden, wird auch durch die Stellung deutlich, die sich das „Gemeinde hl'ül" erworben hat. Allen anderen ging die Jüdische Gemeinde Berlin voran, «die schon 1910 zur Schaffung eines Gemeindeblattes schritt, in der klaren Erkenntnis, daß ein «solches für die Stärkung des Gcrriciiiuebewußiscins und -willens größte Wirkung haben müsse. Erst zehn Jahre später, dann aber in schneller Folge, gingen auch die anderen Großgeineinden daran, sich ihre amtliche Orispresse zu geben: Breslau (192u>, Nürnberg-Fürth (1921), Frankfurt a. M. (1922), Mannheim (1923), München, Königsberg, Stuttgart (1924). In Leipzig, wo dei Plan schon seit 1922 er örtert worden war, wurde das Gemeindeblatt 1925 verwirklicht. In einer Zeit, die die jüdische Gemeinde vor neue Aufgaben stellte, war die innere Teilnahme eines jeden Mitgliedes geboten, jeder Einzelne mußte erfahren, welche Nöte zu belieben, welche Hoffnungen zu beleben waren: denn nur wenn jeder Einzelne sich in die. Gesamtheit hineinstellt, als mitverantwortlich bereit ist, sie nach seiner Kraft zu fördern, kann sie dem gerecht werden, was heute und in Zukunft von ihr zu ieisten ist. Das sind die Triebkräfte, die diesen Zweig der jüdischen Presse mit innerer Notwendigkeit wachsen ließen: Die Gemeindeblätter haben ungemein befruchtend , V %% II l\ I . ''Iiilippson sich rühmen durfte, »einlocht, diese älteste jüdische verfolgen. Darum haben sie nicht Zeitung zu verdrängen, haben sie Eine nicht nebensächliche Bedeutung für das Werden dei jüdischen Presse hatte die Stadt Leipzig. Nicht nur die Allg. Ztg. d. Judent. wurde in Leipzig gedruckt und verlegt (Verlag von Baumgartners Buchhandlung, Druck von W. Haack); auch wertvolle andere jüdische Zeitschriften entstanden und erschienen hier: Der hiesige Orientalist Julius Fürst gab 1840—1852 die Wochenschrift „Der Orient" heraus; 1852—1850 erschien hier ein „Sabbath- Blatt" (herausgegeben von H. Sommerfeld unter Mitwirkung von J. L. Saalschutz, der vierte und letzte Band von dein Leipzig?; Rabbiner Dr. Adolf Jelliuek redigiert); ein „Jüdisches Volksblatt" zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Gebiet gab L. Philippsoii 1S5I lSbo heraus. Ein Unikum i«;t die hier 1892 begründete und mehrere Jahre bestehende „Israelitische Hausfrau e n / e i t ii n g", deren Fxcmpiarc allerdings völlig verschwunden zu sein seheinen. Iii neuerer Zeit bestanden hier eine Reihe von Zeitungen von vorwiegend örtlicher Bedeutung: Viele Jahre hindurch die „Zeitschrift des Hilf «verein! israelitischer Gewerbetre»- ln der nächsten Woche ist wegen des Feiprtag«; (Hlrnrnelfuhri) Keflaktions- und Anzeigensehluss bereits am SMeiigta;?, lies* 4. Mai 1937

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.