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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-04-16 · 16 (16.4.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
16 (16.4.1937)
Date
1937-04-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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13. Jahrgang - Nr. 16 /X Ar 16. April 1937 mm DER ISRAELITISCHEN REliGlQNSGEMElNDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NäCHRKHTEHBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Gottesgemeinde und Einzelseele in jüdischer Auffassung, Von Dr. S. Samuel. Schon seit fahr und Ta™ sind wir dessen innegeworden, wie wenig mit der äußerlichen Einordnung in die Kulturvölker die große, geistige und materielle Problematik unserer Existenz zur Ruhe gekommen ist. Heute mag die jüdische Gemeinschaft vieler Länder die Worte des Gebets auf sich beziehen: was sind wir, was ist unser I eben? worin besteht unsere Annahme und unsere Rechtfertigung? Und die Antwort müßte lauten: wir wären ein Hauch, ein Nichts, eine Torheit, ohne die unlösbare Verknüpfung mit unserem Gotte; ohne unsere Berufung mit all ihrer Qual und ihrem Glück! Aus der religiösen in die alltägliche Sprache übertragen: wir sind ein Volk mit höherem Auftrag, keine bloße Konfession, sondern Stammes- und Schicksalsgemeinschaft, also eine religiös-nationale oder national-religiöse Gruppe; eine Einzelerscheinung unter Eigengesetz- Ichkeit, ohne Gleichfall. Aber dies alles nicht aus Wahl und Willkür, sondern eben durch Glauben und Geschichte. Diese gilt es, in uns zur Klarheit zu bringen, bevor wir Verständnis dafür bei andern erwarten dürfen. Eine wertvolle Hilfe können uns hierbei Martin B u b e r sjüngste Schriften leisten; zumal „Königtum Gottes" in 2. Auflage und „Die Frage an den Ein/einen"'j. Schon in der ersten AusgaV des erstgenannte!! Buches suchte Duber die tendenzgcschichtliche Problemstellung der Bücher Richter und Samuel dahin zu lösen, daß er zwei Strömungen in ihnen aufwies: eine urtümliche, auf iiliesier Überlieferung beruhende, zugunsten eines unmittelbaren Königtums Gottes, unter Ablehnung aller politischen llcrrschaftsforinen; und eine notgeborene, f ü r ein irdisches Herrscherlum. Ausgangspunkte sind der berühmte Gideonsspruch: nicht ich, nicht mein Solln oder Enkel — Gott allein soll über euch König sein; und die Weigerung Samuels, einen König einzusetzen, als oi> Gott nicht mehr König in Israel wäre. Eine solche primitive Throkrotlc glaubt Buber weder in Assm-Babel, noch in Ägypten oder Südarabien wiederzufinden; überall hier erschöpfte sie sich darin, die Menschenmacht zu decken. Nur in Israels vorstaatlicher Zeit wurde Ernst gemacht mit dem Glauben, daß kein Prophet, Priester oder Priesterkönig, sondern Gott allein der Führer seines Volkes seit Abraham und gewiß seit Ägypten sei und rechtmäßig bleiben müsse. Die klassischen Stetten für diese Auffassung stammen sämtlich aus der Thora; es Mnd nicht mehr, aber auch nicht weniger als vier an der Zahl; und sie dürfen den ältesten Traditionsschichten zugerechnet werden. Da ist das Bekenntnis des erlösten Volkes am Meere: Der Ewige soll König sein immer und ewig (2. B. Mose 15, 18); das Anerbieten Oottcs, Israel zum Königreich seiner Priester zu machen (daselbst Kap. 19 V.6); das Bekenntnis des fremden Sehers Bileum, Königsjiilu-l in Israels Mitte zu vernehmen (4. B. Mose 23, 21); endlich die Erinnerung nn <üp Köniffstrhebung Gottes durch die Stämme jetchuums in der Biindesschließung am Sinai (5. B. M. K. 33, 5). Bubers Darlegungen zur Begründung eines streng originalen Messianismus in Israel waren aus diesem ersten des aui drei Teile '«rechneten Wortes so deutlich Ctkcmiüai, da» sie in der Kritik einen wahren Sturm von meist gegenerischen Äußerungen hervorriefen. So gern wir daher schon den zweiten Band begrüßt hätten, so begreiflich ist das Bestreben des Verfassers, sich zuerst mit der Kritik auseinanderzusetzen. Die zweite Auflage bringt für seine Thesen die wertvollsten Ergänzungen. Auch jüdische Gelehrte (Jeeskel Kaufmann, El. Auerbach u. a.) vermögen Buber nicht zu Cll K. ') Martin Buber, Das Kommende. Untersuchungen zur Fntsfe- «sgcscliichie des messianischen Glaubens. Band* I: Königtum Dank der Judischen Winterhilfe. Entsprechend d*n Weisungen des Herrn Reichsbeauj- \r~iu-~ «.-■* r c/mo IUII Rottes. Zweite vermehrte Auflage. Berlin 1936 (Schocken-VerJag) Martin ßuber, Die Frage an den Einzelnen. Berlin 1936 (Schok wn-Verlag). fragten für das Winterhilfswerk des Deutschen auch die Jüdische Winterhilfe ihre Unterstützungstätigkeit für den Winter 1936/37 am 31. 3. 1937 beendet. Zu unserer großen Freude konnten wir allen Notleidenden in dem Maße helfen, wie es das allgemeine Winterhilfswerk vorsieht Daß uns dies möglich war, danken wir dem Opfersinn unserer Gcmeindemitglieder, die, so weit sie nicht selbst in Not sind, fast alle ihre Oabe zur Jüdischen Winterhilfe beigesteuert haben. Diesem unseren herzlichen Dank geben wir hiermit öffentlich Ausdruck. Jeder wird Verständnis dafür haben, daß wir von Einzeldanksagungen Abstand nehmen und die sehr hohen Mittel, die dies tosten würde, lieber unseren Hilfsbedürftigen zugute kommen lassen. Nunmehr bitten wir alle, die ihre Beiträge und Spenden noch nicht voll an uns abgeführt haben, dies sofort nachzuholen, damit wir unsere Verpflichtungen erfüllen können. Besonderer Dank gebührt den vielen ehrenamtlichen Helfern und Mitarbeitern der Jüdischen Winterhilfe, die sich zum Teil aus dem Kreise der Betreuten zur Verfügung gestellt haben. Wir können ihre selbstlose und aufopfernde Mitarbeit nicht genug rühmer.. Leipzig, den 13. April 1937 Jüdische Winterhilfe Der Vorstand Leipzig der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. zugeben, daß aus so primitiver Theokratie ein Messianismus »b?»- leiten sei; zu deutlich wurde auch weltliches Königtum rezipiert; und vor allein sei die Datierung der Thorastellen ungewiß. Buber erkennt nur den statthalterischen Charakter eines israelitischen Königs an; Israel machte auch mit diesem Frnstder König bleibt in der Verantwortung unter der Kritik der Propheten, absetzbar, nie eigentlich erblich, sondern von der Zustimmung des Volkes abhängig; wobei nur David und Jerusalem eine Vorzugsstellung empfangen. Aber wie schnell verblaßt auch diese, und es werden dtr&US ideale, verklärte Gebilde: ein Davidssproß und ein erneuertes, herrliches Zion. Die älteren Propheten wissen sehr wohl, daß Gott jedes Volk zu seinem Erdreich geführt, zu staatlicher Ordnung geleitet und unter menschliche Könige gestellt habe. Der "rstjfter hüeb ihnen dieser eine Gott als Überherr aller Königreiche der Erde. „Vom mosaischen Gott-Scheikh der Wüstenwanderung bis zum Herrn aller Völker und der Geschichte" ist eine Entwicklung wie vom zusammengefalteten Blatt zum entrollten. Einen unerwarteten Vorstoß gegen-seine Auffassung von Israels

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