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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-03-26 · 13 (26.3.1937) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
13 (26.3.1937)
Date
1937-03-26
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 26. März 1937 I>enUi an die jüdischen Handwerker! Adressen vermittelt die Geschäftsstelle: Max Singer, Uhrmacher, Piauensche Straße 2, Telefon 27327 Bürgermeisteramte (Magistrate) ausgestellt ist. vnr*r*1<»«* A ,. f»----l -.......... .-tieiierrtmt«» f|- ,imm*n\ ■■y I^Imuujc^OUILIL LiL " .•>• uttiu CMC »ciiciiugung über die letzte vorgeschriebene Steuer mitgebracht werden. Ohne diesen Ausweis gewährt das städtische Kuraint keine Ermäßigung, Bevorstehende Veranstaltungen 10. April: K. A. E.: Wohltatigkeits-Künst1erfe«t. 17. April: Meverstcin: Veranstaltung. 18. April: K. Ä. E.: Veranstaltung. 24. April: K. A. E.: Veranstaltung. Neue Bücher Hans Joachim Schoeps: Jüdisch-christliches Religionsgespräch in 19 Jahrhunderten. Geschieht», einer theologischen Auseinandersetzung. Berlin |1937| (Vortrupp-Verlag). Der um die religionsgeschichtlichcn und philosophischen Themen mit reichem Ertrag bemühte Verfasser greift in diesem Buche zum eisten Male eine Frage an, die fesselnd genug ist und manche durchaus wichtigen Erkenntnisse offenlegt. Seitdem das Christentum besteht, gehen Auseinandersetzungen vor sich, in denen seine Anschauungsweise und die des Judentums gegeneinander abgewogen werden. Dieses nun schon 19 Jahrhunderte währende „Gespräch" hat noch keine systematische Darstellung gefunden. Auch dieses Buch will sie nicht geben, es beschränkt sich darauf, einen Abriß zu entwerfen, der die Probleme klar werden läßt. Es zeigt sich, daß die Aussprachen sich immer um die gleichen Kernpunkte bewegen, wenn auch die Standorte wechseln, von denen aus sie geführt werden. Schon in der ersten Gegenüberstellung in der Zeit der Konsolidierung der Kirche sind es im wesentlichen vier Argumente der christlichen Polemik, auf die seitens des Judentums zu antworten ist: Jesus aus Nazareth sei der in unserer heil. Schrift gevveissagte Messias; die Auserwählung Israels sei seit der Ablehnung des. erschienenen Messias Jesus auf die christliche Kirche übergegangen, Israel sei nunmehr von Gott verworfen, das jüdische Gesetz sei laut dem Zeugnis des Paulus durch den Glauben an die neue Offenbarung aufgehoben Da* Judentum hat in den ersten Jahrhunderten die werdende Kirche nicht recht ernst genommen und ist dogmatischen Erörterungen aus dem Wege gegangen. In den aggadischen Teilen des talmudischen Schrifttums haben sie mehr die Form der Abwehr hacretischer Lehrmeinungen. Um so erbitterter werden Apologetik und Polemik im Laufe des Mittelalters, da auf der einen Seite die siegreiche Kirche, auf der anderen das ohnmächtige Judentum kämpfen. Ihnen geht es um den Wahrheitserweis der eigenen Religion: auf beiden Seiten ist mau weit entfernt davon, den Anspruch des änderen Glaubens auch nur im entferntesten ernstzuuehmen. Darin tritt im 19. Jahrhundert ein Wandel ein: man beginnt, nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander zu sprechen. Es werden echte Gespräche. Moses Mendelssohn, in seinem Streit mit Lavater, leitet zu solcher echten Zwiesprache über, wie sie danuJn neuester Zeit zwischen Franz Roseuzweig und Eugen Rosenstock, zwischen Martin Buber und Karl Ludwig Schmidt geführt werden: jüdischer- Ktts wird die Offenbarung des Christentums als Heüsweg für die Völkerwelt außerhalb Israels anerkannt (wobei der Akt des Anerkenneus etwas anderes ist als der Akt des Glaubens); und es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß auch die Kirche unser Selbstwissen um Gott und seinen Bund mit uns als Wahrheit anerkennt. Diese geschichtliche Darstellung darf in unserer Zeit der Ungläubigkeit mehr als nur wissenschaftliches Interesse beanspru che», manche Anzeichen sprechen dafür, daß ein Vorstoß zu neuer Gläubigkeit geschieht. In der Klärung der Wesensunlerschiede geht eine Aufhellung der eigenen (ilaubenswege vor sich. Die fesselnde Untersuchung von Schoeps bringt wesentliche Förderung der Probleme. Die wissenschaftliche Prüfung seiner einzelnen Thesen muß der Erörterung in der Fachpresse vorbehalten bleiben. Auch der nichtgelehrte Leser wird reichen Ciewinn durch das Buch erhalten. Gustav Cohn. Jakob Picard. Der Gezeichnete. Jüdische Geschichten aus einem Jahrhundert. Berlin 193b. (Jüdische Ruchvereinigung.) Wie ein Traum aus vergangenen, glücklichen Zeiten muten die Geschichten an, die Picard in seinem Bande „Der Gezeichnete" erzählt. Er sprich! in seiner breiten, behäbigen, gemütvollen Sprach« von einer umfriedeten Welt, vom Leben des Kleinstadtjuden im Westen Deutschlands vor etwa 50 Jahren. In einer engen, abef traulichen Welt leben einfache, fleißige Menschen, Juden und Christen in schönster Eintracht, in gegenseitiger Freundschaft und in Achtung und Duldung vor religiösem Brauch des anderen. Wie menschlich schön ist die Geschichte vom Hausierer Hirsch Bernheim, der vom Schneegestöber überrascht seineu Schabbat im Hause des fremden Bauern findet. Was für ein feiner Humor liegt [n d« Erzähking „Der Parncs erhalt eine Lehre", in welcher der Maire selber nach Schul kommt, um einem armen Juden einen Aufruf 1 U ---Jnnr> u.. .iviiunui vinüi VII Auswahl, Maz*e M.azzemehl L. Schmeidler, Nordstr. 25, Frankfurter Str. 11, Tel. 25568 zurHTorazu™Tc7sTru7i7e"n^^ kleine Welt für sich; für diese Badenser Juden ist Elsaß oder Bayern schon Fremde. Enggeschlossen ist diese Weit, einer kennt den andern, einer sorgt sich um den andern, jeder fühlt sich für den andern verantwortlich, jeder will die Achtung der anderen besitzen. Diese einfachen Menschen sind in tieister Seele gottesfürchtig. selbst die Reichen, trotz ihres Reichtums und Ansehens. Die jüdischen Festtage geben den Lebensrhythmus des Jahres. Diese Klein Stadt- und Dorfjuden, die ein gottgefälliges Leben führen wollen, haben ein sehr empfindsames Gewissen, für sie ist selbst das kleinste Unrecht „Sünde"'. Die schönste dieser durchweg lesenswerten Geschichten ist wohl die Erzählung von „Raphael und Recha". In ihr wird gerade dieses Thema berührt. Sie erzählt vom ungleichen Ehepaar, wie sich ein rechtschaffener, gottergebener Mann für die Sünde seiner hartherzigen, geizigen Frau mitverantwortlich fühlt und an dieser Sündenlast zugrunde geht, Gewiß haben auch diese Mensehen ihre Herzensnot, wie sie Menschen zu allen Zeiten und in allen Völkern gehabt haben, (iewiß haben auch sie ihren Arger und ihren Daseinskampf. Aber das sind eben die unvermeidlichen Gegebenheiten menschlichen Lebens. Sie kennen aber darüber hinaus keine Kollektivnot, und neben all ihren kleinen und großen Nöten steht so viel Geruhsames, Menschlich-Schönes und Erfreuliches, daß dieses wiederum aussöhnend wirkt. Wer das Badener Land mit seiner üppig-schönen Natur kennt, wird besondere Freude an den Naturschilderungcn haben. Nur ein heimatverbundener und naturnaher Mensch kann so das Land im Wechsel der Jahreszeiten schildern. Das Buch muß in einer beschaulichen Stunde in all seinen Einzelheiten genossen werden, dann wird es dem Leser Viel Freude geben. ec. Fritz Rothgießer. Das Knabenschiff. Eine Erzählung. Berlin 1936. (Philo-Verlag.) Die große Judentragödie der Vertreibung der Juden aus Spanien schließt naturgemäß viele tragische Sonderschicksale einzelner Mensehen, Familien und Gruppen in sich. Die Erzählung „Da;. Knabenschiff" gibt einen solchen Ausschnitt. Sie spricht von einer ganzen Gemeinde, die gemeinsam ausgewandert ist, gemeinsam ein kümmerliches Leben in einer Einöde fristet. Ungeheuer spannend wird erzählt, wie sich Unheil auf Unheil häuft und wie schließlich gerade aus höchster Not die Wendung zum Guten kommt. Der Titel „Das Knabenschiff", der natürlich auf das wesentlichste Merkmal hinweist, läßt nicht ahnen, wie fesselnd der Inhalt für Jung und Alt ist. Eine kleine Äußerlichkeit wäre zu bemängeln: Warum sprechen diese eben aus Spanien vertriebenen Juden ein aschkenasisches Hebräisch? ec. Kaiman Schlesinger. Die Gesetzeslehrer von Schimon dem Wahrhaftigen bis zum Auftreten Hilleis. (Sehockcn-Bücherei, Berlin 1936. Bd. 71.) Talnmdische und midraschische Erzählungen, Aussprüche und Auslegungen sind zusammengestellt um Persönlichkeiten quellenmäßig nahezubringen, die in der Entwicklung der jüdischen Tradition hervorragenden Platz einnehmen. Die Nachrichten fließen spärlich; mit guter Sachkenntnis hat der Herausgeber alles Wesentliche vereinigt und so den Weg bereitet, daß die einzelnen Züge der Männer, herausgenommen aus dem Ganzen von Talmud und Midrasch, sich zu einem Bilde fügen. Die Texte sind sorgfältig punktiert, sauber gedruckt und in seitenweiser Gegenüberstellung auch eine Obersetzung beigegeben. Dadurch ist das Buch auch als sprachliche» Hilfsmittel wichtig und wertvoll, vorzüglich geeignet, eine Einführung in die Sprache des taimudischen Schrifttums und in die Denk- und Lehrweise der alten Lehrer zu vermitteln. - G. C. S'miroth schabbath. Die häuslichen Sabbatgesänge. Gesammelt und herausgegeben von Arno Nadel. (Sehockcn-Bücherei, Berlin 1937. Bei. 73.) Es muß mit freudiger Genugtuung begrüßt werden, daß immer reichlicher die Hilfsquellen fließen, die geeignet sind, häuslichem lüdiachen Brauchtum neuen Auftrieb zu geben. Auch das vorliegende Bandchen wird von sehr vielen dankbar aufgenommen werden Zw r sind schon in früheren Sammlungen neben anderen jüdischen Melodien auch einige Simiroth schabbath aufgezeichnet. Hier wird zu allen bekannten Liedtexten mindestens je eine musikalische originelle und wertvolle Melodie mitgeteilt. Der geschätzte Bearbeiter wählte meist Melodien aus seinem Gedächtnis, das aus seiner Wilnaer Kindheit und seinem Elternhaus manche vor mehr als 50 Jahren vielbesungenen Stücke aufbewahrt hat. Daneben stehen aber auch andere, die aus verschiedenen Quellen zusammenflössen, sowie chassidisehe Niggunim und einige Bearbeitungen traditioneller Mc lodien. In einem besonderen Teiie des Büches sind die vollständigen Liedtexte vereinigt, so daß das Büchlein zugleich ein hebräisches Textbuch für alle heute gebräuchlichen SctUÜ*Ot darstellt. Ö.C

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