Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 11 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968814-5990748--6302-4882439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 ÜEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIO 12 März 1937 Das Symbol ist immer Zeitsymhnl Vom Symbol zum Buch, vom Mythos zum Glauben, von der ,amor fati* zur Hoffnung, von der Fahrt zum Weg, vom Jahrgängeverband zur Gemeinschaft — das ist die der jüdischen Jugend entgegenzuhaltende Forderung der Stunde." andern Ländern muß mit einem geistigen Programm verbunden sein Gerade an das deutsche Judentum mitten im Umbruch Uttel Aufbruch ergeht der Ruf, sich der großen Stunde gewachsen zu zeigen. „Bei uns", sact Mavhmim ♦n.ff«»«^ Jjj* ci-r B!:t: de: L\ Mr»vhr»nm v*>i*lonnrl Ar*** i lU^-. k^m^jäCiiaiinciien vjrtmunp: wählnnrr /Mnrrnc/« kl' .Vi ubiü Mendelssohn das Uciuw ivfiiiiciauscnaitssondern Heiligungsehe; Ehrerbietung des Sohnes gegen den Vater. „Die Jugend muß die Wendung zur Kchilla machen, die die Hütte für das messianische Volk ist." Und sie muß die /eiistiinmung für das Irrationale aufgeben, denn jüdischer Glaube bejaht den Geist und ist mit Weltoffenheit verschwistert. Werden wir die Bibel so leicht nicht mehr vergessen, und der alten Bilduugsvergötzung nicht mehr anheimfallen, so dürfen wir ech'.e Bildung darum nicht geringer schätzen, weil uns die Zugänge zu ihr erschwert sind. Trotz unserer Verarmung keine barbarische Primitivität, kein Fcllachentum, kein«. Kulturverengung. Nicht Bialik allein (schon Achad Haam und Tschcrnichowaki sind ihm zweitrangig); wir haben einen Hermann Cohen in seinem Alterswerk und Franz Rosenzweig nach seiner Abwendung vom schönseligen Humanismus. Außerdem wissen wir um viele Leistungen auf dem Gebiete der Wissenschaft, Philosophie und Kunst, die uns Zugänge zum europäischen Geiste eröffnen, die wir offenhalten müssen. Alle diese Bestrebungen faßt unser Autor unter der Parole „Organisation der Diaspora" zusammen. An der Zionsliebe sollen alle Zeiten und Richtungen im Judentum teilhaben; dem Aufbau Palästinas, des Landes der Mitte, das heute ganz zum Abendlande gehört, soll sieh in Arbeitsteilung der Zionismus vornehmlich widmen. Aber auch die große Auswanderung nach allen Ringen um jüdische Neuzeit aufnahm, stehen wir heute noch in der Fortsetzung seines Strebens. Die Einheit der Lehre für das großen Israel aller Orten kann nur durch das „L e h r h a u s" geschaffen werden; wo das führende Lehrhaus steht, dort wird das Zentruni des Judentums sein. Zwei wichtige Arbeitsgebiete eröffnen sich ihm: die erst jetzt abgeschlossene Geschichte der Judenheit in Deutschland seit Mendelssohn und die Erforschung jüdischen Glaubens, der Weltreligion ist, den kein Tempel faßt, der uberall mit uns wandert und uns ein neues Stück Heimat schenkt. Glücklicher als die russische Judenheit (verlorene zehn Stämme!) soll die deutscht mit ihrem großen Erbe auch den Charakter der Buigcilichkeit, der Typ des baal-habajit bewahren und nicht proletarische Züge annehmen. Zugleich Berufsperson und Träger jüdischen Geistes; Brot schaffender Versorger und Priester am häuslichen Tische soll auch der Jude der Zukunft sein. Es wäre allzu billig, der Kritik unseres religiös-liberalen Zionsfreundes eine Antikritik entgegenzusetzen, zumal wir eine wesentliche Ergänzung seiner Darlegungen vom religiös-konservativen (misrachistischen) Standpunkte in Dr. Abr. Schlesingers Werk „Im Zeichen der Wiedergeburt" besitzen. Wenige werden ihm biin alle Einzelheiten folgen. Aber es bleibt genug des Erwägenswerten für alle jüdischen Gruppen, besonders füi unsere verantwortungsbewußte, unverbildete, aufiiähuiebciciie jugend. Zu fessadi erwarten viele Stände - eure reiäiiiäi bemessene Spende Jüdische Zeitschau Die Organisation „Ichud" hat die Aufgabe, den Olim aus Deutschland Rat und Schutz, Hilfe und Beistand in allen das religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu gewähren. Zu diesem Zweck unterhält sie in Tel-Aviv folgende Institutionen: Lein Rabbiuat, geleitet von Herrn. Rabb. Dr. Emil Nathan Levy, früher Qemeinderaboiner in Berlin, 2. einen ständigen Gottesdienst nach dem in den konservativen Synagogen Deutschlands üblichen Ritus, a) an allen Sabbaten und Festtagen im Jaseha I leifetz-Saal, Alienby Nr. 94, b) au allen Tagen — auch Wochentagen — in eigenen Räumen, Yarkonstraße 78; 3. eine Chevrah Kadischah, die alle Funktionen erfüllt, die dieser „heiligen Brüderschaft" in Eurona obliegen; 4. Lehrkurse rabbinischcr, sprachlicher, kultureller und historischer Art; 5. Veranstaltung von Vorträgen auf den .Gebieten jüdischen Wissens und jüdischen Lebens; (). Pflege sozialer Arbeit; 7. Pflege der Geselligkeit. Die Organisation ist zu einem Zentralpunkt der Olim aus Deutschland geworden. Alle neuen Einwanderer wollen sich in unserer Geschäftsstelle, Yarkonstraße 78, nachmittags /wischen I und!> Uhr oder bei einem der Unterzeichneten melden. IW |,v.!:!-.:r..-.* ...............ivit'liitiei i)r. Lmü isuiüan Levy, PinskerairiiBt iu. Dei Vorstand. Dr. Max Kollenscher, Herzlstr. 16; Alfred Fifeudenthal, Idehohn* straße 14; Prot. Dr. Heinrich Loewc, Ben Yehudasiraße 72. Unsere Gemeinde Noch ein Wort zur Frage der Schulentlassung und der Einstellung von Lehrlingen. Margarete Friedland hat iu eingehender Weise zur Frage derjenigen Schüler Stellung genommen, die jetzt aus der Schule entlassen werden und sich dem Berufsleben zuwenden müssen. Dabei hat sie sehr sorgfältig die Maßnahmen erwogen, die für die Ausbildung derjenigen Menschen in Frage kommen, die sich manueller Tätigkeit zwecks späterer Auswanderung zuwenden. Ergänzend sei dazu bemerkt rli»R hc aacfi notwendig erscheint, zur Berufsausbildung derjenigen Stellung zu nehmen, die sich in Deutschland odci späterhin im Ausland der wirtschaftlichen Berufsausbildung zuwenden wollen. Flier erscheint es notwendig, die jüdischen Arbeitgeber darauf hinzuweisen, daß sie Lehrstellen für jüdische junge Menschen freimachen. Die judischen Arbeitgeber haben die Möglichkeit, nachdem nunmehr die jüdischen Arbeitsvermittlungen im ganzen Reich aufgehört haben, bei den Arbeitsämtern jüdische Lehrlinge und weiterhin auch jüdische Angestellte anzufordern. Wie der Reichsvertretung der Juden in Deutschland von arbeitsamtlichcr Seite hierzu mitgeteilt worden ist, werden die Arbeitsämter im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten den Anforderungen nachkommen. Von Wichtigkeit erscheint es fernerhin, auf die minieren und höheren technischen Berufe hinzuweisen. Bei der zunehmenden Industrialisierung in allen Ländern erscheint die Laufbahn eines Chemikers, Ingenieurs oder Diplomingenieurs nicht ungünstig Derjenige junge Mensch, der seinen wirtschaftlichen oder technischen Beruf im Ausland ausüben will, wird gut tun, beizeiten sich gründliche Sprachkenntnisse für das Wahllanu anzueignen. Er wird sich außerdem zweckmäßigerweise mit der betreffenden Landes künde in bezug auf Gegenwartsgeschichte, Wirtschaft, Lebens haltung und Gesundheitspflege rechtzeitig eingehend beschäftigen. Syndikus Kurt Sabatzkv. Felix-Goldmann-Gedächtnisound. Am 9. März hielten Vorstand und Kuratorium dps Felix-Goldmann Gcdächtnisbundes, unier Leitung de» Herrn Rechtsanwalt Dr. Löwenheim als Vorsitzenden des Kuratoriums, eine gemeinschaftliche Sitzung ab, in der der Bundes Vorsitzende Gcmeinderahbiner Cohn über die Tätigkeit des Bundes im Jahre 1936 Bericht erstattete. Dem Berichte ist folgendes zu entnehmen: In steigendem Umfange hat der Felix-üoldmann-Gedächtnisbund im Laufe des Jahres 19Jö den im Sinne des verewigten Rab biner Dr. Qoldmann festgelegten Zweck der Betreuung und erzieh liehen Förderung von Waisenkindern erfüllen können. Die Mittel des Bundes kamen 5 Kindern zugute; 2 davon wurden schon 1935 durch den Bund betreut. 2 Kinder schieden IQ'ifS an« «Je- Obhut r.::r„ da \~r:-:-.. •,.^:v.-?.vi: Av.-:.-aV.Uv,<...v.m:.v;.»v..vh-• ßt'Uegina fitti" 'i'i'iiiVs "iu.v erfolgte bei c- Waisenkindern die Erziehung iuü Kosten- Zuschuß des Felix-Goldmann-Gedächtnisbundes. Am Beriehtsta^i (Mär/ 1937) ist die Zahl auf 7 gestiegen! An Unterhaitsgeidern wurden 1936 RM. S0U.85 für diesen Zweck verausgabt (193'j RM. 138.—). — Außer den laufenden Erziehungsbeiträgen hat dei Vorstand bei besonderen Gelegenheiten und in Sonderfällen Einzelbeihilfen gewährt, die gemäß den Satzungen an Waisen- oder Hall'- Waisenkinder gewährt wurden. Solche Sonderspenden betrugen 1030: Zuschuß zur Auswanderung eines Waisenknaben . . RM. 50. Einmalige Erziehungsbeihilfen anläßlich der Jahrzeit des verewigten Dr. üoldmann.......„ 200.— Zuschuß an Ferienhalbtagskolonic der Gemeinde „ 50. Zuschuß für einen Waisenknaben zur Jugendaliiah . .. t?Q.?1!SChüS für ii'w Kindel besehenkung d Hilfsvereins . „ 200. RM. 650.— (im Jahre 1935 . . RM. 260.50) Der Verein zählt z. Zt. 120 Mitglieder (Ende 1935: 156). Di« Abwärtsentwicklung beim Mitgliederbestand buuhi auf der Abwanderung aus Leipzig, z.T. auch in den immer schwerer werden den Frwerbsverhältnissen. - Die Aussprache befaßte sich im wesentlichen mit der Frage der Ausweitung-der Bundesaufgaben. Es wurden entsprechende Satzungsänderungen beschlossen, die jedoch erst nach einer nochmaligen Abstimmung Rechtskraft erlangen sollen. Der Vorstand besteht i. Zt. aus den Herren Gemeinderabbiner Ci>!ü; (Hundesvorsitzender), Dr. Hans Goldmann (1. Stelle.), Dr. Leo Dreßler (2.Stell?.), D. Jackson (Schatzmeister), Willy Seemann (Sehn" tuhrer). - Der geschäftsführende Ausschuß des Kuratoriums aus de« Herren R.-A. Dr. Löwenheim, S. Scliiißhcim, Syndikus Sabatzky.