Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 11 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Aüfiäge 33uu Stuck ■ /p/r 12. MSn 1937 DER ISRAELITISCH EN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Ein beachtliches, zeitgemäßes Buch Ignaz Maybaums „Neue Jugend und alter Glaube". Von Dr. S. Samuel. Schon einmal ist Dr. May bäum, den die Berliner Jüdische (iemeinde jüngst in ihr Rabbinat berufen hat, mit einer ähnlichen Schrift hervorgetreten, unter dem Titel „Parteibefreites Judentum" iind dem Untertitel .Lehrende Führung und priesterliche Gemein- -chaft': im Philo-Verlag 1935. Jetzt ist daselbst das obengenannt? Uuch erschiene:: (!Q3Q), das die Gedanken des ersten aufnimmt, und sie vertiefend weiterführt. Sein Augenmerk ist diesmal noch stärker dem Aufbruch und der Abwanderung gewidmet; er bemüht sich um klare Zielsetzung und erfolgversprechende Malmahmen; er will vor allem die Brücke zwischen Ost und West schlagen, den Kulturbesitz unserer Zeitwende bergen, und für unsere Zukunft fruchtbar machen. Dabei spricht er so manche Wahrheit mit g o 1 d n e r Rücksichtslosigkeit an«, so daß seine Darlegungen auch dort, wo sie Widerspruch erregen, aufhorchen lassen. Sein schon früher hehandeltes Thema führt ihn noch einmal zur Kritik des Parteiwesens im heutigen Judentum. Mayhaum läßt wohl Gruppen, Richtungen, Schulmeinungcn gelten; Partei dagegen ist ihm immer politische Partei. Auf liberaler Seite ist ihm die Reform eine judenchristliche Sekte. Darum führe der Weg der französischen, englischen und amerikanischen Gemeinden oft aus dem Judentum heraus. Das religiös-liberale Judentum in Deutschland habe wohl Judentum sagbar gemacht, der Persönlichkeit iliren Rang gegeben und die (iemeinde vorbildlich aufgerichtet. Scittc Fehler aber waren, daß es ähnlich dem paulinischen Christen* tum nur gedanklich ein Bekenntnis sein wollte, an der Verantwortung für jüdische Existenz voi I»*'»rini7. »nrt r..-.!■ •; &iS£;"&>*wettig in ihm das Ganze de» Judentums erfaßt war, so wenig im politischen Zionismus. Es gibt auch ein hebräisches Assi- E lautentutn: das Streben, unser Leben um jeden Preis zu normalisieren, das Verlangen nach einer Staatsstatt nach einer Kullurnation. lepg;;ü^ji irdische Sache würde sich in Boden, Kasse und Blut erschöpfen, aber für den jüdischen Auftrag stumpf bleiben. Im Gefühl dei Kraft zu neuer Oeschichtsplanung nach europäischen Mustern übersieht solch Zionismus leicht, welche Verpflichtungen für uns in dem Namen eines heiligen Volkes und Landes ruhen und daß Gott als- Herr unserer Geschichte allein den Maßstab hergebeil kann. Die Kritik dei Parteien verschärft sich h inscrem «ei iasser, »o er die für unsere Jugend charakteristischen Erscheinungen prüft Bei aller Anerkennung der Opfergesinnung und heroischen Haltung im Pioniertum (Chaluziut), bestreitet er Ihm die Olaubensrechtfertigung sowohl aul zionistischer, wie auf nichtzionistischer Seite, Er weist auf den Chaluz ohne Zionsliebe hin, für den Palästina nur der zufällige, geographische Ort der Entfaltung ist. Besonders der J Ii g e n d f ü h r e r scheint ihm der {üditchen Legitimation zu ermangeln. Wimpel, Volkslied, Marschrhythmus üben s,1Sgestive Wirkungen, ersetzen aber nicht Offenbarung d. i. Beleh- Am Sonntag, den 14. März 1937, findet um 10.30 Uhr vorm. in unserer Gemeindesynagoge, Gottschedstr. 3, ein Gefallenen-Gedenkgottesdienst mit nachstehender Folge statt: 1. Orgelvorspiel. 2. Chor „Enausch kVho7i'r", vorgetragen v. Synagogenchor. 3. Rezitativ und Arie aus „Samson" von Händel, vorgetragen von Herrn Oberkantor Lampel. 4. Gedenkworte des Herrn Gemeinderabbiners Gustav Cohn. 5. El' mole rachamim, vorgetragen von Herrn Kantor Jaffö. 6. Chor „Lochen ssomach libbi". 7. Orgelnachspiel. Hierzu werden alle Gemeindemitglieder, insbesondere die Angehörigen der Gefallenen, eingeladen. Leipzig, den 8. März 1937. Der Vorstand der israelitisch. Reiigionsgemeinde zu Leipzig. rung, die jeden besonders erreichen will. Idee und Wirklichkeit der jüdischen Bünde finden in Mayhaum keinen Fürsprecher. Der Bund als Jahrgingeverband gilt ihm als Widerspiel der Gemeinde, die alle Altersklassen umfängt. Weder Horra, noch Schillerkragen oder ein Oncg-Sclubbat ohne Sabbatheiligung finden Gnade vor ihm. Im Kibbuz erblickt Maybaum eine Art Sozialmystik; H« „boy" und ,,gir!"-Typ wüi'dr "«.»rt K-..!.....•• ^uaehura '; »;..r> gemein/ '£2ni?"Ktiiürrhsuä entfärbt« »»"• Namen Vater und Mutter und bedrohte den Einflut) elterlicher Erziehung. Das Urteil übet aichtztonistische Bünde fällt nicht etwa günstiger aus. Ob die magische Formel schalom oder „Bereitschaft!" lautet, gilt unserem Verfasser gleich Der Intelligcnzbuud der „Werkleute", der jüdische (icschichtc treibt und religiös interessiert ist, hat dem luden tum wenig gegeben, wie manche Makkabi-Gruppc, die von der heroischen Idee fasziniert, völlig übersieht, dall so viele makkabäische Priestersöhne hellenistisch assimiliert und ausgesprochene Feinde der religiösen (iemeinde waren. Es gilt, laut Maybaum, das Joch des Himmels auf sich zu nehmen, d.h. \%* heidische Pose. Wir müssen Juden sein einziges Zeichen sei Schma J i s r o c I. Hier ist Schlufi gemacht mit dem Umschmeicheln einer Jugend, die um so selbstbewußter auftritt, als sie nur sich selber anbetet, und im Innersten haltlos ist. Das Unternehmen des Verf. wäre aber ebenso undankbar wfc unfruchtbar, stünden ihm nicht positive Werte zur Verfügung, auf die er verweisen!;;;;;;;. Eä isi ein schneidendes, aber wahres Wort: „Jüdischer Mythos und jüdische Geschichte sind Gegensätze." „Echte Geschichte ist nur niessiauische Geschichte. Alles andere ... ist Spiel, Rausch, Wahn, 1 räum T<mI. iiiUr'n w.j;.. wollen, ohne in ganzer Existenz; unser Sonntag, den 14. März 1937, letzte Eintopf Sammlung!