Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 10 (5.3.1937)
- Date
- 1937-03-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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13. Jahrgang - Nr. 10 Auflage 3300 Stack 5. März 1937 i J-_LL Uin r <* lll^^/J l raum DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACH RICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Fünfzig Jahre Hilfsverein. Von Rechtsanwalt Dr. Diessler. in diesen l agen blick! der HilfsvereiM Israelitischer Gewerbetreibender E.V. auf ein öojähriges Bestellen zurück. Ans diesem Anlaß findet Sonnabend, den Ii. März 1(H7, abends 1 _.') IMir, im Kulturbund-Theater, Tauchaer Str. 32, unter Mitwirkung namhafter Künstler eine Jubiläumsfeier statt, der« Reinertrag der Kinderheselu rung zufließt. Vor 50 Jahren, am 27. Januar 1887, traten in Leipzig 21 jüdische Gewerbetreibende unter dein Vorsitz des Herrn Gabriel Hollack zur Gründung des Hilfsvereins Israelitiseher Gewerbetreibender zusammen. Von der (iründung an trat das Wesen des Vereins!;lir zutage. Jüdische Mensehen des Leipziger Mittelstandes schufen im Wege der Selbsthilfe eine Institution der Hilfe bei Not und Lrkiankung. Dabei wird schon im Gründungsstatut der Charakter der Gegenseitigkeit uii>c'ncidenü betont. Wer als Mitglied seine l'flichtiMi gegenüber dem Verein ais der Gesamtheit der Vereinskollegen erfüllt hat, erhält im l alle jeder Not keine Almosen, sondern weiter nichts als die statutarisch*! (iegenleistung für die eigene Pflichterfüllung. Dieser hohe Gründungsgedanke der Gegenseitigkeit hat sich fünf Jahrzehnte bewährt. Aus den bescheidensten Anfängen entwickelte sich der Hilfsverein zu dem führenden Wohltätigkeitsverein Leipzig! und wohl auch zu einem der größten Deutschlands. Seine Milgiiedci zahl stieg zur Jahrhundertwende auf 300, kurz nach Beendigung des Krieges auf 1000 und erreichte im Jahre 192» den Höchststand von 1900 Mitgliedern bei einem Auägabtnctdt, der halb so groß war wie der der Offizien«'" Gemeindefürsorge Die -\ .$ivVr.^W:'ÄllMtl->»V-4i^**V^USbÜU ' sich dei liiiisverein in den ersten lanren insbesondere auf die einmalige oder laufende Unterstützung seiner Mitglieder in Not und Krankheit, die Errichtung einer Witwcnond Waisenkassc, die Bestellung vun Sanitätspflegcrn zum Besuch erkrankter Mitglieder, die Betreuung des jüdischen Handwerkes, so erweiterte er sehr bald seinen Aufgabenkreis durch Förderung produktiver Kür Sorge. Die Erkenntnis, daß nicht nur bereits erkrankte und in Not geratene Existenzen unterstützt, sondern rechtzeitig gestützt und lebensfähig erhalten weiden müssen, iüiiriv bereits im jähre I8ug unter tätiger Mithilfe des Philanthropen Alfons Jacobson zur Schaffung einer D a r I e Ii u s k a s s e Und später zur Verschickung von Mitgliedern in Bäder und Sanatorien zur Wiederherstellung ihrer Arbeitskraft Zahlreiche Existenzen wurden so im Wege produktiver Eiirsorge im Laufe der Jahrzehnte durch zinslose Darlehne in Höhe bis zu 3000. RM. Und durch rechtzeitige ärztliche Behandlung vor dem Untergang bewahrt und lebensfähig erhalten. Die I estigkeit und Nützlichkeit seiner Institutionen hat der Hilfsverein in Zeiten wirtschaftlicher Krise, in denen Beiträge und :nt\v»« V?unc' der. Hilf», -rev iättW;iii:iiikrf«-n "" beseht bewiesen. Unmittelbar nach Ausbruch des Krieges wurde ein K r i e g s u n t e r s t ü t z u n g s f o n d s ins Leben gerufen, der die Fraueil und Kinder der im Felde stehenden Mitglieder mit monatlitjSen Beihilfen von '30. bis 75. RM. unterstützte. Und als die Zahl der im Felde stehenden Mitglieder immer größer und die Geldmittel kleiner wurden, nahm der Hilfsverein 191b bei seinen Mitgliedern und Gönnern eine Anleihe von 10000. RM. zur Fortführung de> I lilfswerkes der Kriegsfürsorge auf. Mit der gleichen Tatkraft wurde sofort nach Beendigung des Krieges ein Unterstütziingsfouds für diejenigen Mitglieder, die im Kriege ihre Existenz oder Gesundheit verloren hatten, gegründet und durch Sonderbeltrige finanziert. Daß an eine Institution von derartiger Einstellung sehr bald auch N i e h t m i t g I i e d e r mit Unterstützungsgesuchen herantraten, liegt nahe. Auch diesen Rufen entzog sieh der Hilf<5verciu nicht, soweit es irgendwie möglich war, und bis in das letzte Jahr we'iitt mancher Buchabschluß für Nichtmitglieder eine fast gleiche, manchmal sogar höhere Unter^tützungssumme auf wie für Mitglieder. Am stärksten aber prägt sich der Wille des Hilfsvereins, seine Hilfe auf den weiten Kreis der Nichtmitglieder auszudehnen, bei der Fürsorge für die Jugend aus. Im Jahre 1919 wurde die Kinderbesch enk u ng des Hilfsvereins ins Leben gerufen, die seitdem alljährlich aus Spenden der Mitglieder und Gönner und aus erheblichen Zuschüssen des Vereins mehrere Hundert a r m f r Kinder von Mitgliedern und Nichtmitgliedern ans unserer Gemeinde mit neuen Kleidern, Mänteln. Wäsche, Schuhwerk usw. beSCnenKt. Die Bedeutung dieses vorbildlich jüdischer. Hilfswerkes wird rtsräi»? ersichtlich, daß trr.lr anteina ••'•?■+ äeftWiCrjjtksiteu im icuiui Jahre mehr ais 400 Kinder inii Kleidungsstücken beschenkt wurden, die einen Verkaufswert von ca. 16000, KM. darstellten. Auch an der religiösen und geistigen Betreuung seiner Mitglieder hat der Hüfsveiein Anteil genommen. Die Gottesdienste vor dem Kriege in dem inzwischen verschwundenen Hotel de Rolognc und in der Nachkriegszeit im Zoologisehen Garten boten einer größeren Anzahl Leipziger Juden Gelegenheit, die hohm Feiertage in traditioneller Weise zu begehen. Durch Vortragsurd Ifuternarrungä&bende mit bewußt jüdischem Inhalt wurde der Zusammenschluß der Mitglieder gefördert, im Jahre iyii erhielt der liiiisverein seine eigene Zeitschrift, die bis zur Begründung des (ieineiudeblattes im Jahre 1923 das eigentliche Organ der gesamten Gemeinde darstellte. Mit einer nachahmenswerten Uiicigcniiittzigkeit stand die Zeitschrift vor und nach dem Kriege allen Institutionell j e d e r jüdischen Richtung offen. Blättert man in den früheren Jahrgängen, so findet man neben den Veröffentlichungen der Gemeinde die Aufrufe und Aufsätze der Zionistischen Ortsgruppe, des Centraivereins, des Bundes jüdischer Frontsoldaten, der Sport- und Jugendorganisationen und der anderen da- SiH'iuton abnehi ...1 AI 7..M .l.-r n 'ntcrstüt/uug>gesuche steigt, mals zahlreichen Wohltätigkeitsvereine nebenei lande Morgen, Sonntag, den 7. März 1937, letzte Pfundsammlung.