Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 19. Februar IQ37 BOUCLE¬ TEPPICHE praktische Wohnzimmer tepniche. tu vielen Farhs» ü. Mustern, ca. 190x285 cm sr liäusern gehen, die Megillath Esther /.u hören, die Liebliche, die Myrthe Israels mit heißem Herzen den Weg ihrer Erwählung und ihrer tapferen Bürgschaft für ihre Brüder und Schwestern gehen zu wissen — während dieses Weges und wählend des weges wieder Heim ins festliche Haus haben wir einen Begleiter, der uns wie ein Bote Gottr^ scheinen will: Vorfreude. Da plappern die Kinder vom Tag, der morgen kommt, von sich maskieren und Schelmenstückchen machen, da tun sie geheimnisvoll, was da aiies kommen wird und denken an Theaterspieien und Verseaufsagen — gute und schlechte und gutgemeinte — an Purimgeid, nicht zu vergessen, und au all das Gute, das sich in Mutters Speisekammer schon verlockend darstellt und noch größere Verlockungen verheißt, wenn's erst gar ist. Da denken die Hausfrauen schon an den festlichen Raum, den festlichen Tisch, an Blumen und blanke Glaser, an die „Krüppchen" und die „Hamänncr". — Und zur gleichen Zeit springen schon flinke Mägde in schneeweißen Schürzen über die Straße und tragen, sorglich in Papier, aut flacher Hand, die Torte oder die Schale mit dem Naschwerk, Boten klingeln auf Fahrradern heran, und in die Häuser Israels tritt hinter der Vorfreude die holde Freude ein — die Freude am Schenken und dl«? Freude R:■srhrrsktv Schöllet witd ein I esi als alle anderen seiner Art, wenn es ein Fest der Gaben ist. „M i 9 c h 10 a c h M a 11 o t h", der fröhliche Austausch von etwas Gutem, das heiter-glückliche Hinüber und Herüber von festlichen Speisen, die zur „Se'uda" beitragen sollen — gehört zu den Purimbräuehen »rd hat die Judengasse und die eng gerückten Nachbarschaften überdauert. Es ist dabei, als wollte man die Gemeinschaft, wo sie nicht beim Purimmahl selbst um den Tisch sitzt, wenigstens mit dem Backwerk, mit dem Obstkorb, dem zierlich angerichteten Geflügel, der Schachtel Pralinen, der Flasche Wein oder Likör ganz materiell vergegenwärtigen, gebend dabei sein, wenn man's nicht nehmend sein kann. Und siehe da — „Mischioach Manoth" hebt die Zwischenräume auf und schlingt ein buntes Band von Freundschaft und Festfreude rings um alle Häuser Israels, da rücken sie nahe zusammen, und der gleiche Strom der Gewißheit rauscht herrlich durch sie hin, der immer neu verbürgten Gewißheit unserer Dauer. Vom festliehen Tisch steigt der Jubelruf auf: „AI hanissim" und über den lieben Gaben von Freundeshänden spürt Israel: der Gott der Väter selbst schickt an diesem Tage seine „Monaus" in unsere Häuser! Er schenkt mit diesem Fest und diesen Erinnerungen selbst von neuem die Verheißung, den Bund und die Erwählung, daß sie sich uns als Leben in Israel erneuern und bestätigen sollen. Die Wunder Gottes, die er unseren Vätern tat, sind uns die „Manoth" dieses Tages, wie einst als an ihm die Lose der Befreiung fielen. M. W. Jüdische Winterhilfe Postsrheckkonto Nr. 20516 Msrüpi P^WgjKSjpiüJud^ Abi. winternnte). JLeiiensniittel-Ausgabe. Dienstag, den 23. Februar 1937, in der Ausgabestelle! Brühl 47, Hof Gruppe 1 und 5-10 von 7,10 bis '/, 1 Uhr, Gruppe 2 bis 4 von 3 bis 5 Uhr. Einlaß nicht vor \/410 Uhr und '/43 Uhr. Jüdisches Lehrhaus Leipzig Winter 1936/37 Der Lehrgang Carlebach (Elternhaus und jüdische Schule), dir mit Rücksicht aut die Kuiturbimdvcranstaltung am 15. d. M. ausfallen mußte, findet am Montag, den 22. Februar 1937, um 20,30 Ul r in der Schule statt. Mit Rücksicht auf die Eröffnungsfeier für die hebräischen Sprach kurse und auf den Gemeindcabend Dr. Eloesser fallen die Kurs abende Dr. Rabinowitz am 20. und 27. Februar aus. Der Zeit punkt des Wiederbeginns dieses Lehrganges wird noch bekanntgegeben. Der nächste Kursabend des Lehrgangs Dr. Luft findet erst;i 1 März 1037 statt. Jüdische Zeitschau Oherkantor Prof. Emanucl Kirschncr, München, 80 Jahre all. in dicset Woche, am Id. Februar, beging Prof. Lmanuel Kirschner, der im Ruhestände lebende Oberkantor der Münchener Synagoge, das I est seines 80. Geburtstages. Von nah und fern, von liebenden Schülern, von begeisterten Verehrern, von dankbaren Genieindemitgliedern und selbstverständlich von seinen ihn hochschätzenden Berufsgenossen, dem Allgemeinen Verbände jüdischer Kantoren in Deutschland, werden ihm die innigsten Glückwünsche zugegangen sein. Auch die verschiedenen jüdischen Zeitungen haben gleichfalls seines Ehrentages rühmend gedacht. Und wahrhaftig, er verdient diese Ehrungen. Jahrzehntelang hat er, die Zierde »eines Standes,« am Vorbeterpult seiner Synagoge gewirkt und die Gebete seiner e-S griffenen Gemeinde zum Allerhöchsten emporgetragen. Seine Hefe Religiosität, seine innerste Musikalität und sein seelenvoller Vortrag befähigten ihn hervorragend zu seinem heiligen Amte, das ihn nimmer rastend antrieb und ihn zutiefst erfüllte von frühester Jugend au bis in sein Greisenaiter. Glänzend trifft auf ihn der Satz aus dem Propheten Jesaja zu (40, 31): „Die auf den Ewigen harren, legen neue Kraft an, erheben die Schwingen gleich den Adlern, sie laufen und ermüden nicht, sie gehen und ermatten nicht." In seiner kurzen Lehrtätigkeit als Professor des Gesanges an der Akademie der Tonkunst in München hat er würdig seinen Platz ausgefüllt und bedeutende Schüler herangebildet. Seine zahlreichen Abhandlungen über Synagogenmusik, über die Poesie des Mittelalters und ihre Singweisen machen seinem fleißigen Forschen, seinem gelehrten Denken alle Ehre. Seine fesselnden Vorträge — es sei ganz besonders an den „Sommer der Musik" in Frank fürt am Main 1927 erinnert —, in denen sein gütiges Herz und seine! exolie. Bescheidenheit hell zutasre ir.-it:'" 7.~..~.~;-. ."• dankbaren Zji I m l veröffentlicht von 1896,1920 — ist sein „Tehillot leel eljon", 4 Bände Synagogengesänge für Sabbat und Festtage. Diese tiefempfundenen, meisterlich gearbeiteten und eminent jüdisch gehaltenen Stücke nkhi nur in Noten zu be&iUcn, — das ist ja allererste Vorbedingung, aber für den schaffenden Künstler höchst bedeutungsvoll und anspornend —, Sondern sie einer aufgeschlossenen Gemeinde nutzbar /u machen, sollte die selbstverständliche Dankesaufgabe derjenigen sein, die berufen sind, in ihren Gemeinden edle synagogale Weisen zu pflegen, weniger Gutes — auch wenn es scheinbar „traditionell" ist — auszumerzen, Besseres, ja Bestes au deren Stelle /u setzen. Wir in Leipzig dürfen uns rühmen, längst zu diesen Dankbaren /u gehören, aus jedem der vier Bande erklingt etwas wenigstens ifl unserer Synagoge. Man denke u. a. an die beuten schönen „MismaUf schir lejaum haschabbos in E- und C-Dur, an den „Adaunoj nioloch", verschiedene K'duschaus oder an das innige „kapper cliatoenu" am Jaum-kippur. So feiern w i r Emanuel Kirschner, dem wir einen gesegneten Lebensabend wünschen ad mcoh vveeßrim schonoh. Oberkantor S. Lampel. Gesamtvorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes. Die vielen drängenden Fragen unserer Zeit bedingen in gewissen Abstände! in allen Organisationen eine Zusammenkunft der führenden und verantwortlichen Persönlichkeiten zu gemeinsamer Aussprache. Aus diesem Grunde hat der judische Frauenbund für Deutschland fuf die Zeit vom 18.—21. Februar eine Gesamtvorstandssitzung nacl Lehnitz einberufen. Es werden dort Fragen der Frauen- und Kinderi