Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 8 (19.2.1937)
- Date
- 1937-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4876568-5968814-5990745--6274-4882414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
13. Jahrgang - Nr. 8 19. Februar 1037 DER ISRAELITISCH EN REtIGIONSGEMEINDE ZU V LEIPZIG Gemeindeabend AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Der schon früher angekündigte Vortrag des Herrn Dr. Arthur Eloesser, (Berlin-Charl. 5, Lietzenseeufer l) über „Heinrich Heines Rückkehr zum Judentum tt findet nunmehr endgültig am Sonnabend, den 27. Februar 1937, pünktlich 20 Uhr (Einlaß 19.30 Uhr) im Kulturbundsaal des Battenberg-Theaters, Tauchaer Straße, statt. Als Unkostenbeitrag (zugleich zur Abgeltung der Garderobengebühr) wird ein Einheitspreis von 40 Pfg. für alle Plätze erhoben- Die Karten sind ab Montag, den 22. Februar 1937. in den Kassenstunden (von V2 10 Uhr bis 13 Uhr) an der Kasse des Gemeindeamtes, Walter-Blümel-Str. 10, I, erhältlich. Soweit dann noch Karten vorhanden sind, findet ein Verkauf am Abend vor dem Vortrag im Battenberg-Theater statt. Wir laden alle Gemeindemitglieder herzlich zu diesem Vortrag pin. Leipzig, den 15. Februar 1937-__Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig Purim im deutschen Mittelalter. Von Hans Lamm, München. Seit jeher ist es guter Brauch, in der „Purim-Droschah" oder „I'urim-Thora'-', wie anderwärts die Tischrede beim Festmahl an Purim genannt wird, Dinge sagen zu dürfen, die man an den übrigen Tagen des Jahres nicht auszusprechen wagen dürfte, So darf auch der Verfasser eines Purim-Aufsat/es einmal einem so gelehrten und verdienstvollen Mann wie Zun/ entgegentreten und versuchen, ihm gegenüber das Punmiest zu verteidigen. Wir wissen nicht, Warum der Vater der Wissenschaft vom Judentum so schlecht;mf .:.■.!..., Ta^ undjjpsbcsondvtt- Ktfubuob, die Megiitath i ü:cr zu sprechen warjedenfalls klingen die WjtfjfoM&e setn« kti* *!-'.-ho Fr.-!.--. -8"-"-',™^tß/g0*M£mr,*m!***\{n11;; humorvoll und — riauDC Ulis an Hürim dieses horribile dictu! — reichlich ledern ■nd schulmeisterisch. Altmeister Zun/ läßt sich also vernehmen über aas Buch Esther: „Das Buch bleibt ein merkwürdiges Denkmal unprophetischen Geistes; denn obwohl es Raum hat, den persischen Konig 18V mal und seine Königin 2bmal zu nennen, so fand es doch keine Gelegenheit, üottes auch nur ein einziges Mal zu gedenken." Nun, daran, daß Zttnz richtig gezählt hat, zweifeln wir nicht und Mich honst ist seine Rüge durchaus schlüssig: — und doch: er war Biei - wenn dieser kühne Vergleich statthaft erscheint — „päpst- •'"»er als der Papst", denn wäre er unter den großen Männern ge« 1 »es, die den Kanon der 24 Bücher des T'nach festgelegt haben, cr hätte bestimmt gegen die Aufnahme dieses bunten Buchs sein Wissenschaftlich wohlfundiertes Veto eingelegt. Ja, wir gehen noch v'nen Schritt weiter und wagen zu behaupten: „Hier irrt — Zunz!" ""d unser Widerspruch hat einen guten Zeugen an den Juden und 'n unserer Geschichte Wäre die Megillah in der Tat das lose Buch, als das es Leopold Zun/ mit pedantisch zählendem \ iuger gerne hinstellen möchte: dann hätten sich die Juden nicht all die Jahrhunderte hindurch mit solcher Leidenschaftlichkeit für diesen „Jom-Tow" eingesetzt und ihn freudiger begangen als manchen anderen. Wir schreiben „Jom-Tow" und wir stocken schon: zwar wissen wir, Purim führt seinen Titel „Jom-Tow" mit vollem Recht, |a hier beginnt schon die Keine lustiger Fin/el/üge dieses Tages — es ist der einzige, der mit diesem geläufigen Namen in der Heiligen Schrift erwähnt wird: und doch, wir fühlen und wir wissen es alle: Purim ist doch anders „Jom-Tow" als unsere übrigen Feiertage. Geschäftlichen vni\ handWprWIol..... BeschSfHsnngen naefc/ug*!:»! an Purim tiii unemgrwhrankt erlaubt und die Zahl der reit giöicu i-iiieiuen, die uns das Fest auferlegt, ist gering und so geartet, daß auch jener, der ansonsten etwas lau zu sein beliebt, gern und eifrig ihnen obliegt. Außer dem Anhören der synagogalen Vorlesung der Megillah am Abend und Morgen de» Festtags ist uns nur noch vorgeschrieben, ein besonders gediegenes Mahl zu halten und uns des Jom-Tows nach Herzenslust zu erfreuen; dazu tritt noch der Gebrauch, Freunden Festgaben zu senden (Mischloach Manoth), eine Sitte, die selbst der als schön empfindet, der mit dem Satz „Geben ist seliger denn Nehmen" nicht voll einverstanden ist, denn zweifellos bekommt auch er „Schlachmones" gesandt und Kami seinerseits daran „selig" werden. So verstehen wir es, daß dieses „Lntanl terrible" im edlen Kranz unserer Jom-Towim sich — unerschüttert von allem Geschehen unserer ereignis- und schreckensreichen Geschichte — immer so großer Beliebtheit im Volk erfreute, daß beispielsweise schon vor Jahrhunderten bei Famiiien vornehme' italienischer Sephardim der Familienname „Purim" vorgekommen sein soll. Griesgrämige Gelehrte und einige wenige besonders strenge Rabbiner waren den; Fest des öfteren nicht besonders wohlgesinnt. -««-Ii. ais aas es Lcopoiu z.uuz mit peuantiscn zanienuem r inger »uiei waicn uem i cm micicu mein uesunu^rb womgcsium. Überweist eure Monatsbeiträge für die Jfid. Winterhilfe pünktlich.