Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1937-01-29 · 5 (29.1.1937) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
13 (1937)
Issue
5 (29.1.1937)
Date
1937-01-29
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4876568-5968814-5990741--6252-4882395
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 29. Januar 1037 ..i iiiutiii nvMNHICfS ah gcnbückliciicii L<tgt '" dci jisraei Konsolidierung und Aufbau Von Dr. Aftlkwr Ruppin, Jerusalem.!n den folgenden Ausführungen nimmt Dr. Arthur Ruppin, einer der ersten Kolonisationssachverständigen (Ipc |>.,|:;,.4;.,......t>,_..~ ■ i„ .....irr* aictUf Problemen rj?r Stellung. Die Araber hatten gehofft, durch ihren Generalstreik die jüdische Wirtschaft lahmzulegen und die Bewohner der jüdischen Städte auszuhungern. Von Zeit zu Zeit wurden in den arabischen Zeitungen sensationelle Nachrichten über die Hungersnot in Tel-Aviv verbreitet. Wenn in Wirklichkeit die jüdische Wirtschaft sich trotz des streike aufrecht erhalte« und wenn di< jüdische Bevölkerung keinerlei bedrohlichen Mi n g e I an Lebensmitteln gelitten hat, so ist dies auf drei Umstände zurückzuführen: Erstens darauf, daß durch die ungestörte Fortarbeit im Hafen von Ilaifa tler Import von Waren aus dem Auslände in der alten Kahn weiterging, zweitens, daß durch die Eröffnung des Hafens in T e I - A v i v ein zusätzlicher Ausladeplatz geschaffen wurde, und drittens dadurch, daß die j ü d i - 8 C h e u i a n d \v i r t s c h a f t I i c Ii e n S i e d I u u g e n in mustergültiger Weise den ganzen Bedarf der jüdischen Be- V Ö 1 k e r u n g an Iris c h e r M i I C Ii d e c k c u k 0 n n t e u und zu einem gewissen Teile auch den Bedarf an Milchprodukten (Käse, Butter) und Gemüse, So wie schon einmal während des Weltkrieges die jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen, damals noch gering an Zahl, für die Versorgung des jischuw mit Lebensmitteln eine entscheidende Rolle gespielt hatten, so haben sich diese Siedlungen auch jetzt wieder ausgezeichnet bewährt. In manchen Beziehungen hat sogar der arabische Streik der jüdischen Wirtschaft Nutzen gebracht. Der Bau der Reede in Tel-Aviv wäre, obwohl sie von der jüdischen Bevölkerung seit Jahren verlangt wird, nie in Angriff genommen worden, wenn Das alles sind Positionen, die in diesem Summer neu gewonnen wurden. Aber ein schwacher Punkt hat sich gezeigt, den wir noch beheben müssen. Das ist die Selbstversorgung der ut» dtla,. i, ,. „ u t » <;% _ ( .. „ ..... leicht verderblichen I ehonwmtWHn ':. .... allgemeinen nicnt vom Auslande importiert, sondern im Lande selbst erzeugt werden müssen. Es dreht sich hier, da Frischmilch wie oben erwähnt von den jüdischen Siedlern bereits in ausreichendem Malle erzeugt wird, um Gemüse. Die üetnüseerzeugung war immer das Aschenbrödel in der jüdischen Kolonisation. In den alten Kolonien war sie überhaupt nicht vorhanden, und auch in den neuen Kolonien ist man r.itr zögernd an ücu Anbau von Oemüse herangegangen, weil der Gemüsebau sehr viel Handarbeit verlangt und man aus diesem Grunde glaubte, der arabischen Konkunenz nicht gewachsen zu sein. Erst in den letzten Jahre n Ii a t der (i e in ü s e b a U durch die Vergrößerung des jüdischen Marktes und durch die Einführung neuer technischer Methoden an Boden gewonnen. Im Jahre 1935/36 betrug die mit Gemüse bebaute Fläche in den jüdischen Siedlungen bereits 1500 Duaam, und für das Jahr 193b 37 sind 5000 Düna in für Oemüsebau in Aussicht genommen. Aber auch das genügt bei weitem nicht, um den Bedarf der jüdischen Bevölkerung zu decken. Es ist nötig, insbesondere in der Umgebung von Tel- Aviv, wo Wasser und Boden für den Gemüsebau noch in großem Umfange verfügbar sind, die Anbaufläche weiter zu vergrößern, um von hier aus die jüdische Bevölkerung in Tel-Aviv und Jerusalem mit Gemüse zu versorgen. Das kann sowohl durch eine weitere Vermehrung der Anbaufläche in den bestehenden Siedlungen als auch durch A n s i e d 1 U n g von Gruppen auf n e u e in Botlen geschehen. Der Oemüsebau hat den Vorteil, dall der Siedler schon nach einigen Monaten aus dem Verkauf der Produkte Einnahmen hat, und daß der Boden in vielen Fällen zwei E r n t e n jährlich geben kann. Das würde nicht nur junge Leute neu in Morgen, Sonntag, den 31. Januar Haussammlung für den Ephraim-Charlebach-Hain der Israelit. Religionsgemeinde nicht der Hafen von Jaffa durch den Streik stillgelegt und dadurch die Notwendigkeit einer Ausladestelle in Tel-Aviv so deutlich geworden wäre. I Me V e r in e h r u n g des j ü d i s C h e u Anteils an tler Polizei, immer und immer wieder von den luden gefordert, hätte sich nicht verwirklicht, wenn nicht durch den Streik und die in seinem (iefolge einhergehenden Gewalttaten die Regierung eingesehen hätte, daß sie ohne eine grolle Zahl neuer jüdischer Polizisten der Unsicherheit nicht Herr werden kann, und wenn die jüdische Jugend unter dem Druck der Ereignisse die Notwendigkeit, sich für den Polizeidienst znir Verfügung zu stellen, nicht erkannt hätte. Die v e r m e h r t e 11 e r a n z i e h u n g v o n J u d e u z u den öffentlichen Arbeiten (Straßenbau, Eisenbahndienst, Hafendienst) wäre nicht erfolgt, wenn nicht die Regierung durch den Streik, sieh ,!........ überzeugt hütte,* 4pß* sie b»4rd<,t.*A*»»lreehi*' mltamtng «.ies Verkehrswesens sich nicht allein au! ü\.n uxdbtschcu Sektor der Bevölkerung stützen kann. I )er V erst ä r k t e Einsatz j ü d i s c h e i Arbeit e r i n d e u alt e u I a u d w i r 1 s c Ii a t t - lieh e n Kol 0 u i e u wäre nicht erfolgt, wenn nicht durch den Streik die jüdischen Plantagenbesitzer ohne arabische Arbeiter geblieben wären. die Landwirtschaft hineinbringen, es würde auch neue Arbeitsplatze schaffen und uns in Zukunft, so wie es schon auf dem Gebiete der Milchwirtschaft geschehen ist, auch in der Versorgung von Gemüse auf eigene Füße stellen und uns von nichtjüdischen Produzenten unabhängig machen. Die im Rahmen des normalen Aufbaubudgets der Jewish A g e n c y und des Ken n H a j e s s o d für landwirtschaftliche Kolonisation ausgesetzten Beträge reichen hierzu bei weitem nicht aus. Was zur Erreichung dieses Zieles notwendig ist, sind z u - sätzliche, über das regelmäßige Aufbaubudget hinausgehende Mittel. Wenn dem Appell der Executive der Jewish Agency, in den nächsten Monaten durch den Keren Hajesscd für Konsolidierung und Erweiterung des Palästinawerkes ein /weiteaußerordentliche* Bttd igct*iii Hohe vo*t*£ 300000^^ürjiett!TP»ls'»»tinaaufbau zu schatten, uei Erfolg beschieden sein wird, den, nach seinem heroischen Abwehrkampf, der jüdische Jischuw in Palästina von der gesamten Qolah erwarten kann, m> wird mir diesen Mitteln ein wesentlicher Beitrag zur Konsolidierung und Erweiterung unseres Werkes auch in den hie. genannten Bezirken des AufbaUS geleistet w eiden können. Jüdische Zeitschau Die Juden in Buenos Aires. In der Vortragsreihe vom Jüdischen Lehrhaus, Berlin, „Juden in Weltstädten" sprach Friedrich Boich a r d t über die Juden in A r g en tin i e u , insbesondere in Buenos Aires (mit Lichtbildern). Argentinien Ist das zweitgrößte ' and Südamerikas. Es hat 12,5 Millionen Einwohner, darunter 2b(MMX) Juden Buenos Aires ist nicht nur der Mittelpunkt des Landes, sondern zugleich der Welthafen Südamerikas und der wichtigste Durchgangs,- punkt fü'- die Einwanderer Südamerikas. Buenos Aires ist eine moderne Weltstadt mit 2,5 Millionen Einwohnern, davon 135000 Juden. Argentinien ist nicht erst in den letzten Jahren als EmwanderungSlautl von den Juden entdeckt worden. Bereits im 15. und 1!>. Jahrhundert wanderten Maranuen in Argentinien ein, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen Juden aus Holland, Deutschland und Frankreich und besonders zur Zeit der russischen Progrome wanderten viele Juden aus dem Osten ein. Einen bedeutenden wirtschaftiiehen Auftrieb brachte das jüdische Element besonders in den letzten Jahren durch die Kolonisationsarbeit der ICA, dem Werk des verstorbenen Barons Hirsch. In die Kolonien und den kleinen Ortschaften und Städten, die sich im Anschluß an sie gebildet haben, leben 40000 Menschen, darunter jOIKMI Juden. Der „Hilfsvcrcin der deutschsprechenden Juden", der etwa 700 Mitglieder zählt, leistet linier seinem verdienstvollen Präsidenten Aiioito Husch produktivste Arbeit. Auf seinem Lehrgut Schwedisch-Höhe werden junge deutsche Juden hauptsächlich zu Obstbauern herangebildet Außerdem be sitzt der Verein für seine ausgebildeten Kräfte bereits eigene Obstplantagen. Line wichtige Rolle im jüdischen Leben spielt die dortige Chewra Kadischa mit IS(HM) Mitgliedern, „Ezra" mit 1IHMH1 Mitgliedern und einem eigenen Krankenhaus. Es gibt in Buenos Aires 15 Synagogen und eine Anzahl von Bets'älun; ein jüdisches Alters heim, Waisenhaus und Krankenkasse. Unter den i Tageszeitungen, die in Buenos Aires auf jiddisch erscheinen, haben r\yei von ihnen übei 20000 Abonnenten. Außerdem gibt es zahlreiche Wochen- und Monatsschriften, die teils in spanischer, teils in jiddischer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.