Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-12-18 · 51/52 (18.12.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
51/52 (18.12.1936)
Date
1936-12-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4876568-5968812-5985778--6202-4882351
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 18. Dezember 1930 M on t g o in e r y (The Samaritans, Philadelphia 1007) oder von A. E. Cowley (Sn.maritan Liturgie, Oxford 1009) zu unterschätzen, so leisten doch die späteren Qasterschen Werke der Judenheit den heSfinili't cm llii'nst ihr die nhir«»tn»nnti'ii RffldM ->k- Win.L.r <r'..; . ' Ä ' ...... "* c'hen Staibnies wie gie'<'';:: GLu!:u::.. wieder nähcrzabriiisrcn; eine alte Schuld an ihnen gutzumachen. Es sind: The Samaritans (The Schweich Lectures for 1923) London 1926; The Asatir, London 1()27; und Samaritan Eschatology, London 1932. Daß die rabbinischen Abwertungen der sogen. Kutaecr heute nicht mehr gelten können, die sie zu Halbheiden stempelten, sollte heute außer Zweifel sein. Der Talmud selbst gibt zu, daß sie an den von ihnen angenommenen Gesetzen mit größter Treue hängen. Dazu rechnen z. B. Bcschncidung und Sahbat. Das Zelmwort wird zu jeder Perikope verlesen, ganz wie es die strengen Saddukaeer verlangten. Kein Gottesdienst ohne das feierliche Bekenntnis des Einig-Einzigen und die Anerkennung, daß Gott der Herr seinem erwählten Volke Israel durch Mose seinen einzigen Propheten <Mp Thorah als unverbrüchliches Gesetz verliehen habe. So geringfügig anfänglich aber die Abweichungen sein mochten, sie haben doch zu einer verschiedenartigen Entwicklung geführt. Schon das Festhatten au ihrer samaritanischen Schrift für die Thorah und die sonstige religiöse Literatur war keine belanglose Äußerlichkeit. Es ist die dem palästinensischen Lande eigentümliche Schrift, die wir noch aus phoeiiikiseheu Inschriften kennen, und die sie in geradliniger Entwicklung bis zur modernen Kursivschrift entwickelt haben, wahrend die Juden sie aufgaben und vermutlich durch Fsras Einfluß mit der assyrisch-babyloniscnen erlauschten. Die Umwandlung der heil. Texte nach der graphischen Seite gab den Samaritaiieru den ersten Anlaß zur Klage, daß die in den Händen der Juden befindliche Thorah ihre Ansprüche auf die Vorzugsstellung des l>eiges Garizim und seines Heiligtums bis zur Unkenntlichkeit verwischt habe! Weit wiesen sie es von sich, ihrerseits ein Schisma verschuldet ZU haben. Niemals könne Zion oder Jerusalem den Ran1: des Mar-Garizim einnehmen, da Mose diesen zum Berg, des Segens und zur Stätte der Errichtung der Steine mit dem desetze erheben habe. Nur auf ihn, so behaupten sie, bezögen sich die Worte „achad hcharim" in der Akeda odef „Bet-El", I iis und Schaar ha s C h a m a j i m in der Traumszene Jakobs. Von hier bis zu der Behauptung, daß sie allein das legitime Israel bildeten und dessen echte Tradition bewahrten, war nur noch ein Schritt. Wenn wir erwägen, welche religiösen Reichtümer dem Südreiche Iii.l . iiikI fr ff!->lip+nM iirtrl fit :;; f»:^ru( kJ€IU«Uttii£ iiOcii utii ui v l'iu- '^+rnmfon i*rtTt rfpnnn rlif* C *» •» tiner aus dogmatischer Befangenheit sich selber ausschlössen, dann begreifen wir, daß die gemeinsame Basis immer schmaler wurde. Dies Übergewicht konnte nicht wettgemacht werden, mochten die Sainaiitaner auch die Vorschriften der Thorah dem Wortlaute n a c h strenger erfüllen. Tatsächlich vollzogen sie bis zum 15. Jahrh. den Ritus mit der roten Kuh; sie bringen bis heute am 14. Nissan vor Abend auf dem heil. Berge das Passah-Opfer dar: verlassen am Sabbat HUI' Zlllll Gebet ihre Wohnnnorni )) il. rrrl m.-lir Ihr.. Feste o ~*Ä * deren sie sieben zählen, entsprechen im ganzen den uiisrigeii; ihre religiöse Literatur weist aber nach Abschluß der Thorah eine mächtige Lücke auf, in die wir nur gewisse, z. T. aramaeische, z. T. arabische Erklärungen, sozusagen einen samaritan. „Onkelos" stellen können. Einen Wertvollen Fluid hat Gaslei mit der Schrift Asatir (du Geheimnisse Moses) gemacht, einer Schrift aus dein 3. Jahrh. v o r d. übl. Z., voll von beziehungsreichen Traditionen. Die Hoffnung freilich, in den mannigfachen Chroniken (Tolldot) eine Or» Schrift eines eignen hebräisch-samaritanische u B u c h e s Josua, geschöpft aus alten, hebräischen Quellen, zu finden, t'rwicc T'i Moabit »wv ■ ........ n II^ Es verdient endlich Erwähnung, daß die reichhaltige Liturgie, Gebete und Hymnen, zum guten Teil von dem begabten samar. Dichter Marka, auch der Hoffnung auf einen Erlöser schönen Ausdruck verleiht. Sein Name ist Taheb, der „Wiederkehrende'', der aber kein gesalbter Sprößling aus dem Hause Davids, sondern ein zweiter Mose aus Arons Stamme sein werde. Diese Zusicherung hat Gott seinem Volke deutlich im b. B. M. Kap. IS V. IS erteilt; er wird die Zeit der Fanuta (Abwendung Gottes) beenden und die ''es Wohlgefallens (Rahuta) wieder herbeiführen. Er wird auch den Bruch der Stämme Israels heilen, und die Völker der Welt zur Anbetung des Einen (iottes am Berge Garizim sammeln. Ein Mensch von göttlichen Gnaden wird der Taheb sein; er wird 120 Jahre, gleich Mose, auf Erden wandeln. Seiner Geburt wird ein besonderer Stern am Himmel leuchten und nicht verlöschen. Möchte ein solcher nicht der kleinen Gemeinde Samarias allein, sondern ganz Israel und der Menschheit bald erstrahlen!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.