Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 50 (11.12.1936)
- Date
- 1936-12-11
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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11. Dezember 1936 Komponisten, dessen innerste Leitmotive — ungewöhnliche Natnrverbmidenheit, tiefe Religiosität, die sich i:; der Musik den Weg zu (iott gewählt hat, und Erlösungsselmsucht vom Weltleid — ihm bekannt sind. In meisterhafter Sprache dargeboten, ist dieses schöne üueh Bruno Walters, das auch einige gute Bildnisse bietet, eine außerordentliche Bereicherung für jeden, der für Mahlers Schaffen tieferes Verständnis gewinnen mochte. ea. __j._ u „,m ■ *?.t.. m •< , v' * i iivuuui ifiuiiiiiubii. juuakd UHU iui_ jüuvii« iflil ChiCUi iHivmt uu \ </u tilgen Täubler. (Schocken-Bücherei Nr. 70.) Das Kapitel aus Mominsens römischer Geschichte, das hier /um Abdruck kommt, wird als das bestgeformte Stück jüdischer Geschichte gelten können — soweit mau bei ihm im eigentlichen Sinn von jüdischer Geschichte sprechen kann. Auch wenn mau sich von dem Namen Moinmsens nicht blenden läßt und sachlich eine gewisse Distanz für nötig hält, wird man sich dem grollen Eindruck nicht entziehen können. In einem tiefgründigen Nachwort hat Prof. Lugen Täubler auf das NichtverstehenKÖnnen der jüdischen Haltung bei Moninisen hingewiesen, und es so dem Leser möglich gemacht, die Grenzen der grobartigen Darstellung Moiniusens deutlich zu erkennen. „Der Morgen", Monatsschrift der deutschen Juden, Jahrgang i2, Heft 7 (Philo-Vcrlag, Berlin W 15). — Mit seiner Oktober-Nummer begibt sich der „Morgen" aus der lebensferneren Welt der Literatur, der das vorige lieft gewidmet war, wieder mitten hinein in aktuellste Tagesfragen. Es stellt die Politik in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. In der gewohnten Gründlichkeit und VielseitigReit wird dieses Thema abgehandelt. Den lebendig bewegten Grundakkord schlagt joaciiim Prinz an in seinem Aufsatz: „Qrundzügc judischer Politik". Aus einer klaren Fragestellung und einer eindrucksvollen historischen Schau kommt er zu der Folgerung, dal? die jüdische Politik sich abseits von ideoiogisierung und Mystitizicruug im hellen Kaum der nationale!: Notwendigkeiten zu vollziehen habe. Auf diese tem perainentvoll vorgetragene These erwidert Ignaz M a y b a u in in einem Aufsatz: „Nichtpolitisches Judentum — unpolitisches Judentum — politisiertes Judentum". Im Namen der nichtpolitischcn jüdischen Glaubcusexistcnz stellt er sich jeder Politisierung entgegen und wehrt sich gegen die Prinzschen Forderungen, in denen sich ihm ein tragischer Irrweg anzeigt. Der Leitartikel suc'ui die „Politik im Judentum" so einzuordnen, daO sie /.wischen der nur-politischen Verherrlichung und dei theologischen Verneinung den Ort einer harten, nüchternen Notwendigkeit einnimmt, deren Rang im jüdischen Bewußtsein nicht unteraber ganz, gewill nicht überschätzt weiden darf. Das Thema „Politik" klingt auch im Besprechungsteil noch öfters au, vor allem in der gründlichen Auseinandersetzung, die Haus Joachim Schoepa mit dein von Jizchak Fritz Baer in der Schokken-Bücherei herausgegebenen Bändchen „Qalut" vornimmt. Das schöngeistige Gegengewicht halten mit viel Erfolg „Baumlieder" von Gina Gärtier und der Beginn einer Novelle „Die Stadt" von Heinz Berg grün. In ihr wird das erregende Geschick eines Menschen geschildert, das mau mit Spannung miterlebt; fast unmerklich und doch zwingend tut sieh dahinter ein tiefer Symbolgehalt auf. Line reizvolle Studie von Camilla K a u I „Bergson und der Baal- Schein" schildert unbewußte Zusammenhänge zwischen dem Denker des Ostens und dem des Westens. Max (iiunwald deutet die Sitte „Palästina-Lrde" ins Grab zu legen, aus dem alten Schrifttum und aus vergleichsweiser Heranziehung ähnlicher Beispiele, die er bei anderen Gemeinschaften gefunden hat. Hin Besprechungsteil, bunt und reichhaltig wie immer, vollendet das Heft, das wieder einmal in glücklichster Weise ins Schwarze trifft, frei von Vorm teilen und mit einer Leidenschaft, die nur der Sache gilt, spricht es sein gehaltvolles Wort zur vjestaltung der jüdischen Gegenwart. Jüdisch? Rnrhv»rcinigung e.V. Unter allen Anforderungen, die!:!•::!:• :::: ::•:!:■:: ::::!:■•.■•'!■•.•!! WenvHien (/«»Stellt Werden. Steht iiiclll illl * * , letzter Qtciic iiic oüfge tun unsere iiHiittchen ScnrMt&tciiCi mju Dientet, (ierade sie bedürfen unserer Hilfe und horderuiig in hohem Maße, da sie besonders unter der Not der Zeit zu leiden haben. Unter diesen Gesichtspunkten ist vor 2x/j Jahren die Jüdische Buchvereinigung e. V. gegründet worden, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, wertvolle Bücher zu veröffentlichen. Um diese Arbeit zu ermöglichen, ist es erforderlich, daß jeder einzelne, der noch irgendwie dazu in der Lage ist, sich der Jüdischen Buchvereinigung als Mitglied anschließt. Wenn man die Veröffentlichungen der Jüdischen Buchvereinigung seit ihrem Bestehen prüft, so muß man zugehen, daß hier eine beträchtliche Anzahl schöner und lesenswerter Bücher herausgekommen ist. Aber auch für das kommende Jahr sind außerordentlich interessante Veröffentlichungen vorgesehen. So z. B. ein Band „Jüdische Welt", in dem die schönsten Erzählungen jüdischer ausländische! Dichter gesammelt erscheinen, immer ist die Jüdische Buchvereinigung bestrebt, ihren Mitgliedern das Beste zu bieten. Sie darf schon heute für sich in Anspruch nehmen, daß manches wertvolle durch sie bekannt geworden ist, das sonst nicht hätte erscheinen können. So ist sie eine Institution, die vom künstlerischen und geistigen Schaffen der Juden in der heutigen Zeit Zeugnis abiegt und die aus diesem Grunde von allen, die noch irgend dazu in der Lage sind, gefördert werden sollte. Dabei ist der Mitgliedsbeitrag sehr gering. Er beträgt nur RM. 3,25 für ein Vierteljahr, wofür ein in Leinen gebundenes, gut ausgestattetes Buch dargeboten wird. Hinzu kommen die „Blätter der Jüdischen Buch-Vcreininiurg", eine Zeitschrift, die in zwangloser Folge erscheint. Dazu aber darf jeder, der Mitglied wird, das stolze Bewußtsein in sich tragen, daß er am Bestand und der Fortentwicklung der jüdischen Kultur sein Teil beiträgt. Anmeldungen erbitten wir an die Vertrauensstelle Aron Cyter, Leipzig C 1, Lortzingstr. 14, ptr. 1. Konzert und Theater Coiiegium musicum juaiscner MusiKlieDhaber. /.um Kulturhuiwl!.-r»n /*»!•»■ i(ti I I IV/fmK^r 10'lf\ Qol icf f>n Tonil | Tr.' /1/10.'•.»•■ >. . - * - 1 ,\nj.. _ i j ^ivdl^l^, Mirjam Zunser (Violine). Das Collegium musicum tritt mit dem Konzert zum fünften Male in die Öffentlichkeit. Seit seinem zweijährigen Bestehen hat es drei Konzerte in der Synagoge in Leipzig gegeben und ein Konzert im Mr.i für den Kulturbund in Dresden. Der Anklang, den seine von rein kulturellen Bestrebungen getragene Arbeit bisher gefunden hat, bedeutet für diese Vereinigung eine wichtige Unterstützung ihrer keineswegs leichten Arbeit. Durch das Konzert, das es am 14. Dezember erstmalig im Rahmen des Leipziger Kulturbundes veranstaltet, hofft es, den Kreis seiner Freunde zu erweitern und möchte bei dieser Gelegenheit dem Kulturbund und den privaten Förderern des Collegium musicum herzlichsten Dank beweisen für ihr reges Interesse und ihre finanzielle Unterstützung. — ii... i >..,.i. . .. ... ....»M*» ......-...u-..__ i___u-.:-u±:—i a— t i»—■..... will uao vyikii^jui vvv.iii.1 auj/.Liuuu\.ii, uiai/aiv.niigt Ud3 v,uiiit;iiiiii musicum, die verschiedensten Bläser heranzuziehen, dadurch kann in die Auswahl der Werke mehr Abwechslung gebracht werden. Durch solch einen Ausbau des Orchesters kann jungen Künstlern noch mehr Gelegenheit gegeben werden, sich solistisch in der Öffentlichkeit zu betätigen. Für unser nächstes Konzert im März sind ein Violinkonzert von Vivaldi (Dora Lepski-Stisson), ein Cellokonzert von Volkmann und andere Werke für Orchester allein vorgesehen. Diesmal, am 14. Dezember, hält sich das Programm in streng klassischer Form: C-Moll Concerto grosso von A. Corelli, A-Moll-Violinkou/eri von j. S. Bach (Mirjam Zunser), D-Dur-Sinfonie tur Streichorchester und Flöte von J. Stamitz, Ci-Moll Concerto grosso von G. F. Fländel und das Klavierkonzert D-Moll von J. S. Bach (Tanja Ury). Möge dieses Konzert dazu beitragen, daß sich alle die Musizierenden, die noch außerhalb der Vereinigung stehen, dem Collegium musicum zur Mitarbeit anschließen mögen Barnet Licht. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter D e k a.) Erwartungsfreudig zog man am letzten Sonntag zum „Bar Kochba"-Platz, nicht allein wegen der angesetzten Spiele gegen den „J. S. K."-Berlin, mehr noch wegen der sicherlich dort anwesenden Zuschauerin enge, die der Zweck dieser Kämpfe, zum Besten der jüdischen Winterhilfe, angelockt haben würde; aber leider . . . Man findet kaum Worte ob solcher Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit des Publikums. Es ist tatsächlich ein Wunder, daß die Vereine noch den Mul und das Geld aufbringen, größere Spiele abzuschließen, wenn sogar \V interhilfsspiele fast „unter Ausschluß der Öffentlichkeit" ausgetragen werden müssen!! Und dabei waren es wirklich spannende Spiele, bei den Fußballern insoweit, als es die Berliner am Ende auf 8 Mann gebracht hatten, und auch die „B. K."-Elf auf Geheiß des Schiedsrichters einen Spieler nach draußen beordern mußte. Spielerisch erwartete man eigentlich vom „J.S:K." mehr, rednerisch vermochte seine Mannschaft vollauf ihren Mann zu stehen; allerdings litt das Zusammenspiel auf beiden Seiten sichtlich unter dem Starken Wind. Der Punktkampf endete 2:2, wobei die Berliner Treffer bei etwas mehr Konzentration der hiesigen Verteidigung nicht hätten zu fallen brauchen. in angenehmsten Gegensatz stand d<-;> k/t&ciidc Handballspiel der beiden Herren-Mannschaften, allein schon ob setiiei ritterlichen Art und der Spannung, die zeitweilig über ihm lag, so vor allem in ilii /.Wetten Hälfte, ais ..Rnr KochoS*! •!:»« AiMfjTeiehsfnr Mim ... ti,«tii'tt ijijtte mul naht* am möglichen ~j**Y*ir" d*t. n^vr zeujtc sieh wieder, daß übertriebenes Innenspiel mit der Zeit unproduktiv bleibt, zumal sieh am Sonntag der gegnerische rechte Verteidiger „liebevollst" auf Rolle eingestellt hatte. Wie ganz anders war dafür das Spiel des „J.S.K.", dort wurden die Flügel eingesetzt und auf breitestem Räume kombiniert, und hierin lag des Gegners Übergewicht, t!;:s ihm auch schließlich das 5:3 sicherte. Anfänglich sali mau nur die Hiesigen im Spiel und auch bald mit 1:0 vorn liegen, Berlin kam durch seineu Rechtsaußen auf 1:1, durch eine Vorlage;nif den freien Raum, wie man sie in jedem Spiel öfters sehen möchte; abermals warf Leipzig das Führungstor, und wiederum glich der Gast aus und dabei blieb's bis zur Pause, bis zu der noch ein saftiger Lattenschuß von Fischer und ein sehr gut gehaltener Strafwurf durch Abraham zu vermerken wäre, der sich überhaupt in altgewohnter und auch erhoffter Form zeigte. Nach WiederanWurf verschaffte sich zur Abwechslung J. S. K. einen Vor- Sprnng, der durch einen heirlichen Weitwurf Tschopiks bald wieder futsch war; und dann kamen die schönsten Phasen des Spieles, die jedoch den Hiesigen, infolge der bereits gerügten Mängel nichts Zählbares mehr einbrachten, während Berlin wiederum durch seinen rechten Flügel noch zweimal ins Schwarze traf. Das 5. Tor ist auf das Schuldkonto Nebenzahls zu setzen, der nach dem vierten Treffer nicht ganz zu Unrecht glaubte, mal vorn im Sturm für Schwunir sorgen zu müssen. Als Verteidiger war et das, was Rolle dem Sturm bedeutete, eifrig und mit Überlegung bei der Sache, wie es ebenso R. Parnass als Schiedsrichter war. .Morgens lieferten die Mädels den Berlinern einen sehr netten Kampf, in dem sie sich in neuer