Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 49 (4.12.1936)
- Date
- 1936-12-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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12. Jahrgang - Nr. 49 Auflage 3400 Stück? fc 4. Dezember 1936 ^^i^lfljyl ii-\f?M^MU)] \i^v)\m\\\mm DER ISRAELITISCH EN RELIGIONSGEMEIN DE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Galuterscheinungen Zu Chanukkah. Schwerlich hat je eine jüdische Qeneration die Tatsache einer geschichtlichen Wende so bewußt erlebt wie die unsere. Denn noch nie zuvor hatte Geschichtsforschung und geschichtliches Denken in solchem Malle die Juden ergriffen wie uns. Hinter uns liegt ein Jahrhundert der Wissenschaft des Judentums, die, von /im/ eingeleitet, um die Geschichte herum geordnet wurde. Und zudem ist unsere heutige Situation besonders dazu angetan, jüdisches Schicksal von der Vergangenheit aus erfassen zu wollen. Das (ieschlecht, dem die Emanzipation den „Weg ins Freie'4 eröffnete, mochte wünschen, unbeschwert von der drückenden Last der Vergangenheit in eine durchaus neue Zukunft schreiten zu können. Wir wissen, daß mir aus einer neuen Bindung an das, was jüdisches Lehen einst war, kommendes jüdisches Leben gesichert werden kann. So formulierte Her/!: Rückkehl ins Judentum vor der Ruckkehr ins Judenland; und so erheben alle um eine jüdische Zukunft ernsthaft ringenden geistigen Führer die Forderung einer jüdischen Selbstbesinnung, wie immer auch sie die künftige Gestalt jüdischen Daseins sehen. Chanukkah bedeutet darum unserer Zeit mehr als stiuiuuingsschönt synagogale und häusliche Feier mit Lichterglan/ und frommer Freude. Die Hasmoniierhelden, die tapferen Mahner, die begeisterten trwecker werden wieder verstanden; werden wieder als Vorbilder empfunden, die lebendig vor uns stehen, als kämpften sie für uns, als müßten wir uns in ihre Reihen einordnen, weil das gleiche Ringen, zu dem fiie aufriefen, auch uns obliegt. Und Wenn .v.w,. .««.via« <&i - die i w*chCöi£V»' H«¥' n&ischcn Hfsft>rit:rr der iieite ich und dei neuesten Zeit, die Makkabäcrkümpfc vom Ganzeh der jüdischen Geschichte aus zu begreifen suchen, dann verdichtet sich dieses Empfinden eines Ztisamirvenhangös . sehen uns und jenen Scharen Matathias und seine Sühne zu einem Bewußtsein, das uns auch die jüdische Aufgabe unserer Tage klar sehen läßt Es ist das Widicnst der jüdisch-wissenschaftlichen Arbeit au unserer Geschichte, daß sie den Werdegang von Judeuheit und Judentum als etwas innerlich Geschlossenes sehen gelehrt hat. Was in all den Jahrhunderten Juden gelebt und erlebt haben, müßte sich so abwickeln, wie es geschah. Im jüdischen Volk, das, aus Ägypten nach dem Lande der Väter geführt, dort ein von dein Sinaigesetz bestimmtes Volkstum entfaltete, waren seither diese beiden Faktoren richtunggebend: das Religiöse und das Politische, das Gesetz (die Thora) und das soziale, das Gemeinschafts-, nenne man es das nationale Leben. Sehr früh hat der jüdische Staat seine Bedeutung für das jüdische Leben eingebüßt, ist über die Juden die üalut gekommen, nicht nur als äußere Entfernung von dem heimat üchen Boden, sondern in der inneren Umgestaltung seines urtümlichen Wesens; sie hat das Politische umgebogen und auch das Religiöse nicht unberührt gelassen. Die durch Beeinträchtigung des einen oder des anderen Faktors sich ergebenden Aktionen und Reaktionen zieheil sich durch die gesamte jüdische Geschichte. Chanukkah-Jlktwn der Jüdischen Winterhilfe! Wir wollen auch in diesem Jahr unser Möglichstes tun, um unsere Bedürftigen mit Kleidungsstücken auszustatten. Es handelt sich bei einem großen Teil unserer Betreuten um Menschen, die geraume Zeit ohne Arbeit und Einkommen sind und denen das Nötigste an warmen Kleidungsstücken, Wäsche, Schuhen und dergl. fehlt. Um diesem Notstand wirkungsvoll abzuhelfen, verteilen wir im Rahmen unserer Chanukkah-Aktion nur neue 'Bekleidungsgegenstände. Wir bitten daher unsere Gemeindemitglieder, vor allem die Herren Geschäftsinhaber der Bekleidungsbranche um reichliche Sachspenden. Wir erwarten darüber hinaus von jedem einzelnen, daß er alles tut, was in seinen Kräften steht, um unseren Glaubensgenossen zu helfen, daß sie in dem nahen Winter nicht frieren und an ihrer Gesundheit Schaden nehmen. Wer uns keine Sachspenden geben kann, wird gebeten, durch Überweisung eines angemessenen Betrages uns. in die Lage zu versetzen, die notwendigen Bekleidungsstücke anzuschaffen. Wollt ihr die Verantwortung auf euch mw laden. d«R wir unser*ft. Ä?;.(r%c«• nitisVRsreehf werden können? Sachspenden bitten mir in ar.xn'r &ii$übr\!r:h: Ty. 'dUl s; Kol ahiusmn. yddiiJSiiueü und mu aet Bezeichnung „ihanukkah- Mtion" auf unser Jostscheckkonto Jlr. 205 u Israelitische ZeUgicnsgeme'müe nbietlung Winterhilfe oder an der Xauplkasse der Israel. Kettgicnsgemeinde, Waiter-Blümel-itraBe 10 einzuzahlen. Ein Querschnitt durch unsere Geschichte macht solche Leitgedanken deutlich. Er ist einmal durch Heinrich Graetz gegeben worden in einer Skizze: Die'Konstruktion der j ü d i s c h e n Geschichte. Man kann diesen vor neunzig Jahren erschienenen Versuch einer jüdischen Geschichtsphiiqsophie verschiedenartig beurteilen: die Beschäftigung mit ihm erseheint uns eine gebieterische Forderung unserer läge, und es ist aufs dankbarste zu bcgiüßen, daß der Schocken-Verlag diese Arbeit in seiner volkstümlichen Sammlung weder veröffentlicht hat Bücherei des Schocken-Verlygs 59: Die Konstruktion der judischen Geschichte. Eine Skizze von Heinrich Graetz. Mit einem Anhang: Zur Gtschichtstheorie des jungen Graetz von 1846. Von Ludwig Feuehiwanger, Berlin 1936), dies umsomehr als dir Skizze ursprünglich in Absätzen m einer wertere« o wig Feuchtwangcr stellt die in Graetzens „Konstruktion" dargelegt! Am 13. Dezember 1936 nächster Eintopf-Sonntag!