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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-11-20 · 47 (20.11.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
47 (20.11.1936)
Date
1936-11-20
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 20. November 1930 Lehrhaus des Rabbani Gerschon sich gciade ili jenti Zeit bewährt, in der Juden so häufig zum Wandeistahe greifen mußten: wenn sie keinen anderen Reichtum mit sich nahmen, so doch den einer Marken jüdische» Seele voller Gottvertraucn und Glauben an das Judentum. Das LehrhaUS ist immer mit den Juden gewesen hei ihren Wanderungen, aber besondere Wacht und Größe gewann es immer tluOfi, «tun idulic wirkiienkeu ues jiiueiiuaseius überstrahlt werden mußte von der beglückenden Sicherheit des Judeseins. So will auch heute wieder das Jüdische Lehriiaus den Weg zu einer jüdischen Wirklichkeit weisen. Es ist erwachsen aus der tiefen Sorge um das jüdische Selbstbewußtsein, aus der ehrliehen Furcht vor dem geistigen Versagen. Es wird dazu beitragen, daß die Juden nicht zu Ghettomenschen verkümmern, nicht diejenigen, die vorerst noch weiter ihr Leben in Deutschland verbringen, und noch weniger jene, die schon das neue Ziel ihrer Zukunftsgestaltung kennen. Das jüdische Lehrhaus will das ist seit je seine eigentlichste Bestimmung dem jüdischen Menschen seine Beziehung zum jüdischen Weg festigen. Es ruft die Hörer, um ihnen Ausschnitte aus jüdischer Lehre, jüdischem Leben und jüdischem Volkstum darzustellen, damit sie die lüden wieder spüren, die jeden Juden mit der jüdischen Vergangenheit verknüpfen und mit dem, was ihr wesenhaft gewesen ist. Es ruft die Hörer, um vor ihnen jüdische Gegenwartsfragen zu erörtern, Probleme, die Erez Israel und die Gallith betreffen, und die dem Juden /ii deutlichem Bewußtsein erheben, daß wir mit allen Juden der Gegenwart eine Geineinschaft bilden. So will das Lehrhaus das Jüdische in seiner Wesenhaftigkeit im Judendaseiq unterstützen, um jene innere Sicherheit zu steigern, die der Lebenskampf heute fordert. Das jüdische Lehriiaus wiii aber seinen geistigen Kreis weit ziehen und erstreckt seine Lehrkurse auch auf das unendliche Gebiet allgemeinen Wissens Es bietet ^nresuns' und Belehmnp um dem Sehnen nach geistiger Vertiefung odei uach Verstehen von Vor« gängen des Lebens Genüge zu tun, aber auch um den Notwendigkeiten der Zeit Hilfsdienst zu leisten. In allem aber, was das Lehrhaus erstrebt, will es jüdische Menschen zu geistiger Arbeit zusammenführen, sie geistig frisch erhalten, sie innerlich rüsten, ihnen innere Sicherheit vermitteln. So will es ihnen dabei helfen, jüdische Wirklichkeit zu gestalten, und dabei in erster Reihe ihnen als den Einzelnen aber auch der Erhaltung jüdischer Zukunft helfen. C. Während des Winters ll)35,3<) hatte das Lehrhaus etwa 75(1 Hörer, die sich auf die 23 Lehrgänge verteilt haben. In diesem Jahre sind, wie aus dem heute nochmals abgedruckten Lehrplan hervorgeht, 2q Lehrgänge vorgesehen. Die Zahl der Anmeldungen steht weit hinter den entsprechenden Zahlen des Vorjahres zurück. Die Lehrhausleitung hat punmehr das Hörergeld für einige besonders teure Kurse ermäßigt und gewährt die Teilnahme an den Kursen für Mitglieder von Jugendbünden für das halbe Hörergeld und für Erwerbslose für einen Mindestbetrag von 50 Pfg. bzw. I Mk. Eine weitere Ermäßigung des Hörergeldes ist nicht möglich. Die Lehrhausleitung muß es dem Verantwortungsgefühl der Gemeindeniitglieder in geistigen Dingen nunmehr überlassen, ob die im Vorjahr so verheißungsvoll begonnene Lehrhausarbeit, die in anderen jüdischen Gemeinden Deutschlands weitergedeiht, scheitert. Frau Louise Ariowitsch 80 Jahre ait Am 23. Novbr. vollendet 1 iiit LA/Uid\ . \i n» n Llot ii« -w* mm, & «•■v ,\ Die große Energie, die Initiative eine der markantesten Persönlichkeiten unserer Gemeinde, ihr achtzigstes I ..hi'tici-ihr i ijesen t-..t!_!.„.-----jj.......-----.! „& an dieser Stelle in der richtigen Weise zu würdigen, erscheint uns der ju- Bilarin gegenüber kleiner Abtrag einer großen Dankesschuld. Wo immer es in Leipzigs jüdischer Gemeinde im letzten halben Jahrhundert eine größere öffentliche Wohlfahrts-Institution ins Leben zu rufen, ZU erhalten galt, da war diese Frau in der ersten Reihe nicht nur der Beteiligten, sondern der Inaugurierenden ZU finden, sind überhaupt die hervorstechendsten -rürn ime.] Wesens»?]^ <!»•* >se stck-irf. s. U. bis ui uie-Oruciiv. Uli "liilTvüi bvWauit Liül C>UCi mau rvatüi cttt'lii sagVu. un Uli Ciil ci> segnetes Alter bewahrt haben. Der weise König Salouio sagt einmal (Mischleh Kap. 16, Vers 31): Atereß tifereß hsevoh, b'derech Z'dokoh, timoze „eine herrliche Krone ist ein gesegnetes Alter, auf dem Wege der Liebestätigkeit findest du sie". In der I at, ein einziger Weg der Liebestätigkeit ist das Wirken dieser Frau in der Leipziger Gemeinde gewesen, und wird es in. 0. H. noch recht lange sein. Es ist unmöglich, all die Summe von Liebeswerken aufzuzählen, bei denen Frau Ariowitsch führend beteiligt war, nur ein/eine markante seien herausgehoben. Da galt es ein Krankenhaus zu gründen, sie ergriff die Initiative, wenn sie auch später aus irgendwelchen prinzipiellen Differenzen sieh von den Gründern getrennt hat. Da wollte die Erau ihrem allzu früh heimgegangenen Gatten s. A. ein bleibend Denkmal in der Gemeinde set/en und fand dafür charakteristischerweise kein anderes als die Gründung einer Synagoge, die ein würdig Glied im Kreise der Leipziger Synagogen darstellt. Aber in dieser Stiftung zeigt sich so recht eine andere bedeutende Seite der Wesensart dieser seltenen Iran: das feste Verwu r / e 11 s e i u in der Tr adi t i o n i h i e i Vä t e r. I)as unverfälscht überlieferte Gttesgesetz muß der Mittelpunkt der jüdischen Gemeinschaft, der nationalen Einheit bleiben, wenn diese lebenskräftig bestehen soll. Das ist der Sinn dieser Gründung, im wahren Sinn des Satzes: „w'ohstt Ii mikdosch w'schochanti bhsauchom" (Exodus '25, S). Und dieses Verwurzeltsein in der I radition der Väter ist auch ein Leitmotiv hei ihrer späteren großen Stiftung, dein jüdischen Oftersheim, u*:> iin v. ii . ,i 111 v 11 chenu al taasvenu „Verlali uns nicht zur B« A! taschlichenu l'eß siknoh kichloß kau- Dieser Satz der Psalmen war ihr Leitmotiv nicht zur Zeit des Alters, wenn unsere Kräfte dahin« schwinden, verlaß uns nicht!" "Wie weise vorausschauend war diese C+if*.....t rrprorip für hMt+ifff» 7"4 wn Ate!„..•..„,I I anrt \..... .'Inning ^Liiua IUI ui^ iivui^t <-\.u, „ v> m*. Juvenil \.u»^ luiiu i^iläßt, verlassen muß, um sich anderswo eine Existenz zu suchen, das Alter aber zu allermeist bleiben muß. Und welch eine schöne Stätte für den Lebensabend finden die Insassen in diesem Heim! Modernst ajiin .>..»..Iit»»T li„rri.>iiic(.|i Iw»ri-iirr'iirmii\ riwciri'Ct'ltti't hl'i •.i(miyi> /i>i('hnt 1 i»r EMi£«ivMtci, .. , ..v-i . v... a„v..„-------- BU9^»nuuii:m Pflege und Verpflegung! Aber auch in diesem Heime eine kleine, reizende Synagoge, und eine wunderschöne jüdische Bibliothek, in der alte Insassen, die gewohnt, taimudischen, jüdisch-wissenschaftlichen Studien obzuliegen, ihre Beschäftigung ungehindert fortsetzen können. Auch hier ist der Wille der Gründerin oft zu Unrecht kritisiert worden. Vor allem Männern soll das Heim geöffnet sein, w eil Männer im Alter allein viel hilfloser sind als Frauen, die leichter für sich wirtschaften können, und vor allem denen eine Zuflucht, die von je gewohnt, gesetzestreu ZU leben, da sie ja weiß, daß der thorahtreue jude eher darbt, als sich unerlaubt verpflegt. So erkennen wir in all ihren Werken die „Ischoh chochmaß lew", von der die heilige Schrift (Exodus, Kap. 35, Vers 25) spricht, die „herzensvveise Frau", die sich in ihren Gründungen zwar auf sich selbst, ihren immer das richtige treffenden Instinkt, auf ihre Intuition verlassen konnte, nie aber ihre Klugheit allein ausschlaggebend sein ließ, sondern immer sich mit den richtigen Ratgebern ZU umgeben verstand diesem 7nsnmTnenn?wf des soeben ■•■"•v^,.„.-..„,.„ u. So KKiriArc miß iSieitieu, uer ihr stets nwtend, ue>-:! t_ ...„Ii;. i . i J.«. ■ Clü n UlU.ll \\ Ii Cll I it /:::- Suite.. siainU juiMiciiiii \\ uiisciicii, cum iiiii ui.» IIIIUUII.IO Hilfe noch recht lauge Jahre ihre uugesehvvächte, große Energie, ihre tatkräftige Initiative, ihre segensreiche Kraft dem Dienste der Gemeinde erhalten bleibe, erhalten bleibe dem Kreise ihrer Familie in Gesundheit und in Freuden I'tauwaß haklall ad meoh vv'eßrim sehonoh! A. An iliv Winti'i-liilf*lM'tr<Miten Am 2H. November l'.K$<» pünktlich 20 Ihr findet im Betteiiberg*Theeter, Teuchaer Str. :tss ein KI'XTKK IBM» unter Mitwirkung der Künstler des „Bunten Karren" statt. Diese Veranstaltung ist nur für unsere Wmterhilfshetreuten. - Eintrittsgeld wird nicht erhoben - Kartenausgabe findet nur bei der nächsten Verteilung am 24. Nov. statt, spätere Anträge können nicht mehr berücksichtigt werden. Die Karten gelten nur für Inhaber, sind.also nicht übertragbar. .1 ii <i i * v ii e Winterhilfe«

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