Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 42 (16.10.1936)
- Date
- 1936-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 16. Oktober 1936 1 Wir nehmen das überaus vorzeitige Ableben unseres sehr verehrten und ehrwürdigen Herrn Rabbiners Dr. E. Carlebach zum Aman, unsere l rnupr über den eroßen Verfttst, der uns getroffen, kundzugeben. Wir wollen seinem Andenken dienen, indem wir auch weiterhin mit großer Treue zu seinen religiösen Bestrebungen stehen. Verein pein. Kaufieirte u. Sswsr&sSfsibEniiSi s. V. ie\pw, Hiiiereir. 44 meinde eine stets gröber werdende Zahl von Juden herbei, die ihr jüdisches Leben im unveränderten jüdischen Gesetz gestalten wollten. Solange ihre Zahl gering war. trugen sie selbst die Sorye für die ihren Überzeugungen angemessenen Einrichtungen, wie u. a. Bethauser, Kabbinat, Lehrerschaft, Thoraschulen. So bildeten sich Minjottim, nach laudsmanuschaftlieher oder andersgearteter Gemeinsamkeit zusammengesetzt. Diesen "Zustand fand Ephraim Carlebach vor, als er nach Leipzig kam. Schon damals (1001) hatte der auf gesetzestreuem Boden stehende Teil unserer Gemeinde einen beachtlichen Umfang gewonnen, aber es war noch nicht gelungen, ihn zu einer Einheit zusammenzuschließen. Es hatte nicht an Versuchen gefehlt, auch seitens der Gemeindeverwaltung, eine Verständigung h?rh<»ijufJlhrea: sie VtStCS iüiiüci gescheiten, hier eröffnete sich für den jungen Rabbiner ein Ausblick, der seine ganze jugendliche Begeisterung entfachte, seine Einsatzbereitschaft, Zielsicherheit, Beharrlichkeit immer wieder zur Bewährung kommen lieb. Nur wer die eigene Struktur unserer Leipziger Gemeinde kennt, wer ihr Werden miterlebt oder geschichtlich studiert hat, kann ermessen, welch grobe Aufgabe das vorstellte, aber auch welche bedeutsame Leistung, dali es Ephraim Carlcbach gelungen ist, sie bis zu dem Grade zu verwirklichen, daß die Orthodoxie heute ein unbestrittenes Recht an die Gemeinde besitzt. Schritt für Schritt hat Ephraim Carlebach Position auf Position errungen: die Talmud-Thora-Synagoge in der Keilstralk, die Höhcrc Israelitische Schule, die Gewährleistung eines zuverlässigen Kaschrus, die Errichtung der Ez-Chaiin- 1 ■ i Das Ableben unseres hochverehrten Jubilars Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach imi uns üci erschüttert, rast vier Jahrzehnte hat er uns! S ireue bewahrt; zahlreichen Mitgliedern war er Berater und Freund. Wir werden seiner stets gedenken. Leipzig, Tischri 5697. HiifSVereiü Oktober 1936. israel. Gewerbetreibender e. V. Synagoge, die Übelnähme der Mikwe, die Sicherung eines Bes Din, dies alles sind die Etappen, in denen diese Entwicklung sich, für den immer vorwärtsdrängenden Rabbiner viel zu langsam, aber folgerichtig und sicher vollzog. Gewiß durfte er sich auf diesem Wege auf verständnisvolle Männer stützen, wie S. Kroch s. A., Ch. Eitingon s. A., J. Blumenfeld s. A., P. Gelberg, J. Badt u. A. Aber immer stand er mitten in all diesen Bestrebungen, und immer von dem Wunsche getragen und gettielien; da« gesetzestreue Leipzig zu einer echten Kehilla. einer Ir w"em bejisrael zusammenzuschweißen. Als die Rücksichtnahme auf den Gesundheitszustand den Unermüdlichen zwang, sein Amt, mit dem er zutiefst sich verwachsen fühlte, aufzugeben, da mag wohl dies mannigfache Ringet^ »Jje inj aufhörliche Notwendigkeit, Widerstände zu entfernen, dem rückschauenden Blicke nochmals bcwuüi geworden sein Aber über all dem durfte das beglückende Bewußtsein stehen, daß diese schweren Momente nicht umsonst durchlebt waren: es war ein fester Boden bereitet, auf dem weiter gesät und geerntet werden kann. Unsere Weisen haben den Satz der Lebenserfahrung geprägt, daß kein Mensch aus dem Leben abgerufen wird, dem nicht ein Rest seines Strebens unerfüllt geblieben wäre. Auch an Ephraim Carlebachs Leben bestätigt sich diese Wahrheit^ Aber sein Wirken zeigt doch diese große Linie, die seinen Namen mit der Entwicklung der Leipziger Kehilla auf immer verknüpft sein läßt. Der Blick auf diese Leistung wird ihm die Dankbarkeit seiner Gemeinde für alle Zeit sichern. C. Unsere Gemeinde Redaktionsschluß ist unverändert allwöchentlich Dienstag vormittag 10 Uhr. Die Schriftleitung macht erneut darauf aufmerksam. Für die Veröffentlichung von Nachrichten, die erst später eingehen, kann die Schriftleitung in keinem Falle eine Gewähr Übernehmen. Das Alfons-Jacobson-Ferienkinderheim Bad (Kirrenberg hat seine diesjährige Saison nunmehr beendet. Das Dürrcnberger Komitee ist stolz darauf, berichten zu können, daß in diesem Jahre 132 Kinder Kräftitnmp und Frhnlung mit Gewichtszunahmen teilweise his zu ö Pfund «in Heim finden konnten, Allen Freunden und Gönnern, mit «ieieü Hilf«* nur es möglich war, diese segensreiche Ferienkolonie durchzuführen Mificht .!.- 8.'.....;>.y.f W;-.-y .;...:......!, herzrlandelsoank IWRIA. In der am 6. Oktober d. J. stattgefundenen Aufsichtsratssitzung der obigen Bank winde die Bilanz für das erste Semester, sowie ein Geschäftsüberblick über die ersten drei Viertel des laufenden Jahres vorgelegt. Die Bank hat sich durch Erweiterung ihres Kundenkreises befriedigend entwickelt. Geschäftsumffang und Gewinnergebnis liegen über den Ziffern des Vorjahres. Hebräische Kurse. Seit Schließung der Sprachschule von Dr. Woskin macht sich das Fehlen eines modernen hebräischen Unterrichts ständig stärker bemerkbar. L'm diesem Mangel abzuhelfen, sollen wieder Sprachkurse eingerichtet werden, für deren Leitung ein methodisch und pädagogisch ausgebildeter Lehrer aus Palästina in Aussicht gestellt ist. Im Rahmen dieser Kurse soll auch der hebräische Unterricht des jüdischen Lehrhauses stattfinden, für welches deshalb keine besondciv.ii Kurse vuigcschcn sind. Interessenten weiden gebeten, ihren Namen, Anschrift und Angaben über hebräische Vorkenntnisse bis zum 19.10.36 an folgende Adresse zu senden: Hans Singer, Leip- ~ i M----A4 ' if^ Vj ■ , nuiu^li. Amtliche Bekanntmachungen. Gemeindeanlage 1936 Zweite Vorauszahlung Da wir von den Finanzämtern die Unterlagen zur Errechnung der Gemeindeanlage 1936 noch nicht erhalten haben, wird eine zweite Vorauszahlung auf diese Gemeindeanlage erhoben. Die Vorauszahlung beträgt wie die erste, ein Drittel des Gesamtbetrages der Gemeindeanlage 1935 iifiri * I An * eo * im.• t*»»i?r I930 iütnu WIIW I -. V* * — — - \J - m mj h> I * — «-»*- Ö In dem den Steuerpflichtigen später zngeiiPiKien Verarnagungsbescheui wird der Gesamtbetrag der Gemeindeanlage 193b mitgeteilt. Die geleisteten Vorauszahlungen werden dann in Anrechnung gebracht. In dem Veranlagungsbescheid wird auch der räihgkeitstag der Restzahlung bekannt gegeben. Die Vorauszahlungen können werktäglich zwischen 9_1 Uhr bei der Gemeindekasse, Walter-Blümel-Str. 10,1 entrichtet werden. Überweisungen können erfolgen: auf das Postsrheckkonto der Gemeinde Leipzig Nr. 50533 und folgende Bankkonten: Stadt- und Girobank Leipzig; Com merz- und Privatbank Aktiengesellschaft Filiale Leipzig, Depositenkasse A: Handelsbank Iwiia e. G. m. b. H., Leipzig C 1, Ritterstr. 23-29 (Ölßnershof 1): Bankhaus Kroch jr., K. G. a. A., Leipzig C 1, Goethestr. 2. Leipzig, den 5. Oktober 1930 Der Vorstand der israelitischen Reiigiönsgciiiciiiue zu Leipzig Sonntag, 18. Oktober Pfundsammlung! Spendet reichlich!