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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-10-16 · 42 (16.10.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
42 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 16. Oktober 1936 Rabbiner Dr. Ephraim Cariebach *™ Ein schwarzer Schatten liegt über der jüdischen Gemeinde unserer Stadt: der jähe Heimgang Dr. Ephraim Garlebsen'*, dessen lefhtafHges Wandeln :r. Ihre» Gegenwart öl«, noch aiieiitiialben zu sehen vermeint, hat ihr einen blutenden Rili zugefügt. An der Mauer unserer alten Halle an der Berliner Straße steht das Wort der Schrift (Kohelcth 12,5): rnpien prafr nam ncb\y fl§ b» man ptn y „Der Mensch geht heim in sein ewig Haus, doch auf den Gassen sammeln sich ziüiauf die Leidtragenden." Nichts kann die Wirkung der Schreckensbotschaft packender schildern als dieser Satz. Der Schmerz der Einzelnen strebt hin zu dem großen Schmerz aller. Es drängt das Bedürfnis, einander zu sagen, durch welche Pforte der vprrhrfp Rabbiner ir. jedes Einzelnen Haus getreten war, wie er ihm nahe war, im Alltag oder am Fest, in der Schule oder im Bethaus, bei Freud oder bei Leid. Sie legen zusammen zu einem großen Hesped, zu einem vielstimmigen Nachruf, wie ihn nur eine solche Persönlichkeit auslöst. Kiddusch haschem — die Heiligung des Namens — war die Devise des Mannes, dessen Händen die Vielheit der orthodoxen Belange unserer GroRgemeindc anvertraut war. Einem Lichtbogen zwischen zwei Polen vergleichbar, stand die leuchtende Brücke zwischen Schule und Gotteshaus in seinem Sinn und seinem Willen. Hineingeboren in diese Sphäre des Kiddusch haschem, hat er sie zeitlebens nie verlassen. Sie erfüllie das Haus.des Vaters; des»' Lübecker Raws Dr. Saiomon Garlebach S.A., sie umgab ihn während seiner Studien in Berlin, da er zu Füßen Dr. Hildesheimers s. A. saß, und als er vor mehr als dreißig Jahren als junger Kandidat nach Leipzig kam, suchte und fand er diese Sphäre im Hause der „Rebbezen", der Witwe des ehrwürdigen Rabbiners Schimon Hurwitz s. A. Diese Sphäre gab ihm die Kraft, als Jüngling an das schwere Werk zu gehen, die Pole stromführend zu machen, zwischen denen die leuchtende Brücke sich spannen sollte. Zäh und unverdrossen, begeistert und begeisternd, ging er ans Werk, Thora zu pflanzen in die Herzen der ersten wenigen Schüler und eine Ställe zu errichten, an der ein würdiger Gottesdienst als Gemeinschaftserlebnis lebende Wurzel schlage iü jüdischen Menschen, und in dem eigenen Heim, da* er sich damals gründete, an der Seite der allseitig tief verehrten Gattin, im Kreise wohlgeratener Kinder, hat er seiner Gemeinde ein dem Kiddusch haschem geweihtes Leben vorgelebt. An dem wachsenden Werk sind auch seine Kräfte gewachsen. Aus den dürftigen gemieteten Klassenzimmern ist ein stolzer Schulbau geworden, in dem heute Hunderte und Aberhunderte jüdischer Kinder zu jüdischen Menschen erzogen werden, wie das Gesetz es befiehlt. Zwei stolze Gotteshäuser würdige Weihestätten einer ihrem Schöpfer hingewandten betenden Gemeinde, entwuchsen der kleinen Schülersynagoge von ehedem, und von ihren Kanzeln goß er mit begnadeten Lippen Gottes Wort in die Herzen. Als er vor wenigen Monaten nns verließ, mag sein Auge befriedigt geblickt haben auf die festen Burgen, die er dem Kiddusch haschem in unserer Stadt errichtet hat. Nun dieses *Auge sich geschlossen, fühlen wir die Größe dieses heiligen Erbes, fühlen die Dynamik des sittlichen Imperativs, es zu hüten und zu hegen, wie Ephraim Garlebach es uns gelehrt. Als er vor wenigen Monaten uns verließ .... Das war kein müder Beamter in Ruhestand, der da hätte sagen müssen: Advcsperascit — es will Abend werden. Zu neuen Ufern fuhr er aus, zu den uralten Ufern seiner Sehnsucht; zu seinem Wallfahrtsfeste war er perüstet. anle rege! zu sein nach Erez Jsrael. Auch diesen Kiddusch haschem hat er erfüllt, und auch dort hat seine Persönlichkeit pcmeinschaftsbildend gewirkt und zu Rosch haschana und Jörn kippur eine Gemeinde zu seinen Füßen geschart. Dann aber ist er in die ewige Sukko gerufen worden, und die Keduscha, mit der dieses reiche Leben sich rundet, wirft milden, versöhnenden Schimmer in die Trauer derer, die sein waren. Fürwahr: ein reiches Leben ist hier vollendet, reich im Wollen und reich im Gelingen, reich an Schwerein, aber auch reich an Freuden. Dieses Leben war unserer Gemeinde geweiht, was es erwirkt hat, ist in unsere Hut gegeben. Ephraim Carlebach ist heimgegangen in sein ewiges Haus. Uns aber bleibt dieses: ihm zu danken, und ihm unsere Treue zu halten. H. G. Der Lehrer und Schuiieiter. Die überaus schmerzliche Aufgabe, dein Gründer und jährsehen Schulen vor mehr als V ., Jahren ihrem damals in den Ruhezehntelangen Leiter der Leipziger jüdischen Schulen einen Nachruf stand tretenden Gründer und Leiter widmeten. Eines der eliaraktcin diesen seinen besonderen Eigenschaften zu schreiben, ruft die erristischen Merkmale jener Feier war die Wärme und Herzlichhebende Abschiedsfeier in« Gedächtnis zurück, die die Lei^igci jüdikeil des Verhältnisses /wischen Schulleiter und Lehrerschaft, welche

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