Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 40 (2.10.1936)
- Date
- 1936-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 O EM EIN DEBL AT T DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 2. Oktober 1936 helfen, sollen wieder Sprachkurse eingerichtet werden, für deren Leitung ein methodisch und pädagogisch ausgebildeter Lehrer aus Palästina in Aussicht gestellt ist. Im Rahmen dieser Kurse soll auch der hebräische Unterricht des jüdischen Lehrhauses stattfinden, für welches deshalb keine besonderen Kurse vorgesehen sind. Interessenten werden gebeten, ihren Namen,. Anschrift und Abgäbt» übet hebräische Vorkenntnisse bis 7urr.!G. 36 au folgern!« Huresse zu senden: Hans Finger, Leipzig C 1, Nordstr. o4. Ablauf der Beschäftigungsgenchmigung für ausländische Arbeitnehmer. Das mitteldeutsche Syndikat des Jüdischen Centraivereins macht darauf aufmerksam, dali bei bevorstehendem Ablauf der Beschäftigungsgciiehmigting für ausländische oder staatenlose Arbeitnehmer es dringend erforderlich ist, den Antrag auf Verlängerung der Beschäftigungsgenehmigung rechtzeitig, mindestens acht Wochen vor Fristablauf, bei dem zuständigen Arbeitsamt zu stellen, da gemäß § I der Verordnung über_ausländjs.ehe_. Arbeitnehmer- -rum-23r jarrtrar "1937 TRGBI. I, 5.20) in Verbindung mit den §§ 67, 258 AVAVG die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer ohne Genehmigung strafbar ist. War die Beschäftigungsgenehmigung zunächst erteilt, und wird sie nach Ablauf für die weitere Zeit verweigert, ist nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts üleiwitz (9. S. 142/33) eine fristlose Kündigung des Arbeitsvertrages durch den Arbeitgeber aus wichtigem Grunde dann zulässig, wenn der Arbeitgeber rechtzeitig alles Erforderliche zur Erlangung der Genehmigung getan hatte. Andernfalls hat der Arbeitnehmer unter Umständen einen Anspruch darauf, für die Dauer der ordentlichen Kündigungsfrist entschädigt zu werden. Eltcrnabcüu Je» liabunim. Die Bundesleitung des Habonim hatte am 12. September zu einem Elternabend gebeten, an dem über wesentliche Erziehungsfragen gesprochen wurde. Der Referent, Cuit Goldmann, ging von der eigenartigen Lage der jüdischen jugend aus, die sich vieles versagen müsse, was man sonst gerade als jugendgeniäß empfindet. Ein seelischer Bruch sei aber für die Ju- S;end wohl vermeidbar, wenn sie von früh an erfüllt sei mit den dealen des grollen Aufbauwerkes auf eigenem Boden. Dieses Aufbauwerk kann aber nur getragen werden von Menschen mit hoch* entwcikeltem Gemeinsinn und Liebe auch zu körperlicher Arbeit, Hier setze die Arbeit des Bundes ein, die in diesem Sinne intensiv erzieherisch /n wirken sucht. — Der Bund weih von Kollisionen mit den Eltern und der Schule. Er erhebt aber den Anspruch, dati er als ein für die Lebensgestaltung wichtiger Erziehungsfaktor angesprochen wird und da 15 man ihm auch ausreichend Zeit und erzieherischen Einfluß einräumt. — Die Diskussion, an der auch Vertreter der Schule mitwirkten, war sehr lebhaft. Es wurden viele — erfüllbare und unerfüllbare — Wünsche ausgesprochen. Insbesondere konnten sich nicht alle Eltern mit einem absoluten Erziehungsrecht des Bundes einverstanden erkiären. — Weitere Abende sollen immer wieder Eiiem und Bundesführer zu klärender Aussprache zusammenführen. Dr. E. B. JudendarstcHungeu in der Kunst. Vortrag Dr. Max Osborn. Wandern und Leiden — das sind die beiden groben Themen der jüdischen Geschichte, und wo Juden dargestellt werden, sind es vom Geschick geschlagene und in Trauer versunkene. Schon das älteste Zeugnis von jüdischen Menschen, die Abbildungen auf dem schwarzen Ob< lisken des Uroßkönigs Salmanassar, meldet von Tribut- /ahltingcn Unterworfener zur Zeit des israelitischen Königs Jehu. Die von der Schrift gebotene Abstinenz im Bildnerischen verhinderte eine eigene Kunst im Heiligen Lande. In der Diaspora dagegen begannen unter griechischem Einfluß Selbstdarstellungen. Mumienbiidnisse und ürabverzierungen, die vornehmlich im oberen Ägypten gefunden wurden, melden uns da« Aussehen antiker Juden. — Die christlichen Gestaltungen alttestamentlicher Motive hielten sich zunächst von (feschichtsgprrettcn Charakteristika fern. Nur, «..tm es sich mn Spntthi.Idcr handelte, verwandte man ausgeprägte Judenmerkmale. Auch die Meist« der Renaissance schufen Ihre Propheten ohne besondere Rücksicht auf das Milieu, wenn auch etwa der Moses Michelangelos durchaus bibelgetreu sein will. Umgekehrt hielt sich auch die mit den ersten jüdischen Drucken beginnende Zierkunst von jüdischer Hand an die eigene Umgebung. Römische und judäische Soldaten bekamen das Aussehen französischer und deutscher Landsknechte. — Erst mit Rembrandt begann eine vollständig neue Aera. Aus seinen ernsten Typenstudien erwuchsen jene großartigen Bibelszenen, die bis heute unerreicht sind, und die nun hewtffit das Volk des alten Bundes in seiner wahren Gestalt zeigten. Sogar Adam und Eva bekamen jetzt jüdische Gesichter. Aus der Hand jüdischer Künstler entstanden erst mit der beginnenden Emanzipation wirklich jüdische Bilder von bleibendem Wert. Solange man sich aber bei den Portrait« jüdischer Menschen an die gebildeteren Kreise hielt, verschwamm mit deren Emporstieg in die Sphäre allgemeiner Bildung auch der Typus. Die unbeschwerte Darstellung belangloser Szenen in zeitgenössischem Stil ging sogar in die ostjüdische Kunst ein. Nur die Bildhauer des Osten» ^liffeii tiefer. — Morit/ Daniel Oppenheimer machte als erster die Wandlung zum jüdischen Maler jüdischer Menschen durch. Alle Versuche dieser Art wurden aber in den Schatten gestellt durch die fast rembrandtgemabe Schöpfung jüdischer Typen, die — wieder ein Nichtjude vollbrachte: Adolf Menzel. Zu gleicher Zeit erwuchs in Josef Israels endlich auch das grobe jüdische üenie. Seine „Jüdische Hochzeit" hält den bedeutendsten Judendarstellungen die Wage. Israels und Max Liebermann waren in gleicher Weise im europäischen und im jüdischen Milieu zu Hause. Und doch kam in den jüdischen Themen ihr Judesein besonders zum Ausdruck. Noch das letzte Werk Liebermanns, mit unsicherer Greisenhand geschaffen, gestaltet ergreifend das biblische Tobias-Thema. — Die jüdischen Künstler des 20. JahrhnnH?rts schufen natürlich nun ohne jede "•"•Tmung. Noch vor dein Durelibrueh der zionistischen Idee wiesen sie prophetisch auf das Kommende hin und lösten ihre Judenköpfe und Schicksale aus dem allgemeinen Milieu. Aus den gleichgültigen Köpfen und dem dargestellten Gefühl wird gefühltes Gefühl mit jüdischen Köpfen. Die zahlreichen, zumeist ostjüdischcii Maier, deren Heimat Paris geworden ist, schufen aus der Verbindung von Zionismus und moderner Kunst (Expressionismus!) einen völlig neuen Siii. jetzt erst ist die Harmonie von Stoff und Form erreicht. Und jetzt erst kann die eigentlich jüdische Entwicklung der Judendarstellung beginnen. Ihr Grundtou und ihr Erweeker ist wie am „Anfang—--L-ekl -tnur Pitrhing7~='SchTefk'saTss"chwe'r"e. Dr. Max Osborn, der bekanntlich jahrelang Dozent an der Humboldt-Hochschule und einer der bedeutendsten Kunstkritiker war, tesselte das Kulturbundpublikum zwei Stunden lang mit seinem reichen Wissensschatz. In klarer Disposition zog er eine verbindende Linie durch diesen interessanten Zweig jüdischer (ieschichte und illustrierte sie an einem reichhaltigen Bildenuaterial. e. Bevorstehende Veranstaltungen 4. Oktober: Leiehtathletik-Schluß-Sportfest auf dem Schild-Sportplatz in Thekla. Beginn 14 Uhr. 5. Oktober. Gdsispiei des Berliner Kulturbundtheaters: „Grobe Liebe" von Molnar, mit Jenny Schaffer geb. Bernstein. 10. Oktober: Künstlerhaus: Kundgebung des Herhält!/ 12. Oktoher: Jini. Kulturbuna: Bcatrice ruudeiillial-Waghaiter. 17. Oktober: Veranstaltung des Schwesternbundes. 5. November: Jüd. Kulturbund: Liederabend Hermann Schey. Amtliche Bekanntmachungen. Aufrechterhaltung der Ordnung zu Simchas Thora. Im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung werden unsere Qemeindemhglieder mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Zeitverhättnfsse gebeten, zu Simchas Thora Kinder unter b Jahren in die Qemeindesynagoge nicht mitzubringen. Leipzig, den 28. September 1Q36. Der Vorstand der israelitischen Religionsgcmeinde zu Leipzig. Nachtrag zur Bestattungs- und Friedhofsordnung. In der Gemeindesitzung vom 28. September 193b ist ein Nachtrag zur Bestattungs- und Friedhofsordnung beschlossen worden, der in der Zeit vom 5. bis 16. Oktober lQ3ft zur Einsichtnahme an der Kasse des israelitischen Gemeindeamtes, Walter-Biümel-Straße 101, ausliegt. Leipzig, den 29. September 1936. Der Vorstand der israelitischen Religionsgcmeinde zu Leipzig. Gottesdienste Gemeindesynagoge. Sabbatgottesdienst: Freitag, 2. Oktober, Abendgebet 17'1 4 Uhr; Sonnabend, 3. Oktober, Morgengebet 9 Uhr; Naehmittagsgebet ittyi Uhr. anschließend Lehrvortrag; Abendgebet 18,2b Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge Gcmc-iiiüesynagoge. Hoschana rabba: Mittwoch, 7. Oktober, Morgengottesdienst 7 Uhr Srhhißfestr Mittwoch. 7 Oktober, AbendgottesdirnM >?' . Uhr. Donnerstag, 8. Oktobei, Morgengottesdienst 9 Uhr, ThoraYorlesung 9", Uhr, Predigt IWf. Uhr, anschließend Seelenfeier. Gesetzesfreude: Donnerstag, 8. Oktober, Abendgottesdienst 171 I Uhr, Freitag, 9. Oktober, Morgengottesdienst 9 Uhr, Thoravorlesung 9:t , Uhr. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Predigten pünktlich beginnen und daß während der Predigten die Zugänge zu den Plätzen gesperrt sind. Die Herren, die bei den Vormittagsgottesdiensten aufgerufen werden wollen, müssen bis 9'/4 Uhr anwesend sein. Gemcindesynagngp. Sabbatgottesdienst: Freitag, 9. Oktober, Abendgebet 17' Uhr. Sonnabend, 10. Oktober, Morgengebet 9 Uhr. Nachmittagsgebet 17,40 Uhr, anschließend Lehrvortrag; Abendgebet 18,12 Uhr. Gottesdienst an Werktagen in der Ez-Chaim-Synagoge. Ez-ChaJm-Syoagoge, Otto Schill Straße. Freitag. 2. Oktober, Abendgebet 17,40 Uhr. Sabbat, 3. Oktober, Morgengebet S,30 Uhr, Mincho 16 Uhr, anseht Droschoh von Herrn Rabb. Dr. Ochs, Ausgang 18,26 Uhr. Chol Hainoed: Morgengebet 7 Uhr, Abendgebet 18,15 Uhr. Ez-Chaim-Synagoge, Otto-Sehill-Strabe. Mittwoch, 7. Oktober, Haschanoh-Rabo, Morgeng. b,45 Uhr; Schmini Azeret, Abendg. 17,30 Uhr. Donnerstag, 3. Oktober, Morgeng. 8,30 Uhr, £eelenfeier-Predigt 10 Uhr; Simchas Thorah, Abendgebet 18 Uhr. Freitag, 9. Oktober, Morgengebet S Uhr; Abendgebet 17,25 Uhr. Sonnabend. 10. Oktober, Morgengebet 8 Uhr; Mincho lb/30 Uhr; Ausgang 18,12. Wochentag: Morgeng. 7 Uhr, Abendg. 18 Uhr.