Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 37/38 (11.9.1936)
- Date
- 1936-09-11
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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12. Jahrgang - Nr. 37/38 Auflage 3900 Stück 11. September 1936 DER ISRAELITISCHEN I C I D 7 I f! AMTLICHES NACHRICHTENBLATT REtIGIONSGEMEINDE ZU L C I YL I U DER GEHEINDEVERWALTUNG Zum Neujahrsfest 5697 Von schwerer Sorge bedrückt, in banger Ungewißheit, was die Zukunft bringen mag, geht das jüdische Volk in das neue Jahr.!n diesen heiligen, von der Weihe der Jahrtausende erfüllten Tagen, an denen der Schofar zu Besinnung und Einkehr mahnt, wollen wir Ausdruck geben dem Gefühl der Verbundenheit mit allen unseren jüdischen Brüdern und Schwestern in der weiten Welt, die vielfach die Sicherheit ihres Daseins und die Grundlagen ihres Lebens wanken sehen, mit dem jüdischen Gemeinwesen in Erez Israel, das schon seit Monaten to tapfer und standhaft, unter heroischem Verzicht auf alle Methoden der Gewalt und Vergeltung gegen eine Welle blutigen Terrors ankämpft und um Erhaltung und Festigung seiner Positionen ringt, mit der Judenheit in Deutschland, die in beispielloser Opferfreudigkeit sich anschickt, in einer veränderten Situation die ihr gestellten grölten und schweren Probleme zu meistern. Auch unsere Gemeinde wird in diesem Jahre wichtige und zum Teil ganz neuartige kulturelle, wirtschaftliche und organisatorische Aufgaben zu lösen haben. Geeint durch unlösliche Sehiekhalsverbundenheii, getragen von der Verantwortung gegenüber der jüdischen Gesamtheit, mit Mut und G"ttvertrauen wollen wir an diese Aufgabe herangehen. Allen Mitgliedern unserer Gemeinde gilt unser herzlicher Neujahrswunsch. Mit ihm verknüpfen wir den Dank an alle die Männer und hrauen, die im vergangenen Jahr in edler und uneigennütziger Weise die kulturelle Entwicklung der Gemeinde gefördert, durch Rat und Tat an ihrer Erhaltung mitgewirkt haben. Möge das neue jähr uns kommen zum Guten, zum Glück und zum Segen, zum Leben und zum Bestand, zu Ruhe und Frieden für uns und für ganz Israel. Leipzig, im Elul 5Ö96. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgerneinde. Betschaft des Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Der eine Wunsch, der allen Juden, wo immer sie sind, am Beginn des Neuen Jahres gilt, ist: sich treu zu bleiben und einander treu zu bleiben. Leo B a eck. Der Präsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden: So oft mitten im Laufe des bürgerlichen Jahres sich das jüdische Jahr erneuerte, haben wir Juden dies als Aula 15 zu ernster, tiefschürfender Besinnung genommen. Wir waren uns stets bewußt, daß der Neujahrstag in erster Reihe der Erinnerung gewreiht ist und daß wir die Gelegenheit, aus der Vergangenheit Lehren für die Zukunft ' ziehen, nicht ungenützt vorübergehen lassen dürfen. Niemals ist eine solche Fülle vöu Erinnerungen auf uns eingedrungen wie bei diesem Jahreswechsel, dem wir jetzt entgegengehen. Sie können in unseren Herzen keine Freude erwecken, denn schwer war das Los der Juden fast überall in der Welt, nun gar auch im Heiligen Lande. So fühlen und erkennen wir es klar, daß der Tag der Erinnerung für uns zugleich der Tag des Gerichts und daß es eine schicksalhafte Bedeutung ist, die beides dem Judentum gleichsam in einem Ring zusammenschweißt. Ich möchte zu dem Tage, der als Rausch haschonoh, als Kopf des Jahres, bezeichnet wird, nicht nur den Menschen, sondern auch den jüdischen Gemeinden zurufen, daß ihnen künftig Erinnerungen wie die der letzten Jahre erspart bleiben und daß sie aus ihnen vor allem eines lernen mögen: in festem Zusammenschluß und engster Verbundenheit ihre Kräfte zu mehren zur Ertragung des Auferlegten, zur Erhaltung ihrer Ideale und zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Leo Woltt.