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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-09-04 · 36 (4.9.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
36 (4.9.1936)
Date
1936-09-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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12. Jahrgang - Nr. 36 PHÜ mm-r Auflage 3500 Stock I? 1 C 4. September 1936 DER JSR AEL1TISCH EN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES N ACH RI CHT EN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Der „Misrach". Von Rabbiner Gustav Cohn. Nicht ohne Bedauern ist festzustellen, daß aus dem jüdischen Hause das jüdische Gerät mehr und Mehr verschwunden ist, das ihm früher seine eigene Note verliehen hat. Das gilt wie für kaum einen anderen Gegenstand für den Misrach. Sabbathleuchter, Kidduschbecher, Beßomim-Biichsc, Jahrzeittabellen werden auch in Häusern, in denen das überlieferte Brauchtum nicht mehr regelmäßig erfüllt wird, häufig pietätvoll bewahrt. Selbst die alten fünf- oder siebenarmigen, einst mit Öl gespeisten Sabbath-Lampen, bisweilen auf Elektrisch modernisiert, finden sich noch in einer stattlichen Zahl, üanz selten aber ist ein „Misrach" geworden, den vor zwei oder drei Generationen kaum eine judische Kamille hätte missen wollen. Die Herausgabe einer neuen Misrachtafel durch den Feiix-Goidmann- Gedächtnisbund lenkt von neuem die Aufmerksamkeit auf den einst so verbreiteten, wenigstens in einem 7immer der jüdischen Wohnung die nach Osten gelegene Wand kennzeichnenden Misrach. Wie heute unsere Kinder den Chanukkah-Lcuchtcr mit der Laubsäge aus.Holz oder aus Garnrollen „basteln*, so whi Völ hundert jähren der Misrach die beliebteste Aufgabe für geschickte jüdische Kinderhände. Zu mannigfaltigen rönnen der Technik und des inneren Aufbaus führte die Phantasie; der Wunsch, etwas Eigenes, Kunstvolles zu gestalten, wird in allen den gezeichneten, farbig gemalten, aus Papier geschnittenen, aus Stoffen1, Seide, Samt oder einfachem Tuch mit allerlei Flitter zusammengestellten nder im Druck vervielfältigten, und dann unter Glas gerahmten Misrachtafeln deutlich. Viele sind einfach und schlicht; man sieht ihnen eine gewisse Ungeienkigkeit fies Vertertigeis an, Uber nie tonit aer vviiie, iieii Misrach Apt pfgenen Fa.rniHe sls ein? besondere Ziei herzustellen. Ich besitze eine solche Bleistiftzeichnung, die wohl gerade hundert Jahre alt sein dürfte: offenbar hatte die junge VcrfcrtigCrin in der Schule eine klassische Säulenhalle zeichnen müssen; je zwei Renaissaucesäulen rechts und links, dazwischen eine offene Fläche, das Ganze gekrönt von einem Giebelfeld. Man kann sich lebhaft vorvorstellen, wie stolz die Zeichnerin auf den Einfall war, durch Hineilt' malen der entsprechenden hebräischen Texte einen eigenartigen Misrach zu gewinnen. Mit recht ungeübter Hand ist mit Tinte in das Giebelfeld eingetragen: Misrach, mizad seh mach chajim (Osten, von dieser Seite weht der Hauch des Lebens; die Anfangsbuchstaben der vier Wone mtreh bilden den Stamm des Begriffes misrach); in die offene Fläche zwischen den Säulen die Worte aus Psalm 10: schiwilii haschem lenegdi ßomid (Ich hege IHN mir stets gegenüber); und schließlich in den Unterbau (in deutscher Sprache) das: Höre Israel. Anspruchslose Beispiele wie dieses, wenn auch in durchaus anderer Ausführung, begegnen häufig genug. Es gibt Drucke, selbst des ausgehenden IQ. Jahrhunderts, die weit entfernt sind von künstlerischem Geschmack: primitiv in der technischen Ausführung. Ihnen stehen aber andere gegenüber, die, wenn auch keineswegs immer formvollendet, Beweis für hohes künstlerisches Streben und feines Empfinden für edle Komposition ablegen. Ol ücktvii lisch-Ablösung» durch da« €*enieindeblatt. In diesem Jahre soll den Gemeindemitgliedern Gelegenheit geboten werden, ihre Glückwünsche zum Jahreswechsel im Gemeindeblatt abzulösen. Der Reinertrag; soll für wohltätige Zwecke verwendet werden Die Ablösung erfolgt unter Veröffentlichung der Namen in einer für alle Ablösungen gleichgearteten Anzeige In der Rosch haschono-Nummer des Gemeindeblatts. Der Mindestbetrag für eine Ablösung ist auf RM. 3.— festgelegt worden. In Anbetracht der großen Notlage wird jedoch erwartet, daß dieser Beitrag nach Möglichkeit erhöht wird, damit recht viele Bedürftige bedacht werden können. Die Beilrage erbitten wir möglichst bald, spätestens jedoch bis 8. September, an die Gemeindekasse, Walter-Blümel-Str. 10,1 eder auf das Postscheckkonto der Gemeinde, Nr. 50533 Leipzig, mit dem Vermerk „für Glückwunschablösung". Leipzig, den 21. 8. 1936. Der Vorstand der Israelit. Religionsgenieinde zu Leipzig. So besitze ich einen anderen Misrach in der viel geübten und in deutschen wie in östlichen Gemeinden sehr beliebten Papierschneidetechnik. I iligranartig ist das ganze Blatt durchbrochen mit teils geometrischem Ornament, teils auch mit Mustern maurischen Stils; dazwischen Hlätter, Blüten, Kelche und Früchte, insbesondere Weinblatt und Traube (in der jüdischen Symbolik gerne verwandt). in .i.... r.L.....if« großen, von eine:".; Rauduiu&tei umgebenen, H&liptstückes vier Liers, oben iur.^e Hirschf unten ' Owen. Um die übliche hebräische Kennzeichnung aufzunehmen, ist in der Mitte eine Fläche stehengeblieben Hie das Wort MUrarh in «chön verzierter Schrift zeigt: in dem darüber liegenden Teile sind auf drei kleine Kreisflächen die auch auf dein vorher beschriebenen Misrach enthaltenen Sätze schiwißi und rnizad enthalten und auf einer Fußleiste der Satz: da lifne mi arto omed lifne melech tnalche hamlochim (wisse, vor wem du stehest: vor dem König aller Könige, dem Heiligen gelobt sei Er). Damit haben wir die wesentlichen Elemente kennengelernt, die heim Aufbau des Misrach verwendet werden. Der Lowe als Symbol Judas herrscht vor, doch finden wir auch alle die verschiedenen Tiere, deren sich die jüdische Symbolik bedient; man trug aber auch kein Bedenken, Beispiele aus der Sinnbildsprache der Umwelt heranzuziehen. So sehen wir auf einem aus Papier ausgeschnittenen, mit Wasserfarben prächtig ausgemalten Misrach neben Löwen, Hirschen und Tauben auch das Eichhörnchen, neben Rankenornamenten auch Tannenbäumchen und Vergißmeinnicht, die in älteren jüdischen Symboldarstellungen kaum zu finden sein dürften. Eine der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elaß- Lothrin^en Gehörige Misraeh-Tafel, aus Tuch hergestellt, in der Umrahmung als Fenstervorhang gedacht, zeigt u. a. Leviten-Kanne, Füllhörner, aus denen die Blüten heransmip!lpn) mwj eine strahlende

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