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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-08-28 · 35 (28.8.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
35 (28.8.1936)
Date
1936-08-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ÜEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 28. August 1936 len aber berichten von einer ganz anderen Haltung. In den meisten Judengassen befand sich ein Tanzhaus. Hier fanden die Festlichkeiten der Genieindemitglieder statt, hier traf man sich, um sein Qemern- Siiiaftslcben zu leben. Wir wissen aus dem sogenannten Minhagbuch der Gemeinde Worms, dessen Niederschrift /.war aus einer späteren Zeit stammt, von dem aber anzunehmen ist, daß es auf allen Gewohnheiten zurückgeht mit welcher AucduüCi tttau ciwa eine Hochzeit zu feiern wußte, wie man in Ii armloser Fröhlichkeit sein Leben zu genießen verstand. Schwere Zeiten kamen immer wieder, oder, wenn man will, so hat es ja schließlich nur schwere Zeiten gegeben. Für die Erhaltung der jüdischen Substanz war es aber wichtig, daß die Jugend, die ja für jedes Geschlecht etwas Einmaliges bedeutete, nicht verkümmerte und ihr Leben genoß. Dies geschah selbstverständlich in der strengen Zucht mittelalterlicher Sitte. Wenn sich abends die Tore der Gasse schlössen und nur einige besonders vertrauenswürdige Menschen den Schlüssel zum Pf Örtchen. äiögtuJüJigr bekamen, um in Notfällen auch nachts die Gasse zu verlassen, dann lebte man sein eigenes Leben. Man wuchs in den Stärke des Beieinanderseins, und etwas, WM heute neu ins Leben gerufen wird: „Jüdische Nachbarhilfe" war eine Selbstverständlichkeit. In all den Vielfältigkeiten menschlichen Daseins, in Leid und Freud, stand man in taktvollster Weise einander bei. Wie man für die Ausstattung armer Bräute sorgte, wie man ein Hekdesch, ein Haus für Kranke und für Durchreisende, unterhielt, so sorgte man für die Bestattung H'ji Taten Uüu darüber hinaus nahm man den Leidtragenden die Sorge um ihr Dasein für mindestens die erste Woche der Trauer ah. Mar. erlebte die Pesttage des jüdischen Jahres miteinander. Ub es Purim war, wo man heiter verkleidet durch die Gasse zog, ob es die Selichoth-Tage waren, an denen der Schulklopfer schon vor Sonnenaufgang die Männer zum Gebet rief, ob die Hausfrauen am Frcitagvorinittag die Speisen für den Sahbat bereiteten und sie in den Gemeindeofen trugen, damit sie über den heiligen Tag warm blieben, aües und jedes war ein Erleben der Gemeinschaft. Lesen wir nun von Nöten und Verfolgungen, von Austreibungen und Wiederkehr, so begreifen wir jetzt, warum es möglich war, Unsere Gemeinde Misrach-Tafcl des Fclix-Goldmann-Gedächtnisbundes. Unmittelbar nach dem in der gesamten Gemeinde so schmerzlich empfundenen Heimgange von Rabbiner Dr. Felix Goldmann wurde von einem Kreise von Freunden und Verehrern des so verdienstvollen Seelsorgers der Fclix-Goldmaiin-Gcdächtiiishuud begründet, mit dem doppelten Ziele: das Andenken au sein Wirken durch das Bestehen des Bundes, der seinen Namen trägt, und durch sein Wirken in dem gleichen sozialen Geiste, der ihn erfüllt hatte, in unserer Gemeinde lebendig ZU erhalten. So hat der Bund es sich zur Aufgabe gestellt, die Fürsorge und Erziehung für jüdische Waisenkinder zu übernehmen und ihre Entwicklung dadurch mit dem Namen des Rabbiner Dr. Felix OnlHtnann i:: unlösliche Verbindung zu bringen. Den Aufgaben des Bundes soll die in dieser Nummer des Gemeinden! atte* im Rüde wriedergegehene Misrach-Tafel rlienrn dl# .(...- Pnüv nnMminn ' •> 4 " - t.i.. "... iT. . ». . I DaaIiM IlMKlUHMAklWI t,4. fV 'v.f reux v>uiuuimiii-vjLuai.iiiui.-LiuMu socuen nerausgegeoen nai. lmc künstlerische Form, anknüpfend au alte Überliefertf Vorbilder, hat sie durch den hici lebenden Kunstmaler Emst Kaufmann erhalten. Die graphische Herstellung hat in uneigennütziger Weise die graphische Kunstanstnlt Max Breslauer ausgeführt. Die Erinnerung an das segensreiche Wirken Rabbiner Dr. Felix Goldmanns lebt in der Gemeinde fort. Dieses Kunstblatt ist dazu bestimmt, in die jüdischen Häuser Leipzigs ein lebendiges Erinnerungszeichen an ihn hineinzutragen. Zugleich aber soll der Ertrag des Blattes dem Bunde neue Mittel zuführen, die die schöne Bestimmung erfüllen sollen, jüdischen Kindern eine zielbewußte, liebevolle Erziehung zu gewährleisten, damit sie gestärkt und gerüstet in den schweren Kampf um das Dasein eintreten können. Jüdische Marktfahrer, haltet Disziplin! Uns werden die nachstehenden Ausführungen des Vorsitzenden des Vereins jüdischer Händler und Reisender zu Chemnitz übermittelt, die sicherlich auch in den Kreisen unserer Gemeindemitglieder Beachtung verdienen: Noch immer begegnen jüdische Marktfahrer in der Zulassung zu Jahrmärkten und anderen öffentlichen Märkten trotz der klaren Vorschrift des § 64 GewO. und trotz der Entscheidungen einer Reihe von höheren Behörden erheblichen Schwierigkeiten. Wenn sich erfreulicherweise die Verhältnisse seit 1933 erheblich gebessert haben, so ist das zu einem wesentlichen Teile der Arbeit der berufenen jüdischen Organisationen zu danken. Deren erfoigreiches wirken setzt aber auf die Dauer voraus, daß alle jüdische:: Marktfahrer Disziplin üben und Insbesondere peinlichst darauf achten, äum^inöcnfcnön^übbJrJdir®olömQnnY3T Herausgegeben vom Felix Ooldmann-Oedächtnisbund innerlich diese Dinge zu überstehen und äußerlich immer wieder die Kratt /um neuen Schaffen zu gewinnen. Der sittliche Geist dieser mittelalterlichen Judengasse war ein starker, getragen von dem W illen, in wirklicher Verbundenheit beieinander zu bleiben und den Qlauben an die Kialt des Judentums von Generation zu Generation zu vererben. in keiner Weise mit den Berufsanschauungeu oder gar mit gesetzlichen Vorschriften in Konflikt zu geraten. Die Organisationen, insbesondere auch der Verein jüdischer Händler und Reisender zu Chemnitz haben es sich daher mit Recht angelegen sein lassen, immer wieder auf ihre Mitglieder in diesem Sinne einzuwirken. Erfreulicherweise haben sie damit auch in den weitaus meisten Fällen Erfolg gehabt. Der weitaus größte Teil aller jüdischen Marktfahrer, Wandergewerbetreibenden usw. hält sich peinlich von allen Berufsverstößen fem. Leider gibt es aber immer noch einige Berufsangehörige, die die Wichtigkeit der Berufsdisziplin nicht erkannt haben. Ich mußte z. B. vor einiger Zeit auf einigen Märkten Händlerinnen mit Wollwaren beobachten und leider auch anhören, die sich alles andere als würdig und den Qesetzesvorschrifteli und Bei msanschauungen entsprechend benahmen. Sie verließen die ihnen zugeteilten Buden, sprachen Marktbesucher an und warben in . Weise, die man zunächst al« Belästigung der Kunden, dann abei auch als einen durchaus unzulässigen "Wettbewerb gegenüber den anderen Markthändlern, sowohl gegenüber den jüdischen als auch den nichtjüdischen, bezeichnen muß. Eriahrunirsgemäß werden solche unangenehmen Einzeltalle von Persönlichkeiten, die im« nicht freund lieh gesiunl sind, sein leicht, wenn auch durchaus zu Unrecht, verallgemeinert. Sie können also dazu führen, daß zunächst einmal das Ansehen des jüdischen Händlers leidet, aber auch, daß die Gesamtheit, die derartige Mißgriffe ablehnt, bei der Zulassung zu Märkten und sonst Schwierigkeiten erfährt. Wenn wir auch wissen, daß eine solche Verallgemeinerung gesetzlich nicht zulässig wäre, und wenn wir auch die Hoffnung hegen, notfalls die zuständigen Stellen hiervon überzeugen zu können, so kann man von uns nicht verlangen, daß wir einer solchen Gefährdung des jüdischen Händlers, mindestens seines Berufes, durch die Rücksichtslosigkeit Einzelner auf die Dauer zusehen sollen. Die, die es angeht, und deren Name vorläufig noch nicht genannt werden soll, mögen also in Zukunft, wie die überwiegende Mehrzahl der Berufsangehörigen, die notwendige Disziplin bewahren. M. Karafiol, Chemnitz. Hechaluz. Snif Leipzig. Am Sonnabend, den 22. August, fand im Saale des Jüdischen Jugendheimes ein musikalischer Abend des Hechaluz statt. Dargeboten wurden Werke Von Mendelssohn, Brahma, Beethoven und Chopin, vorgetragen von Chawerim des Hechaluz, Hahonim und Makkabi Hazair. Der Abend war von weiten Kreisen der jüdischen Jugend und Freunden der chaltt zischen Bewegung besucht und war Ausdruck des Kulturwillens" der jüdischen Jugend. Ähnliche Abende sind wcilci geplant.

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