Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 33 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 GEMEIN DEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG Juden". Die Stoffe zu seinen übrigen Bildern entlehnte er hauntsächlich der Bibel und der Geschichte, ..Der Brief von Oldenbarnevelt", „Margarete von Parma beim Unterzeichnen des Todes* Urteils von Egmont und Hoorn" sind in dieser Art die berühmtesten. Da aber auch sei* Bild „Aaroii üiii »einen Söhnen Eleasar und Ithamar hi den Tuhcruakei kommend, rindet die Leichen seiner ältesten Söhne Nahab imd Mihu" von der Kritik schlecht beurteilt wnrde, wandte er sich wieder, um leben zu können, seinen romantischen Hüdem zu. El tat allerlei kleine Brotarbeit und erteilte Zeichenunterricht, um dreimal wöchentlich einen I amilienfreitisch zu erhalten. Endlich wurde ein Bild „Meditation" — eine rinnende Mädchengestall - günstig bewertet und für 5(H) dulden verkauft. Das gab Israels die Möglichkeit, nach Düsseldorf zu fahren, WO er durch die Landschaftsmaler I. G. Bilders und Blinder angeregt wurde, sich selbst an Landschaften und Szenen aus dem l eben zu vej-.. . . .such sa»--Wiederiii—An«tCTäaTn7' versuchte er Schiffe und Schiffer in Skizzen und Studien festzuhalten, hatte aber noch nicht den Mut, sie zu Bildern zu verarbeiten, obwohl ihn die Motive reizten, sondern wandle sich weiter biblischen und geschichtlichen Themen zu. Erst im Jahre 1835 fand Israels den Weg zu seiner wirklichen Kunst, die nicht in den historischen Bildern und auch nicht im vollen Umfange in den Bildern der Bibel liegt, sondern in denen, die er der Wirklichkeit abgelauscht hat und die gemalte Seelendichtung sind. hin längerer Aufenthalt in dem stillen Fischerdorf Zandvoorl hell ihn die Schönheit der Natur voll erkennen, und er begann diese wirkliche Welt höher einzuschätzen als die seiner Phantasie. Er sah die malerischen kleinen Häuser, das weite Meer und die Dünen. Sah Männer mit verwitterten Gesichtern und schwieligen Arbeitsbänden, Frauen in ihrer malerischen Tracht bei der Arbeit oder in Sorge um den Mann auf See, hellhaarige barfüßige Kinder, die int flachen Wasser plätschernd spielten. Oherall, wohin er auch inuuci schaute, entdeckte er neue Motive: „In den Dünen" eine Frau, die durch ihre Arbeit die Ruhe noch unterstreicht, am Strande die „Net/.flicker", den „Muschelfischer" mit seinem Karren und einem glänzenden weißen Schimmel, dessen Fell sich von der Brandung •bliebt, und über jedem Bilde liegt dieser seltsame „weiche Ton", die bewegte durchsichtige Luft, die alles durchflutet und belebt und dem-Ganze;; Klarheit-und Tiefe" gibt.'""—""Dann folgt Israels den Menschen, die er draußen sieht, in ihre Häuser und nimmt teil an ihrem l eben, nicht als ein Neugieriger, der mitleidslos schaut und zergliedert, sondern als ein Mensch, der an ihrem Leben teilnimmt, der init-leidet und mit-fühlt. Nichts ist zii alltäglich, um das Er- Jüdische Zeitschau Kulturaussteilung der Berliner Zionistischen Vereinigung. Die Berliner Zionistische Vereinigung veranstaltet vom!>. bis U. September im Berliner Logenhaus eine Kulturausstellung, die den Namen „Jemej Bialik" (Bialiktage) tragen wird. Die Ausstellung will das Ringen innerhalb der jüdischen Geistigkeit der Qola und Palästinas um eine neue Einheit des jüdischen Kultur&chaffens zeigen und das Gefühl ffir Kontinuität jüdischen kulturellen Entwicklung, fui die Schönheit und Uroftp rjc? eigenen Knirurgutes wachrufen. Dei Vorbereitungszeit und den gesamten Umständen entsprechend, soll sich die Ausstellung auf einige wenige Gebiete der allerletzten Entwicklung und den gegenwärtigen Stand des jüdischen Kulturlebens in Palästina, in Osteuropa und in Deutschland beschränken. In einer Abteilung über kulturelles Leben der Juden in der Qola wird die hebräische Dichtung in Form einer illustrativen Literaturgeschichte von Luzzatto bis Bialik gezeigt. Die hebräische Bewegung in Osteuropa stellt in einer Schau ihre* hebräischen Schulwesens ihre wichtigste Errungenschaft dar. In der Abteilung „Kulturelle- Leben der Juden in Deutschland" werden einige wichtige kulturgeschichtliche Einzelheiten gezeigt: die hebräische Sprache bei den Juden in Deutschland, die jüdische Erziehung seit Mendelssohn, das jüdische geistige Sehaffen in der Emanzipationszeit. Wesentliche Daten erläutern die Strukturen der heutigen judenheit in Deutschland. Sonderausstellungen der Schulabteilung der Reichsvertretung, des Reichsverbandes jüdischer Kulturbunde, der Lehrhäuser, der Presse, Bibliotheken, der hebräischen Bewegung in Deutschland, der bildenden Kunst und des Verlagswesenzeigen das heutige Kulturleben der Juden in Deutschland. Die Abteilung „Kulturelles Leben ü; Pa lästina" ist vornehmlich der Darstellung der Soziologie des Jischuw vorbehalten. Lerner wird das I heater, Presse, Verlagswesen, Musik, Film und Radio gezeigt. Zentrale Bedeutung nimmt weiter das palästinensische Erziehungswesen ein. Die künstlerische Ausgestaltung des palästinensischen Teils hat der Graphiker Otto Wailisch I el Awiw übernommen, des Galutteils Heinz Condell vom Jüdischen Kulturbund. (JTA.) 14. August 1936 Zweiggottesdienst an den hohen Feiertagen. Die Gemeinde richtet in diesem Jahre den Zweiggottesdienst für Neujahr und Versöhnungstarr der Im vorigen lanre in rW TtirnhaHe j-- {-jöher^ü isiaeiitiscnen Schule stattgefunden hat, fm Battenberg-Theater, Tauchaer Straße 32-34 (Kulturbund-Theater) ein. Die Vermietung der Plätze erfolgt vom 24. August 1936 an werktäglich von 9—U Uhr im Gemeindeamt, Walter- Blümel-Straße 10, I. Preise der Plätze von RM. 1.50- 5.—. Leipzig, den 11. August 1936. Der Vorstand der israelitischen Keligionsgemeinde zu Leipzig. habeue auszudrücken, nichts zu unpathetisch, um dem Pathos seiner Ehrfurcht vor dem Sein Ausdruck zu geben. Ganz gleich, ob er uns „Die junge Hausfrau" zeigt, „Die fleißige Mutter", „Spielkameraden" oder „Wenn man alt wird", überall der feierliche Ernst, der aus der Schlichtheit seiner Bilder spricht und die Kunst zur Religion erhebt. Es genügt ihm nicht, zu berichten, sondern er bemüht sich um die „Psyche des Seins". Daher diese Ruhe des Philosophen in dem „Rabbi", der Talmud lernt, dieser Ausdruck der VciäGSuiuiuj in dem „Sohn des alten Volkes", dieses Gottvertraueu inmitten von Armut und Trödel, unantastbare Größe und Trauer und Leid eines ganzen Volkes verkörpernd; eine Oestalt, die in ihrer einsamen Gebüektheit Unsichtbares trägt, alles Verzeihend, weil sie alles versteht. — . Es ist nicht der Jude Israels, der diesen „Sohn des alten Volkes" oder „Die Judeuhochzeit" oder den „Trödler", der sein Kind (sein einziges Gut in seinem armen Dasein) im Arm hält, inaic, sondern der Mensch. Israels Bilder sollen kein Mitgefühl erwecken, sollen keinen Appell an die Menschheit darstellen, sondern sind Ausdruck desselben Mitfuhlens, das aus den Bildern der Armen und Kranken spricht, wie etwa aus dem „Begräbnis" und „Allein in der Welt". — „II a bien peint, parce qu'il a bien senti." Dies.ecSatz, der von .JSejnJbxandt gesagt wird', paßt gleichermaßen auf Israels. Er hat gut gemalt, weil er gut empfunden hat. Dieser Wahrheit und Heiligkeit seiner Fmpfindungcn, die von Herzen kommen und zu Herzen sprechen, verdankt Israels seine Popularität, seine Berühmtheit aber seinem Genie und seiner unbezwingbaren Darstellungskraft. Sylva Pohoryles. Unsere Gemeinde Der Kinderhort des Israelitischen Wohiiätigkeitsvcreins bleibt bis 1. September geschlossen. Soziale Hilfe durch Rat und Tat. Schon seit Jahren arbeiten in der Familienfürsorge des Jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe Leipzig. (Mitlwoch-SitzumM in enger Zusammenarbeit mit der (Jemetiidcfürsnrgc eine Anzahl ährenamtiii-h t:iti<rer Franc».!V.:-.!: dU :!- [Lillibedürhiäui reicht die kieme Gruppe von tätigen Frauen für die Betreuung der Familien nicht mehr aus. Es wird darum herzlichst geheten, daß sich noch eine Anzahl Frauen für diese sehr befriedigend». Arbeit zur Vertilgung stellen. Telefonische Meldungen und nähere Auskunft beim Fürsorgcamt (Nr. 21382) oder bei Frau Else Golm (20011). Verlegung der Sprechstunden des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Beratungsstelle Leipzig. Während des am 16. Augusl 1936 beginnenden Urlaubes des Leiters der Beratungsstelle, Herrn Dr. Wachtel, wird sein Vertreter am Dienstag und am Donnerstag j e d e r W o c h e V o n 1 ,6 bis 1 ,8 Uhr a b e n d s Sprechstunde abhalten. Es wird dann aber im eigenen Interesse der Sprechstundenbesucher e m p fohlen, vor h e r telefonisch oder persönlich in der Kanzlei der Beratungsstelle, Goethe- Verbilligter oder freier Zutritt zum Besuche der Gemeindesynagoge oder des Zweiggottesdienstes an den hohen Feiertagen wird nur gewährt, wenn dies durch die Vermögens- und Einkommensverhältnisse begründet ist. In allen Fällen-istein schriftliches Gesuch, dessen Nachprüfung durch unser Wohlfahrtsamt vorbehalten bleibt, bis spätestens 28. August bei uns einzureichen. Leipzig Cl, den 10. August 1936, Der Vorstand Wa'ik-i-Biümei-Str. 1U, I der israel. Religionsgemeinde zu Leipzig.