Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 33 (14.8.1936)
- Date
- 1936-08-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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12. Jahrgang - Nr. 33 Auflage 3500 Stück 14. August 1936 DER ISRAELITISCH EN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Zum 25. Todestag Jozef Israels. Vor fünfundzwanzig Jahren, am 12. August 1911, starb im Haag Jozef Israels, in den Reihen der großen Maler und Graphiker des 19. Jahrhunderts einer der Orößten. Mit Stolz zählen wir ihn zu den Unseren. Gesteigert wird unsere Verbundenheit mit ihm durch diejenigen seiner Werke, die jüdische Themen gestaltet haben, immer einen treffenden Ausdruck für jüdische Momente findend. Dieses Vierteljahrhundert seit Israels' Tode hat in der Stellung zu indischer Kunst 7i; indischer Kultur im allgemeinen tiefste 4 t 4 %M Wandlungen gesehen: sie wird, wohl mehr noch als Forderung denn als Wirklichkeit, heute bejaht; viel künstlerisches Wollen ist auf dem Wege, das Jüdische von Verkettungen zu lösen, die seine freie Entfaltung hemmten; das Suchen nach dem schöpferischen Ausdruck jüdischen Bewußtsein, das wir erleben, läßt das Reifen jüdischer Kunst schon jetzt sichtbar werden. Oerade diese Entwicklung lenkt ,il>i;„j, ^...c j . iv j « l_ ii••. »• i . i ,_i. . . i . f__f. in, -1 ii. üvl! rSliv_I\ aui "ÜdS VI Kl l\ UCS IHJUdlKIlSKIIKIl JUUKII. JU/KI inldKüi ist gewiß noch nicht Repräsentant solcher jüdischen Kunst, konnte es, nach den Voraussetzungen seiner Zeit, noch nicht sein. Und dennoch atmen OetOälde und derer. Stoff er dem Jüdischen Sein entnahm, so stark jüdische Erfülltheit, daß in ihnen schon vieles von dem sichtbar ist, was einmal zu den Kennzeichen jüdischer Kunst zahlen wird. Jozef Israels wurde am 27. Januar lü'24 in üroningen geboren und wuchs in einem traditionsbetonten jüdischen Elternhause auf. Schon den Fünfjährigen ließen die Fitem im Talmud und in der Bibelübersetzung unterweisen, und der Maler Israels gestaltete die Bilder aus den Geschichten der Bibel, die in der Fantasie des Knaben Jo/ef Wirklichkeil waren. Noch in seinem Alter dachte Israels setbstverst in Kciiieiii Elternhause lebte, an den Glanz, mit dem die jüdischen Feste gefeiert wurden, und dem die Armut des Hauses nichts anhaben konnte und an das Vertrauen zur Allmacht, die alles zum Guten fühlen werde. Israeli Vater, ein kleiner Effektenhändler, der wirtschaftlich schw er zu kämpfen hatte, und ebenso seine Mutter werden uns als geistig besonders hochstehende Menschen geschildert, die starkes Interesse für Dichtkunst, Musik und Malerei hatten. So hinderten sie den jungen Israels auch nicht daran, neben dem Talluudstudiuni, für das er wohl eigentlich bestimmt war, seinen verschiedenen Liebhabereien und Talenten nachzugehen. Er spielte in seiner freien Zeit Geige, machte kleine Gedichte und zeichnete unter der Leitung seiner I ein er V a u B u y s und Wich e r e n. Nebenbei half er dem Vater noch in seinem Geschäft. Als Israels sechzehn Jahre all war, gab der Vater schließlich hn Mi-.........).,,, ,„ll«.. <n Iram r»r Uli i1LillV-l 11111,111 OW t\UIII II p:.....iüifT....... Uli- I 111 w | . . i. , ... i . , , durch Vermittlung eines Gönners im Jahre 1S41) in das Atelier von Jan Kruft ein All in Amsterdam. Hier lebte er bei einer Ver wandten seiner Mutter im Auuterdanur Judenviertel, in demselben, in dem Rembrandt die Vorbilder für seine Judenbildnisse fand. Oft Wanderte Israels iluich diese Gassen unil Gäßchen, ebenso ergriffen von der lebendigen Kunst Rembrandts, den er glühend verelirtfi wi*i vofi den muierioC iivi iim-ii juUCMfcl&Ul. „... mein Blick fiel auf die wunderbaren Gestalten der jüdischen Denier (Kcmöramtts), es gab in Amsterdam in dieser Zeit Hunderte solcher Typeil. . . . Wenn ich vom Anschauen der Bilder müde war. wanderte ich durch die Stadt und sah wieder dieselben Menschen, die ich so gut von seinen (Rembrandts) Radierungen her kannte;- Itt der fioogstraat, in der jodenbreestraat, wo ich nur einige Schrille voll dem Platz entfernt wohnte, wo Rembrandt so lange gearbeitet hatte, traf ich überall dasselbe malerische Volk, sah die scharfen Umrisse graubärtiger Juden, die rothaarigen Frauen, Fässer ...u r.":~..i..... —r.-.iii Fvr.-!-.*- .....i _nf.i.........i....... r\i____ *■ ■ IUI 1 i^i ihm gv IIIIII, I I UV IUI UHU Ulli. IllUgllKilKII (IIIUKIKII 1,/lllgK. I III 1 Untergrund der alten Häuser und über ihnen spannte sich das blaue Gewölbe von Rembrandts Himmel." Während es Israels, gepackt von dieser lebendigen Welt, zur freien (lestaitling nach der Natur drängte, mußte er der akademischen steifen Richtung seiner Lehrer Kruseinan und Picnenian foigen und. sich mit der systematischen, auf Rezepten beruhenden Art zu malen zufrieden geben. Er kopierte hauptsächlich, malte gestellte Szenen, die dann natürlich auch die Wirkung einer Szenerie hatten, und malte zum Verkauf für drei bis fünf Gulden, später nachdem er einige Erfolge auf kleineren Ausstellungen hatte, für zwanzig bis dreißig Gulden, Meuchelmörder auf der Lauer, Szenen aus Hamlet, Ritter, mit jungen Hamen im Mondschein lustwandelnd, und ähnliche romantische Bilder, die an die Tränendröten appellierten und dem damaligen sentimentalen Zeitgeschmack entsprachen. Diese Tätigkeit scheint Israels sehr wenig befriedigt zu haben. Als er im Jahre 1845 auf der Städtischen Ausstellung zu Amsterdam ein Qemäldc von An Scheffer „Oretchen am Fenster" -iah, fühlte er, „daß Malerei auch noch etwas anderes sein kann, als äußerliche Vollkommenheil und geschickte ZusaniititMistellunc'" und fnfltc : ihm mm!, Amsieroam und seine bisherigen Lehrer zu verlassen und seine \\ eiierausbilduug in Paris zu suchen. Ohne Vorbereitungen, ohne »ich einen Lehrer zu sichern, ohne Ueld brach er mit einem Freund auf, der von derselben Unruhe getrieben wurde, wie Israels selbst. Aber auch hier fand er Riehl die Anregung und Führung, die er suchte. Picot sein Lehrer, erkannte zwar seine Fähigkeit und rühmte Israels als einen seiner besten und fleißigsten Schüler, aber Israels selbst fühlte sich unglücklich, einsam und verloren in dieser Stadt Paris, die von allen gerühmt wurde. Dazu kam noch, daß ei unter den dürftigsten Verhältnissen lebte und oft nicht, wie er später erzählte, genügend Geld für Brot und Butter hatte. So kehrte er 1817 wieder nach Amsterdam zurück. Er malte seine Flleru, den „Eliezar Herschel" und das „Bild eines Greilinger Ausgabe der Synagogen karten. Die Erneuerung der Synagogenkarten findet bis 17. August d.J. irn Gemeindeamt, Walter- Blümel-Str. 10, I, von 9—13 Uhr, statt. Karten, die nicht rechtzeitig abgeholt sind, werden anderweitig vergeben. — Eine schriftliche Erinnerung erfolgt nicht Leipzig, den iO. August 1936. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig.