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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-07-03 · 27 (3.7.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
27 (3.7.1936)
Date
1936-07-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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12. Jahrgang - Nr. 27 Auflage 3600 Stack ^M?d >t I ■■ 1AV 11 M 11 \ tf'k 3. Juli 1936 wm«M(Mü\ DER ISRAELITISCH EN RltlGIONSG EM El N DE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Ein Mädel geht auf Hachscharah. Mein liebes Mädel! Ich freue mich über Deine Mitteilung, daß Du vom 1. ab nun in die unmittelbare Arbeit für Deine . Alijah kommst und von den Ehern die Erlaubnis hast, aut Hachscharah zu gehen. Über die Notwendigkeit einer gediegenen Vorbereitung sind wir uns in vielen Gesprächen, allein und in der Gruppe, längst klar; ich rede Dir auch nicht dazwischen, daß Du nicht die hauswirtschaftlichc Hachscharah gewählt hast, sondern die Gartenarbeit. Denn ich weiß aus dem Munde eines Schaliach, wieviel leichter im Grunde die Landarbeit ist, wieviel größer die Befriedigung und die Freude an der körperlichen Arbeit, als die Kleinarbeit, die „ergebnislose" Kleinarbeit der Küche und des Hauses. Du wirst Dir aber wohl darüber klar sein, daß man in einem Jahr nicht zum Gärtner wird. Du wirst bescheiden feststellen müssen, daß Du allenfalls die Handhabung der Geräte und die Grundlagen der Landarbeit erfährst, daß Du Dich auf diese Arbeit und ihre Anforderungen einstellen leinst, — aber lasse die große Rosinen nicht in Deinem Kopf wachsen! Du wirst, wenn Du Dein Zertifikat bekommst, am allerersten Anfang stehen, und die ersten Jahre in der Kwuzah werden Lehrjahre mit aller Strenge, allen Enttäuschungen, aller Bitternis sein. Du wirst jetzt die übliche große Handbewegung machen und sagen, na, das wüßtest Du aber doch! Mein'Madel, es ist etwas anderes, uü tüati Jas während einer Diskussion am'Heimabend weiß, oder ob man es in dem Leben zwischen anderen bewähren muß, bei denen, die mehr können als wir und von uns etwas zu verlangen haben. Ich hltte Dir diesen Rri.'f .\'. nämlich rar ::;.!:: £nn ich :.u fest davon überzeugt wäre, daß Du geschrieben es weißt. Aus dem Jubel Deiner Mitteilung und den ersten Treuschwüren zur neuen Arbeit kommt mir nämlich ein Klang, der mich bedenklich macht. Mit einer Romantik im Stile „Zurück zur Natur!" ist in Deinem Falle und dein Fall vieler hunderte jüdischer junger Menschen, die ihre Alijah vorbereiten, nichts, getan. Stadl verlassen, dein Wachstum der Erde nahe sein und so, das gilt auf der Fahrt, wenn ihr singt iiiul lagert und über eine Straße im Taktschritt geht. Für die Arbeit gilt das nicht. Diese Arbeit ist so hart, daß sie Dir zu Gefühlen und besinnlichen Gedanken keine Zeit mehr läßt fiefüllte und Gedanken werden vielmehr Deine L eist u n g e u 1) e e i n 11 ä c h t i g e n, wenn Du sie w;i Ii r e n d ner Arbeil hast. Je sachlicher und ausschließlicher Du Unkrautjäten, beim Hacken oder Graben hist, je weniger Du denkst, umso besser wirst Du die Arheit tun, umso leichte körperliche Anstrengung durchhalten. Die gleiche falsche Romantik spricht aus Deinem „Sich restlos ausgeben wollen", l ast alle wie Du wollen sofort weg aus allem Gewohnten, weg aus der Pfl*»* Hps Hegen — vielleicht sogar rasch verschlampen. In der Arbeit soll innglichst rasch <\.\* 'Jchwers getan werden — eine grundfalsche Ökonomie des Leibes und der Seetcl Delbeim Ifthpl aar die weg Pflege des Elternhauses, möglichst hart in Kleidung und Körperpflege möglichst Du wirst es nur dann richtig machen, wenn Du — ohne Romantik! — Dich dem Wachstum der Erde angleichst: Du selbst mußt erst in Deine neue Tätigkeit und ihre Anforderungen hineinwachsen. Du kannst auch aut Hachscharah, gerade auf Hachscharah, nicht vom Grundsatz alles Lernens weg; Du mußt vom Leichteren zum Schwereren vorschreiten. Du mußt lernen wollen, das Tempo gibt sich dann aus der Sache selbst. Es kommt nicht auf dieses wütige, närrische, gänzlich unzweckmäßige Lostoben an; rechte Arbeit hat immer etwas Gelassenes, so wie der Schritt des richtigen Bergsteigers in seiner kraftvollen, wegsicheren und technischen Sicherheit sich durch seine Gelassenheit gegenüber den Fcxer. auszeichnet, die es mit dem „Tempo" machen und dann nicht ausdauern. Gelassenheit ist's, was Du zur Arbeit auf Hachscharah mitbringen mußt, selbst wenn's ein paar Überbeflissene anders machen. Du sollst jetzt nicht glauben, daß dabei nicht die tiefste, die vorbildliche Hingabe an die Arbeit zu erreichen wäre. Sie demonstriert nur weniger und — schafft im Grunde mehr. Nur so kannst Du den schwersten Teil Deiner Arbeit überwinden, der erst noch auf Dich wartet; die Arbeit tun, die keine sichtbaren Ergebnisse hat. Du wirst in der Kwuzah nicht immer in der Gartenarbeit verwendet werden, Du wirst sehr oft zu Haushaltsdiensten heranmüssen und dann erst erfahren, wie mühselig Kleinarbeit ist. Und manchmal wird Dich's wie eine Trostlosigkeit überkommen, wenn das eben gespülte Geschirr gleich wieder schmutzig ist, der eben gefegte Boden wieder voll btaub und Sand liegt. Es ist sehr unromantisch, Kartoffeln zu schälen — sie zu stecken, ist schon eher mit Gefühlsvorstellungen von Mutter Erde und Saat imd Fmtc im.! <\*< 'gleichen verbunden. Gcrr.de dam» wird es ajif die Gelassenheit ankommen und über altem: auf die «Überzeugung, daß in einem Gesellschaftsganzen keine Hand und keine Form der Arbeit fehl e n darf, daß der Wert dieser Arbeit nicht das Was, sondern das Wie ist. Vielleicht wirst Du auch einsehen, daß die Ablösung von den Tätigkeiten, die Dir seither lieb waren, nicht mit einem Schnitt, sondern eben als Lösung Vollzogen werden kann. So wie Du gerad« während der ersten Umstellung auf die harte körperliche Arbeit der mütterlichen Pflege noch froh sein sollst, so wirst Du Dich nur allmählich aus der Arbeit im Bund lösen können, nur allmählich die zahlreichen Briefe nicht mehr schreiben, die Musik nicht gleich völlig vernachlässigen. Das alles wird sein müssen — aber: gelassen, gelassen! Du hast ein Jahr vor Dir, vielleicht zwei. Ls muß nicht in den ersten vierzehn Tagen schon demonstriert weiden. Schau her. ich bin's! (Eitelkeit der Eitelkeiten wenn man eine 7 'nr% £^U9VII! chriiten an die Sein ifUeliung, Bis auf weiteres <inH alle zur Veröffentlichung ii,-, Gemeindebiatt bestimmten Berichte und Nachrichten ausschließlich an «las „Weirieinileamt der israelitischen Religion*jjernein.de" »»»it «!e::» Stssats .,^c:;;ci;;jJüb!«ii - zu richten.

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