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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-06-26 · 26 (26.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
26 (26.6.1936)
Date
1936-06-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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12. Jahrgang - Nr. 26 Auflage 3600 Stück m 26. Juni 1936 DER ISRAELITISCHEN RELIG10NSGEMEINDE ZU I C I H W ft AMTLICHES N ACHRICHTEHBLATT LC I YL I (I DER GEMEINDEVERWALTUNG Bialik und die hebräische Dichtung o Von Dr. Lutz Weltmann. Mit der hebräischen Dichtung der Juden, die ja nur ein Teil des jüuiscnen s«iin»ttums ist, verhält es sieh seltsam. Die fünf Bücher Moses, dieses allerwichtigste Ur-Buch des Judentums, sind zur Hauptsache an die Erlebnisse Israels in Ägypten geknüpft. Die an sie sieh anreihende Volksgesehichte, die Zeit Josuas. der Richter, Samuels und der Könige ist, gemessen an den Räumen der vieltausendjährigen jüdischen Geschichte, nur ein Zwischenspiel, und auch den Büchern, die von dieser Zeit handeln, wird im allgemeinen nicht die Beachtung geschenkt wie dem ihnen vorangehenden Pentateuch des Mose und den auf sie folgenden Büchern der Propheten. Diese Bücher der Propheten aber, die dem Judentum seine universelle Bedeutung gegeben haben, sind im Schatten Babylons entstanden — das darf man in gewissem Sinne sogar von den Büchern derjenigen Propheten sagen, die vor der assyrischen und babylonischen Katastrophe noch im Heiligen l ande gewirkt haben. Nach der zweiten Zerstörung Jerusalems, hat der babylonische Talmud eine größere Bedeutung gewonnen als der in Jerusalem entstandene. Und der gröbte hebräische Dichter in nachbiblischet Zeit. Jehuda Halevi, schuf seine Poesien in Spanien. Im weiteren Verlauf des jüdischen Mittelalters schrieb Maimonides seine Hauptwerke, bis auf eines, arabisch, Spinoza, den freilich nicht jeder Jude als „jüdischen" Philosophen werten wird, lateinisch und in Deutschland entstand das Jiddische, das zu einer Art jüdischer Weltsprache wurde, gleichsam als hätte das Hebräische in Jehuda tlalevi (von dem eine grolle Auswahl seiltet Dichtungen von Franz Rosenzweig treu übersetzt und ansprechend erläutert, im Schocken- Verlag deutsch vorliegt) noch einmal seine schöpferische Sprach- I.....ti _ f f___i____ t t _ I__;__i_______i» TT _ lt____ i _ _ -i-ii___!!i K( i! V\ : ü t!.'!!. uda bÜlUll der Aufklärung) diu Mendcissohn-Zeit, die das Jiddische, das Jüdisch-Deutsch, in Deutschland zugunsten des Hochdeutschen verdrängte, sich als Mittel zu diesem Zweck oft genug hebräischer Lettern bediente, und in Osteuropa entstand eine neuhebräische Literatur, die /war wcnigei bekannt wurde ais die jiddische des gleichen QebietS, von der die Weltliteratur gelegentlich Notiz nahm (Perez, Scholem Alechem), aber in Chaim Nachman Bialik einen Qipfel und neuen Qrund zugleich erreichte, der selber Weltliteratur wurde. Bialik, dessen Schriften Wladimir Jabotinski ins Russische, Marcus Ehrenpreis ins Schwedische übersetzte, galt einmal als ernsthafter Anwärter auf den Nobelpreis, und Qorki liebte ihn wegen seiner Dichtungen so, dal) er, der Bolschewik, dem Juden bei den kommunistischen Behörden behilflich war, um ihm seine Aus reise zu ermöglichen, weil dieser sein Judentum im roten Kuliland für bedroht hielt. Und Bialik, der selbst den Rang eines Dichters der Weltliteratur einnahm wobei unter Weltliteratur nicht die gängige internationale Marktware zu verstehen ist — übersetzte wesentliche Werke der Weltliteratur ins Hebräische: Schillers „Wilhelm Teil", Shakespeares „Julius Caesar" und des Cervantes „Don Quijote". Es ist fesselnd zu beobachten, wie ein Kulturkreis des Judentums sieh geschlossen hat, das Schaffen des osteuropäischen Judentums in das palästinensische gemündet ist. Die hebräischen Schriftsteller des Ostens, Uulllands, Polens und Oaliziens, von denen keine Gcatiiieiiie der Weltliteratur weib — und noch die „Geschichte der Weltliteratur" des kenntnisreichen Wiegler aus dem Jahre 1932 lielt selbst Bialik unerwähnt, — begannen als Übersetzer: die Wellen der Aufklärung sehlugen auch nach Osteuropa und die ostjüdischen „Maskilim" (d. h. Aufklärer) wollten ihren Stammesgenossen die europäische Kultur erschließen! All.. .Ii..... \A . , , .1.. >V ..1,111 UlltIVI hören mehr oder minder der „unsichtbaren Literatur" an. Aber sie alle sind Vorstufen, die zu dem epochemachenden Werk Bialiks führten. Darum lohnt es sich, von den Oünzburg (1795—IS 16), Sehulmann (1810 -9Q), Lebenson (1828 bis 1852), Mapu (1808-67), (iordon (1830-92), Erter (1792 -1851) und kapoport (1790—1867) einmal kurz zu reden. Mordechai Aaron Oünzburg übersetzte Teile von Pöllnitz' „Handbuch der Weltgeschichte", der „Geschichte Rulilands von 1812 13" und der „Geschichte Europas von 1770—1882" ins He- Kfl.ni0f!«A Iac« - r>KIf^- f* iJ I ri . 1* t ( uiaiseiie, icitiei iil.lui „>hmihiimimii uii v.iiu^uni ilSCilOi\i\CS „Abenteuer in der Silvesternacht" und Campes „Entdeckung Amerikas", ier/teres auch ins Jiddische, eine Konzession, die auch Bialik zuweilen machte. Kaiman Schulmann verfaßte eine neunbändige „Allgemeine Weltgeschichte", geographische Arbeiten über Palästina und Rußland, eine Geschichte Petersburgs, eine Biographie Meyer Amschel Rothschilds und andere umfangreiche Arbeiten naturkundlichen und archäologischen Inhalts, sämtlich in hebräischer Sprache: , on Schillers ..Spaziergang" Snes (ieheimnissen VOH Paris" unJ dein ersten Bande von Graetz' „1 lavius Josephus" schuf derselbe Schulmann hebräische Obersetzungen. Ebenso wie er, wirkte Micha |os< Ii... oraz, Goethe, Schiiler, Heine und Mickiewicz ins I lebräütche über* trug, aufs ueuhebräische Schrifttum. Ein echter Lyriker, jenseits von Sentimental und Tendenz, Schüler Sendlings, dessen Vorlesungen er in Bei Sin hurte, Pessimist ob seiner 1 uberkulose sang Lebenson erlebte Liebeslieder und trug in seineu „Zionsliederil" den Konflikt /wischen nationalen Pflichten und individuellen Überzeugungen aus. Zur Behandlung jüdischer Stoffe wurde er von seinen Freunden gedrängt, nachdem er eine hebräische Nachdichtung von Vergils „Zerstörung Dojas" halte erscheinen lassen. In der Entwicklungsgeschichte der hebräischen Lyrik ist Lebenson der bedeutendste Vorläufer Bialiks. An Abraham Mapu, dem Schöpfer des hebräischen Kornaus, wurde dann die Wendung zur nationalen Epoche der hebräischen Literatui deutlich: sein Hiskia-Roman „Zionsliebe" und sein „ I artuffe (Ajit zawua), der seiner Zeit den Spiegel vorhielt, verbreiteten die zionistische Gedankenwelt. Sein zehnbändiger Zuschriften an die Schriftleitung. Bis auf weiteres sind alle zur Veröffentlichung im Gemeindeblatt bestimmten Berichte und Nachrichten ausschließlich an das „Gemeindeamt der israelitischen Religionsgemeinde" mit dem Zusatz „diemeindeblatt" zu richten. II k

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