Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 25 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 ÜEME1NDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 19. Juni 1930 Brüder zunächst in seinem Lande; dies alles bis /um letzten Atemzug. „Mein Weg", schreibt er wieder an R. Hallo, „inuli meinei sein, mein Wissen aber muii der Aufgabe nach allgemein sein. Ich darf mich nicht darum drücken, Kenntnis von allem lebendigen Gehen des jüdischen Wem zu nehmen, nnd Ich ßtufl cj brüder ü. i. |{eb?fi. Nicht wie du einmal meint«»!, „aiie Juden*', um Himmels willen! Aber die tausend Wege, die ihr Judentum gegangen ist. Nur durch die natürliche Kraft des Lernen« wird mein Weg der Gefahr entgehen, in die Einsamkeit statt in die gemeinsame Landschaft zu führen. Seit AbscMuB des Talmuds gab es so etwas wie eine gemeinsame Straße, wohl mit Seitenwegen, Brücken, Städten; aber doch im ganzen eine Straße. Die ist nicht mehr da seit ijü jähren. So sind wir heute auf die Einheit der Landschaft angewiesen. Mag einmal wieder eine Hauptstraße (oder ein System von Siraßen) durch sie führen. Es ist sehr wenig Wahl dabei, nur guter Wille — der ist allerdings nötig. Man muß dem innerlichen Muß ein Stück entgegen« ollen". Aus solchem Wollen ging er ans lernen mit N. A. Nobel s. A., mit Martin B u b e r und Benno Jacob; gab er uns dann wichtige Stücke unseres Siddur neu zurück; schenkte er uns den Dichterphilosophen J e h u d a h a 1 e v i: seine Einführung in Hermann Cohens jüdische Schriften, seine Aufsätze und Kritiken, seine Ideen zur Eindeutschung heiliger Texte. Uiid ai-ibst dicsci Ertrag eines so kurz befristeten, von Krankheit verschatteten Lebens verblaßt, gegenüber den fruchtbaren Anregungen, die entweder neu von ihm ausgingen oder durch ihn die mächtigsten Impuls* empfingen. Sie reichten vom methodischen Religionsunterricht für die Schuljugend bis zur Jüdischen Akademie; sie wirken in der jüdischen Journalistik und gipfeln im altneuen Jüdischen Lehrhaus. Das Altertum nennt Jesus b. Gamla als besonderen Förderer des Jugendunterrichts; das Jüdische Lehrhaus, das F. R. in Frankfurt a. M. ins Leben rief, als Pflanzstätte jüdischen Lernens, die bereits heute in keiner nennenswerten Gemeinde fehlt, wird seinen Namen durch die Zeiten tragen. Wieder geht ein Semester in untern Lehrhäusern zu Ende; mag seines Na mens gedacht werden. Von ihm, der hier in Schmerzen tausendmal dem irdischen Tode ins Auge sah, gilt vorzüglich: „Erst nach ihrem Tode dürfen Fromme wahrhaftig Lebende genannt werden." — püstizratDt^ Justizrat Dr. Julius Brodnitz, der erste Vorsitzende des Centraivereins der Juden in Deutschland, ist in der Nacht vom 1(>. zum 17. Juni in Berlin an den Folgen einer Gehirnerschütterung gestorben, die er bei einem Autounfall am 11. Juni erlitten hatte. Die Nachricht von dem Ableben des verdienten jüdischen Fuhrers, der eine zentrale Figur im Leben der* Judenheil Deutschlands war, hat in allen jüdischen Kreisen niederschmetternd gewirkt. Die zahlreichen jüdischen Körperschaften, mit denen der Verstorbene in stets einsatzbereiter Mitarbeit verknüpft war, haben Trauerkundgebungen erlassen, in denen zum Ausdruck kommt, wie schwer die Juden Deutschlands den Verlust von Julius Brodnitz empfinden. Die Trauer um diesen Verlust ist um so größer, als man sich angeschickt hatte, in diesem Sommer den 70. Geburtstag von Justizrat Julius Brodnitz feierlich zu begehen. Julius Broduitz wurde am 19. August 1866 in Posen geboren Nach Vollendung seiner juristischen Studien ließ er sich in Berlin als Anwalt nieder. Als im Jahre 1893 der Centraiverein gegründet wurde, wurde er bald in den Kreis dieser Arbeit einbezogen. Bereits 191X) trat er in die Rechtsschutzkommission des Centraivereins ein, dere:: Vorsitzender er 1904, zugleich mit der Berufung in den Hauptvorstand, wurde. Neben dei Rechtsschutztätigkeit gehörten besonders die Jugendfragen zu seinem Aufgabenkreis. Seine enge Verknüpfung mit der praktischen Arbeit des Vereins ließen ihn in kurzer Zeit in das engste leitende (iremium aufrücken, so daß als Eugen FÜChB 1920 den Vorsitz niederlegte, Julius Broduitz der gegebene Nachfolger war. Sechzehn Jahre lang hat Justizrat Broduitz den Verein geführt. Unter seiner Leitung wurde der Central- V er ein zur größten und bedeutungsvollsten jüdischen Vereinigung innerhalb der judenheit Deutschlands. An allen wesentlichen allgemeinen jüdischen Aufgaben, wie z. B. der Gründung des Arbeiterfürsorgeamtes und der Förderung der Gesellschaft „Ort", nahm Brodnitz tätigen Anteil. In /ahlreichen Reden und Ansprachen in allpn Teile»» de? Refrfce? haf er für die Saclk Je.- Cutt*!«<:«vi«» und seine Aullü-ou;;^ dei Gestaltung des jüdischen' Leben« Deutschland gewirkt, jüdisch-religiös stand er auf dem liberalen Flügel. Er gehörte der liberalen Fraktion au und war Ehrenmitglied det Berliner Jüdischen Reformgemeinde. Nach 1933 ist es vornehmlich seiner Initiative zu verdanken, daß der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau und späterhin die Reichsvertretung der Juden in Deutschland ins Leben traten. Im letzten Jahre ist er auch dem Beirat der Jewish Agencv beigetreten. Allen konstruktiven jüdischen Aufgaben in Palästina und im Osten widmete er neben der Führung der C. V.-Geschäfte seine Arbeitskraft. Es war daher natürlich, daß er auch bei der Umgestaltung des Hilfsvereins der Juden in Deutschland in dessen Beirat eintrat. Die B^i?etzung dei sterblichen Überreste von Justizrat Dr. Julius BrOdnltz ist für Montag, den 22. Juni, festgesetzt worden. Jüdische Zeitschau Die Ziomsten Deutschlands zu den Ereignissen in Palästina. Her Lasdesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat in einer am 14. Juni abgehaltenen geschlossenen Sitzung zur gegenwärtigen Lage in Palästina Resolutionen gefaßt, die der Verbundenheit mit dem Jischuw und dem Vertrauen zur Executive der Zionistischen Organisation Ausdruck geben, und die Mitglieder der Organisation zu erhöhter Öpferbeieitschaft für das Palästinawerk aufrufen. Die Resolutionen haben folgenden Wortlaut: I. Der dm 11. Juni 1936 in Berlin versammelte Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland fühlt sich dem Jischuw in Erez Jisrael in der schweren Prüfung« die er gegenwärtig ni h*. stehe« hät, uiüticriich verbunden. Die Trauer um die Opfer verbindet sich mit dem unerschütterlichen Willen, das Ringen unseres Volkes um sein Recht auf Leben und ungehindertes Wachstum in Palästina unter Anspannung der jüdischen Kräfte in der ganzen Welt Fortzuführen« Unser historische! Anspruch auf Erez Jisrael, völkerrechtlich anerkannt und durch opfervolle kolonisatorische Leistung erhärtet, bleibt Unantastbar bestehen. Der Landesvorstand der Zionistischen Vereinigung für Deutschland versichert die Executive der Zionistischen Organisation und die Jewish Agencv for Palestine seines vollen Vertrauens und gibt der Zuversieht Ausdruck, daß es ihrer entschlossenen und zielbewußten Tätigkeit gelingen wird, Bedingungen zu schaffen, unter denen unser Werk friedlich und mit gesteigerter Kraft sich weiter entfalten kann. II. Der Kampf um Palästina geht um Lebensraum für die überall in der Gola wartenden jüdischen Massen. Deshalb ist die Gesamtheit der Juden verpflichtet, die Lasten dieses Kampfes mitzutragen. Der Landesvorstand beauftrag! den Geschäftsführenden Ausschuß, Maßnahmen einzuleiten, um neue erhebliche Mittel zur Sicherung und Erweiterung unseres Aufbauwerkes aufzubringen. Dazu sollen alle Körperschaften und Organisationen der Juden in Deutschland herangezogen werden. In dieser Stunde verpflichtet die Zugehörigkeit zur Zionistischen < >rganisation in der Opferbereitschaft beispielhaft voranzugehen. Der Landesvorstand fordert alle Mitglieder der ZVfD auf, für die nationalen Fonds des Palästinawerkes einen Fonds „Bizzur Haare z" aufzubringen. Jeder Zionist hat den Ertrag eines Arbeitstages an diesen Fonds ..Bizzur Haarez" zu leisten. Der Landesvorstand unterstreicht die vom üeschäftsführenden Ausschuß alle Keren 1 iajessod-Zahier ergangene Aufforderung, ihre diesjährige Keren Hajessod-Zeiehnung um ein Viertel zu erhöhen. Durch eine solche Erhöhung wird die Abführung des Ertrags eines Arbeitstages abgegolten. Der Landesvorstand ist der ühewug _. unsere Verbundm ::::: dem JÜchuw in Erez Jisiaei über ^o!idar:f:itv. ri;r::tasgen hinan* "• rinrto derart verstärkten Kratteeitisalz für Palästina Ausdruck finden muß. WpkorHjahr für den JBdbchfefl N'aiiunaiionds zu erwarten. Wie der Jüdische Nationalfonds mitteilt, betrugen die Einnahmen des Fonds in den sieben Monaten bis Ende April 1936 202166 Pfund, was gegenüber dem gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres, in dem 170951 Pfund gesammelt wurden, eine Steigerung um 25213 Pfund oder rund 15 <> <> bedeutet. Berücksichtigt man, daß die gesamten Jalireseingänge im vergangenen Jahr 348000 Pfund betrugen, so ist zu erwarten, daß im laufenden Jahr das Ergebnis 400000 Pfund übersteigen wird. iju den bisherigen Eingängen haben die Vereinigten Staaten 58183, England 31275, Polen 18043, Palästina In 150 und Südafrika 15913 Pfund beigetragen. Der palästinensische Jischuw hat ausdrücklich erklärt, daß er keine Sammlungen zur Wiedergutmachung von Schäden wahrend der gegenwärtigen Unruhen wünscht, sondern eine Verstärkung der normalen Bodcnkaufs- und Kolonisatioustätigkeit, damit die Basis des jüdischen Lebens ttn Lande erweitert werde. (jTA.) 612575 Pfund bisher in England durch die Sammlung des Council for German Jevvry aufgebracht. I )er Council for German Jewry hat die achte Spendenliste bei seiner Aktion zur Aufbringung von einer Million Pfund für die Hilfsaktion zugunsten der «Juden aus Deutschland veröffentlicht. Die Sammhingen haben einschließlich der in dieser Liste ausgewiesenen Beträge die Flöhe von612576 Pfund erreicht. Die achte Spendenliste setzt sich aus 35 Beiträgen und /•'iehnuiigen /usanunen. Die drei größten Beiträge leisteten Oh^rj*.