Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (5.6.1936)
- Date
- 1936-06-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSüEMEINDE ZU LEIPZIG 5. Juni 1936 Joseph Gregor: Rede auf Oskar Strnad. Im Herbert Reiclmer Verlag [Wien 1936]. Drei Monate nach dem Tode des ausgezeichneten Baukunstlcrs Oskar Stmau, hui 2, Dezember 1935, veranstaltete der Osterreichische Werkbund in Wien eine Gedenkfeier, bei der Prof. Gregor diese Rede hielt. In feinsinnigen Sätzen gibt sie eine Würdigung der grollen Aufgaben, die der Architekt löst (dabei an Gedanken von i<uiit übet die Schöpfung anknüpfend, und zur schöpferischen Kunstiei&iung des Architekten in Beziehung S&Uettd) und kennzeichnet dann die Persönlichkeit Strnads: eines Künstlers von genialem Formal in echter Bescheidenheit, mit wärmstem, gütigstem, gläubigstem Herzen. Seiner ungewöhnlichen Begabung für monumentalen Bau hat die Zeit die Entfaltung versperrt, zu der er berufen wai, seine grandiosen Visionen fanden ein Feld der Verwirklichung vor allem in den unvei geglichen Bühneninszenierungen Max Reinhardts. c. Max Dienemann: Liberales Judentum. IJüdische Lesehefte Heraus* gegeben von. A. Lescbnltret ..Nr. "j Berlin 1935- (Schocken Verlag). Was liberales Judentum ist und will, wird auch;i den Kreisen, die sich zu ihm bekennen, nicht immer in aller Klarheit gewußt, noch seltener von denen, die es ablehnen und bekämpfen. Mit dieser gedrängten Darstellung erweist sich Dienemann als ruhrer für diese Klärung. In drei Abschnitten entwickelt er Idee, Geschichte und Organisation des jüdisch-religiösen Liberalismus. Er zeigt vor allem, dalT es völlige Verkennung wäre, wollte man diese jüdische Richtung lediglich als Negation sehen; die liberale Seelenlialtuug erlebt und verwirklicht eine judische Frömmigkeit eigener Art, ist von dem Bewußtsein getragen, „Judentum in der Fülle seiner Idee und Autgabe zu verwirklichen", auch wenn dies in einer Prägung geschieht, die ihre Autorität im geschichtlichen Gewachsensein der Ausdrucksformen erkennt und dieses Gesetz der Entwicklung als fortwirkend, nicht als abgeschlossen erachtet. Die Darstelluni; bietet hei »1W lviia|i|)iieii einen Antritt der liberalen Auffassung des Judentums; sie verdient weiteste Verbreitung bei ihren Freunden und ihren Gegnern. —n. Clara Michclson: Jüdisches Kind aus dem Osten. Berlin 1936. Philo- Verlag. Ein packend geschriebenes, zum Nachdenken anregendes Büchlein hat der Philn-Verlag mit dem vorliegenden herausgebracht, einen Beitrag zur Kinderpsycliologie. Zwei Kindertragödien werden mit scharfen Strichen gezeichnet. Beide Kinder leben im Osten in einem Milieu geistiger und materieller Not. Das Kind Aisik ist mit diesem Kreis so eng verhaftet, das ihm kein anderes, vom Standpunkt anderer Menschen gesehen weit besseres Leben, erträglich erscheint. Es erinnert, an die Label vom Lrosch, der vom goldenen Stuhl wieder in seinen Pfuhl hinabspringt, weil das nun einmal sein Element ist. Ergreifend ist die zweite Erzählung vom unverstandenen Knaben Chaiin, der ein kleiner Lleiliger ist. Dieses junge Leben, das so früh volh-ndet ist, birgt einen Reichtum an menschlicher Grobe - und Cberwindungskratt m sich. — Clara Michclson zeichnet lebendig die Welt des Ostens mit ihrem Elend, ihrem Aberglauben, aber auch mit ihrer Gotterfülltheit und ihrer Verbundenheit mit dem „Lernen", dem Gesetzesstudium. Sie zeichnet dieses ganze Milieu mit seiner Auswirkung auf die Kindesseele. Das Buch ist mehr als bloHe Unterhaltungsliteratur und daher sehr zu empfehlen. ec. Die jüdische Buch-Vereinigung e. V. (JBV.) Berlin W 15. Pariser Str. 7, bittet uns um folgende Bekanntgabe: Der dritte Band der Toiczyner-Bibel soiite im Laufe des Monates Mai erscheinen. Wie uns heute der Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M., der Verleger der Torcz\ner-Bibel mitteilt, ist mit der Lieferung nicht vor Mitte Juni zu rechnen. Der Grund der verzögerten Lieferung ist uns unbekannt. Wir bitten alle Mitglieder der!BV.. die den dritten Bihell.....il bestellt haben. wei*en der versn.iteteri t»C t-i! t*üit t» "-ii ti i •» t - .»C* i :i i p"f? f* ■ „ * ~* Neuerschienene Bücher. Stetan Zweig: Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt. Wien—Leipzig Zürich 1936. Herbert Reichner Verlag. Sport vom Sonntag (Von unserem ständigen Berichterstatter Deka.) An den beiden Pfingsttagen standen hier die Spielfelder ziemlich einsam und verlassen, denn nicht allzu viele Sportler weiden sie mit ihrem Training erfreut haben. Beim , Schild" hat's mit „ltus"- Würzburg abermals nicht geklappt, wie könnte man doch in der Abwandlung eines bekannten Liedes sagen: „Sie können zusammen nicht kommen, die Entschädig".!1^ scheint wohl zu heieii . öarKuc'uba beorderte seine Schuhabteilung an die Waterkant Und als Gesellschafterin gab man ihr die I, Handballelf mit. Die spielerische Ausbeute war ja wenige) erfolgreich, aber das ist bei derartig anstrengenden Reisen nicht das wichtigste, viel entscheidender ist es, daß man den Spielern die Möglichkeit gibt, auch mit entfernteren Vereinen in Verbindung zu treten, um ihnen dann auf diese Weise die „weite Welt" zu erschließen. Also wie gesagt, die Handballer verloren gegen „Bar Kochba"-Hamburg 4:2, nachdem die Partie bei Halbzeit noch 2:2 stand, die Hoffnung auf Umschwung nach Wiederbeginn blieb aus, dafür zeigten sich die Platzbesitzcr weitaus gefährlicher, so dafi obiges Resultat mit Recht zustande kam. Die Hiesigen traten zwar mit Ersatz an, aber auch der Gastgeber hatte einige neue junge! eute eingestellt, die aber ganz vortrefflich einschlugen. Der bevorstehende schwere Kampf am nächsten Sonntag wird die Leipziger sicherlich zu der etwas leichteren Gangart getrieben haben, denn erst morgen geht'» ja ums Ganze, ins Endspiel um die deutsche Makkabi-Meisterschaft gegen ..Bar Kochbn*'- Beriin. und dieser Gang ist schon deshalb kein leichter, weil sich beide Mannschaften eben nicht mehr unbekannt sind. Erst vor einigen Wochen trafen sie wieder in Berlin aufeinander, so dab sie beide nur zu gut ihre gegenseitigen Schwächen und Stärken kennen. Die Pilisseite scheint dieses Mal tatsächlich bei den Hiesigen zu hegen, sie haben wie noch nie die Chance in der „Hand", Berlin endlich zu schlagen und somit deutscher Makkabimeister zu werden, die hier in den letzten Spielen gezeigte Form berechtigt zu dieser Erwartung. Ein Kritikus soll aber auch mit Ratschlägen nicht zurückhalten, und dieses Mal gehen sie abermals dahin, wie schon so oft, nicht um den iunensturm zu bedienen; es gibt nämlich auch Außen, die schon oft ein Spiel entschieden haben. Entscheidend für den Spielausgang sind nicht minder die Zuschauer. Wann endlich wird man es in Leipzig erleben, dab zu einem solchen Kampfe, bei dem es um die höchste Ehre geht, so viel Zuschauer erscheinen, dab man einmal beruhigt feststellen kann, unsere Arbeit für den Sport ist doch nicht umsonst geleistet worden. Ist es denn noch immer nötig, auf die .... Pflicht und Schuldigkeit hinzuweisen, die das Publikum den Sportvereinen gegenüber hat. Morgen gibt es abermals Gelegenheit zu diesem Beweis, sorgen Sie dafür, dab Sie nach dem Spiel sagen können, „auch wir haben das Unsrige getan, daß „Bar Koehba"-Leipzig deutscher Makkabi-Handballmeister geworden ist" .... eine Stunde danach .... Diverse Fuß- und Handballspiele werden natürlich den Auftakt zu obigem Groliereignis bilden, dessen Beginn auf 16,30 Uhr festgesetzt ist. Schach. Der Revanchekampt des „Bar Kochba" gegen „Blau- Weiß"-Hamburg brachte den Miesigen eine Iü:4-Niederlage, mit der man allerdings schon vor der Abfahrt nach Hamburg rechnete, da nur drei Spieler der 1. Garnitur zur Mitfahrt zu bewegen waren. Das grollte Interesse brachte man natürlich dem neuerlichen Zusammentreffen der beiden besten Leipziger mit den dortigen Meistern entgegen. 1 ajarowicz-I eipzig rechtfertigte seinen Sieg beim letzten Kongrell durch einen in ausgezeichnetem Stil und sauberer Positionsarbelt errungenen Erfolg gegen den diesjährigen Hamburger Meister I ehmann. Mundsztuk dagegen unterlag einer ganz wunderschönen Kombination des sicher besten Hamburgers Schainowski. Am dritten Brett gewann Goldfaden-Leipzig nach hartem Kampfe gegen Lambug. Zu erwähnen ist noch das Remis der hiesigen Silberstein und Erlbautn und der Sieg von Aubenbcrg. Herausgegeben vom Vorstand der israelitischen Reliirionsiremeindr 711 I einrw 3«.!uiiiicüuiig: Gemeinderanoiner uustav Cohn, Leipzig C 1, Walter-Blflmel-Str. 10, III. Anzeigen: Vertag Elsa Goldfreund Leipzig Cl, Hainstraße 16, Zimmer 304 Tel. 167 22 Anzeigenleiter: Ernst Ooldfreund, CichoriusstraBe 2 a. Tel. 60771 für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Nummern und an bestimmten Plätzen und für telefonisch aufgegebene Anzeigen wird keine Oewlhr übernommen^ Drucl:: Jordan 8t Oramberg vorm. Druckerei der Wcrkgcmcinschafi, Leipzig, Biuderstr.19 D. A. 1.36. 3660. Pr. L. Nr. 5. Für den Inhalt der Inserate fibernehmen Gemeindevorstand und Schriftleitung keine Verantwortung. Vereinsnachrichten. Jüdischer Kulturbund. Wir haben festgestellt, dab eine gröbere Anzahl unserer Mitglieder die Lichtbilder auf den Mitgliedskarten noch nicht unterschrieben haben. Wir bitten dies unigenend nach- •*'W*!üi**H. I /Iv" nfiEtJ£i!CCiStC8tc€f1 51IKI flIIr 51rrn*t pn' (***on»ICn (P*I:iw'iC 1, , , '1 ',.,. .......i..i;!,..;..,.......".,,.-.:...»* I»».T-» ,m",...... die Mitgliedskarten zu jeder Veranstaltung mitgebracht werden und müssen wir auf Anweisung der Behörden den Zutiitt zu den Veranstaltungen verweigern, falls die Karte nicht im Besitz des Besuchers, selbst wenn wir wissen, daii derselbe Mitglied des Kulturbundes ist. Wir machen ferner darauf aufmerksam, dab Änderungen an den Mitgliedskarten und Neuaufnahmen keinesfalls an den Abenden der Veranstaltungen erledigt werden können; dies kann nur in unserem Büro geschehen. Hilfsverein israel. Gewerbetreibender e. V. Wir ve/anstalten am Sonnabend, den 6. Juni 1936, 9 Uhr, im Felix-Goldmann-Heim, FUterstr. 7, einen ostjüdisrhen Vortragsabend mit einem Vertrag von Herrn Dr. Rabinowitz, Leipzig, Leibnizstr. 11: „Ein Gang durch die jiddische ü a 15" unter Mitv. ilkung des Herrn Santo Sonnabend. Die einleitenden Worte spricht Herr Dr. Soloweetschik. Eintrittskarten 50 Pfennige, zu haben an der Abendkasse und bei säuniiehen Vorstandsmitgliedern. „Der RING". Sonnabend, 6. Juni 1936, 19,15 Uhr, Kurzer Appell. Entschuldigungszwang! Verein polnischer Kaufleute und Gewerbetreibender c. V. Leipzig. Anläßlich des 10. Jahrestages der Übernahme der Präsidentschaft der Republik Polen durch S. Exzellenz Herrn Prof.« Ignacy M 0 - scicki, findet am Sonntag, den 7. Juni 1936, um 20 Uhr im Gesellschaftssaal des „Goldenen Adlers", Angerstr. 19, üntcr dem Pro-