Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 16 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4876568-5968812-5972021--5894-4882077- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4_ _GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG _17. April 1Q36 Unsere Gemeinde. Rechtsanwalt Heinrich Stern spricht am Dienstag in der Gemeindesynagoge. Der nächste Gemeindeabend gibt den Gemeindeiiilt^ücdc;;;;;.!.»..•!••-■•, eine Persönlichkeit von führende) Bedeutung im deutschen Judentum über „Jüdische Arbeit in heutiger Zeit" sprechen m hören. Rechtsanwalt Heinrich Stern, Herlin W y, Potsdamer Str. 22b. ist seit einer Reihe von Jahren Repräsentanten-Vorsteher der jüdischen Gemeinde Berlin und gehört zu den maßgebenden Führern im Preußischen Landesverband und in der Reiciisvertrciuiig der juden in Deutschland, in all diesen (iremien erfreut sich Rechtsanwalt Heinrich Stern größter Wertschätzung, nicht zum wenigsten, weil er verständnisvoll mit den anderen religiösen Gruppen zusammenzuarbeiten weiß. Dies, obwohl er die Anschauungen der „Vereinigung für das religiös-liberale Judentum", an deren Spitze er seit vielen Jahren steht, mit aller Bestimmtheit vertritt; in zahlreichen Beitragen, die er in der „Jüdischen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht hat, wie in seinen immer packenden Vorträgen hat Rechtsanwalt Stern Großes für die Vertiefung ntvjj die Positiviemng der religiös-liheralen Grundsätze geleistet, so daß er unbestritten als der Führer des religiösen Liberalismus geschätzt wird. Die von Rechtsanwalt Stern im Dienste der Juden in Deutschland geübte weitverzweigte Tätigkeit läßt einen besonders aufschlußreichen um! anregenden Abend erwarten. Es soll auch an dieser Stelle der Hoffnung Ausdruck gegeben \yenlen_ daß Zahlreiche Gcmeindemitghcder, in erster Reihe seine näheren Gesinnungsfreunde, sich die seltene Gelegenheit, ihn hier Sprechen ZU hören, nicht entgehen lassen. Lernt Sprachen. Dankenswerterweise hat das Jüdische Lehrhaus es übernommen, die Sprachkurse nicht nur fortzusetzen, sondern erhehlich zu erweitern, dadurch, daß es auch Spanisch und Portugiesisch aufzunehmen gedenkt. Immer mehr bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß abgesehen von den Vorteilen, die Sprachkenntnisse auch für Inländer bedeuten, für Auswanderer die Kenntnis der Sprache des Landes, in das sie auswandern wollen, eine unbedingte Notwendigkeit ist. Diese Kenntnis erleichtert nicht nur den Aufbau einer neuen Existenz, sondern ist in der Mehrzahl der 1 alle die Hauptvoraussetzung. Es ist das beste Betriebskapital, das der Auswanderer mitnehmen kann und mitnehmen muß, und zwar ein Kapital, dessen er nicht so leicht verlustiggehen kann wie anderes Kapital. Der Leichtfertigkeit, mit der manche glauben, wenn sie im fremden Lande seien, würden sie schon die Sprache erlernen, muß ganz entschieden entgegengetreten werden. Dieses „erst lernen" kann Sie so viele Gpfer kosten, daß sie scheitern. Deshalb muß jeder, soweit nur irgend möglich, wenigstens die Grundlage für die Sprache legen. Das gilt insbesondere von allen jüngeren Menschen. Dabei kann man ruhig die Jüngeren bis 35 Jahre rechnen. Ls wird erwartet, daß sich die Juden in Leipzig der Erkenntnis der Notwendigkeit, Fremdsprachen zu lernen, nicht verschließen. Die Bedingungen des Lehrhauses sind so, daß selbst der, der unbemittelt ist, daran teilnehmen kann, und wo jemand den ernsthaften Willen zeigt, die Sprache zu lernen, und nicht das wenige aufbringt, wird ■•:'-it ttueli ein Ausweg finden lassen. Jedenfalls *sf dünxit rcchnon, da!', der Hflfsverein diejenigen, die Sprachen können, vorzugsweise wird behandeln können. Man wird aber auch an dem Bemühen, die Sprachen zu erlernen, die Ernsthaftigkeit und die Entschiedenheit ties Willens, sich umzustellen, sich dazu anzustrengen, erkennen können. Als Auswanderungsland dürfte Südamerika im erheblichen Maße in Frage kommen. Außer in Brasilien wird überall Spanisch gesprochen, in Brasilien Portugiesisch. Brasilien ist aber das Land, daß die größte Einwohnerzahl und auch wohl die beste Zukunft hat. Deshalb ist dringend zu empfehlen, auch Portugiesisch zu erlernen. Auskunft hierüber erteilt auch gern die Beratungsstelle des Hilfsvereins der luden in Deutschland, Leipzig Gl, Goethestr. 1,111. Telefon Nr. 14201. Einführung des Herrn Gemeinderabbiner Dr. Ochs. Am 1. Pessach-Tage fand in der Ez-Chaim-Synagoge die feierliche Einführung des Herrn Gemcindei abbiner Dr. Ochs in sein Amt statt. Die Synagoge, durch eine Fülle des Lichts wirkungsvoll erleuchtet, bis auf den letzten Platz gefüllt von einer feiertäglich erhobenen Gemeinde, bewährte sich als ein stimmungsvoller Rahmen für die Verpflichtung des neuen Seelsorgers der Gemeinde. Nach der Verlesung der Haftara wurde Herr Dr. Ochs durch die Vorsteher der Ez-Chaim- Synagoge, die Herren Gelberg und Badt, in die Synagoge und auf seinen Amtssitz geleitet, wo er durch Herrn Gemeindevorsteher Goldschmidt begrüßt, willkommen geheißen und auf sein Amt verpflichtet wurde. Herr Goldsclunidt wies auf die' unvergeßliche Wirksamkeit des Vorgängers hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Erwartungen sich erfüllen werden, w eiche nicht nur die Beter dieses Gotteshauses, sondern auch weite Kreise der Gesamtgemeinde auf ihn setzen. Er glaubte das um so mehr voraussetzen zu dürfen, als dem neuen Rabbiner eis ->cin guier Ruf voranginge. Akdmn ergriff der Gcxda.1v-DttjttB, Herr Rabbiner i<o» Canitz ky, das Wort zur Begrüßung und brachte in Anlehnung an das Pessachfest den Wunsch auf kollegiale Zusammenarbeit zum Ausdruck. Nunmehr nahm Herr Dr. O c h s selbst das Wort, um unter .Zugrundelegung des Sfhfiftverses jffkaüd hasche:» sloke horuchaus l'chol bossur isch al hoedo seine Auffassung über die Art iinH Weise, wie er sein Amt versehen wolle, darzulegen Fr hob besonders hervor, daß sein Bemühen in erster Linie der Jugend gelten soll. Eine weitere große Aufgabe erblicke er in der Unterstützung all dessen, was dem Aufbau einer neuen jüdischen Zukunft, besonders auch im Lande Palästina, dienen müsse. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung auf die Mithilfe seiner Gemeindemitglieder und erbat dazu vor allem die göttliche Hilfe. S. V. Abschiedsfeier der Zionistischen Ortsgruppe für Dr. Loebenstein. Aus Anlaß der Alijah von Herrn und Frau Dr. Loebenstein hatte die Zionistische Ortsgruppe /ü cinci Abschiedsstunde in das Feiix- Goldmanu-Heim geladen. Bei seinen Eröffnungsworten konnte Herr Direktor Altertluun inmitten der führenden Persönlichkeiten der Zionistischen Vereinigung Vertreter der Gemeindebehörden, an ihrer Spitze Herrn Gemeindevorsteher üoldschmidt, die Herren Gemeinderabbiner und Vertreter zahlreicher Organisationen begrüßen. Auch die JugendbÜndC waren in stitttiejlcf z-aiii vertreten. Die Veranstaltung, in allen ihren Teilen ausgezeichnet vorbereitet und gelungen, war eine starke Kundgebung der Anerkennung und des Dankes für die Leistungen, die Dr. Loebenstein als Vorsitzender der Zionistischen Ortsgruppe und als Mitglied der Gemeindekörperschaften im Vorstände und in seinen Dezernaten zurückläßt. Die so erfolgreiche I atigkeit lies Scheidenden wurde in einer langen Reihe von Ansprachen nach allen Seiten gewürdigt. Es sprachen: Direktor Alterthum (für die Zionistische Ortsgruppe Leipzig), Gemeindevorsteher Goldschmidt (für die Gemeindekörperscnaften), Frau Hcpner (für den Frauenverein Ruth), Benno Cohn-Berlin (für die Zionistische Vereinigung für Deutschland), Gemeinderabbiner Cohn, Direktor Dr.Weikersheimer (für die judische Schule), Rechtsanwalt Dr. Lehrfreund (für die engeren Mitarbeiter der Ortsgruppe), Frau Safran-Lehrfreund (für die Wizo), Dr. Oppenheim (für den Misrachi), Dr. Königshöfer (für die Juugzionistcn), Posner (für den KKL und Makkahi Ha/ai'r), cJianan Borchardt (für Habonim) und Dr. Abelsohn (für den engsten persönlichen Freundeskreis). Die Reihe der Reden wurde durch mehrere launige Darbietungen unterbrochen, von denen zu dem zweiten Teil der Ansprachen eine jiddische, humorvolle Rede des Herrn Dr. Rabinowitz wieder den Übergang schuf. Den Abschluß bildete eine Rede des Herrn Dr. Loebenstein, in der er die ihm dargebrachten Ehrungen als ZU groß hinstellte: als Zionist habe er das, was er getan habe, als etwas Selbstverständliches erachtet und durchgeführt. Er hoffe, daß er auch in Palästina werde mitwirken können an der Sicherung und der Fortführung dessen, was zur Lösung der Probleme des jüdischen Daseins geschehen müsse. Jüdischer Kulturbund Leipzig. Aus dem Büro des Jüdischen t\utturDurides wird uu*j gescnrieDcni lJuS ü--uc rtcun eico Judn&Meu Kulturbundes wurde mit dem Violinkonzert von Prof. Carl Fiesch eingeweiht. Wer das Battenbergtheater vor der durch den Kulturbund vorgenommenen Renovation nicht gesehen hat, weiß nicht, welche Fülle von Arbeit und auch Geld aufgewandt worden ist, um den Raum so zu gestalten, wie er sich nunmehr dem Publikum zeigt. An dieser Stelle möchten wir dem bisherigen Vorsitzenden, Herrn Dr. Conrad Gold Schmidt, unseren Dank aussprechen füi all das, was er für den Leipziger Kulturbund geleistet hat. Die Schwierigkeiten, die die Gründung und der Aufbau der Organisation mit sich brachte, hat Herr Dr. Goldsclunidt mit vieler Mühe und liebevoller Arbeit bewältigt. Seiner rastlosen Tätigkeit für den Kulturbund ist es auch zu verdanken, wenn wir heute ein schönes und würdiges Heim für unsere Veranstaltungen besitzen. Jüdischer Kulturbund. Um die bis jetzt etwas engen Garderobeverhältnisse in unserem Kulturbundtheater zu verbessern, haben wir die Hauptgarderobe vergrößert. Wir hoffen, daß nunmehr unsere Mitglieder zufriedengestellt sind, bitten aber folgendes zu berücksichtigen: Unsere Veranstaltungen beginnen pünktlich 20,15 Uhr, OarderobeschluB ist auf 20 Uhr angesetzt, so daß jedes Mitglied, welches bis zu dieser Zeit an der Garderobe ist, bei Beginn der Veranstaltung seinen Platz einnehmen kann. Diejenigen Mitglieder, die nicht berufstätig sind, bitten wir, sich bis spätestens 10,30 Uhr an der Garderobe einzufinden, damit die Abfertigung'der später kommenden schneller vor sich geht. Wer nach 20 Uhr kommt, muß an die obere Garderobe verwiesen werden, und liier ist allerdings ein längeres Warten nicht zu vermeiden. Die im Türdienst tätigen