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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-04-03 · 14/15 (3.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
14/15 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 3. April 1936 schichte umfassen diese Strophen: Stur/ und Erhebung, Todes schrecken und Hilfe, Verwerfung und Segnung. Das waren die Stationen unseres mühevollen Wege», der von Ägypten seinen Anfang nahm. Zu dem Sat/e aber „sc hajöm" bemerkt der Midrasch „Schochar tob": H i.• s p r i=t der Tai: Je:: Er res.....hl --• —-* - ~ö> •-• «,-•••-».••», jauchzen w:r und freuen u--^ sein das zielt auf ein Pessach, an dem die verhängnisvolle Keiheuloig'? Knechtschaft T Freiheit — neue Knechtschaft ihr finde findet. Jener Tag kündet: Freiheit in alle Ewigkeit, chertit oiam! An ihm werden flie.Ftlosjen zw unwandelbar (jetreue:: gewordensei::, die kcis:cs Ab-. iaiis mehr fähig sind; wahre Knechte Oottes, darum keiner irdischen Macht Untertan; so wie es der Dichter gleich ZU Beginn seiner Pessachhymnen gemeint hat. * Wenden wir nunmehr Martin Bubers „Preisungen" als Ganzem unsere Aufmerksamkeit ZU, so soll schon der Titel dem ältereji Worte Tehiüim (ursprünglich lehiliot) besser entsprechen, als „Psalmen". „Denn alle 150 Lieder." bemerkt der Übersetzer in einem beigefügten Einführungshefte, „nicht nur die mit ,mismor' bezeichneten, ob sie Bitte oder Dank, Klage oder Jubel aussprechen, sollen als Prei- Bungen dessen verstanden werden, der auf Israels Preisungen thront" (Ps. 22, 1). Fs erschiene uns kleinlich, über diese und ähnliche Gesichtspunkte abweichende Meinungen vorzubringen, wo so vieles auf Verschiedenheit des Geschmacks und des Sprachgefühls hinausliefe. Pflicht scheint es uns vielmehr, dem unermüdlichen, wie aus unerschöpflichen Quellen spendenden Gelehrten und Lehrer für seine Gabe ZU danken, die uusern nicht geringen Schatz deutscher PsalmenÜber8etzungen aufs wertvollste bereichert! Wir bezeichneten oben die Psalmen als gemeinsamen, religiösen Besitz der Menschheit Im deutschen Sprachgebiet sind sie auch christlichen Bekenntnissen /um bevorzugten Buche unserer Bibel in Liturgie und Predigt, ja in Leben und Lehre zumal durch Martin I utl......reworden Fi» erklärter »iut ,!;'; hidcntums wie der Tü- <■"* " - O *" ~' J ■ binger Philosoph Max Wundt, preist doch die Eindeutschung des ..Alten Testaments" durch Martin Luther, weil ..diese Ober- Setzung schon durch die sprachliche Färbung und durch manchen leisen Pinselstrich Strecken dieses jüdischen Glaubensbuches mit wunderbarer Kunst ins Deutsche umgemalt hat" (ein Beispiel sei Psalm 00). („Deutsche W eltanschauung", München 1926, S. 16). Seinen deutschredenden Glaubensbrüdern schenkte Moses Mendelssohn eine klassische Psalmeiuihertragung (1783 bei Fr Maurer); sie hatte von ihrer Frische noch 192] nichts eingebüßt, wo sie mit Zeichnungen von Joseph Budko im Verlage Fr. Qurlitt wiedererschien. M i c 1: a e 1 Sachs 'in der Zu::/-Bibel und im flf'np^Tmrr! 1! O n; 1 t rt n v M tl T A M i' r!i 't ['!i 'S Ii r f il f r l fl . ^WMI/UHl^ 1-, l I > | w..j . i « i_ i w ,~ ** , . sx «X r r , M. A. Klausner, Sp a n j er«H er f o r d, Meier Spanier u. a. haben sich weiterhin um den deutschen Psalter verdient gemacht. Über sie hinaus bezeichnet Martin Buber wieder eine neue Etappe. Wai siiu Streben von Anfang au darauf gerichtet, der Macht der Trägheit, der Geläufigkeit, des Darüherweglesens Einhalt zu gebieten, so dringt er beim Psalmbuch besonders auf Sichbesinnen und Aufhorchen. (Übt es doch den Neuerwerb eines religiösen Gutes, Psalm 114 z1/<r liRrnpl zner aus Aravnten. J J O ini Jaakobs Haus aus dem stammelnden Volk, ward Jehuda zum Heiligtum ihm, I!Hvrr/tl rnrrt Wfnltnhnmjrh J-J" **** n i+iizuzmin Das Alfcr ydh sz und floh. iler JonIan bog rückwärts aus, die Berge hüpften wie Widder, Hügel wie die innren Schaff, ...... -■•■Ä....... * ■ «_# •> Was ist dir, du Meer, daß du fliehst, ftt, Inrrirtn hl---t rtlehm/irtc rtrtc Uli jOIUU.lt, CIC^JI / ML/V WUt uuo, ihr Berge hüpfet wie Widder, Hügel, wie die Jungen Schafe? Vorm Antlitz des Herrn kreiße, Erde, vorm Antlitz des Gottes Jaakobs, der den Fels in einen Wasserteich wandelt, ~ lfm ~~ ~~ -1 mfffff \Y/r*r*~n*r*t, Ali I ClltCli i\lC-OC-fr Cunt »► iij.iu t/ntti. (Aus: Martin Ruber, Preisungen, Schockai-Vrrttig). das ebenso vernachlässigt ist aus religiösem Hochmut, wie aus all/u naher Vertrautheit. „Einprägsame Worte" will Buber daher wählen, „ungewohnt.' und auffallende, die er aus vergessenen Kammern der Sprache hervorzog; jeden hebräischen Wortstamm durch einen einzigen deutschen wiedergeben, mehrere nicht durch einen". Jene B i b e 1 b I i n d h eit möchte er bekämpfen, die kein Auge hat für die gewaltige Synoptik der Bibel, d. h. für die sprachlichen Bezüge zwischen Propheten und Pentateiicb, und zwischen Psalmen und jenen. Dem Leser soll ein „organisches, biblisches Oedächtnis" zueigen werden, „um jeweils nicht den einzelnen Zusammenhang für sich /u lesen, sondern von der Fülle der Zusammenhänge umschlungen". Nur so wird er zur „latenten i heo lugie uci Bibel vüidiiügeü, sie a.ls ein Buch von innerster, wenn gleich aus mannigfachen Stucken zusammengewachsenen, doch e c h t e n E i n h e i t in sich aufnehmen. Den W eg dahin hat Buber sich durch die tiefe Einsicht gebahnt, daii es nur vorletztlich Sprachen, letztlich aber nur die e i n e Sprache der sprechenden Wesen gibt. Es grenzt ans Wunderbare, wie oft Buber Berührungspunkte zwischen Orient und Oceideni entdeckt, die für andere unter der Schwelle des Bewußtseins bleiben. Daher werden ihm chessed zu Huld; einet zu Treue; awen H a r m; schaw Wa h n; hewel!) u :: S t :: n d Ta :: d; mach Wi n d, G e i s t und B r a U S; tamim schlicht: pele und niflaot in den Prtisungen „Wunder"; nicht wie in früheren Büchern „entrückte Taten und Werke". Sela heißt „empor!" und aschre s e 1 i g. Dali jede Wortwahl das hebräische Original neu aufleuchten lällt. war zu erwarten; aber mehr als;u andern Buchern wird in den „Preisuugen" der J U d e an die Urbedeutung dieses seines Ehrennamens gemahnt: Lob und Dank dem (iotte seiner Hilfe, das sollte seine höhere Bestimmung sein. Pessach! Im Schmelztiegel Ägyptens ist das jüdische Volk geboren worden. Es ist eine wesentliche Einsicht, daß das jüdische Volk in der F r e m d e in einer Zeit des Leidens entstanden ist. Es scheint, als habe diese einzigartige Tatsache aus der Früh/eil seine. Geschichte den gutuen Weg des jüdischen Volkes durch die Zeiten bestimmt. Wo gibt es noch eine Gemeinschaft, die ihren Menschen mit letzter religiöser Eindringlichkeit gebietet: „Einen Fremdling sollst du nicht bedrücken; ihr wißt ja, wie dem Fremdling zumute ist, denn Fremdlinge wart ihr einst im Laude Ägypten." (2. B. Mose XXIIDJ.) Wo gibt es noch ein Volk auf Erden, das, selbst als es in der Geborgenheit des eigenen Landes lebte, seinen Angehörigen zur Iniligen Pflicht macht: „Wenn ein Fremdling in eueren) Lande weilt, sollt ihr ihn nicht bedrücken. Wie der Eingeborene unter euch sei euch der Fremde, der bei euch weilt. Du sollst il»! licbcii, er ist wie du; denn Fremdlinge wart auch ihr einst im Lande Ägypten. Ich, der Ewige, bin euer Gott." (3. B. Mose XIX, 33- 31.) Dieser der jüdischen Religion und Weltanschauung — ja auch dem jüdischen Menschen als Erbe eines leidvollen Erlebens schon in der Frühzeil seiner Geschichte tief eingeprägte soziale Zug, der im göttlichen Gebot verankert wurde, dieses mütterliche Mitleiden mit allen Leidenden, dieses Mitfühlen mit allen Gedrückten, diese seelische Aufgeschlossenheit allem Menschlichen geg< »• über, wie sie sich in der Gestalt und dem Denken eines Mose verkörpert, die allem barbarischen Heidentum fremd - ist, ia ihm oft zum groben Ärgernis w ird, all das hat wohl in der Zeit schon seinen unverrückbaren Platz im Judentum erhalten, als es selbst einmal am Anfang seines Weges durch die Zeiten im Dunkel der Knechtschaft Ägyptens schmachtete, als es selbst unter den Schlägen ÜB' barmherziger Fronvögte zu seinem Gelte schrie, als die Mensch CS der Umweh ihnen das Leben verbitterten, damals als es im Ägypter-

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