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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-03-13 · 11 (13.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
11 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang - Nr. 11 Auflage 3600 Stack i y je 13. MSrz 1936 DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LE I PZI G AMTLICHES NACHRICHTEN BLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Zunz' Plan für den Aufbau jüdischer Kultur. Am 17. März jährt sich zum tüntzigsten Maie der Tudolag von Leopold Zunz. Mit seinem Namen ist unlöslich der Begriff der Wissenschaft des Judentums verknüpft In ungeanntem Aufbau hat die Arbeit jüdischer Forscher in den etwa hundert Jahren, die hinter uns liegen, ein Werk erstehen lassen, das alle Bezirke jüdischen Lebens der Vergangenheit aufhellte. Dabei bildeten Zunzens ergebnisreiche exakte Untersuchungen das Fundament, die von ihm gewiesenen Wege die Richtung für alle weitere Ausbeute der altbekannten wie für die Erschließung neuer Quellen. Von der Literatur und der Geschichte führte der Weg zur Soziologie, zur Statistik, zur Kunstgeschichte, zur Volkskunde. Wenn in neuester Zeit größere, wie auch kürzer gefaßte, enzyklopädische Werke herausgegCbC n werden konnten, sie legen Zeugnis ab für den Reichtum an ernsthafter Forschung, für die Zunz bahnbrechend gewirkt hat. §0 großartig der Frfolg ist, den Zunzens Initiative hervorgerufen hat, .n unseier heutigen Situation gewinnt die Tragik Bedeutung, die sein Urheber selbst in der 'so ganz von seinen ursprünglichen Absichten abweichenden Entwicklung empfunden hat. Nicht ohne tiefe Erbitterung hat sich und anderen Zunz die „Täuschung" eingestanden, als deren Upfer er sich sehen mußic, du hü» den Plänen, mit dcr.er. er an eine Neu Gestaltung jüdischen Leoens herangegangen war, nichts blielp als die Wissenschaft des Judentums. Resigniert schrieb er 1824 an einen Mitstrebenden: ,Was allein aus diesem Mabbul unvergänglich auftaucht, das ist die Wissenschaft des Judentums; denn «sie lebt, und wenn Jahrhundertelang sich kein Finger für sie regte. Ich gestehe, daß nächst der Err,ebunpr in das Fftmmcr. : . iivi i »rtll »M Was Zunz erleben mußte, ist das Schicksal so vieler Menschen, die weiter und tiefer blicken als die Menge, die nicht verstanden werden, weil mau utcht veisiehcii kann — uder wiii, was not tut. ihm blieb die Gefolgschaft versagt, weil er Forderungen erhob, die unbequem waren, die eine innere Umstellung, eine Preisgabe bestehender Lebensform voraussetzten. Und gerade diese Tragik läßt das Werk Zunz' heute in besonderem Lichte sehen. Denn was Zunz in Gemeinschaft mit dem Rechtsgelehrten Eduard Gans und dem geistig strebenden Kaufmann Moses Moser bei der Gründung des Kiilturvereins 1819 im Sinne hatte, war das Gleiche, was nach ihm bis in die neueste Zeit hinein immer wieder von Einsichtigen als notwendig erkannt worden ist, aber, wie so viele Ideen, keinen ernsthaften Widerhall fand, dann in den letzten Jahrzehnten, wenn auch noch in recht engen Gruppen, in Angriff genommen wurde und nun erst heute, durch' den völligen Wandel der jüdischen Lage in Deutschland allgemeinem Verständnis begegnet und der Verwirklichung entgegengeführt wird: die Herbeiführung einer gesunden Berufsverteilung unter den Juden. Die Gründer des „Kulturveieins" wollten, daß „durch Hinleitung der aufblühenden Generation zu Gewerben, Künsten, Ackerbau und wissenschaftlichen Ausübungen und durch Unterdrückung der einseitigen Neigung zum Handei sowie durch Umarbeitung des Tons und der geselligen Verhältnisse allmählich jede dem Ganzen widerstrebende Eigentümlichkeit bezwungen" werde. Bei der Festellung, daß der „Kulturvercin" und das bedeutet — bei der überragenden Stellung, die er in ihm einnahm — nichts anderes als daß Zunz schon damals diese Forderung erhoben hat, soll nicht etwa die Tatsache übersehen werden, daß ihm andere Ziele vorschwebten, als sie heute ausschlaggebend sind. Zunz sah die Aufgabe der Zeit darin, das „mit elementarer Gewalt aus der jüdischen Volksseele hervorbrechende Streben, die geistige und sittliche Ebenbürtigkeit mit der nichtjüdischen Umgebung auf allen Gebieten des öffentlichen Leben: darzutun". Die Situation, von der er ausging, war die eben sich vollziehende bürgerliche und staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden. Ihre Gegner hatten als Beweismittel gegen Hie Einordnung der Juden ihre Unfähigkeit behauptet, sich als nützliche Glieder des Staates zu erweisen, »eil sie zu nichts anderem als zum Handel geeignet seien. Diese Anschauung sollte l ügen gestraft werden; Juden hauen nicht aus treiem Willen Betätigung im Handwerk, im Ackerbau, vermissen lassen. Sie hatten in früheren Zeiten in diesen Berufen bemerkenswerte Leistungen aufgewiesen; aber sie waren aus ihnen verdrängt worden, und man hatte ihnen lange Zeiten keinen anderen Lebensraum gelassen als den Handel. Sie würden nun, da die verschlossen gewesenen lore sich vor ihnen aulgetan hatten, erneut ihre Eignung auf den mannigfaltigen Gebieten erweisen und den Vorurteilen, die sich festgesetzt hatten, begegnen. Es ist müßig, heute zu untersuchen, wie sich die jüdische Lage gestaltet haben Wl'irflp WPH»1 /linV Ahcinhtpn cif*r» niirrniw^lTi Tiufi»-*i «vfir- Ck~: NCCnVi.'M " .:.".:i::k: "vt«m ' :.-tt:tiri.-\!".v"!? ' "T::\:\"~' Tr- "-T5P-"«*: ycftf"i Uiwfattge gssriwh, stch-Riehi vorzögßwc'ftc"aöf dkf<*kid«jniiö£hc'n"~ Berufe erstreckt, sondern in gleicher Weise Handwerk und Landwirtschaft betroffen hätte. Solche Gedankengänge können ja nur eine konstruierte, inuü <tüc! eine L.niwi^kiuii^ von logischer Zwangsläufigkeit aufzeigen. Ebensowenig allerdings kann die Möglichkeit bestritten werden, daß seine Erwägungen sich als richtig herausgestellt hätten,, daß eine reichere Verzweigung der Berufsarten unter den Juden die jetzt eingetretene Sonderung hätte verhindern können. Nicht müßig aber ist die Feststellung, daß es w#»rW 7nn7 nnch vielfachen späteren Bestrebungen gelang, eine „Verbreitung des Handwerks und Ackerbaus unter den Juden" zu verwirklichen. Es gab — wenigstens in den ersten Jahrzehnten der Emanzipation — genug an Widerständen, die den juden den Eingang in diese Berufe sehr erschwerten. Vor allem stand die Schwierigkeit der Unterbringung jüdischer Burschen bei christlichen Meistern im Wege. Als man dem durch Errichtung jüdischer Ausbildungsstätten zu begegnen begonnen hatte, trat eine neue Beunruhigung durch die Reaktion ein, die sich der Gewerbefreiheit der Juden widersetzte Aber auch als alie die Hemmnisse aus dem Wege geräumt waien, ais die Anhänger dci Weltbewegung unter den Juden ihren ganzen Eifer darauf richteten, dalS jüdische Lehrlinge bei Handwerkern ausgebildet Hm 22. Man Tfundsammlung-Mösung zum Einkauf von Tessaduvaren!

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