Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 10 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 GEMEINDCBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 6. Man 193d 6. Judische Winterhilfe Postscheckkonto Nr. 20516 (Isr. Reiigionsgemeinde, Abt. Winterhilfe). 6s gibt keine herrlichere freude als: das Sterz der firmen, Witmen, Waisen und fremden zu erfreuen; denn wer das Xerz der Tinnen erfreut, gleicht Sott, von dem es heißt: aufleben zu lassen den Säst der Gebmgtpn. Maünonldes, Vllsüine thora hlldiot megllla. Mörsen, SGfifliflg, Eintöpflüffiffliuns. Solange schon Juden Purim feiern, ist es Brauch, Haß die, weiche es irgend ermöglichen können, den Armen Guben ins Haus schicken, damit diese auch mit an der Feier teilnehmen können. Heute liegt es so, daß ein großer Teil unserer Schwestern und Brüder nicht nur keine Feste feiern können, sondern daß sie ohne fremde Hilfe sich und ihre Familien nicht mehr notdürftigst sättigen können. Diesmal fällt Purim und Eiiitopfsammlang zusammen. Zum Feste feiern ist die heutige Zeit nicht geeignet, halten Sie aber wenigstens am alten Brauche fest, und »penden Hie naeh bestem Können zur Ein topfHamm lu n g, damit unsere Armen nicht hungern. Gutscheinausgabe im Gemeindeamt, Walter-B!üme!-S!rsSe 10. Montag, den 9. Marz 1936: Gruppe 1: 3—4 nachm.; Gruppe 2: 4—5 nachm. Dienstag, den 10. März 1936: Gruppe 3—10; 3 -5 nachm. Die Abholzeiten sind genau innezuhalten! Nachgeliefert wird nichts! Jüdisches Lehrhaus Leipzig Stundenplan für die Woche vom 8. bis 14. März 1936. Sonntag: 9 Uhr früh Woskin - 1 - (Heim). - Montag: 18 Uhr Wartenberg -18 - (Schule). — 19,30 Uhr Neumann - IQ - Anfänger A (Schule). — 20,45 Uhr Neumann - 19 - Fortgeschrittene A (Schule). — 20 Uhr Bieberkraut - 20a (Schule). 20 Uhr Platzer 22a (Schule). — Dienstag: 20 Uhr Leopold -15- (Schule). — 20,30 Uhr Neumann -19- Fortgeschrittene-B (Schule). - 19,JG Uhr Woskin -ialmikl- Pfaffendorfer Str. 4. — Mittwoch: 18 Uhr Wartenberg -17- (Schule). — 20,15 Uhr Neumann -19- Fortgeschrittene C (Schule). — 20 Uhr Bieberkraut -20h- (Schule). — Donnerstag: 20,30 Uhr Neumahn -19- Anfänger B (Schule). — 20 Uhr Dipl.Ktm. Kohn -21- (Schule). - 20 Uhr Platzer -22a- (Schule). - Sonnabend: 20 Uhr Markowicz -9- (Sozialamt). : , fr Bevorstehende Veranstaltungen 17. Mär.--: Schulfest der Jüdischen Schule. 18. März: Jüdischer Frauenbund: Vortrag Dr. Hildegard Böhme. 22. März: CoIIcgium musicum: Synagogen-Konzert. 26. Mär/.: Jüd. Kulturbund: ßaskme des Jüd. Kulturbund-Theaters Haneburg: „Spiel im Schloß". 2. April: Jüd. Kulturbund: Gastspiel Prof. Flesch.?j* f»mr.* •. - . - ( Unsere Gemeinde, Zum letzten Male: Predigt Rabb. Dr. Carlebach. Ungewohnte Bild, dieser Schabbos Tnimoh in der Lz-Chaim-Synagoge. Ist er sonst nicht gerade einer der „einfachen" Schabbossim inmitten der 1 vier „grollen"? Reich und arm, alt und jung, — eine ganze Qe meinde strömt an den heiligen Ort und füllt das Haus in allen Win kein. Gilt es, göttlichem Wort zu lauschen? Zu hören von Ewigem! V und Vergänglichem, von Sein und Werden? Viel schlichter: da steht! I an geweihter Stätte ein Mensch und spricht — von sich. Fing e Rabbiner nimmt Abschied von den Seinen, in deren Mitte er ein| t reiches Leben lang gewirkt. Ist es Entweihung? Ailzu profanes! Wort an heiligem Ort? Gewiß nicht; denn das Werk Hircpcl frommen Lebens, das da vor uns ausgebreitet wird, es ist selbstl „ heilige Erfülltheit, selbst Weihung, Gottesdienst. Und so ist es dann! t auch nicht frevle Überhebung, sondern ehrfurchtsvolles Gleichnis,! wenn Worte der Schrift zum Zeugen angerufen werden für dieses| frommginhende Wollen. Als Sch'muel von seinem Amte schied, da trat er vor sein Volk| " und fragte in stolzer Gewißheit: ,Alt und grau bin ich geworden« f und habe mein Amt vsr cuv.ii geführt von Jugend auf bis zu diesem Tage. So bekennet mir nun vor Gott und seinem Gesalbten: Wessen Ochsen habe ich genommen oder wessen Esel? Wem habe ich etwas vorenthalten und wen bedrückte ich..Ein größerer vor ihm, Mausche Rabbenu, hatte schon ähnliche Worte gesprochen. Aber er konnte nicht vor das Volk treten; sein „am q'sche auref" wäre kein aufrechter Zeuge gewesen. Mausche sah reinen Herzens dein Allmächtigen ins Antlitz und legte ihm Rechenschaft ab. Erj fragte nicht, — er bekannte. — „Die vielen Beweise ehrlicher Treue und aufrichtiger Verbundenheit, die mir gerade in den letzten Jahren zuteil wurden," so sagte Rabbiner Dr. Carlebach, „machen mich gewiß, daß ich getrost vor meine Gemeinde hintreten könnte, um zu fragen ..." Fe waren gerade die Ärmsten, die so vertrauensvoll ihre Anhänglichkeit bewiesen; und nur daran kann ich zweifeln, ob ich den „Gruß der Armen" gebührend erwidert habe, die „geselas oni" im Sinne des Jesaia-Wortes. Doch „sei es wenig oder viel," Dr. Carlebach sagte es zutiefst bewegt, „ich gab mein Ganzes". „W'ossu Ii tniqdosch w' schochanti b'ssauchom." Ein schöner Midrasch erzählt zu diesem Kernvers der Sidrah das Gleichnis von dem König, der seine einzige Tochter verheiratet und sich doch von ihr nicht trennen kann. So bittet er sie dann, ihm ein Stübchen in ihrem Heim einzurichten, in das er Eingang hat zu jeder Stunde. Gott grab seinem Volke die Thora, - seine Tochter. ,Auch sie ist eine einzige. Zurückhalten kann ICH sie nicht; denn sie ist euch gegeben. MICH von ihr trennen, kann ich nicht. So richtet MIR denn ein Haus, daß ICH bei ihr weilen kann.' — Das Lebenswerk eines Menschen ist einmalig. „Es zurückverlangen kann ich nicht; ich gab es euch. Aber ich kann mich nicht davon losreißen. Bewahrt mir mein Werk, wie ich es gewollt. Und wenn ich einmal * komme, um nach ihm zu sehen, dann zeigt mir's in dem Geiste, 5 aen ich ihm gehen wollte!" Es ist wohl kaum ein Schriftvers besser auf solches Lebenswerk anzuwenden. Dieser Vater seiner Gemeinde —, er baute in ihr das Haus des Ewigen und erfüllte es mit seinem Geiste. Daß es so erhalten bleibe, dafür gaben Zeugnis die Vielen, die in tiefer Ergriffenheit von ihrem Rabuiiier Abscnied nahmen, und das Gelöbnis ihrer Vertreter (Herr Carl Goldschmidt und Herr Samuel H o d e s), die in herzlichen Worten den Dank Tausender zum Ausdruck brachten. Der Schabbos-Gottesdienst war besonders feierlich ausgestaltet. e. Aufruf für die Adar-Aktion des Keren Haiischuw R6Qn. Hie P«. RUtina-Centrale der Agudas Jisroei, Frankfurt n W. (Schwancnstr. 12, Postsdieckkouto i Un. r>i9'JU) bittet um B»>U-.n.r.tgabc des iiacltoiehaiuen Autrutes: Nach Ere/ Jisroei sind agudistisehe Arbeiter gekommen, erfüllt vom Geist der Thora und entschlössen, als Arbeiter der Thora ihr I ganzes Leben der Idee einer auf heiligem Boden unter der Herrschaft I der Thora zu errichtenden Volksgemeinschaft zu weihen. Ganz , haben sie sich in das Vertrauen derer gestellt, denen die Thora auch I heute noch die i_ebensseele des jüdischen Volkes bedeutet. Sie I haben es aber auch erfaßt, daß jede Auffassung des Judt nlums, die j mit der Thora unvereinbar ist, nicht allein mit Wollen wkieriegi werden kann, daß vielmehr nur Taten die ewige Aktualität der Thora und ihre unverminderte Kraft erweisen können, das jüdische Volk<- dasein zu gestalten, die jüdischen Menschen zu produktivieren und die wirtschaftlichen Probleme gerecht zu lösen. Der ungeheuren Versuchung, im Anschluß an große und starke Arbeiterorganisationen ihr Dasein zu sichern, haben sie mit wahrem M'ssiruth Hanefescli widerstanden. In der Histadruth Poale Ajzudas Jisroei haben sie die Arbeiterorganisation der herrschenden Thora gebildet. Auf euch haben sie vertraut, denen das jüdische Nationalheim nicht vorstcühai ist, wenn es nicht zugleich das Nationalheim der Thora wird und bleibt. An euch ergeht daher der Ruf': Lasset eure eigenen Söhne und Töchter nicht im Stich und verratet nicht ein Vertrauen von wahrhaft erschütternder G r ö ß e! Aus eigener Kraft kann keine Arbeiterorganisation in den ersten Jahren bestehen! Ohne eure Hilfe muß sie zum Erliegen kommen. E< gibt keinen Grund, der ein Versagen rechtfertigen könnte, glüht in eurem Herzen auch nur ein Funke der Liebe zur r I