Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-03-06 · 10 (6.3.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
10 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4876568-5968812-5971974--5836-4882024
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12. Jahrgang - Nr. 10 Aufiage 3600 Stück I Ol, 6. Marz 1936 KV. K* iliiiüiiS!^ v^BBH^o^PK-^K'^^^R^^P DER ISRAELITISCH EN RELIGIONSGEMEINDE. ZU LEIPZIG gpi ^^Z^^Z^^^Zi AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Den nachstehenden Aufruf empfehlen wir herzlich der Beachtung durch alle unsere Qemeindemitglieder. Leipzig, den 28. Februar 1936. Rabbinat der israelitischen Religlonsgemelnde zu Leipzig Wohlfahrtsamt der israelitischen Religionsgemeinde zn Leipzig Rabbiner Dr. Carlebach, Rabbiner Cohn, Rabbiner Rogosnitzki Metzner MOAUS CHITIM Auch in diesem Jahr wendet sich der Moaus-Chitim-Ausschuß an unsere Qemeindemitglieder mit der herzlichen Bitte, durch Gewährung reichlicher Spenden dazu beizutragen, daß der besonderen Fürsorgepflicht während der Ptssachtage ausreichend Genüge geschehen kann. Unter der Last der wirtschaftlichen Not ist die Zahl der zn betreuenden Familien ganz betrichtlich gewachsen, so daß ein ungewöhnlich hohes Maß von Anforderungen zu erfüllen sein wird. Es bedarf keiner besonderen Betonung, wie dringlich die Aufgabe ist, die unserem Ausschuß alljährlich obliegt. Die Pflicht, an den Pessachtagen dem Bedürftigen M»77o*h 711 geben und ihn in die Lage zu versetzen, die Pessschtage in Ober sang mit den alten fiberlieferten Vorschriften zu begehen, ist in ihrem besonderen Ernste allezeit anerkannt gewesen. Sie-soll auch inmitten unserer Gemeinde in ihrer ganzen Gewichtigkeit Beachtung finden. In Anbetracht der herrschenden Not muß die freiwillige Hilfstätigkeit umso mehr einsetzen, da die Gemeinde angesichts ihrer be- •chriskien Mitte! nicht mehr in dem früheren Maße helfend eingreifen kann. Der Ausschuß bittet, die dem genannten Zwecke zugedachten Spenden zu überweisen an Herrn Samuel Hodes (Postscheckkonto Nr. 56640 Leipzig). Auch jeder der unterzeichneten Herren nimmt Spenden entgegen. Leipzig, den 28. Februar 1936. . Der Moaus-Chitim-Ausschuß: S. Hodes P. Gelberg J. Ader Max Kallmann 1 Qi^rnhtfim j. ......---• — J. Badt G. Nathansen IM T arrt-r Dr. J. Braude Dr. Nobel A. Bromberg Vielleicht nur darum. „— und wenn du schweigst in solcher Zeit-----" Esther, Kap. 4, 14. Der Augenblick, in dem in Israels Bethäusern die Megillah entrollt wird und die Stimme des Erzählenden die Geschichte von Not und Errettung beginnt, die da anhebt: „Es war in den Tagen des Königs Ahaschwerosch____", dieser Augenblick steht zwischen den beiden Quellströmen, aus denen das Purimfest zusammen* auacht. Er steht zwischen dem Ernst und der Strenge eines Fasttags und der fast üppigen Fröhlichkeit, mit Jci man im jüdischen I laus das Test feiert. In den langen Stunden des Frühlingstags ist unsere Welt wieder vom Grau der Asche trüb, von der schmerzvollen Erinnerung schwer gewesen. In unserem Fasten ist die ewige Wiederkehr der Angst und des Verzagens, das Aufseufzen um Rettung, aber auch die schwermütige Erkenntnis, daß Israel niemals ohne sein eigenes Zutun leidet. Jeder Tanis stellt uns vor die Frage nach dem eigenen Verhalten in der Welt, zum Nächsten und zur Umwelt, in jedem Tanis ist die Selbstbesinnung auf Israels Weg und Wesen mit eingeschlossen, und in jedem ist darum auch die Forderung zur Umkehr und der Trost, daß jede solche Umkehr von einem Irrweg wieder eine Hinkehr zur eigenen, gottgegebenen, gottgewollten Kraft ist. In jedem Fasten ist die Wegwendung von den Dingen des Tags mit seinen materiellen Sorgen, mit seiner Verhaftung an die Dinge, die uns als ein Wert erscheinen und doch nur Tausch- oder Geldwert haben, mit seiner Vereisung durch die Selbstsucht. Jeder Tanis löst Krusten um uns und Verschlackungen in uns auf -- er löst, und eben darum läßt er etwas von Erlösung ahnen. Während aber der Tanis und mit ihm die Wiederkehr der Todesfurcht und Lebensangst in die Dämmerung hineinsinken, bricht das heiiere Fesiiichi des Furimabenüs hervor. Die boten mit Cen freundlichen Gaben gehen von Freundeshaus zu Freundeshaus, die Hausfrau überblickt die Vorbereitungen für die Se'uda des kommenden Mittags, die Kinder lärmen in fröhlicher Ausgelassenheit und murmeln noch lasch die Verslein und Rollenworte, die zu der Purim- Aufführung gehören — fast scheint der Grund des Festes vergessen — Esthers holde Gestalt geht vorüber, und Mordechai hat sich aus der Asche erhoben. Denn es will uns scheinen, Purim sei Esthers Fest. Der strenge, ernste, kluge Mann tritt in unseren Liedern und Sagen hinter der Morgen Sonntag EintopfSammlung! Spendet reichlich!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.