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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-02-28 · 9 (28.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
9 (28.2.1936)
Date
1936-02-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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12. Jahrgang - Nr. 9 Auflage 3600 Stack \i k 28. Februar 1036 ^^Z^2^z^?^^] DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Herrn Rabbiner Dr. Ephraim Carlebach zum Abschied. Wenn in diesen Tagen unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Carlebach von Leipzig scheidet, ist es wohl angebracht, Rückschau zu halten und einem weiteren Kreise vor Augen zu führen, was seine Persönlichkeit und sein Wirken für die Leipziger Gemeinde bedeutet haben. Als Herr Dr. Carlebach vor .ib Jahren sein hiesiges Amt antrat, fand er in einer liberalen Gemeinde einige wenige fromme Familien vor, die sich bemühten, altjüdische Traditionen in Haus und Synagoge zu pflegen und ihre Kinder in diesem Sinne zu erziehen. Besonders die kindererziehung, der Unterricht in einer orthodoxen Religionsschule sollte Sache des jugendlichen Rabbiners sein, der alle Voraussetzungen für dieses Aiiit iiutui diiuc. iicüiye Begeisterung für ein Leben im Geiste der Thora neben einem weltoffenen Sinn und einer gediegenen weltlichen Bildung, ein junges, die Jugend verstehendes Herz neben inniger Bindung an jede kleinste Tradition des frommen elterlichen Rabbidas ist noch jerzi seine höchste 1 § iitn -»». . m! * i;;ti)e und »iie Bereitschaft, über den kleinen Kreis seiner Gesinnungsgenossen hinaus mit Liebe und Hingabe in die Breite zu wirken und seinen Idealen Geltung zu verschallen. Erfolg« konnten ihn nur anspornen, das Ziel weiter zu stecken. Keiften einmal seine Träume nicht, so gab es kein Resignieren, mit eisernem Willen suchte er andere Wege zum Ziel. Bei seinem Scheiden läßt er eine Gemeinde zurück, in der jüdisches Interesse Allgemeingut geworden ist, und in der. die Orthodoxie dank seiner unermüdlichen Tätigkeit einen beachtlichen Faktor darsteiit, an dein niemand vorübergehen kann. Es war ein besonderes Glück für ihn, daß er seine Tätigkeit in erster Linie als Lehrer zu beginnen hatte. Junge Menschen um sich scharen, ihnen abgeben von den reichen Geistesschätzen, die er gesammelt, sie entflammen an der heißen Liebe zu jüdischer Überlieferung, die ihn selbst erfüllt, sie mitreißen in der Übung der Miz- WOth, in der Freude am Lernen Freude, das hat unseren Dr. Carlebach durch die Jahrzehnte zum geliebten und verehrten Freunde der Jugend gemacht. Als Lehrer hat er sich seine treuesten Freunde erworben, über die Herzen der Kinder fand er den Weg zu den Eltern. Was er als Gründer und Leiter der Jüdischen Schule für Leipzig geleistet bat, ist im vorigen Jahre anläßlich seines Scheidens von der Schule an dieser Stelle gewürdigt worden. Gab es auch kurzsichtige Leute genug, die die eminente Bedeutur.g dieses Werke« nicht erkennen wollten, so hat doch auch gerade das Schulwerk ihn aufs innigste mit hilfsbereiten Menschen verbunden, die das Panier der Thoratreue weitertrugen in die Gemeinde »nH in die Gemeindestube hinein. Überhaupt war ihm das Glück beschieden, in seiner Umgebung Verständnis für sein Wollen zu finden. Er, dem Schönheit und Harmonie lebensnotwendig sind wie die Luft zum Atmen, sah seine Gemeinde von einem .....• t>CthdUb in dtta aJItone G'tieshiiüa in der KcilsiraSe ziehet! und wußte dort die Beter zu siüci geordneten Gemeinschaft zusammenzuschweißen, bei deren Gesang dem Zuhörer der Begriff der betenden Gemeinde klar wurde. Und man muß seine Freude miterlebt haben, als der von ihm so hochverehrte Herr Eitingon s. A. die Synagoge Ez Chajim erbauen ließ und Herr Dr. Carlebach beglückt den äußeren Rahmen für sein Wirken fand. Denn je größer der Kreis seiner Zuhöret ist, je lliehf die Heizen durch die Stimmung des Raumes, durch Gebet und Gesang eines geschulten Chores, eines künstlerischen Chasons erhoben sind, desto mehr hat er ihnen zu sagen. Er scheut sich nicht, zu „predigen" im alten Sinne, Fehler aufzudecken, Mussar zu sagen, zu mahnen und zu erklären. Aber er weiß auch meisterhaft die Zusammenhänge in unseren heiligen Büchern aufzuzeigen, Meinungen alter Erklärer mit modernsten ideen zu verbinden und stets Bedeutsames Ml sagen. Sonntag, den 8. März 1936, Uintopfsaiuinluiig! Helft Hunger bannen!

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