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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-02-21 · 8 (21.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
8 (21.2.1936)
Date
1936-02-21
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEiNDE ZU LEIPZIG 21. Februar 1936 vorgeschrieben sind und Zusätze über Kassenzulassung und derg!. hinzuzufügen. Die zulässigen Facharztbezeichnungen sind folgende: 1. Chirurgie, 2. Frauenkrankheiten und Geburtshilfe, 3. Orthopädie, 4. Augenkrankheiten, 5. Hals , Nasen-, Ohrenkrankheiten, (). Haut- und Geschlechtskrankheiten, 7 Erkrankungen der Harno-gaue (Urologie). 8. Nerven- und Geisteskrankheiten. 9. Röntgen- URO I ichtheilkunde, 10. Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (hierzu auch Approbation als Zahnarzt erforderlich), 11. Innere Medizin, 12. Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, 13. Lungenkrankheiten (Erkrankungen der Luftwege), 14. Kinderkrankheiten. Fncharztbezeicb muigcn, die andere oder mehrere Fächer betreffen, dürfen nicht geführt werden. Ebenso ist die Verbindung einer fachärTtlichen mit einer aUgemcinärztlichen Bezeichnung unzulässig. Härtebeiiiilfe. Nach einer Verordnung vom 7. 2. 1930 (RGBl. I, 5. 62) erhalten bedürftige Personen deutscher Staatsangehörigkeit, die im Inlande ihren Wohnsitz haben und das Angebot auf Zinsherabsetzung nach den Zinsermäliigungsgesetzen vom 24. I. und 27. 2. 35 angenommen ..haben, auf Antrag eine i läriebeihilte," wenn sie nachweisen, daß 1. sie mindestens seit dein 31.!2. 1934 Eigentümer der im Zins gesenkten Wertpapiere sind, 2. der Gesamtbetrag ihrer Einkünfte im vergangeneil Kalenderjahr den Betrag vnn RM 12<tQ.— nicht überstiegen hat; die Einkommensgrenze erhöht sich für den Ehegatten um RM. 300.— für jedes Kind um RM. 200.—, 3. sie ihren Lebensunterhalt im vergangenen Kalenderjahr zu einem wesentlichen Teil aus den Erträgnissen von Wertpapieren bestritten haben, deren Zinsen auf Grund der genannten Gesetze ermäßigt worden sind. Die Hältebeihilfe wird vom 1. Juli 193b an gewährt und im voraus in zwei gleichen Teilbeträgen jeweils am 1. 7. und 2. 1. ausgezahlt. Der Antrag auf Gewährung einer Härtebeihilfe für die Zeit vom 1.7.1936 bis 30.6.1937 ist im Februar 193b zu stellen, und zwar bei dem Bezirksfürsorgeverband, in dessen Bezirk der Antragsteller wohnt oder sich nicht nur vorübergehend aufhält. Neue Bücher. Familien ziehen nach Palästina. S. Schachnowitz: Flucht in die Heimat. Ein Dokument der Zeit. Frankfurt a. M. 1935 (I Iermon-Verlag). Paui Dobranicki: Die Tondowskls. Eine Familie geht nach Palästina. Roman Berlin 1935 (jo3.chim Goldsteiii Vertag). Wir brauchen nur im Buch des Lebens zu lesen, und wir sehen in den wechselvollen Schicksalen der Menschen um uns so viel Romanstoff, daß sich Band um Band füllen ließe: aber die Zu sammenfügung noch so interessanten Stoffes berechtigt nicht zur Schaffung eines Romans, wenn nicht Gestaltungskraft, dichterische Phantasie, Beherrschung der Sprache, psychologische Vertiefung den Stoff zu formen imstande sind. Alles dies läßt das Buch .,Die Tondowskis" vermissen. Wir stehen verwundert vor der Frage: Was hat den Joachim Cioidstein-Verlag zur Herausgabe dieses Buches veranlaßt? Vielleicht der Wunsch, einem literarisch anspruchslosen Publikum! eee«tcff zu bieten? C» mag sein, daß die lebhafte Handlung des Buches manchen zu fesseln vermag, aber damit ist den Ansprüchen, die wir auch an eine gute Volksliteratur zu stellen haben, längst nicht Genüge getan. Gerade ein Volksbuch muß Geist und Gemüt etwas bieten. Vor allem muß ein jüdisches Volksbuch, das von Palästina spricht, von Ehrfurcht vor der religiösen Kraft des alter, und dein Aibeiiswiiien des neuen Palästina erfüllt sein. Es dart sich nicht damit begnügen, in oberflächlicher Weise, wie es im vorliegenden Buche geschieht, seichte Liebesgeschichten zu erzählen, zu denen zufällig Palästina den äußeren Rahmen bietet, oder Schilderungen von luxuriösen Festen zu geben, die von jedem ernsten Menschen als Auswuchs betrachtet werden müßten, falls die Darstellung der Wirklichkeit entspricht. Wir könnten ein RestrcV.: - V* r-(-- ' * ■ _ . |. ' / ■ ' * ' " ~ ff" 'ii -Y- V* '••-;*- :ii »UTHt KUITl Ci":;1 ~: [TcrHtUr *'■■ SCuällCU. V iT- - .steh*«,, aber '.vir-tnuw.! Hhü "wüus.chen.'Tfciß "ciü Tüctisi«*" aiiuiicnes Werk um viele vieie Stuten höher steht. Auf einem wesentlich anderen Niveau steht der Roman „Flucht in die Heimat" von S. Schachr.cwitz. Vor allem!iC"t ihm sittlicher Ernst und tief religiöse Gesinnung zugrunde. Das Buch heißt im Untertitel „Ei:: Dokument dei Zeil- und behandelt die innere Wandlung einer völlig indifferenten jüdischen Familie zu orthodoxer Lebensauffassung. Die veränderten Lebensumstände der Gegenwart, verbunden mit schwerem persönlichem Leid, haben diese Familie seelisch stark erschüttert, sie aus ihrer religiösen Gleichgültigkeit auf. gerüttelt. Aus dieser Veiiuneriiciumg heraus findet sicdenWeg zc Gott und zu den uralten Ausdrucksformeu jüdischer Frömmigkeit. Anreger und Wegführer in das Judentum und späterhin in das Judenland ist ihnen der jüngste ^ohn. Jüdische Menschen in ihrer Beelischen Not gewinnen Zuflucht in ihrem seelisch-heimatlichen Bezirk, dem Judentum. Sie fühlen sich geborgen und erringen eine neue Lebensbejahung. Das ist die Tendenz des Buches, die vom jüdischen Standpunkt durchaus zu bejahen ist, vom künstlerischen vielleicht etwas zu stark aufgetragen erscheint. Eine etwas feinere Untermalung und Vertiefung der psychologischen Vorgänge würde den Wert des Buches noch erhöhen. Dagegen sind alle Schilderungen äußerer Vorkommnisse von packender Lebendigkeit. Das Leben in einem Hachscharah-Kibbuz, der Freitagabend in einem jüdischen Patrizierh.nus. em Sijum in einem ostjüdischen ueiehrtenkreis ist so lebendig, mit humorvollem Ernst geschildert, daß man es mitzuerleben meint. Mit der gleichen lebendigen Erzählerkunst schildert der Verfasser eine Palästina-Reise in ihren verschiedensten Stadien, die schon von der tisenbahnfahrt an echtjüdisches Gepräge zeigt. Jüdische Lebensform, wo auch, immer diese Menschen sich bewegen. Bereichert wird das Buch durch interessante Behandlung von Zeitfragen, beispielsweise eine Gcgeniiher>-te!h:ng chaluziseüer und j uiassuiischer Anschauung Handlung, Schilderung, Problemstellung j rechtfertigen den Untertitel „Ein Dokument der Zeit". Die vollständige deutsche Übertragung des Babylonischen Talmud von Lazarus Goldschmidt. Dieses zwölfbändige Monumentahverk, an dem Lazarus Goldschmidt seit dem Jahre 1896 arbeitet, steht jetzt vor dem Abschluß. Soeben gelangte der 11. Band des Werkes, das der Jüdische Verlag, Berlin W 50, trotz der Ungunst der Zeit ohne jede Unterstützung von anderer Seite herausgibt, zur Ausgabe. Er enthält die Traktate Chulin, Bechoroth und Arachin. Der 12. (Schluß-) Band, mit dem diese erste und einzige vollständige Übersetzung des Babylonischen ' Talmud in eine europäische Sprache yyjp Abschluß gelangt, erscheint ' voraussichtlich schön im Frühjahr 1936. Damit ist nicht nur das Lebenswerk Lazarus Goldschmidts vollendet, sondern auch eine der schwersten verlegerischen Aufgaben des Jüdischen Verlags durchgeführt. — Die vollständige deutsche Übertragung de-- Babylonischen i aimud (einschließlich der Mischna) reiht sich dann den großen Standardwerken des Jüdischen Verlags an, die dieser in den letzten Jahren ebenfalls bereits zum Abschluß gebracht hat. Es sind dies die zehnbäudige- „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" von Simon Dubnow, mit dem Illustrationsergänzungsband „Die Welt der Bibel" von Max Soloweitschik, Dubnows zweibändige „Geschichte des Chassidismus"; das fünf bändige Jüdische Lexikon, die Gesamtausgabe der Zionistischen Werke Theodor Herzls in 5 Bänden, Arthur Ruppins „Soziologie der Juden" in 2 Bänden. Von Adolf Böhms „Zionistischer Bewegung" erschien bisher der 1. Band, während der im Jahr 1936 erscheinende 2. Band in Vorbereitung isr. Von anderer. Standardwerken desselben Verlags gelangten in Neuauflage zur Ausgabe: Achad Haam, AI parasenath derachim (4 Bände in hebräischer Sprache); Prof. Joseph Klausners umfangreiches Werk „Jesus von Nazareth". Von den Gesammelten Werken Mendale Mocher Sforims erschienen im Jüdischen Verlag bishei 4 Bände. Arthur Eloesser, Vom Ghetto nach Europa. Das Judentum im Geistesleben des 19. Jahrhunderts. Zu dem Ende Februar in der Jüdischen Riichvereinijgung (JBV) erscheinenden Buch von Ariiiur tioesser stellt uns die JBV folgende Selbstanzeige des Verfassers zur Verfügung: „Vom Ghetto nach Europa"! Der Aufbruch aus dem Ghetto geschah, als Moses Mendelssohn von Dessau nach Berlin wanderte. Die zwei Tagemärsche waren eine ..Hedschra" eine Flucht wenigstens aus einem Ralboricni in den Occident. Nach Europa — das war Deutschland, das Land der Aufklärung im Zeitalter der Humanität. Es versprach dein damals in geistiger Enge erstickenden Judentum eine äußere und innere Befreiung. Die geistige Entwicklung Hes modernen Judentums hat sich im wesentlichen zwischen den deutschen Grenzer, abgespielt. Dort ist auch die Wissenschaft vom Judentum entstanden, em liistorisehes Bewußtsein seiner selbst, das einer neuen, tatfähigen Selbstbesinnung vorausgehen mußte. Der Anteil der deutschen Juden an der Literatur ihres Landes ist stärker als der der französischen oder der englischen in ihren Adoptiv-Vaterländern. Die wesentliche Pmhlematik des Judentums hat sich in der Mitte Europas zusammengezogen. In der Mitte der Darstellung steht Heinrich Heine; er ist und besonders als Jude das ganze 19. Jahrhundert von Anfaiig bis zu Ende; was man an ihm Zerrissenheit nennt, ist die seiner Zeit und seiner Lage. Die Darstellung geht von der Epoche der Aufklärung über die der Romantik und des Revolutionszeitalters bis zu der bürgerlichen Weltansi'haiinncr Hoy Uhrrnjhrr»?1.!"•• war für da.. Judentum d!-.. 7.-A-. -.irr Ässhnllferung, und wird /.u /.eigen gwwicht, «rss nie ' . Juden gegeben, was sie dem Judentum als einem Ganzen genommen hat. So ist das Buch auch aktuell. Es ist eine historische Abrechnung, WO jeder Rückblick auf den zurückgelegten Weg auch Vorschau de« künftigen ist, und sein Zweck wird erfüllt, wenn es auch unter heutigen Verhältnissen auf den neuen Aufbruch des Judentums, vor allem auf seine Haltung einwirken kann. Jubiläumsband der Schockenbücherei. Die zu allgemeiner Beliebtheit gelangte Bücherei des ^choekeu- Verlags brachte als Jubiläumsband: Brautbriefe von Moses Mendelssohn. Gleichzeitig erschienen zwei Erzählungen von Scholem Alechem. Scholem Alechem: Arm und Reich. Zwei Erzählungen. Aus dem Jiddischen übersetzt v. Fega Frisch. M. 1,25. Der bekannte Erzähler schildert hier das Leben der ostjüdischen Kleinstadt von seiner ernsten und heiteren Seite. (Band 48.) Moses Mendelssohn: Brautbriefe. Mit einem Geleitwort von Ismar Elbogen und mit Illustrationen. Doppelband in Ganzl. M. 2.50. Dieser Jubiläunisband der Bücherei bringt anläßlich des 150. Todestages von Mendelssohn eine Auslese der Briefe an Fromet Gugenheim, die einen Einblick in die innigen Beziehungen Mendelssohns zu seiner späteren Frau vermitteln. (Band 49/50). Jüdische Lesehefte des Schocken-Verlags.' < Has Jüdische Jahr. Betrachtungen, Schilderungen und Erzählungen. Ausgewählt und übersetzt von Gertie und Julius Stern. (Heft 8.) Beiträge von Schalom Asch, Perez, Scholem Alechem, D. Kimchi. aus dem Midrasch und dem Schulchan Aruch ergeben ein lebendiges Bild des jüdischen Jahres.

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