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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig · 1936-02-21 · 8 (21.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
Volume
12 (1936)
Issue
8 (21.2.1936)
Date
1936-02-21
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 QEMEINDEBLATT DER ISkAELITiSCHEN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG 21. Februar 1936 rutungssteiien für Altersversorgung ein und empfehlen damit die Sicherung des zukünftigen „Pensionspreises" für den ein Heim oder eine Pension aufsuchenden älteren Menschen. Versicherungsgesellschaften sind gute Rechner, sie werden daher bei der Verwertung der erforderlichen Kapitalien bestimmt nicht zu kurz kommen. Für ihre Leistungsfähigkeit ist das auch notwendig. Wenn sie mit ihrem Tun nur dem allgemeinen Nutzen dienen, so mögen sie das ruhig mit eigenem Nutzen bewerkstelligen. Uns aiie können sie doch — wie jede Kranken , Unfall-, Haftpflicht-, Lebensversicherung — vor leiblichen und seelischen Sorgen und unerwarteten Zufällen bewahren. Welche Summen notwendig sind wie der Rentensatz berechnet wird, das sind geschäftliche Angelegenheiten, die hier nicht interessieren. Dagegen ist schon die Sicherung vor Vermögensverfall beachtlich, die dem Einzelnen, dem vielleicht Lebensfremden und Geschäftsunlomdigcn, gebenen werden kann. Besonders bedeutsam aber wird eine solche Leibrentenversicherung für Familien, deren junge Glieder auswandern und die älteren schweren Herzens zurücklassen müssen. Hier ergeben sich Ausblicke, die Kindespflichten zu sichern, finanzielle Möglichkeiten zu erfassen und die Sorgenlast für die Zukunft ein wenig zu erleichtern. Welch ein seelischer Auftrieb liegt in dem Bewußtsein, daß für die Uaheimgebliebenen gesorgt ist! — Wenn dann die junge Generation draußen Wurzel geschlagen hat und die Zurückgelassenen später nachkommen lassen will, dann werden sich vermutlich auch Regelungen der Rentenversicherung finden lassen. Prof. Seligmann - Berlin. Gedanken um die „Jüdische Auswanderungsschule1' von Heinz H. Weesenstein. Am 16. Januar lQ3b wurde die „Jüdische Auswanderungsschule" gegründet. Bei den Bemühungen um das Schicksal und die Zukunft der nichtzionistischen Jugend wird dieser Schule eine bedeutende Aufgabe zufallen. Wir lasen kürzlich an dieser Stelle des Gemeinde Lieder", von den Orten, wo die Grabsteine der Ahnen die Sprache unserer Geschichte sprechen. So werden die jungen Menschen in dem neuen Heim in ein .eines und heiliges i )i.»spora-Judentum eingeführt. Schon diesjährige Schulentlassene werden dun ihre Ausbildung erhalten, einerseits die unbedingt notwendige weitere Schulbildung, andererseits eine gründliche handwerkliche, land- oder hauswirtschaftliche Lehre. Selbstverständlich trägt nun die Jugend nicht mehr allein die verantwortungsvolle Aufgabe auf ihren Schultern. Männer aus führenden jüdischen Kreisen haben sich zum Teil voll in den Dienst der Sache gestellt. Jede Polemik wird nunmehr vor dem Erfolg unsere Arbeit verstummen. Voller Zuversicht sieht der Bund Deutsch-Jüdischer Jugend auf «ein Werk, dessen Leitung in den Händen seines Freundes Professor Dr. Curt B o n d y liegt. Er bietet die Gewähr dafür, daß die jungen Menschen, die diese Schule absolvieren, eine hohe Allgemeinbildung mit einer großen beruflichen Fertigkeit vereinen, und daß sie von echtem Judentum durchdrungen sind, daß sie nirgends in der Welt die aufrechte Haltung verlieren können. So so!! für die nun einmal notwendige Wanderung außerhalb Palästinas eine Kerntruppe gestellt werden, die bereit und geeignet ist, die Führung der eine neue Heimat Suchenden zu übernehmen. Getreu dem Ausspruch ihres Bundesleiters Heinz Kellermann, daß der Bund Deutsch - Jüdischer Jugend „eine Gemeinschaft zum Leben ist". Jüdische Zeitschau. Die Beisetzung Ludwig Holländers. An einem trüben Februar» tage wurde f)r Ludwig Holländer, der ehemalige Direktor des C.V., auf dem Friedhof in Weißensee zu Grabe getragen, (n der großen Trauergemeinde waren die fuhrenden Köpfe des deutschen Judentums aus allen Lagern bei der Beisetzung vertreten. In besonders starkem Maße naturgemäß die leitenden Persönlichkeiten des C. V. und seiner Zweiggruppen, des K. C. und der Großloge, denen der Verewigte besonders nahe gestanden hat. Nach Harmoniumspiel nahm Rabbiner Dr. L e o B a e c k das Wort. Er legte seiner Grabrede die Worte des Wochenabschnitts zugrunde: „VVajhi jodow emuno ad bau haschomesch -- es war in seinen Händen Treue, bis die Sonne unterging". In Ludwig Holländers Wirken und Ringen, in seinem Mühen und Schaffen war eine Treue, eine Stetigkeit und Beständigkeit. Bis zuletzt war er uner- 7 TO jude wisse n/as JlcV. TP Olm sei hßfhstes SeboL liliii iiitllltlllHIIIIIIIIIIIU blattes von der Arbeit des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, von den großen Aufgaben der Beratung und Aufklärung, die er zu bewältigen hat. Uen Menschen, die sich eine neue txistenz suchen, konnte man nur durch sachgemäße Beratung helfen. Anders steht es um die Jugend, die noch in bzw. vor der Ausbildung steht. Bei dieser ist nicht nur „Beratung" und evtl. Unterstützung ausreichend. Es kommt darauf an, daß die ganze Ausbildung von vornherein auf den neuen Lebensweg ausgerichtet ist. Vorbereitungsstätten für Palästina sind genügend vorhanden. So ergriff man von der Jugend aus — und zwar im Bund Deutsch- Jüdischer Jugend — die Initiative, eine Ausbildungsstätte für die ^^ürid^runr* ir. snd^r? I!*ndcr 7M icli&ite.i : — der Aus* wsnn'eruag lag biili^i Eiu die Menschet! des Bundes DcuUcli-jüuioc'.it-i jugtiid wohl im Bereich der Möglichkeit, doch wurde er in dem Augenblick vordringend, in dem die Auswanderung für viele eine zwingende Notwendigkeit wurde. Wenn das Ringon um—die- Gemeinschaft echt war, konnte man sich nicht einfach von den Kameraden trennen, die gezwungen waren und sind, über die Grenzen zu gehen, um sich eine Existenz zu suchen. Die Gemeinschaft wurde notwendiger denn je, weil immer mehr Kameraden der Gefahr der Haltlosigkeit in seelischer und inaierieller Hinsicht dratt&en in der Welt ausgesetzt werden. Hinter dieser selbstverständlichen Verpflichtung, die Kameraden in schwieriger Situation nicht im Stich zU lassen, konnten und wollten junge, von dem Wert und der Eigenart des Judentums überzeugte Menschen die Idee nicht vernachlässigen. Die Entscheidung der jungen Menschen im Bunde ist gefallen. „Für sie kann es nur eine Haltung geben, in der sie mit freiem Gewissen bestehen können: nicht die Überheblichkeit dessen, der ein Recht nur auf seiner Seile glaubt und noch im Leid den Stolz auf eben dieses Leid in sich erfährt, sondern die einfache Gewißheit des das Leben Bejahenden, dem auch in der Bedrohung klar ist, daß ihm Aufgabe und Raum in der Welt unverlierbar zugeteilt ist." In der Erkenntnis, daß Judentum nicht an einen geographischen Ort gebunden ist, und - um mit Maybauni zu sprechen —, „daß die Stunde kommt, in der der Gott des zweiten Gebots uns gegenübertritt und fordert, keine Götter neben ihm zu Inben, heißt es, sich trennen von den liebgewordenen Bergen und Tälern, von den vertrauten Klängen der seit Jahrhunderten gesprochenen Sprache und müdlich in der Sorge um die Menschen und darauf bedacht, die Sache von Menschen zu vertreten. Helfen, beistehen, das war sein innerstes Bedürfnis. Langsam, bedächtig ist Ludwig Holländer zu seinem Judentum hingelangt, aber dann war es ihm Lehensziel geworden, der Inhalt von allem, das Zentrum seines Daseins, das, um dessentwillen es sich zu leben lohnte, um dessentwillen er immer tapfer, mutig, furchtlos mit dem schweren Gewicht seiner Waffen, mit der Ritteilielikeii seine» Känipfeus einzutreten und einzustehen bereit war. Zu früh hat Krankheit und Leid ihm so manches aus der Hand genommen. In seiner Hand war Treue, bis die Sonne unterging! Für. den «...V. und n?n k. t. «praeh Rechtsanwalt Dr. David Krombach, Essen. Ludwig iioiiänder, wie hoffnungsfroh klang es auf in unseren Herzen, wenn wir seinen Namen nannten und sein Werk auf uns wirken ließen. Dann stand er vor uns, der immer Äsche und bereite Führer, de. nach Hingäbe seines Berufes — ein ganzes Leben der Gemeinschaft, ihrem Glück, ihrer geistigen und sittlichen Entwicklung widmete, bis er schließlich sich selbst und seine Gesundheit dieser Gemeinschaft, uns allen allzu früh, aufgeopfert hat. Holländer lebte nicht nur der. Organ?« satiOSCQi üeien rührer er gewesen ist, er gehörte der Gesamtheit der Juden. Nichts Jüdisches war ihm fremd, überall, wo es galt, Jüdisches aufzubauen, war er mit ganzer Seele und ganzem Herzen und seinem reichen Können dabei, t.r erkannte, daß jüdische Gemeinschaft in unserer Mitte nur dann lebendig sei und sich nur dann weiterentwickeln könne, wenn wir uns das jüdische Fundament neu erarbeiten und befestigen. Aus dem Vermächtnis unseres Ludwig Holländers tönt uns vor allem seine eindringliche Mahnung entgegen: in ueecssariis unitas! Für die großen Aufgaben unserer Not ist die einheitliche Zusammenfassung aller Kräfte höchstes Gebot. Es darf nicht geschehen, daß Einzelgruppen ihre Sonderintcressen dem Ganzen voranstellen! Als letzter Rcdnci tief Di. Stephan S t e i n h a r t er namens des Freundeskreises und der Spinoza-Loge deren Abschiedsgrüßc nach. Der Redner wies auf die Treue hin, die Ludwig Hollander seinen Freunden gezeigt hat. Nach dem El mole rachamim, das von Oberkantor Friedm a n n ergreifend vorgetragen wurde, wurde der Sarg der Erde übergeben. Kurt Sabatzkv.

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