Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 8 (21.2.1936)
- Date
- 1936-02-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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12. Jahrgang - Nr. 8 Auflage 3700 Stück i iii, 21. Februar 1936 isiü ■ l'^^ÄMW. CIL" - - ,;w\-w^o^ /~^^^^^r/^ ^z^v^yz^^Nzl DER ISRAELITISCH EN RELIGIONSGEMEINDE ZU LEIPZIG AMTLICHES NACHRICHTENBLATT DER GEMEINDEVERWALTUNG Hbschiedsfeier für Xerrn ftabbiner Dr. Carlebach Wie unseren Gemeindemitgliedern bekannt ist, hat sich Herr Gemeinderabbiner Dr. Ephraim Carlebach schon vor längerer Zeit zu unserem schmerzlichen Bedauern aus Gesundheitsrücksichten veranlasst gesehen, aus seinen Ämtern auszuscheiden. Er wird, einer alten Sehnsucht folgend, in nächster Zeit nach dem Heiligen Lande übersiedeln, um dort, wie wir alle hoffen und wünschen, mit seiner Familie recht viele Jahre im wohlverdienten und gesegneten Ruhestand zu leben. Herr Dr. Carlebach wird sich als Rabbiner von unserer Gemeinde am Sabbat T'rumoh verabschieden, in der Synagoge JCeilstrasse am Ireiiag, 28. Jebruar 545 Uhr abends, in der ti-Chalm-Synagoge, Ctto-SMl-Sirasse, am Sonnabend, 29. Jebruar, vorm. Tredigt 1030 Uhr. I eihv.io den iR Fehr 1Q16 ---r ----- " 7? Der Vorstand, und die Verordneten der isr Relifrionsfremeinde zu f.eitziß. ........ O" O l o Alterssorgen. Die amtlichen Zahlen über den Altersaufbau der jüdischen Bevölkerung Deutschlands im Volkszählungsjahr 1933 liegen jetzt vor. Sie bestätigen im großen und ganzen die von ycn erfahrenen Statistikern (G. Wolff, E. Kahn) früher vorgenommenen Schätzungen. Rund 500000 Juden waren Mitte 1933 vorhanden, nicht weniger als 200000 von ihnen hatten das 45. Lebensjahr bereits überschritten. Nimmt man hinzu, daß seit dem mehr als zwei Jahre zurücklicgentV» Stf£l 11 i •'- ri"i> rrhi-Vilirh* '\l""-AV,,!n!' Ii1-1 Ü1"' S' 9 T?'r I ff I IIIH•""!""f die III» - " - - 1 - — K -M.- ^HtV.'IIM n- KtT MUMM III - 11% . \^ 1 erster Linie jugendkräftige Elemente, auch Kinder, umfaßte, so besteht kein Zweifel, daß heute in Deutschland etwa jeder zweite Jude älter als 45 Jahre ist! Demgegenüber hat die Zahl der Jugendlichen, der Träger jüdischer Zukunft in Deutschland, einen Tiefstand erreicht, der namentlich in den jüngsten Altersklassen erschreckend ist: es gibt erheblich weniger Kinder bis zu 10 Jahren, als Alte über 60 Jahre hierzulande! „Die Zahi ist das Wesen der Dinge,:, so iehrten schon die griechischen Philosophen des Altertums. So wird auch der zahlenmäßige Aufbau der deutschen Judenheit ihr Schicksal weitgehend beeinflussen, beinahe noch stärker, als alle Kümmernisse und Widrigkeiten des äußeren Lebens, als alle staatspolitischeh und wirtschaftlichen Hemmnisse. Und die Hand dieses zahlenbestimmten Schicksals pocht vernehmlich an die Pforten der Alten, der Altgewordenen und der Altwerdenden. Besitz und Vermögen tchwiuden dahin, Leistungsfähigkeit und Möglichkeiten selbständigen Erwerbs gehen zurück; Heime und Haushaltungen lösen sich auf; reibt doch die notwendig gewordene Auswanderung die Familien auseinander und nimmt vielen Kindern das Glück, dankbar den Eltern den Ehrenplatz im eigenen Heim zu bereiten. Es wachsen die Pflichten der jüdischen Allgemeinheit. Schon heute sind die Altersheime der Gemeinden und gemeinnutzigen Vereinigungen so stark gefüllt, daß oft lange Wartezeiten für die Angemeldeten erforderlich werden. Der Versuch auf privatwirtschaftlichem Wege für Unterbringung zu sorgen, sei es in Einzelpflegestellen, sei es in Pensionen oder in privaten Heimen, wird in seinen Erfolgsaussichten von den finanziellen Kräften der Pensionäre abhängig: sein; ja selbst die großen Gemeindeinstitutionen werden in absehbare? -Zeit vor -sSff.- -hrapeir.rcr Exilsten-^fähtgkr^t gestaHj setti, . wenn der fast unvermeintiiehe Schwund ilci ätcücikiüft'aahäit und die Verarmung der jüdischen Gesellschaft weiterschreitet. Und doch ist es unabweisbar, für die nächsten Jahre neueUnttikunftsmöglichkeiten für unsere Alten zu schaffen; Unterkunftsstättcn, die nicht von vornherein mit der Gefahr des Erliegens rechnen dürfen. Die Opferbereitschaft unter den Juden in Deutschland ist groß, die Mitte! mancher Gemeinden sind noch immer beträchtlich, an der Möglichkeit, neue Heime zu errichten, zweifeln wii nicht, ob sie »ich nun hier befinden werden oder — nach einem kürzlich in der „CV.- Zeitung" aufgenommenen Vorschlage — in Palästina. Aber damit allein ist es nicht getan; die Anstalten müssen für lange Zeit lebensfähig bleiben, sie müssen ihren Insassen ein Heim bieten und nicht Wohltaten, die gar zu leicht das wunde Herz beschämen. Der alte Grundsatz, sich durch eine einmalige Zahlung in ein solches Heim einzukaufen oder durch Stiftung einen Platz für Würdige zu schaffen, war gesund und eine Stärkung bereemi«'*" Selbstgefühls Er wird jetzt in einer neuen Form wieder lebendig gemacht: große Lebensversicherungsgesellschaften propagieren in diesem Zusammenhang den Gedanken der sogenannten „Leibrentenversicherung", richten Be- Morgen, Cnnn^n/f tjuiiuiag, Pfiirsd^ammlnncy' ftpht orprn nnrl yiplf 1 1UIIUOOIIIUIIUUIC \>vwi ^vi ii wiVI *